Fachprofil

Das Fach "Altes Testament"

Das Fach Altes Testament gehört zum Fächerkanon der Theologie. Primärer Gegenstand ist der erste Teil der zweigeteilten Heiligen Schrift der Christen bzw. die Bibel Israels.
Das Fach zielt auf eine wissenschaftlich verantwortete Auslegung des Alten Testaments im Horizont des Kanons und einer gesamtbiblischen Theologie. Neben Entstehung, Deutung und Bedeutung des Alten Testamentes (Hermeneutik, Exegese und Theologie) sowie der Zeit- und Religionsgeschichte gehört auch die sog. Biblische Archäologie im Raum Syrien/Palästinas zu den Untersuchungsgegenständen des Faches.

Außer dem in Aramäisch und Hebräisch vorliegenden masoretischen Text und Texten aus der Umwelt des Alten Testamentes (ägyptische, babylonische, akkadische, ugaritische Texte) werden die antiken (die griechische Septuaginta, die syrische Peschitta, und die lateinische Vulgata/Vetus Latina) und die modernen übersetzungen (z.B. Einheitsübersetzung, Lutherübersetzung, Elberfelder übersetzung, Gute Nachricht Bibel u.a.m.) in die Untersuchung einbezogen.

Dem entsprechend ist das Fach von einer großen Breite und Vielfalt sowohl in seinen Perspektiven, Gegenständen als auch Methoden geprägt. Neben der erprobten und der Exegese eigenen historisch-kritischen Methodik mit Textkritik, Literarkritik, Form- und Gattunsgkritik und Redaktionskritik bedient sich das Fach literaturwissenschaftlicher, sprachwissenschaftlicher, historischer und kulturwissenschaftlicher Methoden.

Die Exegese hat nicht nur die synchrone und diachrone Erforschung der Bibel zum Ziel, sondern auch die Entwicklung einer alttestamentlichen Theologie im Horizont einer kanonischen gesamtbiblischen Theologie. Da beide Teile der christlichen Heiligen Schrift für eine christliche Theologie von gleichrangiger Bedeutung sind, kommt ihr in der Entfaltung der "Seele der Theologie" (II. Vaticanum) eine große Bedeutung im Fächerkanon der Theologie zu. Dass der Gott des Alten Testamentes der Vater Jesu Christi ist und somit ein Gott der Liebe und unerschöpflichen Gnade, macht das Alte Testament zu einem Quell des Glaubens.

Insofern die Bibel eine Grundlage und ein bleibendes Kulturgut der westlichen Gesellschaften darstellt, ist ihre Erforschung über den Horizont der Theologie von Bedeutung. Die Grundlagenfunktion des Alten Testamentes für die Werte der westlichen Gesellschaft wird im gesellschaftlichen Diskurs (Stichwort: Leitkulturdebatte, Fundamentalismusdebatte) und im interreligiösen Dialog (Stichwort: Interreligious Studies) auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen. In den vergangenen Jahren hat sich vor allem in der Monotheismusdebatte und dem darin diskutierten Intoleranzverdacht eine übergreifende Relevanz auch der religionsgeschichtlichen Fragestellungen biblischer Theologie gezeigt.




Mittelbronzezeitliches Stempelsiegel

Mittelbronzezeitliches Stempelsiegel