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Botanischer Garten
Dr. Gertraud Küpper, Dr. Armin Jagel
 
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Botanischer Garten » Tiere im Freiland
Botanischer Garten - Lebensraum für Tiere

 

Zahlreiche Untersuchungen in den letzten Jahren haben gezeigt, dass Botanische Gärten nicht nur Raum für die Präsentation und das Studium von Pflanzen bieten, sondern durch das Angebot verschiedenster Standorte auch Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Trotz der fremdländischen Flora stellen Botanische Gärten für die einheimische Tierwelt ein Refugium in unserer ausgeräumten Landschaft dar und selbst zahlreiche geschützte und “Rote-Liste“-Arten können hier beobachtet werden.

Zu erwähnen sind z. B. Wildbienen, für die das ganze Jahr über ein reichliches Blütenangebot zur Verfügung steht. Auch Nistplätze in Totholz, in Wiesen oder auch zusätzliche Nisthilfen helfen bei der Erhaltung ihres Bestandes und bei der Neuansiedlung. Im Botanischen Garten der Ruhr-Universität finden sich 75 verschiedene Arten von Wildbienen. Die meisten von ihnen sind solitär lebende Bienen, d. h. die Weibchen sorgen für ihre eigenen Nachkommen, es werden keine Staaten gebildet.
Systematisch gehören zu den Wildbienen auch die Hummeln, die einjährige Staaten bilden. Sie sammeln schon im März an Blüten Nektar oder Pollen. Im Unterschied zu Honigbienen können nämlich einige Wildbienenarten schon bei niedrigen Temperaturen fliegen und daher auch im kühlen Frühjahr z. B. Obstbäume bestäuben.

Das reichhaltige Angebot an Blüten lockt außerdem eine Vielzahl von Schmetterlingen an, wie z. B. Admiral (Vanessa atalanta) Distelfalter (Cynthia cardui), Tagpfauenauge (Inachis io), C-Falter (Polygonia c-album), Kleiner Fuchs (Aglais urticae), Landkärtchen (Araschnia levana), Großer Kohlweißling (Pieris brassicae), Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae), Raps-Weißling (Pieris napi), Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni, Insekt des Jahres 2002), Großes Ochsenauge (Maniola jurtina), Brauner Waldvogel (Aphantopus hyperantus), Kleines Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), Nesselzünsler (Pleuroptya ruralis), Rostfarbiger Dickkopffalter (Ochlodes venatus), Gammaeule (Autographa gamma) und Braunwurzmönch (Shargacucullia scrophulariae). Zusammen mit den Bienen und Schmetterlingen gehören die Schwebfliegen (Syrphidae) zu den wichtigsten Bestäubern unserer Flora. Zu den häufigsten Arten gehören die Gewöhnliche Winterschwebfliege (Episyrphus balteatus) und die Gewöhnliche Langbauchschwebfliege (Sphaerophoria scripta). Ihre Larven ernähren sich hauptsächlich von Blattläusen, weswegen die der ersteren auch im Biologischen Pflanzenschutz Anwendung finden.

Die Teiche des Botanischen Gartens bieten Lebensraum für Libellen, die hier ihre Reviere bewachen, Eier ablegen und deren Larven in den Kleingewässern aufwachsen. Regelmäßig zu beobachten sind 12 Arten: Weidenjungfer (Lestes viridis), Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula), Große Pechlibelle (Ischnura elegans), Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella), Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta), Königslibelle (Anax imperator), Vierfleck (Libellula quadrimaculata), Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae), Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) und Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum). Daneben wurden an den Teichen innerhalb des Botanischen Gartens nachgewiesen: Kleines Granatauge (Erythromma viridulum), Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendes), Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas), Gewöhnliche Binsenjungfer (Lestes sponsa), Gewöhnliche Federlibelle (Platycnemis pennipes), Plattbauch (Libellula depressa), Gewöhnliche Heidelibelle (Sympetrum vulgatum), womit 19 der 22 im Bochumer Stadtgebiet nachgewiesenen Libellen-Arten im Botanischen anzutreffen sind (vgl. OLY 1996).

