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Botanischer Garten
Annette Höggemeier
 
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Botanischer Garten » Monatsporträts » Dezember 2004
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Viscum album L. - Mistel

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Die Mistel gehört neben Stechpalme und Efeu zu den Pflanzen, die in unseren Weihnachtsbräuchen eine wichtige Rolle spielen. Als immergrüne Pflanzen haftet ihnen eine umfassende Symbolik an und sie beleben damit die dunkle Jahreszeit.

Der Mistel kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, die auf ihrer ungewöhnlichen Lebensweise basiert. Bevor man wusste, dass Misteln epiphytische Sprossparasiten sind, die auf verschiedenen Laub- und Nadelbäumen wachsen, denen sie Wasser und Mineralstoffe entziehen, hatte man andere Erklärungen für ihre Besonderheit: die Götter selbst säten sie auf Bäumen aus, so dass sie also auch mit göttlichen Kräften ausgestattet waren. Diese konnte man sich zu kultischen Zwecken zu Dienste machen. Die Priester der Kelten, die Druiden, bestiegen mit weißer Kleidung Mistel-besetzte Bäume, vornehmlich die selten befallenen Eichen, um mit goldenen Sicheln Misteln zu schneiden. Daraus wurden allerlei kraftgebende Zaubermittel hergestellt - bestens bekannt aus dem berühmten Comic “Asterix und Obelix”. Auch in der griechischen und römischen Mythologie spielten Misteln als heilige Zauberpflanzen und Symbol für Glück, Mut, Gesundheit und Fruchtbarkeit eine herausragende Rolle.

Im Christentum wurde die Mistel zu einem Symbol des Friedens. Der Sage nach soll aus ihrem Holz das Kreuz Christi gemacht worden sein. Aus Scham darüber sei der Baum eingetrocknet, um sich in eine Pflanze zu verwandeln, die allen, die in ihre Nähe kommen, Gutes bringt. Feinde versöhnten sich unter ihr und gaben sich den Friedenskuss. Vieles von alle dem hat die Mistel zur Weihnachtspflanze gemacht, zunächst im angloamerikanischen Raum und heute auch hierzulande. Mistelzweige mit den im Dezember reifenden weißen Früchten werden in den Blumengeschäften angeboten und bereichern die weihnachtliche Floristik.

Im Winter sind die nestähnlich aussehenden Laubholz-Misteln gut in den Baumkronen zu erkennen (Abb. links oben: auf Silber-Ahorn, Acer saccharinum, im Botanischen Garten K 4; auf Nadelbäumen sind sie schwer zu finden: Abb.links unten: auf Tanne, Abies equi-trojani; Alpinum G 6). Die weißen erbsengroßen Früchte sind ungewöhnlich zäh-klebrig (lat. viscosus = klebrig; bot. Name! Abb. unten rechts: Früchte und Samen im zähen, fädenziehenden Fruchtschleim), zu verstehen als Einrichtung, die Samen in Baumkronen zu bringen. Fruchtfressende Vögel reinigen die Schnäbel vom anheftenden Schleim und kleben sie somit auf geeignete Wuchsorte.
 
 
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Letzte Änderung: 01.12.2004 | Ansprechpartnerin: Annette Höggemeier