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Goody
and Schneider: The Problem Of Definition
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The Kibbutz
[…]: Fooling Mother Nature
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Adopt A
Daughter-In-Law, Marry A Sister: A Chinese Solution To
The Problem
Of The Incest Taboo
Die wohl bekannteste
Geschichte zum Thema Inzest:
Im ersten Teil von Sophokles´ Trilogie geht es um ein
Orakel, dass dem König Laios von Theben verkündet, wenn ihnen ein Sohn geboren
würde, werde dieser seinen Vater töten und seine eigene Mutter Jokaste
heiraten. Bei der Geburt ihres Sohnes Ödipus beschließt Jokaste, dem vom Orakel
vorausgesagten Schicksal dadurch zu entkommen, dass sie das Kind tötet. Sie
übergibt Ödipus an einen Hirten, der es im Wald mit zusammengebundenen Füßen aussetzen
soll, so dass es umkommen muss. Aber der Hirte hat Mitleid mit dem Kind und übergibt
es einem Mann, der in den Diensten des Königs von Korinth steht und der es zu
seinem Herrn bringt. Der König nimmt den Knaben an Kindes Statt an und der
kleine Prinz wächst in Korinth heran, ohne zu wissen, dass er nicht der echte
Sohn des Königs von Korinth ist. Das Orakel von Delphi verkündet ihm, es sei
sein Schicksal, seinen Vater zu töten und seine Mutter zu heiraten. Er
beschließt, diesem Schicksal dadurch zu entgehen, dass er nie wieder zu seinen
vermeintlichen Eltern zurückkehrt. Auf dem Rückweg von Delphi gerät er in einen
heftigen Streit mit einem alten daherkommenden Mann. Er verliert die
Selbstbeherrschung und tötet diesen Mann, ohne zu wissen, dass er seinen Vater,
den König von Theben, erschlagen hat. Auf seiner Wanderschaft gelangt er nach
Theben. Dort verschlingt die Sphinx die jungen Männer und Jungfrauen der Stadt
und will erst damit aufhören, wenn sich jemand findet, der die richtige Antwort
auf ihr Rätsel weiß. Die Stadt Theben hat versprochen, den, der das Rätsel
lösen und so die Stadt von der Sphinx befreien könne, zum König zu machen und
ihm die Witwe des Königs zur Gemahlin zu geben. Ödipus unternimmt das Wagnis.
Er findet die Antwort auf das Rätsel. Die Sphinx stürzt sich ins Meer, die
Stadt ist von ihr befreit. Ödipus wird König und heiratet seine Mutter Jokaste.
Nachdem Ödipus eine Zeit lang glücklich regiert hat, wird die Stadt von einer
Pest heimgesucht, der viele Bürger zum Opfer fallen. Der Seher Thereisias
enthüllt, dass die Pest die Strafe für das von Ödipus begangene zweifache
Verbrechen ist, den Vatermord und den Inzest. Ödipus versucht zunächst verzweifelt,
die Wahrheit nicht zu sehen. Als er sich gezwungen sieht, sie zu erkennen,
blendet er sich selbst und Jokaste begeht Selbstmord. Die Tragödie endet damit,
dass Ödipus die Strafe für ein Verbrechen erleidet, dass er unwissentlich und
trotz seiner bewußten Bemühungen, es zu vermeiden, beging.
Inzest ist allgemein
gesehen Geschlechtsverkehr bzw. Sexualität zwischen festgelegten Kategorien von
Verwandten.
Diese verbotenen
Kategorien können Blutsverwandte umfassen oder sich auf Nichtblutsverwandte
erstrecken.
Diese Kategorien sind
kulturabhängig, in einigen Kulturen gilt nur die Familie (die genetisch verwandt
sind) als Gruppe, in der Inzest verboten ist, in anderen Gemeinden gilt die
gesamte Binnengruppe, also ein ganzer Stamm als „verwandt“ und eine Beziehung
zweier Personen dieser Gruppe wird als Inzest angesehen.
§ 173 StGB „Beischlaf
zwischen Verwandten“
(1) Wer mit einem
leiblichen Abkömmling den Beischlaf vollzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Wer mit einem
leiblichen Verwandten aufsteigender Linie den Beischlaf vollzieht, wird mit Freiheitsstrafe
bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft; dies gilt auch dann, wenn das
Verwandtschaftsverhältnis erloschen ist. Ebenso werden leibliche Geschwister
bestraft, die miteinander den Beischlaf vollziehen.
(3) Abkömmlinge und
Geschwister werden nicht nach dieser Vorschrift bestraft, wenn sie zur Zeit der
Tat noch nicht achtzehn Jahre alt waren.
Durch die Möglichkeit
anonymer Samenspenden kann es (theoretisch) zu folgenden Fällen kommen:
1. Ein 40jähriger Mann
schläft mit einer 18jährigen Frau, die seine durch eine Samenspende entstandene
Tochter ist.
2. Ein 20jähriger Mann
und eine 20jährige Frau vollziehen miteinander den Beischlaf, beide sind aber
leibliche Abkömmlinge eines anonymen Samenspenders.
Strafbar nach § 173 StGB
oder handelt es sich um einen Verbotsirrtum?
(Anmerkung: Verbotsirrtum: Fehlt dem Täter bei der Begehung der Tat die Einsicht, Unrecht zu tun, so handelt er ohne Schuld, wenn er diesen Irrtum nicht vermeiden konnte.
Quelle: StGB –
Dreher/Tröndler 46. Auflage ; StGB – Lackner 20. Auflage)
Schon immer und in fast
allen Kulturen war Inzest ein Tabu, das
schwer bestraft wurde.
Es gibt aber Ausnahmen im
alten Ägypten, wo Pharaonen ihre Schwestern heirateten, sowie bei den Inkas und
Mayas.
Aber auch auf dem
europäischen Kontinent gibt es Fälle von Inzest.
Kaiser Commodus:
Der römische Kaiser Marcus Aurelius C. Antonius Commodus ( 161n. Chr.
bis 192 n. Chr.) hatte eine sexuelle Beziehung zu seiner Schwester Lucilla.
Der Film Gladiator, der
im Mai 2000 in die Kinos kam, spielt zu dieser Zeit.
Papst Alexander VI:
Der Renaissance- Papst Alexander
VI ( 1431- 1503), hatte eine sexuelle Beziehung zu seiner Tochter Lucretia
Borgia
Es gibt sehr viele
Forschungsansätze zum Thema Inzest, bei denen verschiedene Wissenschaften beteiligt
sind, zum Beispiel die Ethnologie, Anthropologie, Psychologie und Biologen.
