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- last update: 18.01.2009 -


UWE-Konferenz 25.-27.6.2010 in Bochum


Ergebnisbericht des DAB Young Members Workshops
"Make a dream come true - Factors of success to raise women's labour force participation rate"
im Rahmen der UWE-Konferenz 2010 in Bochum

Frauen sind aus den vielfältigsten Gründen häufiger als Männer mit der Notwendigkeit eines beruflichen Neuanfangs oder einer Neuorientierung konfrontiert. Familiäre Aufgaben oder ein Umzug in eine andere Stadt, in der der Lebenspartner eine neue Position antritt, sind nur zwei Beispiele, wegen derer Frauen ihre berufliche Karriere unterbrechen müssen. Diesen Tatsachen stehen zahlreiche Lebensläufe erfolgreicher Frauen aus ganz Europa gegenüber, die diese Herausforderung gemeistert haben.

Im Rahmen der internationalen UWE-Konferenz 2010 vom 26. - 29.6.2010 in Bochum luden wir, fünf Mitglieder von BoNetzMentoring, der Bochumer Young Members Gruppe des DAB, Konferenzteilnehmerinnen jeden Alters und Erfahrungshintergrunds zu einem interkulturellen Austausch über gemeisterte Neuanfangssituationen und die individuell gefundenen Lösungen ein. Gemeinsam mit zehn Akademikerinnen aus sechs Ländern und ganz unterschiedlichen Berufsfeldern tauschten wir Erfahrungen aus und entwickelten gemeinsam, orts- und berufsunabhängige Visionen über optimale Rahmenbedingungen für den Wiedereinstieg bzw. die Neuorientierung von Frauen nach einer Unterbrechung ihres bisherigen beruflichen Werdegangs. Allen Teilnehmerinnen möchten wir für den Einblick in ihre persönlichen Umstände, ihre Diskussionsbereitschaft und den kritischen Blick auf herrschende gesellschaftliche und arbeitsmarktpolitische Normen, wozu der interkulturelle Ansatz des Workshops beigetragen hat, danken.


(Auf dem Foto: In zwei Gruppen wurden Ideen gesammelt, ausgetauscht und diskutiert zum Thema, wie nach einer Berufspause der Wiedereinstieg ins Arbeitsleben aussehen kann.)

Als Gründe für eine Unterbrechung des Berufslebens / der Karriere gaben die Teilnehmerinnen berufliche Neuorientierung, Kinderbetreuung sowie ökonomische Krisen an. Als große Hilfe, um nach einer Babypause wieder in den Beruf einzusteigen, sahen sie die verbesserte Situation institutioneller Einrichtungen, die sich um Kinderbetreuung kümmern, räumliche Nähe zwischen Arbeitsstätte und Betreuungsangebot oder die Kinderbetreuung durch Verwandte. Es wäre hilfreich, wenn Väter von ihren Arbeitgebern nicht nur die theoretische Möglichkeit, sondern auch die praktische Unterstützung erhielten, gleichberechtigt in der Kinderbetreuung mitzuwirken. Der Gesetzgeber sollte diesbezüglich dafür sorgen, dass die Belastung der Eltern durch Kindererziehung und -betreuung tatsächlich gleichmäßig verteilt wird. In Deutschland wäre ein Schritt dazu, z.B. die Elternzeit so aufzuteilen, dass beide Elternteile je sieben Monate Auszeit nehmen müssen, um die volle finanzielle Unterstützung zu erhalten. Da bei der aktuellen Regelung das Elterngeld nur voll ausgeschöpft werden kann, wenn ein Elternteil für zwölf Monate und das andere Elternteil für zwei Monate Elternzeit nimmt, führt dies häufig dazu, dass es die Frauen sind, die länger pausieren.

Über gesetzliche Regelungen hinaus trägt zum Gelingen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Übereinstimmung in der Einstellung beider Partner bei.

