Zitronenfalter  (Gonepteryx rhamni)
Weisslinge (Pieridae)
Insekt des Jahres 2002
Der Zitronenfalter überwintert bei uns, indem er an einer geschützen Stelle (z.B. unter einem Efeublatt oder an Grashalmen unter Nadelbäumen) in Winterstarre verbringt. Bereits an sonnigen Märztagen verlassen (in der Regel) Männchen zeitweilig ihr Winterversteck. Deswegen bezeichnet man die Zitronenfalter als Frühlingsboten. 
Das Männchen ist zitronengelb (links), während das Weibchen grünlich weiß (rechts) gefärbt ist und dadurch besser getarnt ist als das Männchen. Die Falter klappen ihre Flügel beim Sitzen zusammen. Sie nehmen damit Blattform an, was ebenfalls der Tarnung dienen dürfte.
Die Zitronenfalter halten sich gerne in der Nähe von Wäldern oder Gebüschen auf und meiden zu strukturarme Bereiche, wie z.B. intensiv genutzte Ackerlandschaften.
Bei der Wahl der Nahrungspflanzen zeigen sie eine deutliche Vorliebe für violette Blüten. Zu den wichtigsten Arten gehören z.B. Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), Blutweiderich (Lythrum salicaria) und im Gartenbereich der Sommerflieder (Buddleja davidii).
Das auf den Fotos abgebildete Weibchen saugt am Heil-Ziest (Betonica officinalis). Im Frühjahr, wenn violette Blüten, wie z.B. von Lerchensporn (Corydalis solida), Seidelbast (Daphne mezereum) und  März-Veilchen (Viola odorata), noch nicht in ausreichender Anzahl vorhanden sind, werden aber auch andersfarbige Pflanzen besucht, wie z.B. Huflattich (Tussilago farfara), Weiden-Arten (Salix) und Löwenzahn (Taraxacum-Arten).
Die Nahrungspflanzen der Raupen sind bei uns ausschließlich der Faulbaum (Frangula alnus) und der Echte Kreuzdorn (Rhamnus carthaticus). Beide Arten gehören zu den Rhamnaceae und sind in Nordrhein-Westfalen die einzigen heimischen Vertreter dieser Pflanzenfamilie. Besonders der Faulbaum ist bei uns nicht selten, In den Kalkgebieten (oder auch gepflanzt) tritt zusätzlich der Echte Kreuzdorn hinzu. Die Nahrungspflanzen der Raupen sind daher fast überall vorhanden. Der ausgewachsene Falter ist außerdem ein Vagabund und kann überall auftauchen, wo es für ihn geeignete Nektarpflanzen gibt. 

Literatur: 
EBERT, G. 1991: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. 1. Stuttgart: Ulmer. 
TOLMAN, T. & LEWINGTON, R. 1998: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. Stuttgart: Kosmos.
WEIDEMANN, H.-J. 1986: Tagfalter. Band 1. Entwicklung - Lebensweise. Melsungen: Neumann-Neudamm.

weitere Infos
 

Armin Jagel, Spezielle Botanik, Ruhr-Universität Bochum