Ein großer Ansatz, der
seine Anfänge schon im 19. Jahrhundert durch Edward B. Tylor findet, ist die „Alliance School“, der davon ausgeht, dass Inzestverbote vor allem
eine soziale Funktion haben: Sie sollen Menschen zwingen, ihre Sexualpartner
außerhalb ihrer Familie zu suchen und dadurch mit anderen Menschen Bündnisse
einzugehen. Es wird oft angenommen, dass sich mit dem Sexualpartner eine
langfristige eheähnliche Beziehung entwickelt. Daher
befassen sich viele Forscher auf diesem Gebiet mehr mit Exogamie als mit Inzest an sich. Exogamie
beschreibt eine Heiratsordnung, die es verbietet, den Ehepartner aus der Gruppe
zu wählen, der man selbst angehört. Insofern beinhaltet Exogamie auch
Inzestverbote, umfaßt aber darüber hinaus ein größeren Bereich. Der Theorie der
Alliance School nach entstehen durch Exogamie Bündnisse zwischen einzelnen
Familien oder Gruppen (Clans), die vor allem politische, soziale und
ökonomische Pflichten und Vorteile mit sich bringen. Clans, die durch
Hochzeiten ihrer Mitglieder miteinander verbunden sind, stehen sich zum Beispiel
in Kriegszeiten und bei anderen Gefahren bei und teilen Nahrung sowie andere
Ressourcen. Vor allem die Frauen, die zum einen die Schwestern und Töchter des
einen Clans und gleichzeitig die Ehefrauen und Mütter des anderen Clans sind,
wirken friedenstiftend auf beide Gruppen ein und versuchen, Fehden unter ihnen
zu verhindern. Daher kann man sagen, dass diese Bündnisse eine oft unkultivierte
Bevölkerung friedlich zusammenleben lassen, zu Kooperation verpflichten und so
das Leben insgesamt sicherer machen. Sie bilden oftmals die Grundlage der
sozialen Ordnung.
Offensichtlich handelt es
sich hierbei also um kulturelle Hintergründe der Inzestverbote, die es fast
überall auf der Welt in unterschiedlicher Ausprägung gibt. Diese Betonung der
Kultur ist einzusehen, wenn man wie
Claude Lévi-Strauss annimmt, dass die Rolle der Kultur darin liegt, die
Existenz einer Gruppe zu sichern. Dieser Schutz wird durch Kooperation und den
Tausch von Wertgegenständen geleistet, zu denen oft auch Frauen zählen.
Für die meisten Vertreter der Alliance School sind biologische Gründe der Inzestverbote weniger bedeutsam, da sie erstens oftmals noch nicht richtig erforscht waren und zweitens nur bei direkter Blutsverwandtschaft relevant sind und daher für den größeren Bereich der Exogamie keine bedeutsame Rolle spielen.
Immerwiederkehrende
Kritik an den verschiedenen Ansätzen der Alliance School ist die fehlende
Unterscheidung der Begriffe Exogamie und Inzestverbot sowie die Tatsache, dass
die meisten Vertreter der Alliance School Geschlechtsverkehr und Heirat wie
Synonyme verwenden.
Goody And Schneider:
A Problem of Definition
Da Goody und Schneider
beide der Meinung waren, dass die Definition eines der großen Probleme beim
Thema Inzest seien, beschäftigten sie sich hauptsächlich mit der Klärung dieses
Problems. Während Goodys Ansatz sich mit sozialen Aspekten beschäftigte, ging
Schneider mehr auf kulturelle Aspekte ein.
Ihr gemeinsamer Nenner
war die Akzeptanz der Inzestdefinitionen der Kulturen, die sie untersuchten.
Goody beschäftigte sich
mit zwei Kulturen, den Tallensi und den Ashanti, um die Basiskonzepte von
Inzest zu erklären.
Er fand heraus, dass es
bei den Ashanti, einer matrillinearen Kultur, drei Verbotskategorien gibt:
1. Geschlechtsverkehr mit Frauen des
Matriclans (Mutter oder Schwester)
2. GV mit Frauen des Patriclans (Tochter)
3. GV mit verheirateten Frauen
Bei den patrilinearen
Tallensi gibt es keinen Inzestbegriff, jedoch auch drei Verbotskategorien:
1. GV mit einem Mitglied des gleichen
Patriclans (Bruder-Schwester/Vater-Tochter)
2. GV mit Frau eines Clansmannes
(Mutter-Sohn, da Mutter Frau eines Clansmannes)
3. GV mit Frau eines Nicht-Clansmannes
Goody machte darauf
aufmerksam, dass hier Vergehen der 1. Kategorie nur verrufen sind, während
Vergehen der 2. Kategorie mit dem Entsetzen angesehen werden, das gewöhnlich
mit Inzest verbunden ist.
In der Zusammenfassung seiner Ergebnisse sagte er, dass der Inzestbegriff wichtig ist, um den verbotenen Geschlechtsverkehr mit unilinearen Verwandten zu bestimmen. Bezüglich der 2. Kategorie von Vergehen weist er auf das Konzept des Ehebruchs mit Ehefrauen hin. Hier hängt das Tabu vom Heiratsstatus der Frau ab: Ist sie nicht in die unilineare Verwandtschaft eingeheiratet, so wird der Geschlechtsverkehr als unzüchtig angesehen, ist aber evtl. ohne Bestrafung.
Dies hat in matrilinearen
Kulturen die Konsequenz, dass Väter Geschlechtsverkehr mit ihren unverheirateten
oder außerhalb des Clans verheirateten Töchtern Geschlechtsverkehr haben
könnten.
In patrilinearen Kulturen
ist die Folge, dass Söhne Geschlechtsverkehr mit ihren unverheirateten Müttern
haben könnten.
Goody sagt, dass in
diesen Kulturen Abscheu nicht mit Inzest, sondern mit der sozialen Reproduktion
verbunden ist: (Illegaler) Geschlechtsverkehr zwischen Ehefrauen und anderen
Mitgliedern ist abscheulich, weil die Kontinuität des Patriclans von der Frau
abhängt, die das Amt „Ehefrau“ bekleidet. In matrilinearen Kulturen ist die
soziale Reproduktion durch Schwerstern gesichert, also ist Geschlechtsverkehr
mit einer Schwester abscheulich.
