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Jun.-Prof. Dr. Anna Tuschling

Biographische Rahmendaten: Anna Tuschling forscht und lehrt seit 2010 an der RUB. Sie ist Juniorprofessorin der Arbeitsgruppe Räume anthropologischen Wissens.

Motto: In der Forschung Selbstverständliches nicht als selbstverständlich hinnehmen und in der Lehre kritische Fragen weitergeben und die Studierenden mit Begeisterung anstecken.

Julia Bandow

Interview mit Anna Tuschling

Sie sind Juniorprofessorin in der Mercator Forschungsgruppe „Räume Anthropologischen Wissens“ – Worum geht es bei Ihrer Arbeit?
Es geht darum, die Medien der modernen Affektforschung zu untersuchen. Ich interessiere mich insbesondere dafür, einen medienwissenschaftlichen Zugang zur lebenswissenschaftlichen Forschung zu gewinnen. Konkret untersuchen wir, wie seit dem 19. Jahrhundert die sich entwickelnden modernen Wissenschaften auf technische Verfahren wie Photographie, Film, Video Aufzeichnungen und andere Medien zurückgreifen. Die erzeugten Bilder sind nicht nur Illustrationen des Menschen und seiner Mimik, sondern sind als Medien integraler Bestandteil, um das Wissen über den Menschen hervorzubringen. An der Wissenschaftsgeschichte im 19 Jahrhundert lässt sich zum Beispiel gut zeigen, dass mit dem Aufkommen fotographischer Verfahren eine Wissenschaft der menschlichen Mimik und damit moderne Affektforschung erst entstehen konnte.

Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Forschungsfeld?
Besonders interessiert mich an meinem Forschungsfeld, dass ich medienwissenschaftliche Fragen im Bereich der Human- und Lebenswissenschaften anwenden kann. Ich finde es besonders spannend, gesellschaftliche und auch wissenschaftliche Abläufe auf ihre Unebenheiten hin zu überprüfen. Es ist ein großes Glück, dies im Rahmen unserer von der Stiftung Mercator sehr gut ausgestatteten Forscherinnengruppe im direkten Dialog mit wahlverwandten Disziplinen tun zu können.

Haben Sie bereits während Ihres Studiums eine akademische Karriere geplant?
Eigentlich nicht. Doch habe ich früh im Studium meine Begeisterung für wissenschaftliches Arbeiten entwickelt und während des Promotionsstudiums gemerkt, dass ich gerne in diesem Bereich weiterarbeiten will.

Was war Ihr Plan B? Was hätten Sie gerne beruflich gemacht, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?
Ich habe Psychologie studiert und zunächst geplant, als klinische Therapeutin zu arbeiten.

Karriere und Familie/Partnerschaft: Wie bringt man das unter einen Hut?
Sicher ist die Vereinbarkeit sehr stark abhängig von der Infrastruktur und der Organisation. Mit Unterstützung von allen Seiten, auch konkret durch die UniKids, die eine super Arbeit leisten, ist es zu schaffen, beide Felder unter einen Hut zu bringen.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?
Ich lese gerne Krimis. Sehr gerne spiele mit meiner Tochter, außerdem wandere ich. Ich koche und esse gerne.

Wenn Sie heute Rektorin der RUB wären, was würden Sie als erstes tun?
Ich würde meinen Fokus verstärkt auf das Miteinander verschiedener Wissenschaften und die Pluralität verschiedener wissenschaftlicher Ansätze richten. Ich würde versuchen dafür Sorge zu tragen, dass die Geistes- Kultur- und Sozialwissenschaften genügend Raum haben, um ihre Methoden und Forschungsfragen entfalten zu können.

Wenn wir zehn Jahre in die Zukunft sehen- was möchten Sie dann erreicht haben?
Ich möchte das junge spannende Fach Medienwissenschaft weiter gewachsen sehen. Das überbordende Interesse der Studierenden an diesem Fach ist sehr gerechtfertigt, da es eines der produktivsten Fächer in den letzten Jahren war (im Wintersemester 2011/2012 hier an der RUB über 8000 Bewerbungen auf unter hundert Studienplätze). Ich wäre sehr glücklich, wenn ich mich weiter am Aufbau dieses Faches beteiligen könnte. Mir wäre es ein Anliegen, eine größere Ausdifferenzierung und ein Sensorium für das Medienverständnis zu erreichen. Ich will helfen zu zeigen, dass nicht nur technische und digitale Medien, sondern auch andere mediale Bedingung integraler Bestandteil in unserem Leben sind.

Was ist Ihr Motto für Forschung und Lehre?
In der Lehre ist es mir wichtig, das kritische Fragen weiterzugeben und die Studierenden mit meiner Begeisterung anzustecken. Ich sehe, dass Studierende mit viel Druck und Angst Ihr Studium betreiben, ich würde ihnen mehr Freude mitgeben wollen. Für die Forschung finde ich es wichtig, das scheinbar Selbstverständliche nicht als selbstverständlich hinzunehmen.

28.11.2011