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Botanischer Garten - Lebensraum
für Tiere
Zahlreiche Untersuchungen in den letzten Jahren haben gezeigt,
dass Botanische Gärten nicht nur Raum für die Präsentation
und das Studium von Pflanzen bieten, sondern durch das Angebot
verschiedenster Standorte auch Lebensraum für zahlreiche
Tierarten. Trotz der fremdländischen Flora stellen Botanische
Gärten für die einheimische Tierwelt ein Refugium
in unserer ausgeräumten Landschaft dar und selbst zahlreiche
geschützte und Rote-Liste-Arten können
hier beobachtet werden.
Zu erwähnen sind z. B. Wildbienen, für die das
ganze Jahr über ein reichliches Blütenangebot zur
Verfügung steht. Auch Nistplätze in Totholz, in
Wiesen oder auch zusätzliche Nisthilfen helfen bei der
Erhaltung ihres Bestandes und bei der Neuansiedlung. Im Botanischen
Garten der Ruhr-Universität finden sich 75 verschiedene
Arten von Wildbienen.
Die meisten von ihnen sind solitär lebende Bienen, d.
h. die Weibchen sorgen für ihre eigenen Nachkommen, es
werden keine Staaten gebildet.
Systematisch gehören zu den Wildbienen auch die Hummeln,
die einjährige Staaten bilden. Sie sammeln schon im März
an Blüten Nektar oder Pollen. Im Unterschied zu Honigbienen
können nämlich einige Wildbienenarten schon bei
niedrigen Temperaturen fliegen und daher auch im kühlen
Frühjahr z. B. Obstbäume bestäuben.
Das reichhaltige Angebot an Blüten lockt außerdem
eine Vielzahl von Schmetterlingen an, wie z. B. Admiral
(Vanessa atalanta) Distelfalter
(Cynthia cardui), Tagpfauenauge
(Inachis io), C-Falter
(Polygonia c-album), Kleiner
Fuchs (Aglais urticae), Landkärtchen
(Araschnia levana), Großer
Kohlweißling (Pieris brassicae), Kleiner
Kohlweißling (Pieris rapae), Raps-Weißling
(Pieris napi), Zitronenfalter
(Gonepteryx rhamni, Insekt des Jahres 2002), Großes
Ochsenauge (Maniola jurtina), Brauner
Waldvogel (Aphantopus hyperantus), Kleines
Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), Hauhechel-Bläuling
(Polyommatus icarus), Nesselzünsler
(Pleuroptya ruralis), Rostfarbiger
Dickkopffalter (Ochlodes venatus), Gammaeule
(Autographa gamma) und Braunwurzmönch
(Shargacucullia scrophulariae). Zusammen mit den Bienen
und Schmetterlingen gehören die Schwebfliegen (Syrphidae)
zu den wichtigsten Bestäubern unserer Flora. Zu den häufigsten
Arten gehören die Gewöhnliche
Winterschwebfliege (Episyrphus balteatus) und
die Gewöhnliche
Langbauchschwebfliege (Sphaerophoria scripta).
Ihre Larven ernähren sich hauptsächlich von Blattläusen,
weswegen die der ersteren auch im Biologischen Pflanzenschutz
Anwendung finden.
Die Teiche des Botanischen Gartens bieten Lebensraum für
Libellen, die hier ihre Reviere bewachen, Eier ablegen und
deren Larven in den Kleingewässern aufwachsen. Regelmäßig
zu beobachten sind 12 Arten: Weidenjungfer
(Lestes viridis), Frühe
Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula), Große
Pechlibelle (Ischnura elegans), Hufeisen-Azurjungfer
(Coenagrion puella), Blaugrüne
Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), Herbst-Mosaikjungfer
(Aeshna mixta), Königslibelle
(Anax imperator), Vierfleck
(Libellula quadrimaculata), Großer
Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), Schwarze
Heidelibelle (Sympetrum danae), Blutrote
Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) und Große
Heidelibelle (Sympetrum striolatum). Daneben wurden
an den Teichen innerhalb des Botanischen Gartens nachgewiesen:
Kleines Granatauge (Erythromma viridulum), Gebänderte
Prachtlibelle (Calopteryx splendes), Glänzende
Binsenjungfer (Lestes dryas), Gewöhnliche Binsenjungfer
(Lestes sponsa), Gewöhnliche Federlibelle (Platycnemis
pennipes), Plattbauch (Libellula depressa), Gewöhnliche
Heidelibelle (Sympetrum vulgatum), womit 19 der 22
im Bochumer Stadtgebiet nachgewiesenen Libellen-Arten im Botanischen
anzutreffen sind (vgl. OLY 1996).
