Jubiläumslesung von Treibgut

Goosen kommt.

Es gibt nur wenige herausragende AutorInnen und exzellente PerformerInnen – und es gibt nur einen Frank Goosen… Und obwohl die Welt viel größer ist als immer behauptet wird, dürfen wir uns über die glückliche Fügung freuen, dass die personifizierte Literaturperformance aus Bochum am 27. Mai zur zehnten Jubiläumslesung der Initiative Treibgut im Kulturcafé zu sehen ist.

Dabei schildert Goosen in seinen Texten nicht nur die zum Glück immer noch nicht zur Weltstadt gewordene und viel besungene Gemeinde tief im Westen ungeschminkt, aber liebevoll, sondern fühlt sich als ehemaliger Student dieser Uni auch mit dem Betoncharme unseres Campus verbunden, der auch in seinem zweiten Roman Pokorny lacht (2003) hier und dort aufblitzt. Wer sich jemals ähnlich wie Frank Goosen hochschulpolitisch im alternativ-radikaldemokratischen Spektrum der Uni-Welt engagierte, wird so etwa bei der Parodie einer AStA-Wahlauszählungs-Veranstaltung Tränen lachen, wenn ein winziger betrunkener Mensch einem Großen, „der dastand wie ein Studentendenkmal“, eifrig erklärt, dass er trotz der Wahlniederlage weiter „Antikaminist“ sei.

Vom Tresenleser zum Romancier

Nach seinem ersten verkannten Auftritt als Dreijähriger im Speisesaal von Bad Godesberg bereicherte Frank Goosen als eine Hälfte des Duos Tresenlesen mit Jochen Malmsheimer satte acht Jahre und tausend Auftritte lang das Kneipenkabarett und engagierte sich an den Independent-Theatern Bochums organisatorisch wie kreativ. 2001 begann dann, ein halbes Jahr nach der Hochzeit und zwei Monate vor der „Auslieferung von Nachwuchs“, ein neuer Abschnitt seiner künstlerischen Karriere mit dem bemerkenswerten und viel beachteten Roman Liegen Lernen, der im Erscheinungsjahr des Nachfolgers Pokorny lacht sogar als erfolgreiche Verfilmung in die Kinos kam. Der Literaturpreis Ruhrgebiet – der wohl bedeutendste Preis dieser Region – ist für den mittlerweile zweifachen Vater der verdiente Lohn für eine Literatur, die genaue Betrachtung, Humor, Melancholie und unprätentiöse Raffinesse miteinander zu verbinden weiß. 2004 veröffentlicht er schließlich Mein Ich und sein Leben, eine gelungene Sammlung von Kurzgeschichten und Kolumnen, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben und auch ein treffender Blick auf das (pop)kulturelle Milieu der 70er und 80er-Jahre sind.

Von der Klassenfahrt bis zur Lesereise

Gerahmt wird Frank Goosens von Improvisation und Enthusiasmus veredelte Live-Performance am 27. Mai von absurd-hysterischen Campusgeschichten aus der Feder von Oliver Uschmann und Ulrich Schröder, die u.a. einen studentischen Aktivisten der Kuba-Hilfe aus Versehen auf Castros Zuckerinsel mitverschiffen, den ganzen Campus samt botanischem Garten zur autark-utopischen Enklave erheben und einmal durchspielen, was passiert, wenn nach den Emissionsrechten nun bald auch Bildungssemester auf dem Markt der Möglichkeiten verschachert werden können.

Ulrich Schröder & Oliver Uschmann (Treibgut)

Frank Goosen live (10. Jubiläum von Treibgut), Donnerstag, 27. Mai, 20 Uhr, Kulturcafé

Karten für 3 EUR im VVK beim Kulturcafé, im AStA-Kulturreferat und bei BoSKop

Weitere Infos unter http://www.rub.de/treibgut.