RUB » Alumni » Im Gespräch » Wirtschaft » Claudia Schubert

2004

Claudia Schubert

Director Content and Messaging, Communications bei Fujitsu Technology Solutions

Claudia Schubert studierte von 1992 bis 1997 die Fächer Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der RUB. Nach ihrem Abschluss absolvierte sie ein Volontariat beim Energiekonzern RWE im Bereich Interne Kommunikation. Sieben Jahre später verließ sie das Unternehmen, um beim neu gegründeten Konzern Fujitsu Siemens Computers den Bereich Interne Kommunikation aufzubauen. Heute ist sie als Director Content & Messaging verantwortlich für die integrierte Kommunikation des Unternehmens.

Als Nebenfächer hatte ich Politikwissenschaften und „Toffifee“, also Theater- Film- und Fernsehwissenschaften.

RUB Alumni: Können Sie uns Ihren universitären Werdegang schildern?

Schubert: Ich habe im Wintersemester 1992/93 begonnen, Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der RUB zu studieren. Als Nebenfächer hatte ich zunächst Philosophie und Politik, in den folgenden Semestern habe ich noch Theater- Film- und Fernsehwissenschaften dazu genommen. Philosophie habe ich dann weiter studiert, da aber meinen Abschluss nicht mehr gemacht. Meinen Magister habe ich im Wintersemester 1997 im Hauptfach Publizistik und Kommunikationswissenschaften gemacht. Als Nebenfächer hatte ich Politikwissenschaften und „Toffifee“, also Theater- Film- und Fernsehwissenschaften.

RUB Alumni: Wie ist es nach dem Studium weiter gegangen?

Schubert: Ich habe schon während des Studiums viele Praktika gemacht, unter anderem bei einem Radiosender. Ich komme aus Düsseldorf und habe dort auch viel für eine kleinere Zeitung geschrieben. In Richtung Journalismus wollte ich mich schon orientieren, aber mit einem solchen Studium wie meinem stehen einem alle Türen offen. Im Rahmen meiner Praktikumstätigkeiten bei RWE Energie bin ich dort in der Unternehmenskommunikation gelandet. In den Semesterferien habe ich in der internen Kommunikation als Werkstudentin gearbeitet und habe mich intensiv in die Themen bei RWE und der Internen Kommunikation eingearbeitet. Mir wurde dann ein Volontariat angeboten. Und da habe ich natürlich sofort zugeschlagen, weil mir diese Arbeit seinerzeit sehr viel Spaß gemacht hat. Dies bedeutete jedoch, dass ich durch dieses Angebot mein Studium relativ schnell beenden musste. Ich habe dann also noch ein halbes Jahr als Werkstudentin gearbeitet und in dieser Zeit meine Magisterarbeit geschrieben. Insofern war es ein fließender Übergang von der Universität in den Beruf.

RUB Alumni: Wie ist es dann nach dem Volontariat weitergegangen?

Schubert: Es war damals eine sehr aufregende Zeit bei RWE, allein durch die Liberalisierung des Strommarkts. Das Volontariat dauerte eigentlich zwei Jahre, wurde allerdings auf 1 ½ Jahre verkürzt. Nach diesen 1 ½ Jahren habe ich dann einen Festvertrag bekommen, zunächst in einem außerordentlichen Projekt als Projektkoordinatorin. Nachdem dieses Projekt dann auslief, wurde ich 1999 stellvertretende Leiterin Interne Kommunikation. Und als meine Chefin in Mutterschutz und Elternzeit ging, bin ich kommissarisch zur Leiterin Interne Kommunikation ernannt worden.

RUB Alumni: Also ein Karriereweg, der direkt bei einem Volontariat anfing und den internen Aufstieg nach sich zog.

