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2005

Dr. Johannes Wamser

Geschäftsführer Dr. Wamser + Batra GmbH

Dr. Johannes Wamser absolvierte zwischen 1996 und 2001 das Studium der Wirtschaftsgeographie in Bochum. Nach seiner erfolgreichen Promotion 2005 am „Allgemeinen Promotionskolleg“ der RUB erhielt er den Ruth Massenberg Preis und gründete die auf Indien spezialisierte Wirtschaftsfachberatung „India Consult“, deren Geschäftskonzept mit dem Pfau-Förderpreis des Landes NRW ausgezeichnet wurde. 2007 erfolgte die Umfirmierung in die „Dr. Wamser + Batra GmbH“. Das Unternehmen mit Sitz in Bochum und New Delhi (Indien) begleitet Firmen und Konzerne von der Standortsuche bis hin zur Firmengründung auf ihrem Weg nach Indien.

Aber wenn man zum ersten Mal an der U-Bahn-Haltestelle der Ruhr-Uni aussteigt oder in das Parkhaus hinein fährt, dann ist das schon ein beeindruckendes Erlebnis.

RUB Alumni: Warum haben Sie damals Bochum als Studienort gewählt?

Dr. Wamser: Es war keine bewusste Entscheidung für Bochum. Ich wusste nicht, was ich studieren wollte und ein guter Freund, der sich in Bochum einschreiben wollte, hat mich damals an die RUB mitgenommen. Vor der Immatrikulation standen Tische, an denen Mitglieder der verschiedenen Fachschaften saßen. Ich habe mir dann angeguckt, an welchem Tisch die sympathischsten Leute saßen. Und das waren die Geographen. Nach dem Abi wusste ich zwar schon, in welche Richtung es mit dem Studium gehen sollte. Ich hatte verschiedene Interessen und mir stellte sich die Frage, ob ich Biologie oder Sozialpsychologie studieren sollte. Dazwischen konnte ich mich allerdings nicht entscheiden. Für mich war es das Glück, in Bochum eingeschrieben zu sein und relativ schnell zu merken, dass Geographie genau das war, was ich mein Leben lang machen wollte. Somit war es eine Mischung aus Glück und Schicksal, die mich nach Bochum geführt hat.

RUB Alumni: Wie gestaltete sich damals der Vorgang Ihrer Immatrikulation?

Dr. Wamser: Die Immatrikulation fand damals noch im Audimax statt. Ich weiß noch, dass ich extrem enttäuscht war, dass ich nur ein gelbes Studienbuch mit einem Stempel darin bekommen habe. Ich dachte mir damals: „Schön, jetzt bin ich Student, aber was nun?“

RUB Alumni: Wie gestaltete sich denn im Vergleich dazu der Akt der Überreichung Ihres Diplomzeugnisses?

Dr. Wamser: Die Überreichung erfolgte im Dekanat ohne jeglichen feierlichen Akt. Ich ging damals dorthin und fragte nach meinem Zeugnis. Dann musste ich im Prüfungsamt unterschreiben, dass ich es erhalten hatte. Die Verleihung meines Doktortitels war auch nicht schöner. Bei meiner mündlichen Prüfung hatte ich viele Leute, die während dessen vor der Tür des Prüfungsraums auf mich gewartet haben. Danach haben wir dann natürlich untereinander gefeiert. Aber die Urkunde habe ich mir dann auch wieder im Prüfungsamt abholen müssen. Da hätte ich mir gerne eine Absolventenfeier gewünscht.

RUB Alumni: Heute hingegen werden von den Fakultäten bei Erlangung des Diplomabschlusses, wie auch bei der Verleihung der Doktorwürde, offizielle Feierlichkeiten im angemessenen Rahmen begangen.

