Ephraim Kishon:

„Grüß Gott, ich bin der Autor!“

(eRe) Ephraim Kishon ist der meistgelesene Satiriker der Welt. Seine Werke wurden bisher in mehr als 50 Sprachen übersetzt, zuletzt in Koreanisch, Albanisch und Georgisch. Weltweit verkauften sich seine Bücher über 48 Millionen mal, 32 Millionen Bücher gingen allein in deutscher Sprache über den Ladentisch. Sein Band „Kishons Familiengeschichten„ ist – abgesehen von der Bibel – das meistgelesene hebräische Buch, und jetzt gibt es ein neues Buch von ihm: Wer´s glaubt, wird selig.

Nachdem das Internet solche und ähnlich beeindruckende Fakten über Kishon ausgespuckt hat, wundert es fast, das er nicht arrogant und hochnäsig zur Pressekonferenz erscheint. Ein Herr, dem man die 76 Jahre nicht ansieht, in kragenloser grauer Jacke mit gemusterter Krawatte. Noch bevor die Leiterin der Pressekonferenz ihn vorstellt, tut er das selber: „Grüß Gott, ich bin der Autor!„. Dann guckt er in die Reihen und scheint sich zu freuen, das jemand da ist. Doch anstatt von den anwesenden Journalisten befragt zu werden, stellt er die ersten Fragen, und wendet sich an das Campusfernsehen Essen, die Praktikantin von Radio Essen und uns: „Was machen denn die Kinder hier?“

Ferenc Hoffmann

Kishon wurde am 23. August 1924 als Ferenc Hoffmann in Budapest geboren. Während des 2. Weltkriegs macht er das Abitur. Er wird von Ungarn nach Polen deportiert, 1945 gelingt ihm die abenteuerliche Flucht aus dem Arbeits- und Vernichtungslager. Er studiert Kunstgeschichte und Bildhauerei an der Kunstakademie der Universität Budapest und schließt mit Künstlerdiplom ab. Er beginnt für Tageszeitungen und Theater zu schreiben.

Im Jahr 1949 wandert er nach Tel Aviv aus, wo er zunächst im Kibbuz lebt und von einem israelischen Einwanderungsbeamten den Namen Ephraim Kishon erhält. Zunächst arbeitet er als Redakteur, Komödienschreiber und Satiriker. 1959 gründet er sein eigenes Theater „Die grüne Zwiebel“

Sara- beste Ehefrau von allen

Kishon ist seit 1959 in zweiter Ehe mit der besten Ehefrau von allen – Sara – verheiratet und hat drei Kinder. Er lebt in Tel Aviv und hat seit 1981 einen Zweitwohnsitz in Appenzell in der Schweiz.

Weltweit sind von ihm etwa 700 Bücher in 34 Sprachen erschienen. Er ist ebenfalls Autor von Theaterstücken, Musicals und sieben Filmen. Er wurde zweimal für den Oscar nominiert und hat, neben weiteren Auszeichnungen mehrfach den Golden Globe gewonnen. Jetzt ist er für den Literatur Nobelpreis vorgeschlagen worden.

Aber lassen wir nun den Autor selber zu Wort kommen:

Wann ist Ihre beste Zeit zum Schreiben?

Ich wurde kürzlich gefragt, ob ich es bei meiner Schreibmethode mit Thomas Mann halte, der früh am Morgen mit seiner Arbeit begann. Meine Antwort war: Früh am Morgen beende ich meine Arbeit. Ich bin eine Tag- und Nachteule.

Arbeiten Sie eher kontinuierlich oder schreiben Sie Ihre Bücher in einem Gewaltakt?

Wenn ich ein Buch oder ein Theaterstück schreibe, dann arbeite ich unaufhörlich. Ich stehe nur auf, wenn ich biologische Dinge zu erledigen habe. Ich rasiere mich nicht, und ich schreibe, bis der Bart lang und das Werk fertig ist - und dann beginne ich wieder zu schreiben.

Schreiben Sie gerne?

Nein!! Das tut doch kein Autor!

Sie schreiben Ihre Bücher immer noch von Hand statt auf dem Computer?