Er wies auch darauf hin,
dass Vater-Tochter-Verhältnisse in beiden Kulturen nicht in die abscheulichste
Kategorie fallen, Mutter-Sohn-Verhältnisse jedoch in beiden. Goody erklärte
dies so, dass die Mutter bei den Tallensi die nahste Frau eines Clansmannes der
Seniorgeneration, und bei den Ashanti das nahste weibliche Mitglied der
Seniorgeneration ist.
Goodys kulturelle Erklärungen
sind jedoch fehlerhaft:
Er gibt keine Erklärung
dafür, warum in beiden Kulturen Vater-Tochter-Verhältnisse in die am wenigsten
abscheuliche, Mutter-Sohn-Verhältnisse aber in die abscheulichste Kategorie
fallen und warum Bruder-Schwester-Verhältnisse irgendwo dazwischen liegen.
Desweiteren erklärt er
nicht, weshalb die Ashanti Vater-Tochter-Verhältnisse mit dem Tod bestrafen,
obwohl es nur ein Vergehen der 2. Kategorie ist, während sie bei den Tallensi
höchstens verrufen sind.
Positiv zu bewerten ist,
dass es Goody gelingt, die zwei Hauptinzesttheorien, nämlich die Familiensozialisationstheorie
und die Allianztheorie, durch die Anwendung seiner eigenen Typologie zusammenzuschließen:
Das Verbot des Geschlechtsverkehrs mit unilinearen Verwandten gibt die Allianztheorie
wieder, während das Verbot, Geschlechtsverkehr mit Clansfrauen zu haben ,die
Theorie der Familiensozialisation reflektiert.
Schneider beschrieb seine
Sicht in einem Artikel (Attemps to Account for the Incest Taboo/ 1956):
Schneider schenkt den
„bizarren Theorien“, zum Beispiel Freuds Urvatermord und Durkheims Spekulationen
über das Blutvergießen, keine Aufmerksamkeit. Genausowenig beachtet er
genetische Überlegungen.
Ihm geht es um eine klare
Unterscheidung zwischen a) dem historischen Ursprung des Inzestverbots, b)
seiner Funktion und c) den Bedingungen für die universelle Bewahrung des Tabus
(wobei b) und c) gleich sein könnten).
Schneider kritisiert die
Linie von Tylor, Fortune und White:
White gebrauche heutiges
Material um die Wichtigkeit des Tabus zur Zeit seines Ursprungs zu zeigen und
beachte dabei nicht, dass nur in der heutigen Gesellschaft persönliche
Beziehungen eine Alternative zur Heirat bieten. Weiterhin gehe White davon aus,
dass die Kernfamilie schon vor Exogamie und Inzesttabu da war, und dass ohne
das Inzestverbot alle sozial relevanten Hochzeiten inzestuös wären.
Schneider jedoch ist der
Meinung, dass die meisten Leute auch ohne das Verbot außerhalb ihrer Familien
heiraten würden. Er geht auch davon aus, dass friedliche, normale Beziehungen
zwischen den Familien eine Voraussetzung der Heirat und keine Folge wären, dass
Familien aus mehr Gründen als nur der Ehe kooperieren.
Schneider kritisiert
außerdem die Allianztheorie: Sie schaffe es nicht, die Mutter-Sohn-Verbote in patrilinearen
Gesellschaften, oder in matrilinearen die Vater-Tochter-Verbote zu erklären.
Schneider kommt zu drei
wichtigen methodologischen Regeln:
1. Eine
Definition des Tabus wird gebraucht, die Heirat von sexuellen Beziehungen
trennt.
2. Eine
Definition, die Verbote von sexuellen Beziehungen unter den Mitgliedern der
Kernfamilie von den Verboten außerhalb der Kernfamilie trennt, wird gebraucht.
3. Es
wird eine Definition gebraucht, die das Inzesttabu klar kennzeichnet und es als
Problem getrennt von der Entstehung und Bewahrung exogamer Regulationen
behandelt.
Nun kritisiert er die
Theorie der Familiensozialisation: Er ist der Meinung ist, dass sexuelle
Beziehungen Machtverhältnisse nicht behindern (später allerdings befreit er
Mutter-Sohn-Verhältnisse von diesem Argument und sagt, dass sexuelle
Beziehungen nicht vereinbar seien mit Machtverhältnissen). Außerdem sei der
störende Effekt der sexuellen Eifersucht auf die Familie auch durch andere
Mittel als das Inzesttabu eliminierbar, zum Beispiel durch Institutionalisierung.
Schneider geht nicht
davon aus, dass Tabus Inzest verhindern. Er sagt, dass günstige Effekte nicht
vom Tabu kommen müssen, sondern dass die Wahrscheinlichkeit, dass Mütter mit
ihren Söhnen, Väter mit ihren Töchtern oder Brüder mit ihren Schwestern
sexuelle Beziehungen eingehen, sehr gering ist. Auch ohne das Tabu würden
solche Fälle selten auftreten.
1976 verfasst er einen
weiteren Artikel über das jüngste Denken unter Sozialbiologen und Biosozialanthropologen.
In diesem Artikel weist er darauf hin, dass die Universalität des
Inzestverbotes angezweifelt wird, und dass Beweise aufkommen, denen zufolge die
meisten, oder auch alle Menschen Geschlechtsverkehr mit ihrer primären
Sozialisationseinheit vermeiden. Jetzt erkennt er
Westermarcks alte Hypothese an, zweifelt jedoch an dem genetischen Beweis.
In diesem Artikel fordert
er die Aufnahme homosexueller Beziehungen in die Inzestbestimmungen bestimmter
ozeanischer Stämme und spricht sich für eine andere Konzeption der drei
Inzestverhältnisse bei ihnen aus.
Schneider kommt zu drei
wichtigen theoretischen Annahmen:
1. Exogamie,
Inzest und Verwandtschaft sind mehr als nur Regulationen des Erziehungssystems
2. Inzest
bei Menschen ist etwas anderes als bei Tieren: Bei Tieren ist es eine Sache von
Beziehungen innerhalb der Gruppe, während es bei Menschen eine Angelegenheit
von Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen ist.
3. Inzestverbote
richten sich an kulturell definierte, moralisch empfängliche Gruppen. Die
Verbote sind abgegrenzt von dem, was wirklich passiert.
Er betont, dass es keinen
Zusammenhang zwischen den Verboten und der menschlichen Tendenz, sexuelle
Beziehungen mit den Mitgliedern ihrer Sozialisationseinheit zu vermeiden, gibt
und behauptet, dass bekannte ägyptische und hawaiianische Inzestfälle keine
Ausnahme zur Allgemeinheit der Inzesttheorie sind, da sie nicht verboten waren.