Dr. Wamser: Davon habe ich gehört. Eine Feier im kleinen Rahmen, zu der man mit Eltern und Verwandten gehen kann und eine Urkunde entgegennimmt. Mehr muss es auch nicht sein. Damals hatte ich das Glück, im Rahmen des Allgemeinen Promotionskollegs für meine Promotion ein Stipendium von der Uni zu bekommen. Selbst dort gab es nicht einmal eine Abschlussveranstaltung und das hat mich damals sehr irritiert.

RUB Alumni: Wie war denn Ihr erster Eindruck von der Campus-Architektur zu Beginn Ihres Studiums?

Dr. Wamser: Angesichts der Größe der Universität habe ich mich erst einmal ein wenig erschlagen gefühlt. Ich hatte zuvor schon andere Universitäten gesehen, wobei in diesem Sinne sich beispielsweise die Universität Wuppertal auch nicht unbedingt durch ihre Schönheit auszeichnet. Aber wenn man zum ersten Mal an der U-Bahn-Haltestelle der Ruhr-Uni aussteigt oder in das Parkhaus hinein fährt, dann ist das schon ein beeindruckendes Erlebnis. Ich muss sagen, dass ich die Architektur der Gebäude nicht als so anonym aufgefasst habe, wie es die meisten anderen taten. Ich glaube, das lag allerdings mit daran, dass die Fakultät für Geographie ein relativ kleines Institut ist, an dem man sich gut kennt und bei dem persönliche Kontakte im Vordergrund stehen. Allerdings glaube ich, dass man als Studienanfänger im Bereich der Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften schon ein anonymeres Umfeld vorfindet. Dieses Gefühl der Anonymität kann die Architektur des Campus vielleicht noch verstärken. Aber persönlich habe ich keine Depressionen dabei bekommen, wenn ich über den Campus lief.

RUB Alumni: Wie gestaltete sich denn Ihre Wohnsituation während des Studiums?

Dr. Wamser: Ich komme aus Wuppertal und war während des ersten Semesters noch Pendler. Dann bin ich ins Studentenwohnheim in der Stiepeler Straße gezogen. Das war schon eine ziemlich gewöhnungsbedürftige Erfahrung, in solch einem großen Haus mit über 300 anderen Studenten zu wohnen.

RUB Alumni: Haben Sie denn damals auch Angebote neben dem Studium an der RUB genutzt?

Dr. Wamser: Ich habe an der RUB viel Sport gemacht und alle möglichen Sportarten, von Fußball über Hockey bis Rudern, ausprobiert. Wenn ich am Abend einmal nichts zu tun hatte, dann ging ich einfach zum Sport. Es gab ein überaus vielfältiges Angebot. Später habe ich auch gezielt Weiterbildungsangebote an der Uni genutzt, beispielsweise Rhetorik- oder Mediationskurse.

RUB Alumni: Sind Sie denn heute noch ab und an auf dem Campus der RUB?

Dr. Wamser: Eher selten, allerdings nehmen ich gelegentlich an Ringvorlesungen teil, bei denen es darum geht, was man als Absolvent praxisbezogen nach dem Studium machen kann. Ich nehme meinen Werdegang da gerne als Beispiel für Studierende. Ich glaube, dass es mich stark von anderen Geographen unterscheidet, dass ich schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt wusste, was ich später im Berufsleben machen wollte. Nämlich das, was ich heute mache. Und aus diesem Grund habe ich mein Studium sehr gezielt anhand dieser Berufsvorstellung ausgerichtet.

RUB Alumni: Wie haben Sie denn zu Ihrer beruflichen Tätigkeit gefunden?

