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Die Mistel gehört neben Stechpalme
und Efeu zu den Pflanzen, die in unseren Weihnachtsbräuchen
eine wichtige Rolle spielen. Als immergrüne Pflanzen
haftet ihnen eine umfassende Symbolik an und sie beleben
damit die dunkle Jahreszeit.
Der Mistel kommt dabei eine besondere Bedeutung zu,
die auf ihrer ungewöhnlichen Lebensweise basiert.
Bevor man wusste, dass Misteln epiphytische Sprossparasiten
sind, die auf verschiedenen Laub- und Nadelbäumen
wachsen, denen sie Wasser und Mineralstoffe entziehen,
hatte man andere Erklärungen für ihre Besonderheit:
die Götter selbst säten sie auf Bäumen
aus, so dass sie also auch mit göttlichen Kräften
ausgestattet waren. Diese konnte man sich zu kultischen
Zwecken zu Dienste machen. Die Priester der Kelten,
die Druiden, bestiegen mit weißer Kleidung Mistel-besetzte
Bäume, vornehmlich die selten befallenen Eichen,
um mit goldenen Sicheln Misteln zu schneiden. Daraus
wurden allerlei kraftgebende Zaubermittel hergestellt
- bestens bekannt aus dem berühmten Comic Asterix
und Obelix. Auch in der griechischen und römischen
Mythologie spielten Misteln als heilige Zauberpflanzen
und Symbol für Glück, Mut, Gesundheit und
Fruchtbarkeit eine herausragende Rolle.
Im Christentum wurde die Mistel zu einem Symbol des
Friedens. Der Sage nach soll aus ihrem Holz das Kreuz
Christi gemacht worden sein. Aus Scham darüber
sei der Baum eingetrocknet, um sich in eine Pflanze
zu verwandeln, die allen, die in ihre Nähe kommen,
Gutes bringt. Feinde versöhnten sich unter ihr
und gaben sich den Friedenskuss. Vieles von alle dem
hat die Mistel zur Weihnachtspflanze gemacht, zunächst
im angloamerikanischen Raum und heute auch hierzulande.
Mistelzweige mit den im Dezember reifenden weißen
Früchten werden in den Blumengeschäften angeboten
und bereichern die weihnachtliche Floristik.
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Im Winter sind die nestähnlich aussehenden
Laubholz-Misteln gut in den Baumkronen zu erkennen
(Abb. links oben: auf Silber-Ahorn, Acer saccharinum,
im Botanischen Garten K 4; auf Nadelbäumen
sind sie schwer zu finden: Abb.links unten: auf
Tanne, Abies equi-trojani; Alpinum G 6). Die weißen
erbsengroßen Früchte sind ungewöhnlich
zäh-klebrig (lat. viscosus = klebrig; bot.
Name! Abb. unten rechts: Früchte und Samen
im zähen, fädenziehenden Fruchtschleim),
zu verstehen als Einrichtung, die Samen in Baumkronen
zu bringen. Fruchtfressende Vögel reinigen
die Schnäbel vom anheftenden Schleim und kleben
sie somit auf geeignete Wuchsorte. |
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