Schneider hält an
Durkheims Vorstellung fest, dass soziale Normen an Moralvorstellungen teilhaben
und sowohl moralische als auch praktische Qualität haben. Er schränkt das
allerdings dadurch ein, dass eine moralische Frage für eine Kultur, eine
praktische Frage für eine andere Kultur sein kann. Seiner Meinung nach beruhen
Moralvorstellungen auf sozialen Normen, die wiederum auf Moralvorstellungen
basieren, die dann wieder aus sozialen Normen hervorkommen und so weiter.
Schneider beendete die
Suche nach dem Ursprung des Inzesttabus, er akzeptierte den möglichen biologischen
Ursprung des Tabus. Trotzdem befaßte er sich weiter mit dem sozialen Zweck.
Schneider beschuldigte
die Sozialbiologen (unberechtigterweise), zu behaupten, alles wäre angeboren.
Doch das „Natur vs. Kultur“-Problem ist tot, da niemand behaupten kann, dass
alles im Menschen angeboren sei. Und es ist genauso unmöglich zu behaupten,
alles sei kulturell bestimmt.
Abschließend läßt sich
sagen, dass weder der Zweck noch die Bedeutung von Inzest verstanden werden
können, ohne dass die Basisfaktoren des menschlichen Lebens miteinbezogen
werden, wie zum Beispiel Sex, Reproduktion, Sozialisation.
Eine kleine
Zusammenfassung:
-
Goody und Schneider fokussierten ihre Kritik auf
die großen Schulen der Inzesttheorie
-
Goody betonte die Dringlichkeit unilinearer,
sozialer Strukturen, die Inzestdefinition vorgeben
-
Goody führte den Begriff der sozialen Reproduktion
ein
-
Schneider konzentrierte sich auf das Problem von
Bedeutungen/Zwecken:
®
Inzestdefinitionen sind kulturspezifisch
®
diese Definition gibt die Bedeutung von Inzest für die Menschen dieser Kultur
wieder
-
Goody und Schneider interessieren sich für die
spezifischen sozialkulturellen Konfigurationen, nicht für den Allgemeinbegriff
-
Beiden gelang es, die Basismerkmale der
Inzestregulationen zu beschreiben
®
Goody deckte den wichtigen Unterschied zwischen Vater-Tochter-Inzest und Inzest
in
anderen Paarverhältnissen auf
®
Schneider folgerte, dass Inzest auch ohne Verbot nicht (oft) auftreten würde
-
die Resistenz gegenüber biosozialen Erklärungen
verhinderte, dass sie ihren Ergebnissen
weiter
nachgingen um einen verständlicheren Blick auf Inzest zu erreichen
The Kibbutz
[…]: Fooling Mother Nature
In diesem Abschnitt wollen wir auf Untersuchungen
im Kibbuz eingehen.
Da es sich hierbei um ein Feldexperiment handelt,
muss man folgende Punkte berücksichtigen:
- man kann keine Kausalbeziehungen aufgrund von
Definitionen machen
- die unabhängige Variable kann nicht variiert
werden
Eine der methodischen
Hauptprobleme bei der Inzest- Untersuchung entsteht durch die Annahme, dass
Inzest verboten ist, um die „Kernfamilie“ zu schützen oder ihre soziale
Isolation zu vermeiden.
Hierbei dient Familie als
unabhängige Variable
Und das Inzest- Verbot
als abhängige Variable
Problem: die beiden Variablen
sind nicht trennbarà
es gibt kaum eine Gesellschaft ohne Familien oder ohne Inzest-Verbot
Im Kibbuz wird eine
soziale Situationen präsentiert, in denen sich die Menschen, wie Mitglieder
einer Familie verhalten, obwohl sie es biologisch gesehen nicht sind.
Sexuelle Beziehungen
unter den Mitgliedern werden vermieden, obwohl niemand diese Verbindungen
verbietet. Im Gegenteil die Gesellschaft zieht sogar solche Beziehungen vor, da
somit die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass die „Kinder“ im Kibbuz bleiben.
Was versteht man
überhaupt unter dem Begriff Kibbuz?
Also kurz zusammengefaßt, die Kibbuzim sind kommunale „Dörfer“ in Israel.
Der erste Kibbuz wurde
1910 von osteuropäischen Juden gegründet, die nach Palästina immigrierten. Sie
waren von dem jüdischen Leben in der Zerstreutheit enttäuscht à und suchten eine
neue Form des Lebens in ihrem neuen Land.
Palästina formte eine
harte Umgebung: es war unterentwickelt, mittelalterlich in seiner Technologie
und vor allem bestand eine feindliche soziale Umgebung, die ihren Ursprung
zwischen früheren jüdischen Einwanderern und den Arabern hatte.
Die Einwanderer
versuchten eine kollektive Lösung, sie kombinierten ihre Ideologie und die
Realität und entwickelten den Kibbuz, die erfolgreichste und langanhaltendste „Wohngemeinschaft“
im 20. Jahrhundert.
Die Wohngemeinschaft
Kibbuz war erfolgreich, da sie eine besondere Form der Erziehung praktizierte.
Die zweite Generation der
Kibbuz- Bewohner mussten so sozialisiert werden, dass sie als Erwachsene ein
„kollektives Leben“ für normal und natürlich hielten.
Deshalb wurden Kinder
praktisch sofort nach der Geburt in gleichaltrigen Gruppen ( peer- groups)von 6
bis 8 Kindern erzogen.
Obwohl die Kinder von der
Mutter gestillt wurden, wurden sie von einer ausgebildeten Krankenpflegerin
betreut, die vom Erziehungs- Komitee des Kibbuz bestimmt wurde.
Kinder verbrachten
täglich 2 Stunden am Nachmittag in der elterlichen Wohnung bevor sie in das
Kinderhaus zurückgebracht wurden. Dort wurden sie entweder von den Eltern oder
der Erzieherin ins Bett gebracht.
Als die 2 Generation im
heiratsfähigen Alter war, konnte man feststellen, dass sie kein sexuelles Interesse
aneinander hatten.
Die Kibbuz- Bewohner
schenkten diesem Phänomen kein besonderes Interesse. Für sie war es „natürlich“,
dass Kinder, die wie Geschwister aufgewachsen waren kein sexuelles Interesse
für einander entwickelten
Melford Spiro beschrieb
das Vermeidungs-Phänomen folgendermaßen:
Ein besonderes Merkmal
ist, dass ein Paar nie aus Individuen besteht, die zusammen im Kibbuz aufgewachsen
sind. Weder sexuelle Kontakte noch Ehen kommen unter diesen Individuen der 2
Generation vor.