Schubert: Ja, es gab damals eine relativ intensive Diskussion darüber, ob man ein Volontariat überhaupt noch macht, nachdem man studiert hat. Aber auf diese Art und Weise bin ich schließlich intern weiter gekommen. Nach sieben Jahren bei RWE war dann allerdings meine Zeit dort für mich vorbei. Ich merkte allmählich, dass ich am Ende dessen war, was ich dort lernen konnte. Es ergab sich dann, dass ein nächstes Jobangebot folgte. Ich wurde gefragt, ob ich Lust hätte, bei Fujitsu Siemens Computers die interne Kommunikation auf zu bauen. Wir hatten ein halbes Jahr lang Zeit für den Aufbau und mussten derweil vieles zum Teil neu aus dem Boden stampfen, zum Teil aber auch aus den übrig gebliebenen Strukturen übernehmen, die aus der Zeit vor der Fusion von Fujitsu und Siemens übrig geblieben waren.

RUB Alumni: Sind während dieser Zeit auch verschiedene Kulturen aufeinander geprallt?

Schubert: Natürlich. Siemens und Fujitsu sind zwei Konzerne mit höchst ausgeprägten Kulturen, von der deutschen und japanischen Tradition ganz zu schweigen. Bei solchen ausgeprägten Shareholdern wie Fujitsu und Siemens ist die Unternehmenskultur sehr unterschiedlich und muss sich zunächst zu einer gemeinsamen entwickeln. Es gibt dann aber auch die nationalen Identitäten, die hinter den Firmen stecken. Fujitsu Siemens Computers ist in über 30 Ländern präsent, zwar in sehr unterschiedlicher Größe, aber immer mit dort agierenden Mitarbeitern. Diese Mitarbeiter muss man integrieren, damit sie sich nicht völlig abgekoppelt vom übrigen Teil des Unternehmens fühlen. Beruflich war das eine meiner interessantesten Zeiten.

RUB Alumni: Blieb Ihnen denn angesichts der beruflichen Herausforderungen auch noch genügend Zeit für das Privatleben?

Schubert: Für mich stand es eigentlich nie außer Frage, dass ich irgendwann mal eine Familie haben will. Auf der einen Seite fand ich es schade, so schnell von der Uni wieder zu verschwinden, zumal auch die meisten meiner Kommilitonen länger studiert haben. Auf der anderen Seite war es aber auch ein Stück weit mein Glück, weil ich mit 23 direkt in den Job eingestiegen bin und auch schon früh das volle berufliche Programm vollzogen habe. Es ergab sich dann eben so, dass unsere Entscheidung für ein Kind Ergebnis einer ganz normalen Entwicklung war – irgendwann war der Zeitpunkt halt gekommen. Fast alle Entscheidungen, auch diejenigen beruflicher Natur, waren für mich immer auch ein Stück weit Bauchentscheidungen. Und ich gehe davon aus, dass diese Entscheidung damals auch für meine Chefin nicht ganz unerwartet kam. Sie hat damals immer deutlich gemacht, dass sie Frauen, die nach der Elternzeit zurück in den Job kommen wollen, eine Chance dazu gibt. Ich habe das dann auch relativ schnell bekannt gegeben, auch meine Kollegen haben diese Entscheidung gut aufgenommen.

RUB Alumni: Wie verlief Ihr beruflicher Weg, als Sie aus der Elternzeit zurückkehrten?

Schubert: Ich hatte eigentlich vor, nach ungefähr einem Jahr zurück zu kommen. Aber es ergab sich dann schon nach etwa acht Monaten, dass eine Umstrukturierung stattgefunden hatte und ein neuer Bereich namens Content & Messaging aufgebaut wurde. Und für diesen Bereich wurde eine neue Leitung gesucht. Meine Chefin kam dann auf mich zu und fragte, ob ich Lust hätte, diesen Bereich mit auf zu bauen. Gleichzeitig kam eine andere Kollegin, mit der ich früher sehr intensiv zusammengearbeitet hatte, aus der Elternzeit zurück. Und da wir uns auch sehr gut verstehen, haben wir dann das Modell „Job-Sharing“ von unserer Chefin vorgelegt bekommen. Sie fragte, ob wir nicht Lust hätten, die Leitung des neuen Bereichs zusammen zu übernehmen. Wir haben das Ganze so aufgezogen, dass ich bis Mittwoch gearbeitet habe und sie dann so zu sagen den Staffelstab übernahm und bis Freitag arbeitete. Mittwochs haben wir immer die Übergabe gemacht. Sicherlich war ich auch ein bisschen traurig, dass ich so früh wieder in den Job zurückgegangen bin. Aber wenn ich so vielleicht auch die Möglichkeit habe, beweisen zu können, dass Frauen, die zurück in den Job kommen, zum einen gute Arbeit leisten können und zum anderen auch eine Führungsposition wahrnehmen können, dann ist das eine Chance, die man nicht verstreichen lassen darf. Das Job-Share-Modell hat sich übrigens auch in anderen Abteilungen in unserem Bereich bewährt.