Der Reichtum an Insekten und die Vielfalt von fruchtenden Sträuchern dienen vielen Vögeln als Nahrungsgrundlage. Sie brüten im Bereich des Gartens oder besuchen ihn aus dem nahe gelegenen Waldgebiet und den Wiesen des Kalwes oder auch des Universitätsgeländes. Im Garten hören und sehen bzw. über dem Garten kreisen kann man regelmäßig: Zaunkönig, Heckenbraunelle, Rotkehlchen, Hausrotschwanz, Amsel, Singdrossel, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Fitis, Winter- und Sommergoldhähnchen, Schwanzmeise, Blaumeise, Kohlmeise, Kleiber, Gartenbaumläufer, Eichelhäher, Elster, Rabenkrähe, Star, Buchfink, Grünling (Grünfink), Stieglitz (Distelfink), Gimpel (Dompfaff), Ringeltaube, Grünspecht, Stockente, Mäusebussard, Turmfalke und Mauersegler. An den Teichen unterhalb des Gartens können mit ein bisschen Glück Eisvögel beobachtet werden. Bis Ende der 1980er Jahre kamen im Garten alljährlich auch Nachtigallen vor.

Im Frühjahr suchen Erdkröten sowie Teich- und Bergmolche (Triturus vulgaris, T. alpestris) die Gewässer auf, um sich zu paaren und ihre Eier abzulegen. Während des gesamten Jahres leben hier Wasserfrösche, deren Quaken zur Fortpflanzungszeit im ganzen Garten zu hören ist. Die im sogenannten “Tertiärteich” lebenden, aus Nordamerika stammenden Rotwangenschildkröten (Pseudemys scripta) wurden eingesetzt. Sie überwintern hier zwar selbstständig, pflanzen sich aber nicht fort. An den Teichen und dem Bach kann man außerdem mit etwas Glück den Feuersalamander beobachten.

Ringelnattern (Natrix natrix) ernähren sich u. a. von den zahlreich vorhandenen Fröschen. Obwohl diese Schlangen im Botanischen Garten nicht selten sind und sich sogar erfolgreich fortpflanzen, sind sie nicht oft zu sehen, da sie sich an versteckteren Plätzen sonnen. In NRW haben die Vorkommen der Ringelnatter wegen des Rückgangs ihrer Lebensräume stark abgenommen. Die Art wird in der “Roten Liste” daher landesweit als „stark gefährdet“ (SCHLÜPPMANN & GEIGER 1999) geführt. Noch relativ regelmäßig anzutreffen dagegen ist die Blindschleiche (Anguis fragilis).

Im Alpinum sind an warmen Tagen Mauereidechsen (Podarcis muralis) zu beobachten, die sich auf den Steinen sonnen. In NRW kommen sie natürlicherweise nur im südlichen Rheinland vor. In der Roten Liste werden sie unter der Kategorie "R", was "von Natur aus selten" bedeutet. Die Vorkommen im Bochumer Botanischer Garten dürften auf Aussetzen zurückzuführen sein. Die Art ist hier aber schon seit langem eingebürgert.

In Botanischen Garten und dem benachbarten Waldgebiet hat der Arbeitskreis Umweltschutz Fledermauskästen aufgehängt, die regelmäßig kontrolliert werden. Seit 1987 wurden folgende Arten nachgewiesen: Großer Abendsegler (Nyctalus noctula), Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii), Teichfledermaus (Myotis dasycneme), Wasserfledermaus (Myotis daubentoni) und der in NRW sehr seltene Kleine Abendsegler (Nyctalus leisleri).

Literatur:
OLY, M. 1996: Beitrag zur Odontatenfauna im Stadtbereich Bochum. - Libellula 15(1/2): 11-26.
SCHLÜPMANN, M. & GEIGER, A. 1999: Rote Liste der gefährdeten Kriechtiere (Reptilia) und Lurche (Amphibia) in Nordrhein-Westfalen. 3. Fassung - Schriftenr. LÖBF 17: 375-404.

 
 
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Letzte Änderung: 23.10.2005 | Ansprechpartner: Gertraud Küpper, Armin Jagel