Spiro´s Untersuchungen
konzentrierten sich vor allem auf High School Studenten, der zweiten Generation.
Auch wenn die Studenten behaupteten sie seien nicht aneinander interessiert, glaubte Spiro, dass sie ihre Gefühle nur unterdrückten.
Aber warum sollten sie
ihre sexuellen Gefühle unterdrücken, wenn sie niemand verboten hatte.
1965 untersuchte Rabin
kollektive Erziehungsmaßnahmen, indem er 24 Kinder, 38 Schulkinder, 30
Jugendliche und 31 junge Erwachsene mit individuell erzogenen Personen gleicher
Altersgruppen miteinander verglich.
Er behauptete, dass
Kibbuz Tabus und Verbote bezüglich sexuellen Kontakten streng und unnachgiebig
sind.
Diese Tabus wenden sich
vor allem an die Mitglieder einer peer-group mit der man viele Jahre zusammen
verbrachte.
Die Tabus ähneln denen
einer Bruder- Schwester- Beziehung in einer normalen Familie.
Dies ist vielleicht der
Grund, warum Ehen zwischen den selben Mitgliedern einer Gruppe so selten sind.
Kritik:
Rabin bringt keine
Beweise für die Existenz von einem solchen Tabu.
Talmon führt 1964 eine
Untersuchung mit 125 verheirateten Paare durch und erhob Statistiken bezüglich
ihrem „Heiratsmuster“.
Sie konnte typische
Verhaltensweisen bei den Personen in der 2. Generation feststellen.
- Man fand keine
sexuellen Beziehungen zwischen Mitgliedern der gleichen peer-group, wenn diese
von Geburt an zusammen waren, bzw. ihre ersten Lebensjahre miteinander verbracht
haben.
Es konnte nur ein
geringer Prozentsatz von Liebesbeziehung zwischen Mitgliedern aus unterschiedlichen
peer-groups beobachtet werden.
Widersprüchlich zur
ersten Behauptung fand man in Talmons Untersuchungen verheiratete Paare, die
aus der gleichen peer-group stammten. Bei diesen Paaren war es während der
Kindheit zu längeren zeitlichen Trennungen gekommen, da eine der Familien z.B.
für einige Jahre den Kibbuz verlassen hatte.
Zusammenfassend kann man
sagen, dass die meisten Individuen Partner außerhalb des Kibbuz heirateten,
entweder stammten sie aus einem anderen Kibbuz oder aus der Stadt.
--> Hier erkennen wir
einen typischen Fall von Westermarck´s instinctive avoidance theory:
( Westermarck´s
instinktive Vermeidungs- Theorie) Es gibt keine Ehe zwischen Individuen, die in
den ersten 6 Jahren kontinuierlich zusammen aufgewachsen sind.
Dieses Desinteresse kann
nicht durch Verbote oder Tabus erreicht werden.
Es kommt zu keiner
Eheschließung zwischen Kibbuz- Mitgliedern der 2 Generation, obwohl es kein
Tabu bzgl. dieser Ehe gibt. Im Gegensatz viele Eltern würden eine solche Ehe
begrüßen.
Selbst kindliche
„Sexspiele“ zwischen peer-group-Partnern werden weder von den Eltern noch von
den Lehrern bestraft, wie folgendes Gespräch zeigt:
Die Erzieherin erzählte
einem Vater: Ich fand Yehoram heute Morgen in Timna´s Bett.
Vater von Yehoram: Er
beginnt wirklich früh! Ich werde Dan ( dem Vater von Timna) erzählen, dass wir
bald verwandt sind.
Thorpe erklärte 1964
dieses interessante Phänomen mit Prägung:
Die Prägung findet
während einer bestimmten kritischen Zeit statt und muss von verschiedenen Faktoren
aus der Umgebung ausgelöst werden.
In diesem Falle ist die
kritische Periode die frühe Kindheit.
Weiterhin ist eine
stattgefundene Prägung sehr stabil und unwiderruflich.
Tatsächlich findet man
keine peer-group-Partner, die weder in der ersten, noch in der zweiten oder
dritten Ehe miteinander heiraten.
Die Prägung ist mit dem 6. Lebensjahr abgeschlossen, das sexuelle Interesse stellt sich nicht vor dem 14. oder 15. Lebensjahr ein.
Thorpes Bindungstheorie
würde erklären, warum sich Ehepaare aus der gleichen peer-group bilden, wenn
eines der beiden Individuen einige Zeit außerhalb des Kibbuz verbrachte.
Kaffman war 1977
allerdings ganz anderer Meinung. Er erklärt den Mangel an romantischen Beziehungen
oder Ehen innerhalb einer peer-group folgendermaßen:
Die Gruppen sind klein,
gewöhnlich nicht mehr als 16 Jugendliche, somit ist die Partnerauswahl in der
Gruppe sehr begrenzt.
Da Mädchen eher die
Pubertät erreichen ist die Wahrscheinlichkeit einen Partner in der kleinen
Gruppe zu finden sehr begrenzt.
- Ein weiterer Punkt ist
die Vertrautheit innerhalb in der peer-group durch das Alltagsleben. Dieses
Alltagsleben ist nicht sehr förderlich für die romantische Liebe, da sie
Illusionen und die gegenseitige Idealisierung zunichte macht, die aber für die
romantische Liebe so wichtig sind.
Kaffman´s Theorie lässt sich in verschiedenen Punkten widerlegen.
z.B. lässt sich mit
seiner Theorie nicht erklären, warum Menschen heiraten, wenn sie in den ersten
6 Jahre getrennt aufgewachsen sind.
Zusammenfassend lässt
sich sagen:
In dem kollektiven
Erziehungssystem ist physikalische Bestrafung sehr selten.
Kibbuz- Kinder lehnen
sich sexuell gesehen gegenseitig ab, obwohl sie nicht miteinander verwandt sind
und somit kein Inzest bestehen würde.
Die Adoption einer Schwiegertochter, die Heirat
von Geschwistern:
Eine
chinesische Lösung zum Problem des Inzest-Tabus
Eine Missionarsfrau, die
aus einer christlichen Schule einer nahe gelegenen Stadt zurückkehrt berichtet
von einem kleinen Jungen, der ungefähr 8 Jahre alt ist. Er hatte einige Monate
zuvor die Anbetung der dörflichen Idole verweigert und wiederholt einige
christliche Hymnen mit sehr viel Gefühl gesungen. Er hält ein kleines Baby, ein
Mädchen, in den Armen und die Missionarsfrau fragt, ob es seine Schwester sei
und er antwortet nicht, doch sein Bruder sagt, dass es seine Ehefrau sei.
