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2011

Sylvia Schaten

Geschäftsführerin der Universitätsbuchhandlung Schaten

Sylvia Schaten studierte nur für kurze Zeit an der Ruhr-Universität: 1981 hatte sie sich für Mathematik eingeschrieben, wechselte dann bald an die Universität Dortmund, um dort Informatik zu studieren. Letztendlich wurde sie aber Buchhändlerin und übernahm, gemeinsam mit ihrem Bruder, das Geschäft ihres Vaters. In ihrem Interview berichtet sie von den Herausforderungen des Buchhandels in Zeiten von Internet und E-Books.

 

Ich selbst bin noch zu sehr mit dem Buch aufgewachsen. Das ist haptisch. Das ist das Gefühl, ein gewisser Geruch, da bin ich einfach Nostalgikerin.

RUB Alumni: Frau Schaten, würde Ihnen ein E-Book-Reader ins Haus kommen?

Schaten: Jein. Da bin ich doch zu sehr Traditionalistin, ich lese einen Krimi lieber als Buch. Ich kann mir aber Anwendungen vorstellen, bei denen ein E-Book-Reader Sinn macht, z.B. auf Reisen oder bei Menschen, die nicht so gut sehen und dann die Schriftgröße verändern können. Für die Jüngeren wird es wahrscheinlich irgendwann selbstverständlich sein, aber ich selbst bin noch zu sehr mit dem Buch aufgewachsen. Das ist haptisch. Das ist das Gefühl, ein gewisser Geruch, da bin ich einfach Nostalgikerin.

RUB Alumni: Sie haben in den 1980er Jahren zunächst an der Ruhr-Universität Mathematik, dann in Dortmund Informatik studiert, warum haben Sie gewechselt?

Schaten: Mathematik war mir doch zu theoretisch, ich wollte etwas Anwendungsorientiertes studieren und so kam ich auf die Informatik. Zu dieser Zeit gab es dieses Fach an der RUB noch nicht. So ging ich dann für das Hauptfach Informatik nach Dortmund, das Nebenfach Medizin studierte ich weiter an der RUB.

RUB Alumni: Dann waren Sie ja eine frühe Vorreiterin der Universitätsallianz UAMR.

Schaten: Ja, das kann man so sagen, ich glaube das waren damals die ersten Kooperationen zwischen den beiden Hochschulen

RUB Alumni: Schaten hat zwei Filialen in Bochum, im Uni-Center und auf dem RUB Campus. Seit wann gibt es diese Buchhandlungen?

Schaten: Mein Vater hatte die Buchhandlung 1956 in der Bochumer Innenstadt gegründet. Er baute von Anfang an einen starken wissenschaftlichen Anteil auf. Als dann klar war, dass Bochum eine Universität bekommt (1961, d. Red.), hat er sich sofort bemüht, in der Nähe der Universität ein Ladenlokal zu bekommen, und so sind wir damals zunächst im Uni-Center gelandet. Das Geschäft auf dem Campus kam später dazu.

RUB Alumni: Da hat Ihr Vater ja einen guten Riecher gehabt. Wie erinnern Sie sich an diese Zeit?

Schaten: Die Campusbaustelle hat mir eine meiner einschneidendsten Kindheitserinnerungen beschert: Wir wohnten in der Nähe des Campus und einmal habe ich unerlaubter Weise mit anderen Kindern im Rohbau gespielt. Das war natürlich höchst gefährlich und absolut verboten. Meine Eltern waren das erste Mal richtig, richtig böse mit mir.

RUB Alumni: Heute sind Sie Geschäftsführerin der Buchhandlung Schaten und dürfen sich somit höchst offiziell auf dem Campus aufhalten …

Schaten: Ja, nachdem ich mich entschlossen hatte, Buchhändlerin zu werden, habe ich erst eine Weile in Stuttgart gearbeitet, 1993 bin ich wieder zurückgekommen. Mein Bruder ist auch Buchhändler, wir leiten die Firma gemeinsam. Mein Vater hat sich mittlerweile zur Ruhe gesetzt. Heute ist der ganze Unikomplex, also die Lehrenden, die Fakultäten, Bibliotheken und Mitarbeiter unser Hauptkundenkreis. Darüber hinaus beliefern wir aber auch noch andere Behörden und große Firmen in Bochum und Umgebung. Das ist noch ein zweites wichtiges Standbein.

RUB Alumni: Heute arbeiten Studierende viel mittels E -Learning, nutzen die Lernplattform Blackboard, laden dort von den Lehrenden vorbereitete Dateien herunter. Es scheint so, dass man heute nicht mehr so häufig wirklich in die Bibliothek geht, sich vor ein Regal stellt und nach Büchern sucht, vielleicht auch auf Zufallsfunde stößt. Spüren Sie als Buchhandlung diesen Wandel der Lern- und Lesekultur?

Schaten: Ja, wir haben das sehr stark gespürt in den letzten Jahren. Früher haben Studierende im Schnitt drei bis vier Bücher pro Semester gekauft. Heute wird vielleicht noch eines gekauft, und das ist dann schon viel.

RUB Alumni: Mit welchen Strategien reagieren Sie als Buchhandlung darauf?

Schaten: Das ist wirklich schwierig. Das ganze Marktverhalten hat sich geändert; das sind Märkte, die werden nicht wiederkommen. Bei den Online-Angeboten werden wir als Händler zwischen den Verlagen und den Studierenden nicht mehr gebraucht. Für eine Datenleitung braucht es keinen Zwischenhändler.
Ich denke schon, dass es das gedruckte Buch immer geben wird und dass weiterhin gelesen werden wird. Es wird eine Nische für uns geben, aber die wird kleiner sein, als sie in der Vergangenheit war. Aber das müssen wir akzeptieren und uns drauf einstellen, der Buchhandel ist also im Moment ganz schwer im Umbruch.

RUB Alumni: Spannende Zeiten!

Schaten: Genau! (lacht)

RUB Alumni: Sie besitzen privat sicher viele Bücher, müssen Sie auch mal aussortieren?

Schaten: Inzwischen kann ich Bücher sogar wegschmeißen. Man kann nicht alles verwahren, das geht nicht. Aber meistens ist es so, dass erst mal Freundinnen drüber gucken, ob die nicht noch was haben wollen. Und die katholische Pfarrbibliothek nimmt auch immer gerne was ab. Aber eine Wohnung ganz ohne Bücher wäre irgendwie kalt. Für mich ist das ein Wohlfühlfaktor.

RUB Alumni: Was lesen Sie für Bücher?

Schaten: Ich bin ein großer Krimifan, ich habe ein paar Regale, in denen nur Krimis stehen. Aber eine gemischte Bücherwand gibt es auch. Und ich habe mir – aus reiner Nostalgie – noch die letzte erschienene Brockhaus-Enzyklopädie angeschafft, mit Goldschnitt. Die gibt es jetzt nur noch online. Wenn ich darin etwas nachschlage, fange ich an zu lesen und komme von einem Begriff auf den nächsten, das gefällt mir.