"Marxistische Chaotentruppe" besetzt
Audimax der Uni Wien

(dek) Hochschulen fast weltweit sehen sich im Moment einer ganz eigenen Spielart der "Globalisierung" ausgesetzt. So wie in Deutschland die Einführung von Studiengebühren schon beschlossene Sache ist, so versuchen auch die "Autoritäten" in anderen Ländern, mit Maßnahmen wie dieser, den Hochschulzugang zu beschränken und den Charakter der Universität endgültig hin zu einer Zulieferungsindustrie zu verändern. Dieser Neoliberalismus tarnt sich in Österreich unter dem Begriff "Vollrechtsfähigkeit". Der Widerstand dagegen nennt sich ganz ehrlich Besetzung und Streik.
"Das Regierungsprogramm ist für uns eine Kampfansage: Der neoliberale Umbau schreitet unerbitterlich voran. Neoliberale Politik verschärft die Umverteilung zu Ungunsten der Jugendlichen, StudentInnen und ArbeitnehmerInnen, gewährt reaktionärer Frauenpolitik Auftrieb, etabliert die angestrebte Elitenbildung an den Unis durch die Vollrechtsfähigkeit, deren Folge Studiengebühren sein werden, verschärft rassistische MigrantInnenpolitik, kürzt im Gesundheits- und Pensionssystem etc." So fasst die Streikzeitung der Uni Wien die Ausgangslage zusammen, mit der sich die österreichische Gesellschaft und damit eben auch die Unis, nach der Regierungsbildung durch ÖVP und FPÖ konfrontiert sehen.
Weltweit..
Als Fortführung der schon von der SPÖ/ÖVP Koalition begonnenen Maßnahmen soll in Österreich für Universitäten die sogenannte "Vollrechtsfähigkeit" eingeführt werden. Ebenso wie das deutsche Gegenstück "freie Wahl der Rechtsform" (Teil des neuen Hochschulrahmengesetzes HRG, siehe S.7), führt dies dazu, dass Universitäten sich von öffentlichen Körperschaften mit allgemeinem Bildungsauftrag in kommerzielle, profitorientierte Unternehmen verwandeln. Hochschulen mit eigenem (natürlich noch weiter erheblich gekürztem) Budget können sich eine kostenlose, umfassende wissenschaftliche Bildung, wie sie sie heutzutage eigentlich anbieten sollten, natürlich nicht mehr leisten. "So ist auch klar, was auf die Studierenden zukommt: "Vollrechtsfähigkeit heißt Studiengebühren. Alle anderen Aussagen sind Kalmierungsversuche, ist Beschwichtigungspolitik. Es wird dann so laufen, dass ein vollkommen unzureichendes Grundstudium kostenlos angeboten wird, ob Bakkalaureat oder welches Modell auch immer."" Für die Wirtschaft (die schliesslich als Hauptsponsorin schon fest eingeplant ist) finanziell interessant kann eine Uni nur sein, wenn sie die absolute Mehrheit ihrer StudentInnen nurmehr ausbildet, sie in einem kurzen Schmalspurstudiengang einzig nach ihren Interessen unterrichtet und so die eigene, betriebsinterne Ausbildung kostensparend auslagern kann.
..streiken
Um diesen Plänen etwas entgegen zu setzen, beschlossen ca. 1200 StudentInnen auf einer HörerInnenversammlung am 16.mär im Audimax der Uni Wien die sofortige Besetzung desselben. Beschlossen wurden weiterhin mehrere Demonstrationen, ein eintägiger Warnstreik und ein umfangreiches Alternativprogramm. Vor allem in diesem Programm wurde auch der Bezug der gesellschaftlichen Realität wiederhergestellt, sie behandelten hauptsächlich die aktuelle (politische) Situation in Östereich. Leider unterlief den Protestierenden dabei der Kardinalfehler jedes studentischen Protestes. Die Alternativveranstaltungen wurden neben dem regulären Lehrbetrieb durchgeführt, dieser wurde nicht unterbrochen. Bekanntlich kann sich ein Bildungsstreik nur halten, wenn der normale Unibetrieb ausgesetzt ist, auch in Wien fanden Woche um Woche immer weniger AktivistInnen die Zeit, sich wirklich mit den Protesten oder sogar mit der Vorbereitung eines Streiks zu beschäftigen. Trotz erfolgreicher Veranstaltungen und überzeugenden TeilnehmerInnenzahlen bei den HörerInnenversammlungen fanden sich nach Beendigung der Aktionswoche und des Warnstreiks nicht mehr genug StudentInnen um die Proteste mit gleicher Stärke fortzuführen. Am 30.mär endete dann die generelle Besetzung des Audimax, es wird aber weiterhin für Veranstaltungen genutzt werden. Der Protest ist also bei weitem nicht beendet, allein weil die studentischen Aktionen von Anfang an Teil des gesellschaftlichen Protestes gegen die rechte Regierung waren, werden sie fortgeführt. Auch die spezifisch studentischen Themen sind keinesfalls erledigt. Neoliberale Umstrukturierungen und vor allem Widerstand dagegen sind ja kein lokales, zeitlich begrenztes Problem. Ob nun Mexiko, Jakarta, Wien oder Bochum - ebenso wie die Pläne der Autoritäten überall dieselben sind, so kann auch der Widerstand dagegen nur derselbe sein: Streik.

Internet: http://strike.action.at

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