RUB Alumni: Gehen wir noch einmal weiter zurück in die Zeit Ihres Studiums. Können Sie sich noch daran erinnern, warum Sie ausgerechnet Bochum als Studienort ausgewählt haben?

Schubert: Das Fachangebot an der Ruhr-Uni ist sehr breit gefächert. Das ist natürlich ein wesentlicher Faktor gewesen. Ich hatte auch ein Stück weit die regionale Nähe, weil ich aus Düsseldorf komme, und für mich wäre es ein bisschen viel gewesen, direkt zum Beispiel nach Berlin zu gehen. Es war auch immer ganz schön, am Wochenende seine Tasche zu packen und dann wieder nach Hause zu fahren. Ich habe damals auch einen großen Freundeskreis gehabt und wollte diesen nicht völlig aus den Augen verlieren. Insofern war das ein ganz guter Kompromiss. Ich war mir eigentlich schon in meiner Schulzeit darüber im Klaren, dass ich in die Richtung Journalismus gehen will. fand aber dieses Publizistik- und Kommunikationsstudium auch deshalb besonders reizvoll, weil es eben nicht ganz festlegt. Ein Journalistik-Studium zum Beispiel wäre da schon zu einengend gewesen. Auf der einen Seite ist das natürlich ein bisschen gefährlich, weil man sich als Student ja auch dann neben dem Studium überlegen muss, was man eigentlich will. Und dann muss man sich auch selbst engagieren.

RUB Alumni: Können Sie sich noch an das Geschoss-System der RUB erinnern?

Schubert: Ja, ich kam damit überhaupt nicht klar. Ich bin aber auch der totale Orientierungstrottel. Bei einem meiner ersten Seminare lag der Seminarraum auf der Ebene 05. Die liegt bekanntlich im Süden der Gebäude und ich bin dann die ganze Zeit im Norden rumgerannt, habe 05 gesucht und war vollkommen verzweifelt. Irgendein Nachzügler fragte mich dann, ob ich auch in dieses Seminar wollte. Ich sagte, ja, und dann packte der mich am Händchen und nahm mich mit. Letzten Endes hatte ich dann das Glück, dass ich einen sehr guten Freund gewann, der sich gut auskannte. Entweder sind wir zusammen in die Seminare gegangen oder er hat mich dann in die richtige Richtung geschoben: „Da geht’s lang, da runter und dann rechts.“ Und das ist all die Jahre so geblieben. Ich habe mich auch gerade eben wieder verfahren. Ich wusste zwar genau, wo der Besucherparkplatz ist, bin jetzt aber irgendwo weiter unten. Ich habe mir auch noch mal genau angesehen, wo ich stehe, damit ich auch wieder zurück finde.

RUB Alumni: Diese Frage existiert an der RUB schon seit Generationen: „Wo ist mein Auto?“

Schubert: Das war übrigens auch mein erstes Erlebnis an der Uni. Ich bin damals mit meinem Vater hierher gefahren, um mal zu gucken, wie das hier eigentlich so ist. An irgendeinem Wochenende, nur einfach mal die Uni-Gebäude und Bochum ansehen, um sich ein bisschen zu orientieren. Wir haben eine geschlagene dreiviertel Stunde unser Auto gesucht und es beide nicht gefunden. Am Ende waren wir vollkommen entnervt. Aber die RUB hat auf der anderen Seite auch ihr Gutes. Was ich an Bochum immer sehr geschätzt habe, war, dass man immer relativ leicht in Kontakt zu anderen Leuten kommt. Und diese Suche hilft dabei. Ich habe dadurch schon den einen oder anderen Kommilitonen näher kennen gelernt.