Schwiegertöchter, die von
der Kindheit an aufgezogen werden heißen auf chinesische „t´ung-yang-hsi“ oder
„sim-pua“.
Reverent Justus Doolittle
berichtet über die Sim-Pua-Tradition, dass Mädchen häufig weggegeben oder
verkauft werden, wenn sie gerade mal ein paar Monate oder Wochen alt sind,
höchstens im Alter von bis zu ein oder zwei Jahren, um die zukünftige Frau des
Sohnes einer befreundeten Familie zu werden, der noch nicht verlobt oder
verheiratet ist. Diese Mädchen werden „kleine Braut“ oder „sim-pua“ genannt und
in der Familie ihres zukünftigen Gatten großgezogen. Die sim-pua–Hochzeit beginnt somit mit der
Adoption der zukünftigen Braut. Wenn ein dieses Mädchen
in einem heiratsfähigen Alter ist und die Familie die nötigen Kosten aufbringen
kann, so wird sie an einem glückbringenden Tag, der von einem
Schicksalsvorhersager bestimmt wird, verheiratet. Es werden keine Brautkuchen
unter ihren Verwandten gebrochen und auch kein roter Brautstuhl zum Tragen der
Braut zur Hochzeit benutzt, weil sie als Tochter in der Familie ihres Gatten
gelebt hat.
Das sim-pua wurde in einer traditionellen, landwirtschaftlichen
Gesellschaft in Taiwan gebildet und ist im Norden von Taiwan und im südlichen
Festland von China verbreitet.
Die zukünftigen Schwiegereltern ziehen das Mädchen zusammen mit
ihrem Sohn, dem späteren Ehemann, auf. Sobald das Mädchen bei der neue Familie
eingezogen ist, verbringt sie jede Stunde mit ihrem zukünftigen Mann: Bis zum
siebten oder achten Lebensjahr schlafen sie zusammen im gleichen Raum, sie
essen und spielen zusammen, sie werden mit den anderen Kindern der Familie
zusammen gebadet. Wenn sie nachher arbeiten oder studieren, arbeiten sie auf
den selben Feldern oder gehen zur gleichen Schule.
Diese Art der Heirat ist
bis heute nicht völlig ausgerottet worden. Viele chinesische und japanische
Schulen berichten von Vorkommnissen der kleinen Bräute.
Die Hochzeit einer
Sim-Pua unterscheidet sich von einer „normalen Hochzeit“ im Sinne der westlichen
Kultur. Die Hochzeiten werden in
„minor“ und „major marriages“ aufgeteilt, was das Alter und den Status
widerspiegelt: eine minor-Hochzeit entspricht der Sim-Pua-Hochzeit, bei der die
Mädchen als Kinder im Haus ihres Gatten aufwachsen, diese Tradition wird von
der Gesellschaft verachtet. Bei der major-Hochzeit heiraten die Mädchen als
junge Erwachsene, was ein gesellschaftlich hohes Ansehen genießt.
Es ergeben sich somit
einige Nachteile bei einer minor-Hochzeit, bzw. der Aufzucht einer Sim-Pua:
Häufig ist nach etlichen Jahren nur noch eine schwache Bindung zu den
leiblichen Eltern des Mädchens vorhanden, teilweise besteht überhaupt kein
Kontakt mehr; die Familie verliert somit ihr Ansehen, da die Adoption einer
Sim-Pua gesellschaftlich verachtet wird und die Vorteile der verwandtschaftlichen
Bündnisse, die in Zeiten der Not hilfreich sein können. Zudem kommt der
Gesichtspunkt, dass die Geschwister häufig nicht heiraten wollen, sie finden
sich gegenseitig uninteressant, da sie sich wie Bruder und Schwester kennen.
Warum wählen so viele diese Form?
Ein Erklärungsansatz wird
von Fei Hsiao-tung gegeben: Die Kosten einer
Sim-Pua-Hochzeit sind geringer: Arme
Familien müssten sich ansonsten mit einer schon älteren Frau zufrieden geben,
für die sie nur noch einen geringeren Brautpreis zahlen müssten, da die Kosten
für die Heirat einer jungen Frau untragbar wären.
Eine Major-Hochzeit ist
äußert kostspielig, da die Familie des Gatten neben dem Brautpreis und drei
Goldstücken für die Ehefrau auch eine große Feier mit nahezu allen Anwohnern
des Dorfes veranstalten müssen. Unterlässt eine Familie diese Zeremonie, so
erleidet sie viele soziale Kosten da das Ansehen, das eine Unterlassung einer
solchen major Hochzeit verursacht, sehr schlecht ist.
Der sicherste Weg scheint
es also zu sein, eine Schwiegertochter als Kind zu kaufen und aufzuziehen. Der
Brautpreis ist dann nie mehr als ein symbolischer Wert und die Hochzeit kostet
nur ein Paar Dollar für ein Familienmitglied. Es ist ein familiäres Ereignis
ohne viele Gäste. Einzig hohe Kosten verursacht die Aufzucht des Kindes, was
sich aber auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt und nicht viel Geld, sondern
eher Fürsorge kostet.
Fei Hsiao-tung hat jedoch
nicht unbedingt recht. Der Autor dieses Artikels, Wolf, stellt heraus, dass es ist nicht unbedingt ökonomisch
vorteilhaft ist, eine Sim-Pua aufzunehmen, da die Familie einen Verlust der
familiären Bindungen erleidet, in dem sie in Zeiten der finanziellen
Schwierigkeiten Hilfe findet. Außerdem wählt keine Familie die minor Form, weil
sie den Braupreis nicht zahlen können, der in 10 oder 20 Jahren fällig wird.
Geld ist nicht der Grund, sonst würde es nicht so viele Hochzeiten dieser Art
geben. Nur die völlig hoffnungslos Armen würden auf die Vorteile der
verwandtschaftlichen Bündnisse und das Ansehen einer major Hochzeit nur aufgrund
des Geldes verzichten. Zudem wurde beobachtet, dass auch wohlhabende Familien
auf diese Form der Hochzeit zurückgreifen. Sehr große Familie mit sehr hohem
Einkommen haben etwa für jeden ihrer Söhne eine Sim-Pua und eine Angestellte
und nehmen die hohen Kosten einer Major-Hochzeit zudem auf sich, indem sie die
übliche kostspielige Zeremonie der Feier auf sich nehmen. Indem sie ihre Kinder
in Form einer major Hochzeit verheiraten, haben sie den Verlust des Ansehens
nicht, aber warum nehmen sie den ganzen Stress und die Kosten auf sich?