Der Reichtum an Insekten und die Vielfalt von fruchtenden
Sträuchern dienen vielen Vögeln als Nahrungsgrundlage.
Sie brüten im Bereich des Gartens oder besuchen ihn aus
dem nahe gelegenen Waldgebiet und den Wiesen des Kalwes oder
auch des Universitätsgeländes. Im Garten hören
und sehen bzw. über dem Garten kreisen kann man regelmäßig:
Zaunkönig, Heckenbraunelle, Rotkehlchen, Hausrotschwanz,
Amsel, Singdrossel, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Fitis,
Winter- und Sommergoldhähnchen, Schwanzmeise, Blaumeise,
Kohlmeise, Kleiber, Gartenbaumläufer, Eichelhäher,
Elster, Rabenkrähe, Star, Buchfink, Grünling (Grünfink),
Stieglitz (Distelfink), Gimpel (Dompfaff), Ringeltaube, Grünspecht,
Stockente, Mäusebussard, Turmfalke und Mauersegler. An
den Teichen unterhalb des Gartens können mit ein bisschen
Glück Eisvögel beobachtet werden. Bis Ende der 1980er
Jahre kamen im Garten alljährlich auch Nachtigallen vor.
Im Frühjahr suchen Erdkröten
sowie Teich- und Bergmolche (Triturus vulgaris,
T. alpestris) die Gewässer auf, um sich zu paaren
und ihre Eier abzulegen. Während des gesamten Jahres
leben hier Wasserfrösche,
deren Quaken zur Fortpflanzungszeit im ganzen Garten zu hören
ist. Die im sogenannten Tertiärteich lebenden,
aus Nordamerika stammenden Rotwangenschildkröten (Pseudemys
scripta) wurden eingesetzt. Sie überwintern hier
zwar selbstständig, pflanzen sich aber nicht fort. An
den Teichen und dem Bach kann man außerdem mit etwas
Glück den Feuersalamander
beobachten.
Ringelnattern
(Natrix natrix) ernähren sich u. a. von den zahlreich
vorhandenen Fröschen. Obwohl diese Schlangen im Botanischen
Garten nicht selten sind und sich sogar erfolgreich fortpflanzen,
sind sie nicht oft zu sehen, da sie sich an versteckteren
Plätzen sonnen. In NRW haben die Vorkommen der Ringelnatter
wegen des Rückgangs ihrer Lebensräume stark abgenommen.
Die Art wird in der Roten Liste daher landesweit
als stark gefährdet (SCHLÜPPMANN &
GEIGER 1999) geführt. Noch relativ regelmäßig
anzutreffen dagegen ist die Blindschleiche
(Anguis fragilis).
Im Alpinum sind an warmen Tagen Mauereidechsen
(Podarcis muralis) zu beobachten, die sich auf den
Steinen sonnen. In NRW kommen sie natürlicherweise nur
im südlichen Rheinland vor. In der Roten Liste werden
sie unter der Kategorie "R", was "von Natur
aus selten" bedeutet. Die Vorkommen im Bochumer Botanischer
Garten dürften auf Aussetzen zurückzuführen
sein. Die Art ist hier aber schon seit langem eingebürgert.
In Botanischen Garten und dem benachbarten Waldgebiet hat
der Arbeitskreis
Umweltschutz Fledermauskästen aufgehängt,
die regelmäßig kontrolliert werden. Seit 1987 wurden
folgende Arten nachgewiesen: Großer
Abendsegler (Nyctalus noctula), Rauhautfledermaus
(Pipistrellus nathusii), Teichfledermaus (Myotis
dasycneme), Wasserfledermaus (Myotis daubentoni)
und der in NRW sehr seltene Kleine Abendsegler (Nyctalus
leisleri).
Literatur:
OLY, M. 1996: Beitrag zur Odontatenfauna im Stadtbereich Bochum.
- Libellula 15(1/2): 11-26.
SCHLÜPMANN, M. & GEIGER, A. 1999: Rote Liste der
gefährdeten Kriechtiere (Reptilia) und Lurche (Amphibia)
in Nordrhein-Westfalen. 3. Fassung - Schriftenr. LÖBF
17: 375-404.
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