Die Deutsche Mitte

„Studie zur Fremdenfeindlichkeit in Deutschland“

Dass es in Deutschland Rassisten und Nazis gibt ist keine besonders überraschende Feststellung und darf inzwischen sogar Öffentlich gesagt werden. Das Bild, das sich normalerweise von diesen gemacht wird, hat jedoch mit der Realität nur am Rande zu tun.

Normalerweise werden Rassisten als jugendliche Skins vorgestellt, die gröhlend und keulenschwingend die Strassen marschieren und hier und da Leute töten. Die „schweigende Mehrheit" der Deutschen dagegen sei „anständig“, ja sogar tolerant und weltoffen. Dass dagegen dem Nicht-Deutschen auch ausserhalb der militanten Szene, in der „Mitte der Gesellschaft“, überwiegend feindlich gegenübergestanden wird, zeigt eine empirische Langzeitstudie, die zwei Essener Wissenschaftler seit 1980 durchführen.

Die Ergebnisse dieser Erhebung, die weniger Gewaltbereitschaft, sondern "fremdenfeindliche Einstellungen" untersucht, widersprechen den gängigen Vorurteilen. So ist die Zustimmung zu fremdenfeindlichen Aussagen bei Frauen höher als bei Männer, entgegen der Schutzbehauptung der fehlgeleiteten Jugendlichen finden sich mit steigendem Alter mehr Rassisten, bei den über 75-jährigen waren mehr als die Hälfte der Befragten deutlich oder sehr Fremdenfeindlich. Selbst in den Gewerkschaften ist das Vehältnis von Fremdenfeinden und Nicht-Fremdenfeinden in manchen Altersstufen (hier alledings eher bei den jüngeren Mitgliedern) fast ausgeglichen.

Interessant sind aber weniger die absoluten Zahlen, sondern die Entwicklung von Verbreitung und Struktur fremdenfeindlicher Einstellungen. Bis 1994 stellten die Wissenschaftler einen leichten, aber über einen langen Zeitraum durchgängigen Rückgang fest, danach ging es wieder bergauf und hat sich inzwischen auf konstant hohem Niveau eingependelt. Zur Erinnerung: Mitte der neunziger Jahre machte man sich im Bundestag ebenso wie im „Spiegel“ Gedanken über die „Asylantenschwemme“, während in Rostock Würstchenbuden neben brennenden Ausländerwohnheimen aufgestellt wurden.

Vor allem aber war das auch die Zeit, in der der durch die Globalisierung bedrohte Wirtschaftsstandort Deutschland einzug in Diskurse und öffentliche Debatten fand - eine Argumentationsfigur, die zentrales Moment der „neuen" Fremdenfeindlichkeit ist. Der Rassist von heute zeichnet sich weniger durch völkisch-rassistische Vorurteile (Polen klauen, Afrikaner sind faul etc.) aus, sondern durch die Wahrnehmung alles Fremden als bedrohliche Konkurrenz, in durchaus wirtschaftlichem Sinne. Dementsprechend wird auch nicht - was dem Fragebogen gemäß durchaus möglich gewesen wäre - zwischen „Ausländer raus" und „Nicht-EU-Ausländer raus" unterschieden. Auch Dänen und Schweizer sollten sich vor der „Mitte der Gesellschaft“ in Acht nehmen.

Besonders unangenehm sind diese Ergebnisse wenn man bedenkt, was die Befragten alles anstellen mussten, um überhaupt als Fremdenfeinde zu gelten, nämlich mindestens der Hälfte der Items zustimmen. Keiner der Aussagen konnten nur 10% der anständigen Westdeutschen zustimmen, im Osten gar nur 4%.

Klaus Ahlheim/ Bardo Heger: Der unbequeme Fremde. Fremdenfeindlichkeit in Deutschland - empirische Befunde. Studien zu Politik und Wissenschaft Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag, 2., durchges. Auflage 2000 ISBN 3-87920-483-7, 120 S., DM 24,80

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