"Verbindungsstudenten sind ein Haufen von verhetzten, irregeleiteten,
versoffenen, farbentragenden jungen Deutschen!"
(Kurt Tucholsky)
(mek) In den letzten Wochen fielen bei der Lektüre der Hochschulseiten diverser
Publikationen aus dem Spektrum der "bürgerlichen Journaille" - mehr schlecht als recht als ernstzunehmende
Artikel getarnte - halb- bis ganzseitige Werbeanzeigen für verschiedene studentische Verbindungen auf.
Wahlweise mit der Behauptung "Studentenverbindungen haben wieder Zulauf" (BAMS, 2.4.2000) oder der
Intention, ihnen mit der Feststellung "zum Semester-Anfang suchen Burschenschaften Nachwuchs" (WAZ, 15.4.2000)
selbigen zu verschaffen, bemüht sich der Blätterwald - getreu dem Motto:"Können ist gut"
(und zwar schreiben), "kennen ist besser"( und zwar jemanden, der einem sagt, worüber) - ein möglichst
positives Bild der polierten Herren Schmißgesichter zu zeichnen.
Sämtliche Artikel beschreiben durchweg unkritisch die Ziele und Prinzipien des Verbindungslebens und werben
offen mit den Vorteilen der verbindungsstudentischen Seilschaften, angefangen von billigen Studiwohnungen bis hin
zur späteren Karriereplanung. So erfährt man beispielsweise, welch illustre Promis aus Politik und Wirtschaftsleben
dank einer oder mehrerer fetter Vernarbungen im Gesicht zur deutschen Elite aufgestiegen sind. Von Ex- Innenminister
Manfred Kanther über Eberhard Diepgen und Hanns-Eberhard Shleyer, Chef des Zentralverbands des Deutschen Handwerks,
bis zum Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch - alle haben sich blutig und tapfer geschlagen, dann klappte
es auch mit der Karriereleiter. So zumindest wollen es die Zeitungsartikel suggerrieren. Die Narbe heißt
im Fachjargon übrigens "Schmiß", das mittelalterliche Gefuchtel mit einer degenähnlichen
Hieb- und Stichwaffe ("Schläger") wird als "Mensur schlagen" bezeichnet. Hinter diesen
klangvollen Bezeichnungen verbirgt sich die Schwachsinnigkeit eines aus dem mittelalterlichen Duell erwachsenen
blutigen Rituals mit dem Ziel, Mut zu beweisen und zu lernen, "den Kopf hinzuhalten, wenn eine scharfe Waffe
niedersaust".Die Mensur ist die einzige in der BRD nicht strafrechtlich sanktionierbare Körperverletzung,
ein Zugeständnis an vordemokratischen Traditionalismus. Häufig enden diese "Gefechte" mit übelsten
Verletzungen im Kopf- und Gesichtsbereich (z.B. Gesichtslähmungen). Nichtsdestotrotz werden diese Verletzungen
von Verbindungsmitgliedern mit Stolz als Zeichen elitärer Erhabenheit zur Schau gestellt, mancher Alter Herr
läßt seine "Kriegsverletzung" sogar nach Jahren mittels kosmetischer Chirurgie ein wenig auffrischen.
Außer diesen vorzivilisatorischen Gepflogenheiten gibt es noch viele gute Gründe, studentische Verbindungen
strikt abzulehnen. Insbesondere die in der Deutschen Burschenschaft organisierten Verbindungen - so auch die in
dem WAZ-Artikel beworbene Prager Burschenschaft Arminia aus Bochum - weisen neben dem allgemein verbreiteten großdeutschen,
völkischen und antidemokratischen Gedankengut auch noch eine personelle Nähe zur Neuen Rechten auf. So
finden sich z.B. in den studentischen Verbindungen so illustre Personen wie Jörg Haider (Silvania-Wien/ Albia
Bad-Ischl) und die gesamte Führungsetage der FPÖ, Rolf Schlierer (Germania Gießen). ehemaliger
Pressesprecher der DB und ehem. Landesgeschäftsführer sowie Bundes- und Fraktionsvorsitzender der Republikaner,
Lothar Fink (Corps Saxonia Leipzig zu Augsburg), ehemaliger OB-Kandidat für Coburg und Rechtsanwalt der Republikaner,
André Goertz (Germania Hamburg), Mitbegründer der mittlerweile verbotenen Freiheitlichen Arbeiterpartei
u.a. Fast alle führenden Nazikader (z.B. Fritz Hippler, Heinrich Himmler, Rudolf Heß, Baldur von Schirach
u.a.) waren ebenfalls Korporierte.
Die verbindungsstudentische Ideologie aus Elitebewußtsein und Seilschaften, militanten Deutschnationalismus,
mehr oder weniger deutlich erkennbarem Rassismus und fundamentaler Frauenfeindlichkeit findet sich allerdings ausnahmslos
in allen Korporationsverbänden, alle aufgeführten Korporationstypen - auch die christlichen, nichtschlagenden
Verbindungen- sind über die Mitgliedschaft in ihren jeweiligen Dachverbänden auch Mitglieder in der übergeordneten
Dachorganisation CDA/CDK, mithin doch wieder in einem übergeordneten Verband, von wo aus - ungeachtet aller
Reibereien - ein und dieselbe Verbandspolitik betrieben wird.