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2005

Christiane Weber (†)

Sängerin

Christiane Weber studierte zwischen 1994 und 2002 Theaterwissenschaften, Anglistik und Germanistik. Schon während des Studiums war sie als Sängerin tätig. Seit 1997 tritt sie im Chansonduo "Weber-Beckmann" mit dem Pianisten Timm Beckmann auf und machte das 2001 zu ihrer hauptberuflichen Tätigkeit. Zuletzt wurde das Duo mit dem deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet.

 

 

Klar erinnere ich mich an an einen Dozenten, der fast täglich Pflaster im Gesicht trug, weil er sich beim Rasieren geschnitten hatte.

RUB Alumni: Warum haben Sie damals Bochum als Studienort gewählt? Gab es auch Überlegungen nicht in Bochum zu studieren?

Christiane Weber: Ich komme aus Essen und habe zu Anfang des Studiums noch zu Hause gewohnt. Die nächstgelegene und für mich praktischste Möglichkeit, Theaterwissenschaften zu studieren, war Bochum. Ich habe überhaupt nie in Erwägung gezogen, woanders zu studieren. Einerseits wollte ich meine Musikprojekte nicht aufgrund eines Standortwechsels aufgeben müssen, andererseits war ich damals einfach noch nicht so weit, nehme ich an.

RUB Alumni: Was fällt Ihnen für eine nette Anekdote ein, wenn Sie an Ihr Bochumer Studium zurückdenken?

Christiane Weber: Ganz ehrlich: alles in allem hab ich die Zeit sehr genossen, aber wenn man mich nach einer netten Anekdote fragt, muss ich passen. Klar erinnere ich mich an den schrägen Bibliothekswart auf der vierten Etage bei den Germanisten, oder an einen Dozenten, der fast täglich Pflaster im Gesicht trug, weil er sich beim Rasieren geschnitten hatte. Oder den Dozenten, der immer schon weit vor Weihnachten regelmäßig den besten Rotweinkuchen der Welt mitbrachte, den seine Frau ihm für die Studenten eingepackt hatte. Interessant waren auch die Dinge, die ich außer essbaren Bestandteilen in meinem Mensaessen gefunden habe. Pfennige, Plastikstückchen, Fliegenbestandteile, gekräuselte Haare, bei denen man nicht wissen wollte, woher sie stammen. Ich glaube, die ersten paar Semester habe ich mich fast nur von Nudeln ohne Sauce und Quark mit Dosenerdbeeren (gibt's das noch?) ernährt.

RUB Alumni: Wenn Sie Ihr Studium in vier Worten zusammenfassen würden, wie würden Sie das tun?

Christiane Weber: Hätte schneller gehen können (lacht).

RUB Alumni: Und wie lange hat es gedauert, bis Sie das Geschoss-System der Universität durchschaut haben?

Christiane Weber: Ich tu nur immer so unorientiert, eigentlich ging das sehr schnell. Bis auf gelegentliche Ausfälle hab ich mich nie verirrt. Naja. Dafür verirr ich mich heute hin und wieder ganz furchtbar im Parkhaussystem unter dem Audimax. Besonders seit dem Umbau der Mensa.

RUB Alumni: Welchen Gegenstand aus Ihrer Studienzeit besitzen Sie noch heute?

Christiane Weber: Meine schon ziemlich zerfledderten Klemmbücher. Ich weiß nicht ob dies der richtige Ausdruck dafür ist, aber man kann Din  A 4 Blätter ohne zu lochen darin unterbringen. Geniale Erfindung. Und fast alle Bücher hab ich aufbewahrt. Bücher kann ich nicht wegtun. Hab jedoch einige zu fachspezifische Sachen weiterverschenkt, weil ich persönlich sie nicht mehr lesen werde.

RUB Alumni: Hätten Sie Ideen oder Vorschläge, was der Rektor oder Kanzler besser machen könnten? Und wenn die Ideen kostendeckend sein müssten?

