Ausgelassenheit und Schwermut sind die beiden Extreme, zwischen denen die Musik von La Minor aus St. Petersburg schwankt. Die sechs Musiker von La Minor arrangieren russische Chansons und alte Ganovenlieder zu moderneren, lebendigeren und urbaneren Versionen um. La Minor verbreiten die Atmosphäre der Sowjetunion der 30er bis 50er Jahre und klingen wie der Soundtrack einiger guter, alter Filme dieser Zeit: nach verrauchten Spelunken, Gangstern und tragischen Liebesgeschichten.
Ihre komplett akustischen Versionen von Klassikern der russischen Straßenliedes entfernen sich deutlich vom russischen Folk der Originale. Bei La Minor gesellt sich zum Folk eine gute Portion Jazz und eine Prise jiddischer Klezmer. Deswegen wird ihre Musik auch als Odessa Beat bezeichnet: Die Stadt am schwarzen Meer ist stark jüdisch geprägt und eines der Zentren für Klezmermusik in Osteuropa.
Russischer Folk, Jazz und Klezmer
La Minor klingen jedoch schmutziger und auf eine angenehme Art verkommener als viele Klezmer-Interpreten. Kein Wunder, schließlich heißt Blatnyak, ihr erstes von insgesamt drei Alben, auf deutsch so viel wie „Knastlieder“. Auch optisch fügen sich die sechs Profimusiker in dieses Konzept ein, wenn sie im weißen Feinripp-Unterhemd und mit Schiebermütze auf die Bühne steigen und in atemberaubendem Tempo ihre eigenen Interpretationen von Klassikern ihrer Vorbilder wie Severnovo, Dimitrivitscha oder Morfessi intonieren. Der eine oder die andere kennt La Minor vielleicht bereits von ihrem Beitrag zum Russendisko-Sampler oder ihren letzten Auftritten in Bochum im Winter und Sommer 2004.
Kleinkriminellencharme
Gegründet haben sich La Minor im Jahr 2000 in St. Petersburg. Über alle Besetzungswechsel der vergangenen Jahre ist der Sänger und musikalische Kopf Sergej Schalgin der Band erhalten geblieben. Im Vergleich zu den letzten Auftritten von La Minor in Bochum hat sich in der Instrumentierung jedoch einiges geändert: Der Kontrabass wurde durch eine Tuba und die Gitarre durch eine Balalaika ersetzt. Balalaika, Schlagzeug, Tuba und Gesang bilden das musikalische Grundgerüst von La Minor. Unterstützt werden sie von einem Saxophon und einem „Bayan“ (ein russisches Akkordeon). Den Abend mit Gaunerjazz und russischen Chansons gibt es am Donnerstag, den 21.7., im Zwischenfall (direkt an der S-Bahn-Haltestelle Langendreer-West). Dann fehlen nur noch ein Gläschen Vodka und ein Zigarillo, um die russische Kleinkriminellenromantik komplett zu machen…
mac
Infos unter www.morezvukov.nl/laminor.html