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Der Iglesiente – Archäologisch-historische Untersuchungen der Montanlandschaft im Südwesten Sardiniens von der frühen Eisenzeit bis zur Spätantike


Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Ansprechpartner: Norbert Hanel (norbert.hanel@uni-koeln.de) und Bärbel Morstadt (baerbel.morstadt@rub.de)

Sardinien, die zweitgrößte Insel des Mittelmeerraumes, war für ihren Reichtum an Silber, Blei und Kupfer sowie Zink bekannt. Diese begehrten Erze gelten als einer der Hauptgründe für das phönizische, punische und römische Interesse an dieser Insel. Die größten Vorkommen liegen in der Landschaft Iglesiente im Südwesten, und sind eng mit der dortigen Siedlungsgeschichte verbunden.

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Abb. 1: Geologische Karte von Sardinien nach Quintino Sella 1871. Das Arbeitsgebiet ist rot markiert.

Die Erforschung Sardiniens und besonders des Iglesiente als bedeutende antike Bergbauregion, insbesondere für diese Epochen, ist allerdings noch nicht systematisch betrieben worden. Weitgehend unbekannt sind die tatsächlich ausgebeuteten Erze und ihre Lagerstätten sowie die Verhüttungs- und Verarbeitungsplätze, die Organisation der chaîne opératoire, Transport und Handel der abgebauten Erze sowie damit zusammenhängende administrative und sozialgeschichtliche Aspekte. Letztlich sind auch die ökonomischen Zusammenhänge im antiken Mittelmeerraum sowie die Relationen zu den besser erforschten Regionen z. B. Südspaniens und Zyperns während der Zeit der phönizischen Expansion, der karthagischen Hegemonie und des Römischen Reiches gänzlich unklar.

Es ist unser Anliegen, zur Schließung dieser Forschungslücke beizutragen, indem wir in einem mehrphasigen Projekt paradigmatisch die „alte“ Bergbaulandschaft im Iglesiente im Südwesten Sardiniens über einen längeren Zeitraum, nämlich vom frühen 1. Jt. v. Chr. bis zur Spätantike, rekonstruieren.

In einem ersten Schritt erfolgte die Recherche zu bereits bekannten Befunden und Funden montanarchäologischer und infrastruktureller Relevanz, die nicht nur in einzelnen wissenschaftlichen Publikationen archäologischer oder epigraphischer Ausrichtung, sondern insbesondere in alten Reisetagebüchern und Beschreibungen von Bergbaudirektoren des späten 19. Jhs. zu Sardinien enthalten sind.

Abb. 2: Bleibarren mit Inschrift des Augustus, gefunden nördlich von Buggeru. Herkunft des Erzes aus dem kaiserlichen Bleirevier des Iglesiente (heute Berlin, Staatliche Museen, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Antikensammlung).
Abb. 2: Bleibarren mit Inschrift des Augustus, gefunden nördlich von Buggeru. Herkunft des Erzes aus dem kaiserlichen Bleirevier des Iglesiente (heute Berlin, Staatliche Museen, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Antikensammlung).

Eine erste Reise erfolgte dank einer Reiseförderung der Fritz-Thyssen-Stiftung vom 03.–14.09.2014, während derer wir uns der geographischen und topographischen Situation im südlichen Teil des Iglesiente und den Museen mit den oben erwähnten Funden widmeten: Wir erkundeten die Küstensituation hinsichtlich möglicher antiker Umladestationen der Erze auf Schiffe, das Hinterland mit seinen Siedlungskammern wie etwa Grugua, seinen durch Schriftquellen und Meilensteine zu rekonstruierenden Verkehrswegen sowie der Lage und infrastrukturellen Einbindung des Tempels und der antiken Siedlungen von Antas, die Südverbindungen nach Monte Sirai und Sulcis sowie die Westverbindung der sog. Via Sulcitana. Es wurden von uns potentielle Orte archäologischer und montanarchäologischer Feldforschung gesucht sowie ein Netzwerk mit Kolleginnen und Kollegen der Soprintendenza di Cagliari e Oristano und von Ausgrabungen in dieser Region aufgebaut. Eine weitere Reise im Februar/März 2015 wird uns in den nördlichen Teil des Iglesiente führen.

Abb. 3: Bergwerk und Verladestation des 19. und 20. Jhs. in Masua, einer kleinen Bucht mit Strand an der sonst schroffen Westküste des Iglesiente.
Abb. 3: Bergwerk und Verladestation des 19. und 20. Jhs. in Masua, einer kleinen Bucht mit Strand an der sonst schroffen Westküste des Iglesiente.