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Prof. Dr. Julia Tjus

Biographische Rahmendaten:
Julia Tjus forscht und lehrt seit 2009 an der RUB. Ihr Fachgebiet ist die Astroteilchenphysik.

Julia Tjus

Interview mit Julia Tjus

Sie sind Professorin an der Fakultät für Physik und Astronomie – worum geht es bei Ihrer Arbeit?

In meiner Arbeitsgruppe sind wir mit verschiedenen Methoden auf der Suche nach dem Ursprung der kosmischen Strahlung. Kosmische Strahlung ist radioaktive Strahlung, die aus dem Weltall kommt. Ihr Ursprung ist schwieriger ausfindig zu machen als etwa der des optischen Lichts. Optisches Licht fliegt im Gegensatz zur kosmischen Strahlung einfach nur geradeaus.

Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Forschungsfeld?

Zu versuchen, fundamentale Fragen zu beantworten – das ist ja generell in der Physik so. Was wissen wir über unsere Welt? Wie entwickelt sie sich? Wie ist sie im Kleinsten aufgebaut? Und zur Erforschung dieser Fragen einen Beitrag leisten zu können, ist wahnsinnig spannend.

Haben Sie bereits während des Studiums eine akademische Karriere geplant?

Nein! In meinem Umfeld sagte man mir zwar häufig voraus, ich würde diesen Weg einschlagen, aber geplant habe ich es nicht. Ich habe immer das gemacht, was mir Spaß gemacht hat und das hat mich hierher geführt.

Was war Ihr Plan B? Was hätten Sie gerne beruflich gemacht, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?

Da gibt es viele Sachen, die mich gereizt haben. Ich hätte mir auch gut vorstellen können, Lehrerin zu werden, weil es einfach Spaß macht, zu lehren. Ansonsten fand ich auch Journalismus sehr interessant und populärwissenschaftliches Arbeiten.

Sie engagieren Sich besonders für die Förderung von Nachwuchswissenschaftler/innen, genauer beim Mentoring. Was macht Ihnen dabei besonders Spaß?

Der intensive Kontakt mit Studenten. Man weiß ja, wie es sein kann in den ersten Semestern: Man muss sich nach der Schule zurechtzufinden in der Universitätsstruktur und da ist es schön, von Erfahrenen zu hören, wie die Hochschule funktioniert. Und dann lernt man die Situation der Studierenden heute im Bachelor/Master-System und ihre speziellen Herausforderungen besser kennen.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?

Im Moment genieße ich besonders das schöne Wetter! (Es ist Ende Juni 2010 und das Thermometer klettert in Bochum auf über 30 C) Dann gehe schon seit Jahren zum VFL ins Stadion. Und ich mache selbst gerne Sport, joggen zum Beispiel.

Wenn Sie heute Rektorin wären, was würden Sie als erstes tun?

Ich würde als erstes eine direkte Busverbindung zwischen den Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen schaffen. Die wissenschaftliche Vernetzung ist in manchen Bereichen ja schon weit vorangeschritten. Aber es ist schwierig z.B. mit öffentlichen Verkehrsmitteln die anderen Unis zu erreichen.

Wenn wir zehn Jahre in die Zukunft sehen – was möchten Sie dann erreicht haben?

Wissenschaftlich wünsche ich mir, dass meine Arbeitsgruppe dazu beitragen kann, den Ursprung der kosmischen Strahlung zu identifizieren. Wir sind dazu an einem Experiment in der Antarktis beteiligt, das den Namen IceCube trägt und gerade aufgebaut wird. Außerdem möchte ich bis dahin eine permanente Stelle haben. Bislang sitze ich hier auf einer Juniorprofessur mit TenureTrack-Option.

30.06.2010