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2012

Dr. Eleonore Soei-Winkels

IT Consultant bei Accenture

Dr. Eleonore Soei-Winkels ist Anfang 30 und hat beruflich schon ganz schön viel erreicht: an der Universität Düsseldorf studierte sie Psychologie und 2005 kam sie an die Ruhr-Universität, um an der International Graduate School of Neuroscience (IGSN) und der Research School der RUB zu promovieren. Nach ihrer Promotion orientierte sie sich um: sie betreute als IT Analystin bei ALDI Süd Software für Australien und andere Länder. Nach einer Zwischenstation bei der Cassini Consulting ist sie heute IT Consultant bei Accenture.

Ich liebe Achterbahnen – mein Büro war
immer das mit dem Achterbahnposter.

RUB Alumni: Frau Dr. Soei-Winkels, warum kamen Sie zum Promovieren an die Ruhr-Universität?

Dr. Soei-Winkels: Ich wollte unbedingt in Deutschland promovieren, aber ich fand es auch wichtig, das Ganze englischsprachig zu machen. Die International Graduate School of Neuroscience (im Folgenden IGSN, d. Red.) ermöglichte mir nicht nur die Doktorarbeit, sondern bot zusätzlich viele verschiedene Kurse an.

RUB Alumni: Das war also eine sogenannte strukturierte Promotion?

Dr. Soei-Winkels: Genau. Es gab viele neurowissenschaftliche, aber auch interdisziplinäre Kurse und dadurch wurden wir sehr breit ausgebildet. Das war zwar sehr anstrengend, man musste auch Labor Rotationen machen und Klausuren in anderen Fächern bestehen und so weiter, aber für mich war das sehr attraktiv. Deshalb wählte ich die Ruhr-Universität Bochum aus.

RUB Alumni: Was waren das für interdisziplinäre Kurse?

Dr. Soei-Winkels: Das waren vor allem Methoden- und Labor-Kurse sowie Softskill-Kurse, die von der Research School der RUB angeboten wurden. Das ist eine ganz tolle Einrichtung, die uns Doktoranden ermöglichte, auch über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen: Es ging nicht nur darum, wissenschaftlich zu denken, sondern wir lernten auch, wie man wissenschaftliche Ergebnisse gut kommuniziert, wie man sich auf Konferenzen präsentiert, Drittmittel einwirbt und so weiter. Es waren ganz verschiedene, tolle Kurse, die man belegen konnte und ich habe auf jeden Fall mehr gemacht als ich musste, weil ich so begeistert und vor allem dankbar war, dass es überhaupt so etwas gab. Abgesehen davon habe ich auch sehr viel von den Angeboten des Career Service der RUB profitiert.

RUB Alumni: Sie trafen also auf ideale Bedingungen.

Dr. Soei-Winkels: Verglichen mit anderen Doktoranden ohne strukturierte Promotion hatte ich wirklich eine Premium-Doktorandenzeit! Deswegen möchte ich auch gerne viel zurückgeben: Ich habe mich als Mentorin für Studierende der RUB angeboten und engagiere mich im Deutschen Akademikerinnenbund.

RUB Alumni: Das finden wir natürlich großartig, vielen Dank! Waren Sie denn schon immer so zielstrebig?

Dr. Soei-Winkels: Ich hatte mir schon mit 12 Jahren in den Kopf gesetzt, Forscherin zu werden, ich wollte wissen, wie das Gehirn funktioniert. Rückblickend muss ich sagen, ich hatte kein besonders partyfokussiertes Leben und das bereue ich auch ein bisschen, weil man diese Zeit nicht nachholen kann.

RUB Alumni: Naja, dafür sind Sie heute mit Anfang 30 schon sehr weit gekommen! Trotzdem kam aber irgendwann der Punkt, an dem Sie sich entschieden haben, doch einen anderen Weg zu gehen und die Wissenschaft zu verlassen. Warum?

Dr. Soei-Winkels: Das war ein schleichender Prozess. Während eines Forschungsaufenthaltes in Manchester arbeitete ich für den Editor einer neurowissenschaftlichen Zeitschrift. Dadurch habe ich verschiedene Einblicke bekommen, wie Wissenschaft funktioniert. Warum welche Drittmittel eingeräumt werden, warum welche Fragen gestellt werden, warum welche Ergebnisse, wenn sie nicht passen, nicht so hoch angesehen werden und so weiter. Ohne ins Detail zu gehen – für mich waren das erschreckend wenig transparente Mechanismen; Mechanismen, in denen ich wenig Kontrolle empfunden habe. Ich bin jemand, der hoch leistungsorientiert ist, der gerne viel arbeitet, aber wenn die Gefahr besteht, dass das Ganze auf Grund solcher Umstände dann doch nicht zum Ziel führt, ist mir das zu heikel.

RUB Alumni: Sie wollten es lieber selbst in der Hand haben.

Dr. Soei-Winkels: Ja, absolut. Ich wollte eigentlich Professorin werden und in der Forschung arbeiten. Aber der Weg zur Professur war so steinig, und ich kenne so viele gute Leute, die es nicht geschafft haben, das kann man nicht nachvollziehen! Und dann dachte ich, die Probe aufs Exempel möchte ich nicht machen.

RUB Alumni: Wie ging es dann weiter?

Dr. Soei-Winkels: Mir wurde klar, dass ich Fähigkeiten habe, die nicht nur für die Wissenschaft interessant sind, zum Beispiel sehr gute Englischkenntnisse, Anpassungsfähigkeit, ich kann Dinge analysieren, strukturieren, vortragen, präsentieren, ich kann anderen Menschen Dinge beibringen, – alles Fähigkeiten, die auch in der Wirtschaft gefragt sind. Dann bin ich als IT-Analystin zu ALDI Süd gegangen. ALDI hat mich mit der effizienten globalen Marktführerschaft beeindruckt. Die machen wenigstens keinen Hehl daraus, was das Geschäftsmodell ist, nämlich „hohe Qualität bei günstigen Preisen“ (lacht).

