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2011

Lars Tottmann

Journalist und Moderator der "Lokalzeit Ruhr" beim WDR

Lars Tottmann studierte Deutsch und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Bereits vor und während seines Studiums war Herr Tottmann journalistisch tätig. So schrieb er unter anderem für die WAZ, moderierte bei Radio FiV und ist seit 1997 beim WDR. Seit 2000 moderiert er dort die Lokalzeit Ruhr. Für die Mitarbeit an dem neuen Fernsehstudio in Essen unterbrach Herr Tottmann sein Studium für drei Jahre. 2001 holte er dann, parallel zum Job, sein Examen nach.

Da ich ein notorischer „Kaffee-Pott-Vergesser“ war, hab´ ich also alle naselang ohne Tasse in der Caféte gestanden und mir regelmäßig Tassen gekauft.

RUB Alumni: Warum haben Sie sich Bochum als Studienort ausgesucht?

Tottmann: Hauptsächlich aufgrund der Wohnortnähe. Aus Recklinghausen kommend, war Bochum sozusagen die nächstgelegene Universität. Es lag nicht am besonderen Charme oder an dem hervorragenden Ruf, der der Uni vorauseilte. Was man während der Schulzeit hörte, war ja eher etwas in der Art wie „Betonuni“, dass alles grau und trist und so riesig sei. Wobei ich das nachher nicht so schlimm fand.

RUB Alumni: Fällt Ihnen eine Anekdote aus Ihrer Studienzeit ein?

Tottmann: Seit meinem Studium fahre ich z.B. ganz anders Fahrstuhl, als vorher. Das liegt daran, dass ich bei Professor Böttcher in der Sprachwissenschaft Fahrstuhl-Gespräche analysiert habe und das hat meinen Blick auf diese Situationen so nachhaltig verändert, dass ich bis heute keinen Fahrstuhl betrete ohne daran zurückzudenken. Dann bin ich belustigt und ein bisschen wehmütig, weil es viel Spaß gemacht hat. Das hat etwas skurril-lustiges und faszinierendes, weil ich das total spannend fand.

RUB Alumni: Wie würden Sie ihr Studium in vier Worten zusammenfassen?

Tottmann: Mit Pause - aber geschafft!

RUB Alumni: Genau, die Pause…wie haben Sie Ihr Studium geregelt?

Tottmann: Das war so: Ich war kurz vor meinem Abschluss des Hauptstudiums. Mir fehlte, glaub´ ich, noch ein Schein bis zur Examensanmeldung. Dann bekam ich das Angebot, zum WDR zu wechseln und dort habe ich dann in den ersten drei Jahren eigentlich nichts anderes gemacht und geschafft, als eben für den WDR tätig zu sein. Im Jahr 2000 hab ich mir dann, nach drei Jahren Pause, die Frage gestellt: „Was nun mit dem was da bisher passiert ist an der Uni?“. Es gab ja eigentlich nur zwei Möglichkeiten - entweder den Faden noch mal aufgreifen oder alles in die Tonne kloppen (lacht). Ich hab´ mich dann Gott sein dank dafür entschieden, parallel zum Beruf doch noch mein Examen zu machen.

RUB Alumni: Und wie haben Sie das dann organisiert?

Tottmann: Die Prüfungsvorbereitung konnte ich ja für mich selber organisieren, aber was die eigentlichen Prüfungstermine anging, brauchte ich natürlich dienstplantechnisch das Entgegenkommen, um an den Klausurtagen oder an den Tagen der mündlichen Prüfungen auch wirklich frei zu haben. Aber das habe ich alles gut koordinieren können.

RUB Alumni: Gehen Sie lieber der redaktionellen Tätigkeit nach oder moderieren Sie lieber?

Tottmann: Als Moderator der Lokalzeit bin ich ein bisschen beides. Ich bereite die Themen selbst vor und schreibe die Texte selbst, so dass es bei mir Gott sei Dank beide Seiten der Medaille gibt. Ich moderiere gern, aber ich könnte kein „Ansager“ sein. Ich möchte mich gerne mit den Themen beschäftigen und in die redaktionelle Arbeit eingebunden sein - das ist das, was mir daran Spaß macht.

RUB Alumni: Würden Sie denn sagen, dass Ihnen das Fernsehen am meisten Spaß macht?

Tottmann: Ja, unter ´m Strich würde ich das so sagen. Wobei ich die Erfahrungen, die ich in den anderen Medien gemacht habe, auf keinen Fall missen möchte. Jedes Medium hat seine Vor- und Nachteile. Ich habe z.B. unheimlich gerne die Spiele von Schalke oder Bochum in der Fußballbundesliga übertragen, auch wenn es im privaten Radio, im lokalen Bereich war. Bei einem kleineren Sender hat man noch andere Freiheiten. Das sind natürlich Möglichkeiten, die ich jetzt so nicht mehr habe. Vor den schreibenden Kollegen habe ich auch große Achtung und finde das sehr faszinierend. Unter ´m Strich würde ich aber sagen, dass ich mich im Fernsehbereich doch am wohlsten fühle.

RUB Alumni: Können Sie trotz Ihres Quereinstiegs in Ihren Beruf behaupten, dass Ihr Studium hilfreich war?