Dr. Wamser: Ich habe während des Grundstudiums eine Hausarbeit über Indien geschrieben und festgestellt, dass es überhaupt keine Literatur zu diesem Thema gab. Ich glaube, da gibt es viele Studenten, die sich über so etwas aufgeregt hätten. Ich habe meinen Mund gehalten und schon im vierten Semester gewusst, dass ich eine Marktlücke gefunden hatte. Und da habe ich mir gesagt: „Wenn es das noch nicht gibt, dann wirst Du einmal derjenige sein, der diese Informationen besorgt.“ Zudem habe ich sehr früh den Kontakt zur Wirtschaft gesucht. Ich habe einfach auch Angst gehabt, dass ich etwas mache, das später keinen Käufer findet. Somit habe ich schon im Grundstudium ein bis zwei Unternehmer in Bochum angerufen, denen ich davon berichtet habe, was ich später einmal vorhaben würde. Ich habe viele Wochen dafür gebraucht, bevor ich mich getraut habe, dort überhaupt anzurufen, weil ich dachte, dass diese Leute mit einem kleinen Studenten wie mir gar nicht erst sprechen wollten. Und es hat mich dann erstaunt, dass sie gesprächsbereit waren.

RUB Alumni: Wie gestaltete sich Ihre Entscheidung zu Gunsten der Selbstständigkeit nach dem Studium?

Dr- Wamser: Das Thema Indien war in der Mitte der neunziger Jahre noch ein sehr unbekanntes und unerschlossenes Themengebiet, so dass es keine Stellen auf dem Arbeitsmarkt gab, die mir in dieser Hinsicht etwas bieten konnten. Ich war allerdings schon immer der Überzeugung, dass Wissen über Indien in der Wirtschaft gebraucht wird. Und wenn es im Rahmen einer Festeinstellung niemand von mir kaufen wollte, dann wollte ich es halt selber verkaufen. Während meiner Dissertation begannen dann auch einzelne Firmen damit, mich zu kontaktieren. Das lag zum einen daran, dass ich dafür gesorgt hatte, dass man Informationen über mein Vorhaben schon im Internet finden konnte und zum anderen daran, dass ich bewusst eine sehr angewandte Abschlussarbeit geschrieben habe, die dann auch sofort als Buch veröffentlicht wurde. Ich habe in meiner Diplomarbeit bewusste keine Grundlagenforschung betrieben, sondern hatte ein extrem angewandtes Thema. Durch das Publizieren merkte ich also, dass es Leute gab, die an meinen Inhalten Interesse hatten. Darauf folgte dann die Überzeugung, dass ich mein Vorhaben auch selbstständig angehen konnte. Ich habe 2005 mit einem zweiten Mitarbeiter begonnen, mein Unternehmen aufzubauen. Seit 2007 sind wir eine GmbH und heute haben wir in Deutschland ungefähr 11 und in Indien 15 Mitarbeiter.

RUB Alumni: Wie hat Sie denn Ihr Studium auf Ihre berufliche Tätigkeit vorbereitet?

Dr. Wamser: Insbesondere die methodischen Fähigkeiten und methodologischen Kenntnisse, die ich während des Geographie-Studiums erlernt habe, nutze ich auch heute noch im Beruf. Im Nachhinein muss ich feststellen, dass ich Glück gehabt habe und eine wirklich hervorragende Methodenlehre genießen durfte. Ich mag mich vielleicht an viele Fachinhalte, wie Vulkane, Meterologie, Wirtschaftstrukturen in Südeuropa, Raumstrukturen im Ruhrgebiet oder Subzentren in Bochum-Riemke nicht mehr erinnern, aber die Methoden empirischen Forschens wende ich tatsächlich nach wie vor jeden Tag an. Daher hoffe ich auch, dass die Methodenlehre im neuen B.A.- und M.A.-System nicht zu kurz kommen wird. Und ich habe durch das Studium gelernt, dass man durchaus Erfolg haben kann, indem man so ist, wie man ist. Man muss beispielsweise auch nicht wie Franjo Pooth aussehen, um erfolgreich zu sein. Man kann sich mit Authentizität durchsetzen und deshalb passt der Standort Bochum auch besser zu mir als beispielsweise Düsseldorf, Frankfurt oder München. Bochum ist einfach extrem lebenswert. Ich kann das sagen, weil ich selbst nicht aus Bochum komme, sondern hier hin gezogen bin. Irgendwann hätte ich auch wieder gehen können, aber ich bin hier geblieben. Ich fühle mich zwar wohl, wenn ich in Hamburg oder München bin, aber hier im Ruhrgebiet ist es einfach netter. Und ich finde, man sollte öfter den Mut dazu haben, das auch auszusprechen.