Ein besserer Erklärungsansatz wird durch die Betrachtung der
innerfamiliären Verhältnisse gegeben. Eine Major-Hochzeit verursacht häufig ein
schlechtes Verhältnis zwischen Schwiegermutter und –tochter, da sie eine
Dominanz zu Gunsten der Mutter aufstellt. Die major Hochzeit schafft einen unüberwindbaren
Konflikt zwischen Schwiegermutter und –tochter. Eine
Verschlechterung ihrer Beziehung ist normal und wird mit Zufriedenheit erwartet
und angenommen, alles andere wird missbilligt und verachtet. Bei einer Hochzeit
in Form der major Hochzeit ist die Mutter ständig
ein potentieller Feind der Tochter.
Dominante Machtverhältnisse zwischen Schwiegermutter und
–tochter bilden viele Gegensätze, diese sind aber nicht die Quelle der Streitigkeiten,
sondern die Buhlerei um
die Aufmerksamkeit und die Loyalität des Sohnes, bzw. Ehemannes.
Die Idealvorstellung ist,
dass Mann und Frau möglichst unemotional und distanziert sein sollen, was die
Gefahr der Eifersucht der Mutter erkennen lässt. Gefühle sollen nur im Privaten
den Schlafraumes ausgelebt werden, nie in der Öffentlichkeit, der Mann soll
nicht mit seiner Frau reden, außer, um ihr Anweisungen zu geben. Allerdings
hält die Mutter ihren Sohn für zu wichtig, um eine Intimität, von der sie ausgeschlossen
ist ertragen zu können (auch die, die sich nur auf den privaten Schlafraum
bezieht). Die Mütter sind verbittert und eifersüchtig, sie lassen ihren Zorn an
den Töchtern aus, welche entsprechend reagieren: Sie möchte ihren Mann auf ihre
Seite bringen und die Familie verlassen was wiederum die größte Angst der
Mutter ist und ihren Hass auf die Tochter rechtfertigt.
So erhält der Konflikt sich selbst aufrecht: je größer die
Eifersucht der Mutter ist, desto stärker ist auch ihre Ungerechtigkeit gegenüber
der Schwiegertochter, was wiederum dazu führt, dass die Versuche der
Schwiegertochter die Familie zu verlassen stärker werden, sie versucht also den
Mann auf ihre Seite zu ziehen, was dann eine noch größere Eifersucht der Mutter
bedingt.
Den Sohn zu gebären ist
die erste große Aufgabe einer Mutter, seine Aufmerksamkeit und Loyalität zu
bekommen und zu halten die zweite und schwierigere.
Die Chinesen sind sich
bewußt über die offenen Konflikte innerhalb der Familie und versuchen sie zu
minimieren. Eine Lösung
ergibt sich, wenn die Töchter ihre
Schwiegermutter als Mutter akzeptieren und der Sohn bzw. Ehemann das
Wohlergehen seiner Eltern vor das seiner Frau setzt. Optimal wird die
Bedrohung durch die Heirat vermindert, wenn die Bände zwischen den Generationen
wichtiger und stärker sind als die zwischen den Eheleuten: die Schwiegermutter
braucht nicht autoritär zu sein, weil sie von der Tochter nichts zu befürchten
hat und die Ehefrau stellt keine Exklusivitätsforderungen an ihren Mann, da sie
keinen Grund hat die Familie verlassen zu wollen.
Die minor-Hochzeit
erfüllt diese Anforderungen eher als die major-Hochzeit:
Die geteilte familiäre Verantwortlichkeit führt zu kleinen
Konflikten, die den Ehemann ausschließen Die Mutter ist nicht eifersüchtig auf ihre
eigene Tochter, was bedingt, dass die Tochter nicht versucht den Sohn gegen
seine Mutter aufzubringen. Die sexuelle Aversion der Geschwister und Eheleute
führt zu einem distanziertem Verhältnis, was
eine starke eheliche Verbindung verhindert. Die Tochter wendet sich eher
vertrauensvoll an ihre Mutter als an ihren Ehemann. Die Verringerung der
ehelichen Verbindung zwischen Bruder und Schwester nimmt den Verbindungen
zwischen den Generationen die Anspannung
Die Menschen sind sich
nicht bewußt über diese Vorgänge, sie sehen aber die positiven Konsequenzen in
geringerer Konfliktanzahl und –stärke.
Der Autor merkt jedoch
an, dass das Leben einer Sim-Pua nicht sehr angenehm ist, sie werden häufig als
Putzfrau mißbraucht und geschlagen. Diese Demütigung scheint oberflächlich, den
positiven Konsequenzen für die Familie nach gesehen, ein erfolgreicher Weg die
Sim-Pua -Mädchen zu erziehen zu sein, sie gelten als clever und verdrossen,
nicht schwierig und streitsüchtig. Die Mädchen beschuldigen eher die eigenen, leiblichen
Familien, sie weggegeben zu haben, als die Pflegeeltern, die sie mißhandeln und
ausbeutet haben. Zudem können sich major-verheiratete Kinder bei Problemen an
ihre leiblichen Eltern wenden, die sie zumindest trösten können (wenn auch
meist nicht mehr) und ihnen emotionale Unterstützung geben. Sim-pua-Mädchen
können dies nicht, da sie ihre leiblichen Eltern häufig nicht kennen oder nicht
als Eltern akzeptieren.
Fei Hsiao-tung merkt an, dass die
Sim-pua-Mädchen ihren Müttern gefühlsmäßig sehr nahe sind und selbst solche,
die schlecht behandelt werden, ihre Position schon früh kennen lernen und nicht
nach der Heirat in eine Krise geraten, was die Konfliktstärke nach der Heirat
verringert.
Die Gründe für die
minor-Hochzeit sind somit nicht finanzieller Art, sondern zum Schutz der Familie.
Die Erklärung, warum die
Chinesen die einzig bekannte Gesellschaft sind, welche dieses Problem lösen
müssen (also auch ein Problem haben), könnte daran liegen, dass sie eine der
wenigen sind, wo die Eltern ihre Kinder völlig autoritär erziehen, was ihnen
ermöglicht, ihre Kinder zu einer solchen Hochzeit zu zwingen.
