Die alternative Alternative
Selbstdarstellungen, Porträts oder Hinweise auf eigene Internet-Seiten von 107 Gruppen, Initiativen und Projekte aus Bochum findet, wer im Internet auf "http://www.bo-alternativ.de" klickt. Grundsätzlich besteht für alle nicht kommerziellen Projekte in Bochum hier die Möglichkeit, kostenlos eigene Internetseiten zu platzieren.
Betreiber der ganzen Sachen ist Martin Budich. Er war bis zum Nato-Krieg gegen Jugoslawien langjähriges Vorstandsmitglied der Bochumer Grünen und dort u. a. für die Internet-Seiten der Partei zuständig. "Durch die Aufbereitung vieler Informationen und Hinweise aus der Bochumer Alternativ-Szene gehörten die Seiten damals", so Budich, "schnell zu den meistgelesenen Seiten der Grünen im Bundesgebiet."
Diese Idee hat er nach seinem Austritt aus den Grünen mitgenommen und einfach ausgebaut. Was vor 20 Jahren sogenannte Statt- oder Alternativ-Zeitungen versuchten, nämlich ein gesellschaftskritisches Forum für eine interessierte Öffentlichkeit zu sein, das findet jetzt im Internet statt. Auf den Seiten sind Veranstaltungstipps, Texte und Vernetzungsangebote zu finden.
Das ganze soll Adressaten-orientiert sein. Auf den Seiten erscheint, was gesellschaftskritische Leute interessieren könnte. Auch der Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grünen in Bochum oder auch die Telefonnummer für den anwaltlichen Notdienst sind hier zu finden.
Die Internet-Seiten werden ohne Werbung betrieben und sollen auch in Zukunft kein kommerzielles Projekt werden. Horst Hohmeier, Mitbesitzer einer "Kommunikationsfabrik" und langjähriger Mitstreiter von Martin Budich im Anti-Atomplenum und in der Friedensbewegung, hat die Internet-Kapazitäten einfach kostenlos zur Verfügung gestellt.
Bei der Arbeit an den bo-alternativ-Seiten habe er noch sehr viel über Gruppen und Initiativen in unserer Stadt gelernt, berichtet Martin Budich. Von etlichen Rückmeldungen weiß er, dass es nicht nur für ihn sondern auch für viele andere Leute richtig motivierend ist, zu sehen, wie viel in Bochum eigentlich los ist. Es gibt auch schon einige Gruppen, die über diese Seiten voneinander erfahren haben. Aus der virtuellen ist damit eine reale Vernetzung geworden.
Zur Zeit kommen pro Woche ca zwei bis drei Initiativen oder Projekte hinzu, die auf den bo-alternativ-Seiten präsentiert werden. Hauptattraktion von bo-alternativ ist zweifellos die erste Seite. Hier wird täglich darüber informiert, was es neues an "Bewegung in Bochum" gibt. Seit Januar werden diese Meldungen anschließend in der Rubrik "alte Neuigkeiten" abgespeichert. So lässt sich jetzt z. B. ganz eindrucksvoll nachlesen, mit welchen Aktivitäten die Initiative "Entschädigung Jetzt!" die Bochumer Daimler-Niederlassung Lueg dazu gezwungen hat, der Stiftungsinitiative zur Entschädigung von ZwangsarbeiterInnen beizutreten.
Martin Budich geht davon aus, dass mittlerweile recht viele Leute bo-alternativ zur Startseite in ihrem Internet-Browser gemacht haben, "um halt erst 'mal zu sehen, was in Bochum los ist, wenn sie ins Internet gehen."
Seit bo-alternativ.de Ende Oktober 99 auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurde, sind von fast 15.000 unterschiedlichen Rechnern mehr als eine Viertelmillion Seiten abgerufen worden. Auch im Bochumer Polizeipräsidium und in den Redaktionen der örtlichen Lokalmedien werden die Seiten regelmäßig angeklickt, weiß Martin Budich zu berichten. Zusammen mit Horst Hohmeier tüftelt er zur Zeit daran, Wege zu finden, wie die Gestaltung der Alternativ-Seiten in Zukunft eventuell von mehreren Leuten gleichzeitig und demokratisch gestaltet werden könnten. "Ein rapide an Interesse und damit auch an Bedeutung gewinnendes Alternativ-Medium sollte", so Budich, "schließlich nicht spät-stalinistisch gestaltet werden".

Paul Merker

zum selbergucken: www.bo-alternativ.de

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