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Jun.-Prof. Dr. Julia Bandow

Biographische Rahmendaten:
Julia Bandow forscht und lehrt seit 2008 an der RUB.
Ihr Fachgebiet ist Mikrobielle Antibiotika-Forschung.

Motto: Staunen ist der erste Schritt zu einer Erkenntnis.
Louis Pasteur (Französischer Biologe und Chemiker,1822-95)

 

Julia Bandow

Interview mit Julia Bandow

Sie sind Juniorprofessorin in der Fakultät für Biologie und Biotechnologie – Worum geht es bei Ihrer Arbeit?

Ich beschäftige mich mit Antibiotika-Forschung. Ich suche nach neuen Strategien zur Bekämpfung multiresistenter Bakterien, in der Hoffnung, dass wir auch in Zukunft gegen solche Krankheitserreger in der Klinik gewappnet sind.

Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Forschungsfeld?

Zwei Punkte finde ich sehr spannend: Der eine ist, dass man ein großes physiologisches Verständnis entwickeln muss, um zu verstehen, wie Zellen funktionieren. Nur so kann man Strategien entwickeln, die Bakterien-Zellen selektiv angreifen, nicht aber menschliche Zellen. Der andere ist: Antibiotika-Forschung erfordert eine sehr kollaborative Arbeit. Die Entwicklung eines Medikamentes kann nicht eine einzige Arbeitsgruppe leisten. Man muss sehr viele verschiedene Aspekte – etwa Pharmakologie oder Toxikologie – berücksichtigen, die wir in meiner Arbeitsgruppe nicht abdecken. Es macht mir sehr viel Spaß, mit Kollegen in den anderen Fachbereichen zusammen zu arbeiten.

Haben Sie bereits während des Studiums eine akademische Karriere geplant?

Ich war da sehr offen. Ich wusste, dass ich forschen wollte. Es war mir nicht unbedingt wichtig, dies speziell in einem akademischen Umfeld zu tun. Ich habe während meiner Doktorarbeit auf einer Tagung eine Wissenschaftlerin kennengelernt, die ihre Arbeiten in der Antibiotika-Forschung vorgestellt hat und habe sie gefragt, ob ich bei ihr eine Postdoc-Position bekommen könnte. Es stellte sich heraus, dass sie für eine große Pharma-Firma arbeitete, wo es keine Postdoc-Stellen gab, nur - wie sie es nannte -  „real jobs“. So bin ich erst einmal für sechs Jahre in der Pharma-Industrie gelandet.

Was war Ihr Plan B? Was hätten Sie gerne beruflich gemacht, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?

Einen Plan B gab es eigentlich gar nicht. Ich habe aber sehr viele andere Interessen und wenn es irgendwann mal in der Forschung nicht weiter geht, dann züchte ich vielleicht Bienen.

Sie haben einige Jahre in den USA in der außeruniversitären Forschung verbracht. Warum haben Sie sich entschieden, Ihre akademische Karriere in Deutschland weiter zu verfolgen?

Ich war in dieser Hinsicht sehr flexibel. Mein Ziel war es zunächst, eine Arbeitsstelle zu finden, die mir mehr Unabhängigkeit beim Forschen ermöglichte. Ich habe mit meinem Mann (Anmerkung: Lars Leichert, ebenfalls Juniorprofessor an der RUB) gemeinsam nach geeigneten Positionen gesucht, zum Beispiel auch in England und den USA. Nach Deutschland an die RUB zu kommen war letztlich für uns beide die beste Option.

Karriere und Familie/Partnerschaft – wie bringt man das unter einen Hut?

Mein Mann und ich haben ein Jahr gemeinsam nach einer Möglichkeit gesucht, in räumlicher Nähe zueinander forschen und leben zu können. Es war immer so, dass einer von uns  beiden ein Jobangebot hatte, das richtig gut war und der andere dann in der Nähe geschaut hat, welche Möglichkeiten es gab. Die RUB bot uns beiden Stellen an, in denen wir sehr unabhängig forschen konnten. Und deshalb sind wir auch hierher gekommen.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?

Ich habe einen riesigen Garten, der mir sehr viel Spaß macht. Dort kann ich z.B. die Bienen  direkt am Haus aufstellen. Ich habe Hühner und einen Hund - recht naturnahe Hobbys. Ich fahre auch gerne Fahrrad, z.B. zur Uni.

Wenn Sie heute Rektorin der RUB wären, was würden Sie als erstes tun?

Was ich in dem Unternehmen, in dem ich lange gearbeitet habe, als sehr motivierend empfunden habe, war die offene Anerkennung von Leistung. Wir haben hier an der Uni ja bereits in einigen Bereichen die leistungsorientierte Mittelvergabe, aber dies ist nur ein kleiner Bestandteil des Systems, das ich vor Augen habe. Es wäre z.B. sinnvoll, Räume leistungsorientiert zu vergeben. Und Mittel- und Raumvergaben nicht an die Lehrstühle zu koppeln, sondern an individuelle Arbeitsgruppen. Statt leistungsorientierter persönlicher Bezahlung könnte es auch ein Entgegenkommen für bestimmte Forschungsvorhaben geben, z.B. Anfinanzierung für neue spannende Projekte, oder ein Sabbatical, um Anträge auf den Weg bringen zu können oder neue Techniken in die Arbeitsgruppe zu bringen.

Wenn wir zehn Jahre in die Zukunft sehen – was möchten Sie dann erreicht haben?

Als Wissenschaftlerin möchte ich in Deutschland und möglichst auch in der EU ein Netzwerk von Forschenden geschaffen haben, in dem wir gemeinsam neue Antibiotika entwickeln. Ich sehe ein riesiges Problem auf uns zukommen, weil die großen Pharma-Firmen relativ wenig Antibiotika-Forschung betreiben und wahrscheinlich schon in fünf Jahren nicht mehr genügend Antibiotika zur Verfügung stehen werden, um Infektionen mit resistenten Krankheitserregern adäquat behandeln zu können. Mein Ziel ist es, Antibiotika mit zu entwickeln, von der Grundlagen-Forschung bis in die Klinik. Hier in Bochum möchte ich eine gut funktionierende, überschaubare Arbeitsgruppe haben, in der ich selbst aktiv an der Forschung beteiligt sein kann. Denn das ist das, was mir eigentlich am meisten Spaß macht.