RUB Alumni: Haben Sie denn noch irgendwelche Dinge aus der Studienzeit aufgehoben?

Schubert: Meinen Ausweis natürlich. Auch das Material besitze ich noch, also die Bücher und auch die Mitschriften.

RUB Alumni: Das haben Sie alles aufgehoben?

Schubert: Als wir das letzte Mal umgezogen sind und auch als das Kind kam, da habe ich schon ein bisschen aussortiert. Aber es sind immer noch etwa zwei Kisten mit Büchern, Unterlagen und Ordnern. Und die möchte ich auch gerne behalten. Ich glaube zwar nicht, dass ich da noch einmal ernsthaft reingucke, aber es ist einfach schön zu wissen, dass die da im Keller stehen. Es ist einfach eine schöne Erinnerung. Und ansonsten gibt es immer so ein paar Sachen, die man dann plötzlich findet, wo man sagt: „Ach, das Federmäppchen hattest du schon in der Uni.“

RUB Alumni: Gibt es denn auch heute noch Dinge, die Sie mit der Uni hier verbinden oder mit der Stadt Bochum?

Schubert: Ja, ich wohne wieder in Bochum. Nach dem Studium bin ich noch ein paar Jahre hier geblieben, dann aber wieder nach Düsseldorf gezogen. Irgendwie hat es mich aber doch nicht losgelassen, und dann zog ich wieder nach Bochum zurück. Der Kommilitone, der mich auf dem Campus immer in die richtige Richtung geschoben hat, ist nach wie vor einer meiner besten Freunde. Es gibt einfach einen Kreis von Leuten, den man nicht aus dem Auge verliert. Aber es ist auch so eine Art der Verbundenheit da. Ich freue mich auch immer, wenn ich hier vorbeifahre und die Universitäts-Brücke sehe. Es war schon eine sehr schöne Zeit an der Uni sowohl vom Studium her, als auch von der persönlichen Entwicklung. Das ist ja bei vielen so, die dann aus dem Elternhaus rausgehen und sich während des Studiums auf die eigenen Beine stellen.

RUB Alumni: Würden Sie die gleichen Studiengänge heute auch noch einmal machen?

Schubert: Ja. Ich weiß allerdings nicht, ob ich die Nebenfächer wieder so wählen würde, wie ich es getan habe. Was ich aber ganz fatal finde ist, wenn man Studienfächer wählt, weil man einen bestimmten Beruf oder Karriereweg vor Augen hat und seine Möglichkeiten und eigenen Vorstellungen darüber vernachlässigt. Zwar hört es sich bei mir so an, als sei mein Studium sehr geplant und karrierebewusst gewesen. Aber das war es eigentlich nicht wirklich. Die Dinge haben sich zu einem guten Teil so ergeben, ich habe aber auch immer Spaß gehabt und dadurch auch viel gearbeitet. Ich glaube, wenn man engagiert arbeitet und auch gute Ergebnisse erzielt, dann ergibt sich auch der Rest. Man kann Karriere so nicht planen, zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht.

RUB Alumni: Würden Sie sagen, dass Sie die Dinge, die Sie im Studium gelernt haben, für Ihren jetzigen Beruf gebrauchen können?

Schubert: Ja, auf jeden Fall die Methoden und die Art, strukturiert zu arbeiten. Und auch die Lerninhalte. Bei Publizistik würde ich auch die Grundlagen hinzuzählen. Aber dadurch, dass mein Studium nicht direkt auf den Beruf des Journalisten oder Medienberaters hingeführt hat, kann man glaube ich nicht erwarten, dass man sofort das praktische Rüstzeug für den späteren Beruf erhält. Doch letzten Endes greift dann doch alles ineinander. Wobei ich auch jeden ermutigen würde, praktische Erfahrungen zu sammeln. Das müssen die Studenten dann auch tatsächlich selbst in die Hand nehmen. Da führt dann kein Weg dran vorbei, aber letztlich ist es ja auch eine Freiheit, die man schätzen sollte.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.