Die Geschwister haben jedoch kein sexuelles Interesse aneinander:
Dies lässt sich unter anderem damit belegen, dass Männer, die in einer sim-pua
Ehe leben öfter Prostituierte aufsuchen, als Männer die erst im
Erwachsenenalter ihre Braut kennen lernen. Weiterhin leben diese Männer öfter
mit Konkubinen zusammen als andere und man konnte außerdem zeigen, das sim-pua
Ehen öfter geschieden werden, als andere. Frauen in sim-pua-Ehen haben eine 30% niedrigere Fruchtbarkeit.
Die 52% der Männer und 67% der Frauen, die einer sim-pua Ehe Leben
und keine außerehelichen Kontakte haben, weisen einen Altersunterschied von
mindestens 4 Jahren auf, was die Prägungshypothese unterstützt.
"Schwanger
vom Cousin"
Gesendet von gwendolin
am 21 April um 15:10
Kann mir jemand mehr Information dazu geben, ob
eine Beziehung zum Cousin auch unter den Begriff Inzest fällt, und somit tabu
ist, oder nennt man nur die sexuelle Beziehung zwischen Eltern und Kindern (untereinander)
Inzest?
Und ist die Gefahr einer Behinderung des Kindes größer als bei Fremden?
Ich hoffe es gibt vielleicht einige. die sich damit auskennen, oder zumindest
sichere Informationen haben.
Danke schon im voraus
Gwendolin
"Gar
kein Thema!..."
Gesendet von Tootsie
am 29 Mai um 23:41
Hallo Gwendolin,
Bin mit meinem Cousin verheiratet! D.h. dass es keinesfalls in DE als Inzest
gesehen wird. Wir haben auch ein Kind... ohne Behinderung! Wir habe am Anfang
der Schwangerschaft einen Gentest machen lassen. Da gab es nichts Auffälliges.
Die Gefahr einer Behinderung ist eben nur größer, wenn es in der Familie
Genkrankheiten gibt.
LG
Tootsie
"Mein
Opa und meine Oma waren Cousin und Cousine"
Gesendet von Mirix
am 23 April um 12:26
Nur damit ich Dir vielleicht helfen kann....
Meine Großeltern waren Cousin und Cousine....Sie haben zusammen vier Kinder
gezeugt die dann wieder alle Kinder gezeugt haben...und alle normal auf die
Welt gekommen....sind!
Die beiden sind auch zusammen uralt geworden....
Gruss Mirix
Hey klasse!!!!!!!"
Gesendet von gwendolin
am 23 April um 17:46
Hi Mirix!
Das ist ja echt klasse, endlich jemand mit "Erfahrungswerten"!!!!!
Waren Deine Großeltern Cousin&Cousine mütterlicherseits oder väterlicherseits?
Gab es Erbkrankheiten in der Familie? Sind alle Kinder gesund?
Es würde mich freuen , wenn DU mir mehr darüber erzählen würdest....
Ganz liebe Grüsse
Gwendolin
"Zwar rechtlich gesehen kein Inzest"
Gesendet von kleineente
am 21 April um 19:50
aber bei Kindern von Cousin und
Cousine ist die Gefahr von Mißbildungen meines Wissens nach tatsächlich größer
als bei Kindern von Nichtverwandten, wenn auch nicht extrem viel mehr, aber ein
paar Prozent macht das schon aus. In anderen Ländern fällt das Verhältnis
zwischen Cousin und Cousine übrigens schon unter das Inzest Verbot, genau wie
bei Kindern und Eltern sowie Geschwistern.
Kleine Ente
"Informationsquellen"
Gesendet von gwendolin
am 21 April um 21:04
Hi Kleine Ente!
Hast Du eine Ahnung, wo ich mehr Information dazu kriegen kann.
Gruß Gwendolin
"Sorry,"
Gesendet von kleineente
am 22 April um 19:28
wirklich weiterhelfen kann ich
da auch nicht. Das wenige was ich weiß, habe ich vor kurzem in einem Artikel
gelesen, entweder Stern oder Spiegel oder im Tagesspiegel, weiß ich leider
nicht mehr (das Alter
).
Kannst ja da mal die Suchmaschinen laufen lassen, vielleicht hilft das
weiter...
Kleine Ente
"Schau mal...."
Gesendet von strandkrabbe
am 21 April um 22:20
....im Google unter Inzest nach,
dort kann man eine ganze Menge finden. Vielleicht ist für dich auch was dabei.
Gruß Strandkrabbe
"Leider nicht viel"
Gesendet von gwendolin
am 22 April um 10:49
...da die Beziehung zum Cousin
nicht unter Inzest fällt, ist darüber direkt nicht viel brauchbares zu
finden....
aber danke für den Rat ![]()
Gruß Gwendolin
"Nein"
Gesendet von Babsie
am 21 April um 16:18
Wie schon
gesagt wurde, ist es kein Inzest. Inzest heißt, dass eine sexuelle Beziehung
unter Blutsverwandten der ersten Linie nicht erlaubt ist. Dazu zählen Vater,
Mutter, Bruder, Schwester.
"Kein Inzest !"
Gesendet von mandy47
am 21 April um 15:46
Hey Gwendolin
Die "Liebe u. Ehe " zwischen Cousine u. Cousin ist erlaubt. In
seltenen Fällen besteht die Gefahr einer Behinderung, daher sollte vorher ein
Bluttest gemacht werden
Shepher, J., Incest – A Biosocial View:
Kapitel 9 (The Alliance School)
Kapitel 10 (Goody and Schneider: A Problem of
Definition)
Kapitel 5 (The Kibbutz (...): Fooling Mother Nature
Wolf, A. P., Adopt a Daughter-in-Law, Marry a Sister:
A Chinese Solution to the Problem of the Incest Taboo, American Anthropologist,
1968, 70, pp. 864-874
Ödipus-Sage: http://mediendenken.editthispage.com/discuss/msgReader$472?mode=day
Ödipus-Bild: http://perso.club-internet.fr/athanase/Varia/Kircher/images/oedipus.gif
Historische Aspekte und rechtliche Grundlage: http://www.mww.de/sexualitaet_fortpflanzung/lexikon/inzest.html
-
Link
zu Westermarck und Inzesthemmung
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Lebenslauf Edward B. Tylor : http://emuseum.mnsu.edu/information/biography/pqrst/tylor_edward.html
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Lebenslauf David Schneider:
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http://emuseum.mnsu.edu/information/biography/pqrst/schneider_david.html
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Informationen zu Familie, Familienstrukturen, Ehe,
Inzestverbote u.v.a.m.