Von eins, zwei, vielen Dachverbänden...

Ansonsten gern als kleinliche Gezänk einer Handvoll StudierendenvertreterInnen belächelt, gelangte sie während des Sommerlochs zu unerwarteter Bekanntheit und wurde auf den Hochschulseiten zahlreicher Tageszeitungen erörtert: Die seit Jahren andauernde Debatte um den studentischen Dachverband. Für die einen existiert und arbeitet er schon in Gestalt des freien zusammenschluß von studentInnenschaften (fzs), den die anderen gern reformieren würden, während andere ihn lieber gleich ganz abschaffen würden, und wieder andere gründen sich ganz unbeeindruckt ihren eigenen Dachverband. Nur in einem sind sich alle einig: Ein schlagkräftiger studentischer Dachverband wird dringend gebraucht. Angesichts der Einführung von Studiengebühren, der Entdemokratisierung der Hochschulstrukturen und der immer deutlicheren Ausrichtung von Forschungs- und Lehrinhalten an den Interessen der Wirtschaft ist eine arbeitsfähige, sich lautstark zu Wort meldende studentische Vertretung von Nöten.

Austritte

Nach dem Ende des VDS gab es in Deutschland keinen studentischen Dachverband, bis 1993 der fzs ins Leben gerufen wurde. Doch zu einem echten Nachfolger konnte er sich niemals mausern: Bis heute sind lediglich gut 60 Studierendenvertretungen Mitglieder geworden, darunter zahlreiche besonders kleine Fachhochschulen. Der fzs vertrat damit lediglich einen geringen Anteil der Studierenden in Deutschland. Nun sind es noch einmal einige weniger geworden: Zwei der größten fzs-Mitglieder, die Universitäten Münster und Düsseldorf, sind gegen den Willen der amtierenden ASten auf Grund von Beschlüssen der Studierendenparlamente aus dem fzs ausgetreten. Dies geschah vor allem auf Betreiben der JuSo-Hochschulgruppen, die durch die Austritte den fzs unter Druck setzen und zu Reformen bringen wollen. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich frühestens bei der fzs-Mitgliederversammlung Mitte November zeigen. Im letzten Jahr war der bevorstehende Beitritt von 17 Studierendenvertretungen an der Reformunwilligkeit des fzs gescheitert. Doch durch den Austritt von zweien der größten Beitragszahler steht der fzs finanziell mit dem Rücken zur Wand. Auch innerhalb des Verbandes mehren sich reformbereite Stimmen.

Gründe

Die inhaltliche Kritik der JuSos, der fzs betreibe zuviel »Allgemeinpolitik«, darf getrost als grotesk angesehen werde. Wer glaubt, Hochschul- von Allgemeinpolitik trennen zu können und somit studentische Belange von gesellschaftlichen Entwicklungen abkoppeln zu können, kann politisch allenfalls Flickwerk leisten. Sollte sich hinter der Kritik der konkrete Vorwurf »zu viel Internationalismus« verbergen, wie es gelegentlich heißt, so ist auch dies nicht minder absurd. Dem fzs seinen einzigen in der letzten Zeit erkennbar funktionierenden Arbeitsbereich zum Vorwurf zu machen, statt nach dem Versagen in den übrigen Bereichen zu fragen, zeugt nicht von einer fundierten Betrachtung der Situation. Hinzu kommt, daß gerade Internationalismus für die Arbeit im Bereich Hochschul- und Bildungspolitik von zu nehmender Bedeutung ist, schließlich wurde die Anpassung an sogenannte internationale Standards zu einem der Hauptargumente in vielen bildungspolitischen Debatten. Fatal, wenn sich ausgerechnet die studentische Interessenvertretung von diesem Themenkomplex abwenden würde.