RUB Alumni: Würden Sie sich denn heute nochmals für den Studiengang der Geowissenschaften entscheiden?

Dr. Wamser: Auf jeden Fall und ich würde es auch allen empfehlen. Allerdings muss man während des Studiums schon sehr strukturiert vorgehen. Vielleicht ist das heute bei den B.A. und M.A. Studiengängen anders, aber man sollte sich schon früh fragen, in welche Richtung es gehen soll. Durch die Breite, die einem durch das Geographie-Studium gewährt wird, kann man sich schnell verlieren. Ich glaube, dass Studenten generell viel zu wenig Mut haben. Sie haben eine viel schlechtere Wahrnehmung von sich, als es sich in der Wirklichkeit darstellt. Das ist aber ein Problem, dessen Ursache durchaus bei einigen Dozenten liegt. Ich kann mich daran erinnern, dass viele Dozenten schon bei meinen Einführungsveranstaltungen sagten, dass man mit Geographie keine Chance im Berufsleben hat. Vielleicht wissen es diese Leute selbst nicht, aber dann sollten Sie sich das Berufsleben einfach einmal ansehen. Denn solche Botschaften bei jungen Studierenden zu verbreiten, ist einfach falsch. Ich bin der festen Überzeugung, dass man als Geograph gute Berufschancen hat.

RUB Alumni: Was vermissen Sie denn am meisten, wenn Sie an Ihre Studienzeit an der RUB zurückdenken.

Dr. Wamser: Das Studentenleben hatte für mich einen unglaublich hohen Freizeitwert. Mir war das damals nicht bewusst, dass es zur Normalität gehörte. Im Studium konnte ich meinen Tag selbst bestimmen. Und trotz der Prüfungsphasen und der vielen Arbeit hatte ich die Möglichkeit, mir selbst morgens oder abends freie Zeit ein zu beraumen.

RUB Alumni: Gibt es einen Gegenstand aus Ihrer Studienzeit, den Sie heute noch besitzen?

Dr. Wamser: Ich habe tatsächlich noch einige wenige Bücher, die ich heute noch besitze und auch verwende. Denn es gibt bestimmte Inhalte aus meinem Geographie-Studium, auf die ich mich jeden Tag in meinem Berufsleben wieder beziehe.

RUB Alumni: Gibt es etwas, das Sie den heutigen Studierenden mit auf den Weg geben möchten?

Dr. Wamser: Vielen Studierenden mangelt es an einem gewissen Maß an Eigeninitiative. Ich würde es zum Beispiel niemals akzeptieren, ein Thema für eine Diplomarbeit zu bearbeiten, weil es mir mein Dozent gegeben hat. Aber das machen leider die meistens. Man muss sich schon damit auseinandersetzen, wo die eigenen Interessen liegen. Und ich glaube, das machen die wenigsten. Zudem möchte ich den Studierenden zu mehr Mut raten. Ich traue mich beispielsweise, bei einer Firma wie VW oder Miele anzurufen und zu sagen: Ihr braucht mich! Und ich bekomme mit, dass meine Kontaktpersonen auch gesprächsbereit sind. Man braucht Kommunikationsbereitschaft und den Mut dazu, den Kontakt von sich aus aufzubauen. Gerade an Universitäten hat man in technischen Bereichen hunderte von Leuten, die tolle Produkte entwickelt haben, sich aber nie trauen, damit bei einem potentiellen Kunden vorstellig zu werden.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.