Christiane Weber: Realitätsbezogene Studien. Möglichst viel praktische Arbeit, die nicht nur universitäts-intern bewertet werden, sondern auch auf dem freien Markt überleben können sollten. Starke Eingliederung von Gastdozenten aus der Praxis. Kostendeckend? Wenn ich das wüsste, wär ich im Bildungswesen tätig. Nicht jedes Studienfach wird dieselbe Möglichkeit haben, große Umsätze zu erwirtschaften. Das kommt immer drauf an. Für mich wäre wichtig, dass die vorhandenen Gelder sinnvoll(er) verteilt werden.

RUB Alumni: Vermissen Sie etwas, wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken?

Christiane Weber: Die viele Zeit, das unendlich lange Kaffeetrinken und das sinnlose Stöbern in Bibliotheksregalen. Und das Unterrichten. Ich habe ein studentisches Proseminar über Kabarettgeschichte sowie zwei oder drei Tutorien gegeben, in denen die Erstsemester Theaterwissenschaft unter anderem auf die Klausuren vorbereitet wurden. Das hat mir total Spaß gemacht. Außerdem vermisse ich die Textanalyse-Kurse oder Translation-Kurse bei Mr. Bean. Einer meiner liebsten Dozenten überhaupt. Der riss sich die Beine aus, damit Studenten was lernen. Der hat mich niemals gelangweilt und hat einen wundervollen Humor. Wie ich erfahren habe, hat er sich jedoch leider aus privaten Gründen entschieden, wieder zurück in die USA zu gehen und ist nicht mehr an der RUB.

RUB Alumni: Was verbindet Sie heute mit Bochum und der RUB?

Christiane Weber: Ich denke noch regelmäßig zumindest ansatzweise darüber nach, doch noch meine Promotion zu schreiben. Zeitlich wäre das jedoch im Moment einfach überhaupt nicht machbar. In Bochum bin ich jedoch immer mal wieder, um Freunde zu besuchen, ins Theater oder in die Trödelhalle zu gehen oder einzukaufen.

RUB Alumni: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Ihrem Studium und Ihrer jetzigen beruflichen Tätigkeit?

Christiane Weber: Keinen großartigen Zusammenhang. Meine Praktika waren wesentlicher für meine heutige Arbeit. Und einige Kontakte, die ich im Studium gemacht habe, auch.

RUB Alumni: Wenn Sie heute noch einmal studieren würden, welches Fach würden Sie heute wählen und empfehlen? Würden Sie auch wieder an die RUB gehen?

Christiane Weber: Man kann doch nicht wirklich eine Fachrichtung empfehlen. Es gibt genügend Studien darüber, welche Fächer nach Ende des Studiums gute Chancen auf einen Job bieten und welche eher nicht. Das Fach Theaterwissenschaften ist nicht unbedingt das realitätsnahste Studium der Welt. Jedenfalls nicht, wenn man sich ausschließlich auf den Uni-Alltag verlässt und seine Nase nicht auch in praktische Arbeit oder diverse Praktika steckt. Diese studienbegleitende Maßnahme halte ich für absolut nötig. Wenn man das beherzigt, wird man es mit dem Fach einfacher haben und seinen Platz mit ein bisschen Glück finden. Ich würde vielleicht unter anderen Umständen bevorzugen, nicht in meine Studienstadt zu pendeln, sondern in einer typischen Studentenstadt zu wohnen. Die Uni Freiburg hat mich immer begeistert, aber da hat es mich eben nicht hin verschlagen.

RUB Alumni: Was würden Sie gerne den heutigen Bochumer Studierenden mit auf den Weg geben?

Christiane Weber: Praktika machen und früh nebenher arbeiten, um die Szene kennen zu lernen. Wenn nötig auch unentgeltlich Einsatz zeigen, aber drauf achten, dass man sich nicht ausnutzen lässt oder verzettelt - es gibt da Grenzen die man immer für sich selbst überprüfen sollte. Auch ruhig in den sauren Apfel beißen und ein Nebenfach dazunehmen, was vielleicht auf den ersten Blick nicht so interessant erscheint, die Möglichkeiten in der Jobsuche aber verbessern könnte.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.