RUB » Chancengleichheitsportal » Frauen leben Wissenschaft » Interview mit Katja Sabisch

Prof. Dr. Katja Sabisch

Biographische Rahmendaten: Frau Sabisch forscht und lehrt seit 2008 an der RUB.

Motto für Forschung und Lehre: Wer spricht von wo aus für wen?

Interview mit Katja Sabisch

Sie sind Juniorprofessorin für Gender Studies – worum geht es bei Ihrer Arbeit?
Die Gender Studies oder die Geschlechterforschung ist interdisziplinär aufgestellt und betrachtet Geschlecht als sozialstrukturelle und als kulturelle Variable. Wir schauen also, wie Geschlecht unseren Alltag strukturiert, unsere Sozialstruktur auch zementiert und wie es kulturell hergestellt wird.

Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Forschungsfeld?
Ich glaube, dass Geschlecht omnipräsent und omnirelevant ist, dass Geschlecht also überall im Alltag eine Rolle spielt und wir deshalb sehr viele Zugriffe, Methoden und Theorien entwickeln, um dem Forschungsgegenstand angemessen begegnen zu können, und ich glaube, das ist das Interessante, die Vielfältigkeit.

Haben Sie bereits während des Studiums eine akademische Karriere geplant?
Nein. Während des Studiums habe ich mich sehr viel mit Hochschulpolitik beschäftigt. Ich war selber AStA-Vorsitzende, habe sehr viel im Bereich der feministischen und antirassistischen Arbeit gemacht, aber eigentlich habe ich dabei nie an eine Hochschulkarriere gedacht.

Was war Ihr Plan B? Was hätten Sie gerne beruflich gemacht, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?
Ich glaube, ich wäre ganz gerne in die Politik gegangen.

Haben Sie beispielsweise während des Studiums einige Zeit im Ausland verbracht?
Nein, leider nicht. Ich wollte eigentlich direkt nach meiner Promotion ins Ausland, aber da ist mir dann die Bewilligung eines DFG-Projekts dazwischen gekommen, was ich sehr gut hier in Deutschland bearbeiten konnte. Ich hatte in Deutschland bessere Bedingungen für meine Forschung, und deshalb bin ich hiergeblieben.

Karriere und Familie – wie bringt man das unter einen Hut?
Schlecht *lacht* Man braucht ein gutes Umfeld, was mithilft, gute Bedingungen beim Arbeitgeber, die ich hier an der RUB sehen würde, und ein tolles Kind – habe ich auch.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?
Professorinnen arbeiten immer *lacht* Ich gehe mit meiner Tochter gemeinsam reiten – wir treiben uns auf Ponyhöfen rum, wie sich das für eine Mädchensozialisation gehört. Das Kind hat Priorität.

Wenn Sie heute Rektorin der RUB wären, was würden Sie als erstes tun?
Ich würde mir das Gleichstellungskonzept vornehmen, das wir für die Exzellenzinitiative entwickelt haben, und das würde ich umsetzen.

Wenn wir zehn Jahre in die Zukunft sehen – was möchten Sie dann erreicht haben?
Einen Sonderforschungsbereich in der Geschlechterforschung.

Was ist Ihr Motto für Forschung und Lehre?
Immer die Frage stellen: wer spricht von wo aus für wen? Das ist die Geschlechterforschungsfrage, die wichtig ist, um den kritischen Blick zu bewahren und die eigene Forschungsposition immer kritisch zu reflektieren.

 

30. Oktober 2012