„Psychologie des Rassismus“

In Deutschland wird Rassismus gewöhnlich als moralisches Problem betrachtet. Personen, die rassistisch denken oder handeln, gelten als Ausnahmefälle, deren „bürgerliche Verbesserung“ betrieben werden muß - durch Aufklärung, Erziehung oder Therapie. Freilich stellt sich die Frage, warum die zahlreichen Bemühungen gegen den Rassismus noch nicht von Erfolg gekrönt waren. In diesem Sinne ist es günstiger, sich an ein Diktum von Frantz Fanon zu halten. Er sagte, daß Rassismus in einer Gesellschaft nicht einfach, quasi zufällig vorkommt; nein, wie Fanon meinte, ist eine Gesellschaft entweder rassistisch oder sie ist es nicht. Tatsächlich deutet die Beharrlichkeit von „ethnischen Vorurteilen“ darauf hin, daß diese eher zu den selbstverständlichen Wissensbeständen gehören. In den westlichen Gesellschaften existiert ein rassistisches Wissen, daß jedoch nicht nur in einem „geistigen“ Raum schwebt, sondern mit bestimmten Institutionen in Verbindung steht.

Die Institutionen der Arbeitsmarktes, der Staatsbürgerschaft und der kulturellen Hegemonie bringen die Trennung und Ungleichheit zwischen „uns“ und „ihnen“ beständig hervor. Es geht also darum, in der Bekämfung des Rassismus die Blickrichtung zu ändern.

Mark Terkessidis, geb. 1966, ist Diplompsychologe und Journalist und unterrichtet an der Uni Köln. Von 1992 bis 1994 war er Redakteur der Zeitschrift Spex. Beiträge u.a. in der taz, Ftreitag, Texte zur Kunst, Freibeuter und jungle world. Buchveröffentlichungen u.a.: Psychologie des Rassismus ( Westdeutscher verlag 1998), Kulturkampf. Volk, Nation, der Westen und die neue Rechte ( Kiepenheuer& Witsch 1995) und Migranten ( rotbuch 2000).

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