Tottmann: Ja, ich denke schon. Ich habe Deutsch und Sozialwissenschaften studiert - in den beiden Bereichen eine Grundlage zu haben, wenn man sich entscheidet, Journalist zu werden, ist sicher nicht schlecht. Ich habe das Ganze auf Lehramt studiert, weil ich zu Beginn des Studiums beide Optionen für möglich gehalten habe - also, entweder Lehrer zu werden oder Journalist. Ich habe während des gesamten Studiums schon als Journalist gearbeitet, erst für Tageszeitungen, dann für den privaten Rundfunk und dann schließlich ab ´97 für den WDR. So hat sich das also im Prinzip schon während des Studiums ergeben. Als ich dann 2001 fertig war, hat sich die Frage, ob ich das Referendariat mache, nicht mehr gestellt.

RUB Alumni: Wenn Sie heute noch mal studieren würden, würden Sie dann noch mal das gleiche wählen, oder würden Sie eher andere Fächerkombinationen aussuchen?

Tottmann: Mit dem Wissen von heute und der jetzigen Berufswahl, glaube ich eigentlich nicht, dass ich ein Journalistikstudium gewählt hätte. Mir hat es schon ganz gut gefallen, nicht nur zielgerichtet auf den Journalismus ausgebildet zu werden, sondern auch, mit den ganzen didaktischen Sachen und den Praktika, die dabei waren, einen anderen Bereich kennen zulernen. Ich glaube, ich würde es noch mal so machen, ja.

RUB Alumni: Sie würden also sagen, dass man als Journalist nicht zwangsläufig Journalistik studiert haben muss…

Tottmann: Ich denke das ist so und die Praxis zeigt das auch. Es gibt natürlich Journalisten die Journalistik studiert haben - warum auch nicht? (lacht) - aber es gibt, denke ich, wesentlich mehr Journalisten, die andere Sachen studiert haben oder einen anderen Werdegang hatten. Und ich glaube, dass das auch nicht schlecht ist, weil da auch einfach unterschiedliche Lebenserfahrungen eine Rolle spielen, die einer Redaktion zu Gute kommen können.

RUB Alumni: Gibt es noch irgendetwas, was Sie aus Ihrer Studienzeit besitzen?

Tottmann: Jede Menge Tassen! …vom AkaFö gibt es doch immer diese Tassen, die man in der Caféte kaufen kann. Da ich ein notorischer „Kaffee-Pott-Vergesser“ war, hab´ ich also alle naselang ohne Tasse in der Caféte gestanden und mir regelmäßig Tassen gekauft. Die sind auch immer noch im Einsatz - im Moment steht wieder eine vor mir (lacht).

RUB Alumni: Vermissen Sie etwas aus Ihrer Studienzeit?

Tottmann: Was ich sehr vermisse ist der Luxus, sich intensiv mit Themen befassen zu können. Das bleibt im Alltagsgeschäft, auch als Journalist, eher aus. Gerade weil wir eine tagesaktuelle Sendung produzieren. Da kommt man zwar mit sehr vielen Themen in Berührung, auch mit vielen spannenden Themen, aber in aller Regel hat man nicht die Möglichkeit, richtig tief in die Materie einzutauchen. Da ist dann natürlich ein Studium, in dem man sich den Dingen doch ganz anderes nähert und sich grundsätzlicher widmet, als man es dann später in den meisten Berufen tun kann, was ganz anderes.

RUB Alumni: Verbindet Sie heute noch etwas mit der Bochumer Uni?

Tottmann: Es gibt in meinem Beruf immer wieder Begegnungen mit Mitarbeitern der Uni, auch der Unikliniken. Die sind auch zu Gast in der Lokalzeit, so dass es immer wieder Anknüpfungspunkte gibt. Und da ich nach wie vor in der Region lebe, trifft man auch viele, die ebenfalls in Bochum studiert haben oder die man aus der Region kennt. Da gibt´s also einige Kontakte.

RUB Alumni: Hat es bei Ihnen lange gedauert bis Sie das Geschosssystem der Uni durchschaut haben?

Tottmann: Nee. …fand ich, genauso wie die Selbstmordgeschichten und die „Tristesse-Geschichten“, übertrieben. Klar, bin ich auch mal falsch abgebogen, wenn ich aus dem Fahrstuhl kam. Und ich hab mich auch geärgert, dass im GB in der vierten Etage nur auf der einen Seite die Bibliothek ist und man auf der anderen Seite ganz lang durchgehen muss. Klar! Das gab´s mal. Aber dass ich irgendwann das Gefühl hatte, ich müsste jetzt Hilfe rufen, weil ich gar nicht mehr weiß wo ich bin, so schlimm war´s nicht.

RUB Alumni: Wenn Sei Rektor oder Kanzler der Uni wären, was würden Sie anders machen wollen?

Tottmann: Zunächst mal würde ich den Job auf keinen Fall machen wollen. Ich beneide niemanden, der ihn machen muss. Wenn ich denn müsste, würde ich versuchen, Studiengebühren einzuführen - sozialverträglich und abgefedert - um eine bessere Ausstattung und eine bessere Lehre und Forschung an den Universitäten zu gewährleisten. So würde ich versuchen für die Ruhr-Uni Gelder zu akquirieren. …natürlich auch Drittmittel, keine Frage, aber ich denke, da sind den Kooperationen irgendwann auch Grenzen gesetzt. Ansonsten maße ich mir überhaupt nicht an zu beurteilen, was man als Rektor oder Kanzler einer Universität so machen könnte oder nicht.

RUB Alumni: Was würden Sie den heutigen Bochumer Studierenden mit auf den Weg geben wollen?

Tottmann: Das find ich ganz schwer, weil solche Vorschläge immer so altbacken und besserwisserisch daherkommen. Ich würde einfach sagen: „Macht euer Ding! Versucht was zu studieren, was euch Spaß macht und dann mal weiter gucken.“

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.

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