Mein Sohn ist Spezialist im Bereich der Informatik. Ich selbst hingegen fürchte den Computer. Wenn ich nur höre, daß irgendwo ein Computer steht, fliehe ich. Ich habe zwar vor einiger Zeit einen Schach-Computer programmiert, den „Kishon - Chester“, aber ich kenne mich: Sollte ich einen echten potenten Computer bekommen, dann würde ich nie mehr aufstehen. Ich würde die ganze Zeit nur noch damit spielen. Ich halte mich vom Computer fern, wie man sich von einer zu schönen Frau fernhält. Wenn man verheiratet ist.

Sie erwähnten Ihren Sohn. Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zu Ihren Kindern und Enkeln?

Mein Verhältnis zu meinen Kindern ist gut, das zu meinen Enkeln noch besser. Leicht zu erklären: meine Kinder haben von mir schöne Wohnungen, eine Klinik und ein Studio bekommen. Ich werde oft gefragt: „Wie ist es möglich, dass alle Ihre Kinder nur 30 Meter von Ihnen entfernt wohnen?“ Nun, das ist kein Zufall.

In Ihrem neuen Buch schreiben Sie über Ihren kleinen Enkel, der schon ein sehr eifriger Fernsehzuschauer ist und Ihnen genau berichtet, wie viele Mafiosi im letzten Krimi umgelegt wurden. Sie betrachten den Einfluß des Fernsehens auf die Jugend eher mit Sorge?

Die Jugend ist heute leider vollkommen vom Fernsehprogramm verblödet. Wenn ich mir anschaue, was dem Publikum in „Big Brother“ und dergleichen gezeigt wird, wird mir klar, daß ich für diese Welt schon nicht mehr lauge. Ich bin ein bißchen veraltet. Es gibt Pessimisten, die der Ansicht sind, daß das Niveau des Fernsehprogramms schon gar nicht mehr schlechter werden kann. Ich bin ein Optimist, ich sage:>Doch<.

Wieviele Sprachen sprechen Sie?

Nur vier wirklich gut genug. Hebräisch, ungarisch, englisch und deutsch. Ich träume hebräisch mit ungarischem Untertitel.

Angenommen, Herr Reich-Ranicki würde Sie zu einem Gespräch über Literaturkritiker einladen. Welcher Kritiker würde von Ihnen eine besonders schlechte Note bekommen?

Das ist etwa so, als ob Sie mich fragen „Wenn Menschen auf dem Mars landen würden, worüber würden Sie sich mit den Einwohnern unterhalten?“ Aber vielleicht werde ich eher auf den Mars kommen, als ins „Literarische Quartett“. Ich bin zwar der meistgelesene Satiriker aller Zeiten in deutscher Sprache, sie haben es jedoch noch nicht bemerkt. Frau Löffler, die ja kürzlich aus dem „Literarischen Quartett“ ausgeschieden ist, wurde gefragt, warum sie sich niemals mit Kishon beschäftigt habe. Sie antwortete, dass sie immer geglaubt habe, Kishon sei eine Erfindung von Torberg (dem langjährigen Übersetzer Kishons). Das ist zwar sehr geistreich, aber Friedrich Torberg starb vor 20 Jahren. Allerdings werden die Enkelkinder von Herrn Reich-Ranicki in der Schule meine Bücher lesen, aber meine Kinder gewiß nicht die gesammelten Werke von Herrn Reich-Ranicki.

Wenn Sie die Wahl hätten, in Ihrem nächsten Leben als Beamter oder als Politiker wiedergeboren zu werden - wofür würden Sie sich entscheiden?

Das kommt eigentlich aufs Gleiche heraus. Politiker hätte ich in diesem Leben schon einige Mal sein können. Golda Meir hatte mir seinerzeit angeboten, israelischer Informationsminister zu werden. Ich habe geantwortet: „Liebe Golda, ich habe alle Eigenschaften, um ein guter Informationsminister zu sein, aber ich kann leider die Presse nicht ertragen. >Ein Witzbold in der Regierung !<, das wäre tags darauf die Schlagzeile. Wissen Sie, was Golda mir antwortete? „Sie haben recht.“

Sagen Sie doch noch etwas zu ihrem neuen Buch!

Zu einem Buch kann man nicht viel sagen, außer: Lesen Sie es!

„Einige Politiker lügen so,
daß auch das Gegenteil davon nicht wahr ist“

(Zitat aus seinem neuen Buch: Wer´s glaubt wird selig)

„Ich kann nichts ändern,
ich kann nur die Wahrheit sagen“
„Die Wahrheit ist sehr schön,
aber dafür kauft man kein Buch“

(Kishon über sich selbst und seine Bücher.)

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