Hat ein erziehendes Elternteil eine längere Pause in der beruflichen Tätigkeit gemacht, so sei der Wiedereinstieg oft schwierig. In vielen Fällen zeige sich aber, dass eine neue Ausbildung oder Weiterbildung nach der Pause gute Perspektiven für die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit bieten kann. Diese würden dann noch durch während der Erziehungs- oder auch Pflegezeiten erworbener Fähigkeiten unterstützt, die auch für die Berufstätigkeit im Bereich von Zeit- und Projektmanagement von Nutzen sind. Eine notwendige Bedingung für einen erfolgreichen Wiedereinstieg ist weiterhin die überzeugende Außenwirkung auf den Arbeitgeber, dass die Berufstätigkeit tatsächlich gewünscht wird.

Generell ist es an der Zeit, das Denken der heutigen Zeit noch stärker zu verändern im Hinblick auf Rollenverständnis und -verhältnis beider Eltern. Einen ersten Ansatz hierzu gibt es in der Schweiz, wo sich der Akademikerinnenverband mit Männerorganisationen zum Thema Familie und Karriere austauscht. Bislang haben diese Männer in der Schweizer Gesellschaft - vor allem gegenüber vielen anderen Männern - einen schwierigen Stand. Nach wie vor ist aber auch bereits während der Schul- und Studienzeit dafür zu sorgen (z.B. durch Angebote von Universitäten, Akademikerinnenverbänden und dem Bewusstmachen von weiblichen Vorbildern), dass junge Frauen für sich entdecken, dass sich Familie und Karriere verbinden lassen. Um ein solches Umdenken und systematische gesellschaftliche Veränderungen nachhaltig zu erreichen, müssen die ersten Weichen in der Erziehung von Jungen (!) und Mädchen gestellt werden und dies gleichermaßen von Müttern und Vätern.


(Auf dem Foto: Vier Mitglieder von BoNetzMentoring, der Bochumer Young Members Gruppe des DAB vor den Ergebnissen des Workshops: (v.l.n.r.) Franziska Heise, Dr. Eva Glasmachers, Sandra Zeidler, Angela Lohberg.)

Gleichzeitig forderten die Teilnehmerinnen des Workshops neue familienfreundliche Strukturen auf dem Arbeitsmarkt:

* die Einbindung der Eltern in das berufliche Geschehen während ihrer Pause,
* flexible / abgestimmte Arbeitszeiten,
* Betreuungsmöglichkeiten nahe/ in JEDER Firma,
* Arbeiten von zu Hause,
* Eltern-Kind-Räume, um im Krankheitsfall der Kinder flexibel arbeiten zu können,
* die Abschaffung der Anwesenheitskultur (d.h. Abschaffung des Denkens, dass nur wer vor Ort in der Firma anwesend ist, auch etwas leistet),
* Schaffung neuer Formen der Teilzeitarbeit wie das Aufteilen einer Führungsposition auf zwei ArbeitnehmerInnen.

Für einen erfolgreichen Berufs(wieder)einstieg ist außerdem eine gewisse Gelassenheit notwendig, die Zufriedenheit trotz nicht perfekter aber dennoch guter Leistungen im familiären und beruflichen Umfeld erlaubt. Für den Erfolg dieser Work-Life-Balance ist eine gemeinsame Vision des Gelingens beider Partner von Bedeutung, um die Familie auch über schwierige Situationen hinwegzuhelfen.

Die Teilnehmerinnen des Workshops waren sich darüber einig, dass sich in den letzten 50 Jahren viel auf partnerschaftlicher und gesetzlicher Ebene getan hat, um den Wiedereinstieg von Frauen ins Berufsleben zu fördern, dass es aber weiterhin gesellschaftliches Umdenken und insbesondere die Umstrukturierung bestehender Arbeitsformen und -normen erfordert, damit ein Wiedereinstieg zur Normalität oder sogar zur Ausnahme im Sinne einer durchgängigen Berufstätigkeit wird und nicht von den Kräften der einzelnen abhängig ist.




Dr. Dorothea Ellinger, Dr. Eva Glasmachers, Franziska Heise, Angela Lohberg, Sandra Zeidler