Neugründung

Doch während Teile der Juso-HSGen an einer fzs-Reform basteln, setzt der Ring Christlich Demokratischer Studenten auf Neugründung. 5 konservative Asten, fast alle mit RCDS-Beteiligung und zwei davon ebenfalls mit JuSo-Beteiligung, haben kürzlich in Köln den BVS gegündet. Angetreten, dem fzs den »Todestsoß« zu versetzen, dürfte dem neuen Verband wohl keine allzu ruhmreiche Zukunft beschieden sein. Ein Verband aus lediglich 5 Studierendenvertretungen, noch dazu alle aus dem gleichen politischen Spektrum, kann wohl kaum auf regen Zulauf hoffen.

Erfolge?

Doch weder die konservative BVS-Gründung noch die zweifelhafte fzs-Kritik der JuSos sind ein Grund, über die Fehler in der Politik des fzs hinwegzutäuschen. In der letzten BSZ-Ausgabe kamen zahlreiche fzs-BefürworterInnen zu Wort, welche die Verbandsgeschichte als eine echte Erfolgsgeschichte erscheinen liessen. In Wahrheit ist es dem fzs jedoch kaum gelungen, öffentlich wahrgenommen zu werden, geschweige denn Debatten maßgeblich mitzugestalten. „«Von der maßgeblichen Initiierung und Mitgründung des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren (ABS) bis hin zum Engagement zum Thema Akkreditierung neuer Studiengänge und der Organisierung der Mitwirkung von StudentInnen in Akkreditierungsverfahren kann der fzs nicht nur auf Erfahrungen, sondern auch auf Erfolge zurückblicken“, so fzs-Vorstandsmitglied Kerry Sailer in der letzten BSZ. Doch die erfogreiche Arbeit des ABS wurde vor allem durch eine breite Beteiligung, auch von nicht-fzs-ASten, ermöglicht. Trotz der positiven Erfahrungen mit dem ABS stieg der fzs nicht in das neugegründete, ähnlich strukturierte Bündinis für Politik- und Meinungsfreiheit ein, sondern gründete lieber seinen eigenen Arbeitskreis zum Politischen Mandat. Überraschend für die übrigen Beteiligten, zumal ein fzs-Vorstandsmitglied das Bündnis mitinitiiert und vorbereitet hatte. In Sachen Akkreditierung hat sich der fzs vor allem durch einen Alleingang an allen anderen studentischen Organisationen vorbei hervorgetan. Während die Frage einer sinnvollen studentischen Beteiligung an der Akkreditierung neuer Studiengänge generell umstritten ist, ignorierte der fzs auch noch sämtliche Absprachen mit Bundesfachschaftentagungen etc. und übernahm die Verwaltung des sogenannten studentischen Pools in Eigenregie. Und die fzs-Mitteilung, die Abschaffung der Verfassten Studiernedenschaft in Nierdersachsen verhindert zu haben, kann allenfalls als lächerlich betrachtet werden. Weder ist die Abschaffung bisher definitiv vom Tisch, noch wäre dies den Aktivitäten des fzs zu verdanken.

Und nun?

Während die fzs-Arbeit von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt vor sich hindümpelt, verschlingt sie doch immense Beiträge ihrer Mitglieder. So gehört eine Beitragssenkung neben einem nach Studierendenzahlen gestaffelten Stimmrecht zu den zentralen Forderungen der fzs-Reformer, zu denen auch das Bündnis linker und radikaldemokratischer Hochschulgruppen (LiRa) gehört. „«JeJzt muss es darum gehen, die Krise als Chance für die Schaffung eines bundesweiten, für alle Studierendenvertretungen offenen Dachverband zu nutzen,“ fordert die LiRa-Bundesvorsitzende Carmen Ludwig. Bleibt zu hoffen, daß die fzs-Mitglieder das auch erkennen und eine Entwicklung des fzs vom kleinen Richtungsverband zu einem schlagkräftigen studentischen Dachverband ermöglichen.

Kerstin Puscke

AStA - Referentin
für Hochschulpolitik

[zur 516-Hauptseite]
[Leserbrief schreiben]