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2005

Prof. Dr. Waike Moos

Professorin für Wirtschaftsmathematik und Statistik an der Hochschule Bochum

Prof. Dr. Waike Moos studierte von 1985 bis 1991 Wirtschaftswissenschaften an der Ruhr-Universität. Nach ihrer Promotion 1995 folgten Stationen in Heidelberg, Essen und Mönchengladbach. Seit Anfang 2008 ist sie als Professorin für Statistik und Mathematik an der Hochschule Bochum tätig.

 

 

Ich habe noch meinen alten Taschenrechner und ich benutze noch meine alte Arbeitstasche, die ich schon als Studentin hatte.

RUB Alumni: Können Sie uns Ihren universitären und beruflichen Werdegang kurz skizzieren?

Moos: Ich habe 1985 in Bochum begonnen Wirtschaftswissenschaften zu studieren. 1991 war ich mit dem Studium fertig und habe direkt im Anschluss daran am Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie bei Professor Lösch in Bochum an der Fakultät Wirtschaftswissenschaft mit meiner Promotion begonnen, die ich 1995 erfolgreich abschlossen habe. Das Thema meiner Dissertation war „Stochastische versus Deterministische Trends im Rahmen der Kointegration.“ Ein ziemlich unverständliches Spezialthema aus dem Bereich der Zeitreihen-Analyse.

RUB Alumni: Worum geht es denn bei diesem Spezialthema?

Moos: Da geht es um ein Verfahren, mit dem man ökonomische Größen, wie zum Beispiel die Entwicklung des Bruttosozialprodukts oder die Entwicklung von Zinsen besser prognostizieren kann.

Im Anschluss an meine Dissertation habe ich mich dann breit gefächert beworben und letztendlich dafür entschieden, ein Jahr als Postdoc (Post-Doktorand, RUB Alumni) an die Universität Heidelberg zu gehen. Dort war ich im Südasien-Institut tätig und habe mich schwerpunktmäßig mit Indien beschäftigt, beispielsweise mit Modellen zur besseren Einschätzung der Armutsentwicklung. Nach einem Jahr habe ich mich beim Rheinisch-Westfälischen Institut  für Wirtschaftsforschung in Essen beworben. An diesem Institut habe ich sechs Jahre lang in der sektoralen Strukturanalyse gearbeitet, wo ich mich schwerpunktmäßig mit wirtschaftspolitischer Beratung für Ministerien und Verbände beschäftigt habe. Da mir die Lehre nach wie vor sehr viel Spaß gemacht hat, war ich nebenher an der FOM, der privaten Management-Schule in Essen, als Dozentin tätig. Wegen des Umfelds und der eigenen Freiheit, die eine Stellung als Fachhochschuldozentin mit sich bringt, habe ich mich schließlich dafür entschlossen, in Mönchengladbach am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft Mathematik und Statistik zu lehren und habe dort fünf Jahre lang die Ausbildung der jüngeren Studierenden betrieben. Mit meinem Beruf war ich sehr zufrieden, allerdings wäre ich sehr gerne zurück ins Ruhrgebiet gegangen. Und deshalb habe ich mich dann sehr gefreut, als eine vergleichbare Stelle an der Hochschule Bochum ausgeschrieben wurde. Für mich war die Hochschule Bochum besonders reizvoll, weil sie den Campus mit der Ruhr-Universität teilt. Mit dem Job in Bochum hat es dann glücklicherweise auch geklappt und jetzt bin ich seit Februar 2008 an der Hochschule Bochum im Fachbereich Wirtschaft für die Ausbildung der jungen Studierenden in Mathematik und Statistik zuständig. Letztendlich ging es nach vielen Jahren für mich also wieder „back to the roots“ und nun kann ich sogar wieder in meine alte Mensa gehen.

RUB Alumni: Als Sie damals Ihr Studium begonnen haben, gab es einen bestimmten Grund für Sie, in Bochum zu studieren?

