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Artikel aus RUBENS 123 - 1. April 2008:

Stabile Stämme gesucht

Ende April wird in ND das Christian Doppler-Labor „Biotechnologie der Pilze“ eröffnet


Anwendungsorientierte Grundlagenforschung, Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen, Technologietransfer – wer sich diese Ziele auf die Fahne schreibt, trifft den wissenschaftlichen Zeitgeist perfekt. Die österreichische Christian Doppler Gesellschaft verfolgt genau diese Ideen mit ihren rund 50 CD-Labors. Ende April eröffnet an der RUB eine der ersten außerhalb Österreichs gelegenen Einrichtungen. Im CD-Labor „Biotechnologie der Pilze“ arbeitet das Team von Prof. Ulrich Kück (Lehrstuhl für Allgemeine und Molekulare Botanik) mit dem Pharmakonzern Sandoz zusammen. Ihr gemeinsames Ziel: Stabile gentechnisch veränderte Pilzstämme für die Herstellung von pharmazeutischen Produkten.

Den österreichischen Wissenschaftler Christian Doppler (1803-1853) kennt man vor allem dank des gleichnamigen physikalischen Effekts. Wie auch in Deutschland üblich (Max-Planck-Gesellschaft, Fraunhofer Gesellschaft) wurde im Nachbarland eine wissenschaftliche Vereinigung nach ihm benannt: die Christian Doppler Gesellschaft (CDG). Seit 2000 gründet sie an österreichischen Hochschulen Forschungsinstitute, die Christian-Doppler-Labors (CD-Labors). Ihre Finanzierung erfolgt je zur Hälfte durch die öffentliche Hand (Republik Österreich) und kooperierenden Mitgliedsunternehmen der CDG.
Durch dieses Modell soll ein Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung erfolgen. Die meisten Labors sind als Abteilungen an Hochschulinstitute angegliedert. So kann die bestehende wissenschaftliche Infrastruktur genutzt werden. Die Forschungsaufträge stammen von Partnern aus der Industrie. Die Laboratorien forschen im Auftrag und mit Unterstützung der Partner an einem Thema der anwendungsorientierten Grundlagenforschung. Die Spannweite der Forschung und Entwicklung an diesen Labors reicht von Physik, Elektrotechnik und Informatik über geometrische Anwendungen und Verkehrstechnik bis zur Biologie und Medizin.

Maximal sieben Jahre

Neuerdings reicht die Tätigkeit der Christian Doppler Gesellschaft über Österreich hinaus: Zu den ersten außerhalb Österreichs eröffneten Einrichtungen gehört das CD-Labor „Biotechnologie der Pilze“ am Lehrstuhl für Allgemeine und Molekulare Botanik der Ruhr-Uni. Die vier Labor- und zwei Schreibräume im Gebäude ND (Ebene 6) werden am 25. April offiziell eröffnet: mit Vorträgen und einer kleinen Feier. Finanziert wird das Labor von der CDG und vom Pharmakonzern Sandoz.
Mit der Firma Sandoz arbeitet Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Ulrich Kück schon länger zusammen, die Idee zum CD-Labor entstand vor etwa einem Jahr. Es folgten Anträge und Begutachtungen internationaler Experten. Zudem erklärte sich das Rektorat bereit, Räume zur Verfügung zu stellen. Dann kam das Okay aus Österreich und die Finanzierungszusage für zunächst zwei Jahre. „Daraus können maximal sieben Jahre werden“, erklärt Kück. In dieser Zeit werden bis zu 1,5 Mio. Euro in das Labor fließen: für technische Geräte wie Schüttler oder Inkubatoren und für wissenschaftliches und technisches Personal. „Vor allem das technische Personal ist enorm wichtig, denn bei der Forschung mit Pilzkulturen ist Handarbeit gefragt“, erläutert Prof. Kück und zeigt auf die mit frisch angelegten Pilzkulturen gefüllten Petrischalen und Kolben, die hier überall stehen.
Natürlich freut sich auch sein Team über die zusätzlichen Labore mit neuester Technik. „Davon profitieren auch unsere Studierenden, die wir hier ausbilden werden“, sagt Dr. Birgit Hoff, die genau wie Kück im CD-Labor arbeiten wird. Das Labor passt zudem hervorragend zum neuen Schwerpunkt der Fakultät, die seit ein paar Monaten Fakultät für Biologie und Biotechnologie heißt.

Instabile Hochproduzentenstämme

Mit gentechnischen und molekularbiologischen Methoden möchten die Biologen um Kück und Hoff folgende Frage beantworten: Warum sind bestimmte gentechnisch veränderte Stämme von Hyphenpilzen instabil? Die dabei in Bochum benutzten Stämme ähneln den Stämmen, die Sandoz nutzt, um Antibiotika, Immunosuppressiva oder Statine herzustellen und damit pro Jahr mehrere Milliarden Euro umzusetzen. Diese sog. pilzlichen Hochproduzentenstämme von Sandoz sind bislang jedoch sehr instabil und das beeinträchtigt ihre Produktivität. Das heißt im Klartext: Die Forschungsresultate aus dem CD-Labor Biotechnologie der Pilze der RUB liefern dem Industriekonzern Sandoz eines Tages das notwendige Know-how, ihre eigenen Stämme zu stabilisieren und so die Produktion zu optimieren.

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