RUB Alumni: War der Einstieg wirklich so einfach?

Dr. Soei-Winkels: Während der Promotion hatte ich mir das Programmieren selbst angeeignet. Ich wusste also, welche Informationen ein Computerprogramm von dem Benutzer benötigt, welche Funktionalitäten möglich sind und wie derjenige, der etwas in diesem Programm verändern möchte, die Informationen strukturieren muss, damit ein Entwickler damit arbeiten kann. Die Anforderungsanalyse ist eine ganz klassische Aufgabe in der IT. Aufgrund meiner Fähigkeiten habe ich mich für die Aufgabe als IT-Analyst gut geeignet, außerdem konnte ich Englisch – und so war ich zwei Jahre lang verantwortlich für das Einkaufsprogramm von ALDI Australien. Das erste halbe Jahr war für mich eine sehr harte Lernzeit, danach konnte ich den Job sehr gut. Ich hatte zwar nicht Informatik studiert, aber viele Dinge konnte man auch einfach mit „common sense“ lösen, bzw. ich konnte es mit meinen anderen Fähigkeiten kompensieren.

RUB Alumni: Jetzt haben Sie sogar noch einen weiteren Ausbildungsbaustein draufgesetzt, oder?

Dr. Soei-Winkels: Genau. Ich wollte mich fachlich weiterentwickeln und eine Brücke schlagen zwischen der IT und der Psychologie, die ich ja ursprünglich studiert habe. So habe ich in diesem Jahr berufsbegleitend eine managementorientierte Coaching-Ausbildung gemacht und mein Handwerkszeug noch einmal erweitert. Mit meiner Erfahrung in der IT Branche in verschiedenen Unternehmen habe ich jetzt eine sehr gute Basis, um Menschen in technologischen Veränderungsprojekten zu begleiten. Außerdem coache ich privat und gebe Workshops für junge Doktoranden, die aus der Wissenschaft in die Wirtschaft wollen.

RUB Alumni: Sie haben schon so viel gelernt und gemacht, und Sie sprechen davon, dass Sie jetzt lediglich eine „gute Basis“ haben, um richtig loszulegen?! Wir sind gespannt, wie es mit Ihnen weitergeht! – Haben Sie noch Kontakt zu Leuten, die Sie während Ihrer Promotion an der RUB kennen gelernt haben, die wichtig für Sie waren?

Dr. Soei-Winkels: Ich habe mir immer Leute gesucht, zu denen ich aufschauen konnte, die für mich eine Mentorenrolle eingenommen haben, und zu denen habe ich auch noch Kontakt; zum Beispiel zu Sabine Windmann, die heute Professorin in Frankfurt ist, oder auch Ursula Justus von der RUB Research School .

RUB Alumni: Gibt es einen Ort auf dem Campus, mit dem Sie besondere Erinnerungen verbinden?

Dr. Soei-Winkels: Die Oase am Buscheyplatz fand ich immer toll. Hier war man weit entfernt vom Forschungsalltag und in vielen Seminaren von der Research School oder der IGSN hatte man hier die Möglichkeit „in Klausur“ zu gehen und sich selbst kennen zu lernen. Und der Beckmanns Hof im Süden des Campus war auch sehr schön.

RUB Alumni: Ja, das idyllische Kontrastprogramm zum RUB Campus. Vermissen Sie etwas, wenn Sie an Ihre Promotionszeit an der Ruhr-Universität denken?

Dr. Soei-Winkels: Ich vermisse die Kollegialität oder Kameradschaft, die wir unter den Doktoranden hatten. Wir alle hatten nicht so viel zu verlieren, das Gehalt war für alle gleich wenig und die Arbeitsbedingungen waren auch für alle gleich. Das war einfach eine schöne Zeit, wie ein verlängertes Studium, nur mit ein bisschen mehr Geld. Das ist in der freien Wirtschaft anders: der Konkurrenzkampf ist härter, weil man auf gleicher Position unterschiedlich viel Geld verdienen kann.

RUB Alumni: Hatten Ihre Kolleginnen und Kollegen Ihnen zum Abschluss der Promotion auch einen Hut gebastelt?

Dr. Soei-Winkels: Oh ja, klar, den habe ich bekommen, mit Achterbahnen drauf. Er liegt noch in meinem Arbeitszimmer und wird regelmäßig entstaubt.

RUB Alumni: Warum Achterbahnen?

Dr. Soei-Winkels: Ich liebe Achterbahnen – mein Büro war immer das mit dem Achterbahnposter. Und als Neurowissenschaftlerin fand ich das Thema „Belohnung“ immer interessant: es gibt eine Struktur im Gehirn, den Nukleus accumbens, wo viel Dopamin ausgeschüttet wird, wenn die Belohnung gerade groß ist. – Und bei mir ist das Belohnungszentrum immer dann hoch aktiv, wenn ich Achterbahn fahre!

RUB Alumni: Gibt es noch andere Gegenstände aus Ihrer Promotionszeit, die Sie noch besitzen?

Dr. Soei-Winkels: Ja, ich habe noch eine Tasse und einen Kugelschreiber von der IGSN. Von der RUB habe ich noch ein T-Shirt, babyblau, leider in „S“. – Ich trage nicht mehr „S“ (lacht). Ja, ich sollte mir mal ein Neues kaufen.

RUB Alumni: Da können wir bestimmt was machen. Vielen Dank für das Gespräch!

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