Moos:Nein, darüber habe ich mir damals überhaupt keine Gedanken gemacht. Ursprünglich wollte ich in Dortmund Statistik studieren. Das gefiel mir dann allerdings nicht so gut und da ich nicht umziehen wollte und es an der Bochumer Uni ganz nett fand, bin ich dann nach Bochum gewechselt.

RUB Alumni: Gibt es denn noch bestimmte Gegenstände aus Ihrer Studienzeit, die Sie heute noch besitzen?

Moos: Ich habe noch meinen alten Taschenrechner und ich benutze noch meine alte Arbeitstasche, die ich schon als Studentin hatte. Die sieht immer gammeliger aus aber es ist noch immer die alte Tasche.

RUB Alumni: Und sie hält noch durch?

Moos: Sie hält noch durch und das ist für mich eigentlich ganz reizvoll, dass ich zumindest von hinten gesehen immer noch so aussehe, wie damals als Studentin.

RUB Alumni: Vermissen Sie denn heute bestimmte Dinge aus Ihrer Studienzeit?

Moos:Ich vermisse eigentlich das, was man gemeinhin als Studentenleben bezeichnet. Dieses Zusammentreffen in den Kneipen macht man heute natürlich nicht mehr, gerade wenn man Familie hat. Ich vermisse auch das gemütliche Zusammensitzen in der Caféte. Auch wenn man an der Bochumer Hochschule arbeitet, ist für so etwas heute leider keine Zeit mehr. Studieren ist zwar auch Arbeit, aber ich stelle fest, dass ich während des Studiums viel abgegrenzter gearbeitet habe. Damals wusste man genau, was man zu tun hatte und man wusste auch, dass man sich in ein Thema richtig vertiefen konnte. Das hat man heute im Beruf nicht mehr. Da hat man beispielweise zehn Themen, über die man sich in kurzer Zeit einen Eindruck machen muss. Es ist nicht mehr möglich, in ein Thema umfassend einzusteigen.

RUB Alumni: Sie erwähnten, dass Sie sich besonders darüber freuen, nun auch wieder in die RUB-Mensa gehen zu können. Allerdings hat sich im Laufe der Jahre die Mensa auch verändert.

Moos:Die hat sich verändert. Aber die Räumlichkeiten oder die äußere Bausubstanz sind zumindest gleich geblieben.

RUB Alumni: Wie gefällt Ihnen denn die neu renovierte Mensa im Vergleich zur alten RUB-Mensa?

Moos:Die ist natürlich viel besser. Das ist heute schon sehr komfortabel, vor allem wenn man sich den neuen Café-Bereich im oberen Geschoss anschaut. Der ist sehr schön geworden.

RUB Alumni: Fällt Ihnen denn vielleicht noch eine Anekdote aus Ihrer Studienzeit ein?

Moos:Wir hatten eine Statistik-Dozentin, die immer sehr seriös gekleidet war und meistens Trenchcoat und Hut trug. So sah man sie dann im HZO zu den Veranstaltungen in den Hörsälen die Außentreppe hinunter gehen. Irgendwann kam ich als Studentin einmal etwas zu spät. Ich wollte mich etwas weiter vorne im Hörsaal hinsetzen und ging daher auch diese Treppe hinunter. Der Hörsaal war schon voll und zufälligerweise trug ich einen Trenchcoat und einen Hut. Das haben etliche meiner Kommilitonen mitbekommen. Die guckten mich an und fingen fürchterlich an zu lachen. Die Dozentin hatte das aber gar nicht mitbekommen. Einerseits fand ich das witzig, andererseits war mir das auch ein wenig unangenehm, weil ich mir dachte: „Jetzt denkt die, ich veräpple sie.“ Und dann habe ich mich einfach ganz schnell hingesetzt, Mantel und Hut ausgezogen, und die Dozentin war ratlos, weswegen alle so lachten.

RUB Alumni: Heute sind Sie selbst Hochschuldozentin, wie kann man sich den Zusammenhang zwischen Ihrem damaligen Studium und Ihrer derzeitigen beruflichen Tätigkeit vorstellen? Gab es da so etwas wie einen fließenden Übergang bezüglich der Themen und Arbeitsweisen?

Moos:Das ist tatsächlich so. Gerade bei Themen der Volkswirtschaftslehre kann ich mich noch an Vorlesungsinhalte erinnern. Und die verwende ich auch heute, wenn ich diesbezüglich in meinen Veranstaltungen Beispiele anbringe. Das, was ich damals gelernt habe, gebe ich heute an die Studierenden weiter.

RUB Alumni: Gibt es denn merkliche Veränderungen im Vergleich der Lehrsituation von früher und heute?

Moos: Natürlich. Es hat sich in der Lehrmethodik vieles verändert. Früher wurde viel an die Tafel geschrieben. Heute werden ja viele unterschiedliche Medien eingesetzt. Dadurch wird es den Studierenden teilweise leichter gemacht. Aber auf der anderen Seite täuscht diese Leichtigkeit dann häufig die Studierenden darüber hinweg, dass man doch einfach ganz hart lernen muss. Bestimmte Grundaspekte ändern sich einfach nicht. Man muss heute immer noch eigene schriftliche Zusammenfassungen machen, damit man komplexe Inhalte verinnerlichen kann. Darüber hilft der Einsatz neuer Medien nicht hinweg.

RUB Alumni: Wenn Sie heute noch einmal studieren könnten, würden Sie sich dann nochmals für Wirtschaftswissenschaften entscheiden oder würden Sie aus ihrem Erfahrungsschatz und privaten Interessen heraus etwas anderes wählen?

Moos: Ich bin schon zufrieden mit dem, was ich da studiert habe. Man hat dadurch ein großes Wissen über tagespolitische und wirtschaftliche Entwicklungen und Zusammenhänge. Ich finde es schön, wenn man sich zu solchen Themen nicht nur auf „Stammtischniveau“ äußern kann, sondern eine fundierte Meinung hat, die auch theoretisch begründet ist.

RUB Alumni: Gibt es aus Ihrer Sicht als Hochschulprofessorin heute Dinge, die Sie in der Hochschulpolitik gerne verbessert sehen würden?

Moos: Ich würde die Professoren und Professorinnen dazu anhalten, Studieninhalte zu „entrümpeln“. Gerade in den Wirtschaftswissenschaften ergibt sich immer viel Neues, aber Altes wird nicht rausgeschmissen. Dadurch werden die Studieninhalte immer voller. Ich würde daher vorschlagen, mehr auf die Methodik zu achten. Grundlegende Schlüsselqualifikationen vermitteln, aber nicht jedes kleinste Modell und jede kleinste Theorie den Studierenden präsentieren. Bezüglich der Lernbedingungen würde ich versuchen, neben diesen klassischen Frontalveranstaltungen kleinere Lerngruppen zu bilden. Denn gerade die Studierenden, die vielleicht nicht ganz so motiviert sind, kann man durch einen persönlichen Kontakt stärker einbinden. Daher versuche ich auch, ganz junge Studierende schon in Forschungsprojekte einzubinden, um ihnen zu zeigen, dass man mit dem Erlernten auch tolle Sachen machen kann.

RUB Alumni: Was würden Sie denn den heutigen Studierenden gerne mit auf den Weg geben?

Moos: Dass sie ihre Studienzeit genießen sollen, obwohl das natürlich heute durch die Studiengebühren, die vollen Stundenpläne und die Umstellung auf Bachelor alles sehr eng geworden ist. Aber das ist ja letztendlich doch eine schöne Zeit. Zudem ist es sehr wichtig, einen „kritischen Geist“ zu entwickeln, indem man Dinge hinterfragt. Ich denke, dass dies auch eine wichtige Qualifikation für die spätere berufliche Laufbahn ist.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.