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2005

Hartwig Masuch

CEO BMG Rights Management GmbH

Hartwig Masuch studierte zwischen 1974 bis 1980 Wirtschaftswissenschaften an der RUB. Gleichzeitig war er Sänger bei der Band "The Ramblers", aus der später die Gruppen "Nena" und "Extrabreit" hervorgingen. Außerdem hatte Hartwig Masuch seine eigene Produktionsfirma. Da bereits vor dem Diplom die Jobangebote kamen, hat er den Abschluss nicht mehr gemacht. Unter anderem verlegte er "Extrabreit" und war bis 2007 Managing Director und Senior Vice President für Deutschland, Österreich und Schweiz der BMG Music Publishing, einer Tochterfirma des Bertelsmann Konzerns. Seit 2008 ist er Geschäftsführer der BMG Rights Management GmbH.

Meiner persönlichen Erfahrung nach ist es egal,
was für einen Plan man hat.

RUB Alumni: Wie sieht Ihr bisheriger Werdegang aus?

Hartwig Masuch: Ich habe mit großem Elan angefangen zu studieren, weil ich dachte, dass da meine Zukunft liegt. Ich habe mich sehr für Finanzmärkte und Bank- und Börsenwesen bei dem damaligen Professor Joachim Süchting interessiert. Parallel dazu war ich ein totaler Rock-Musik-Fan und hab dann mit ein paar Freunden 1976 eine Band „The Ramblers“ gegründet, die dann erstaunlicherweise ´77 einen Schallplattenvertrag gekriegt hat. Das waren damals die ersten deutschen Punk-New-Wave Bands, die es so gab. Das Interessante daran war, dass aus unserer Band zwei sehr erfolgreiche deutsche Bands hervorgegangen sind. Einer unserer Gitarristen hat die Band „Nena“ gegründet und unser erster Bassist nach seinem Ausstieg die Band „Extrabreit“. Ich war dann der Ansprechpartner, dieser „Ableger“ der Band und hab´ darum die ersten „Extrabreit“ LPs selber produziert sowie die ersten Aufnahmen von „Nena“ finanziert. So bin ich dann auf die andere Seite des Schreibtisches gekommen.

RUB Alumni: Den Abschluss wollten Sie nicht mehr nachmachen?

Hartwig Masuch: Das habe ich einfach zeitlich nicht mehr geschafft, weil ich damals schon nebenbei meine erste kleine Firma im Musikbereich gegründet habe. Das fing erst mit einer Band an und darüber bin ich ans Produzieren mit anderen Bands gekommen und hab meinen eigenen Musikverlag gegründet - Wiehagen&Masuch. Das hat mich dann so beschäftigt, dass an einen Abschluss nicht mehr zu denken war.

RUB Alumni: Wie lange existierte diese Firma?

Hartwig Masuch: Den letzten Teil habe ich vor sieben oder acht Jahren verkauft. Also, ungefähr bis ´98/´99

RUB Alumni: Wie sind Sie dann letztlich in Ihrer jetzigen Position gelandet?

Hartwig Masuch: Da ergab sich eins aus dem anderen. Ich habe erst ´mal in der eigenen Firma weiter gemacht und 1984 kam ein Punkt, an dem ich einen Teil der Aktivitäten verkauft und angefangen habe zu studieren. Ich bin nach Köln gezogen und habe mich für Jura immatrikuliert. Mit 29 fand ich das sehr schön: sich in Ruhe alles angucken zu können, nicht mehr in einem totalen Stress zu stehen und sich denken zu müssen „Oh Gott, wo wird das alles hinführen?“ So habe ich angefangen entspannt zu studieren und hab´ dann aus heiterem Himmel von Warner Brothers das Angebot bekommen, ihr Repertoire in Deutschland aufzubauen. Genauso spontan habe ich mich dann innerhalb von zwei Tagen dazu entschieden, dass Studium nach zwei Semestern abzubrechen und nach München zu gehen, um den Job anzunehmen. Das habe ich dann sechs Jahre gemacht und habe danach ein Angebot von Bertelsmann bekommen, deren schon existierenden Musikbereich auszubauen.

RUB Alumni: An was erinnern Sie sich aus Ihrer Zeit an der RUB?

Hartwig Masuch: Da gab es Highlights wie Herrn Peffekoven im Bereich Finanzpolitik. Das war ein sehr inspirierender Dozent. Obwohl man immer denkt, das wäre ein ganz langweiliges Thema, hat mich das wahnsinnig interessiert. Herr Peffekoven ist ein großer Sachverständiger in Sachen öffentliche Finanzen. Ab und an läuft er mir in den Medien wieder über den Weg und dann entsinne ich mich „bei dem hast du oft in den Seminaren gesessen“. Was auch ganz spannend war: parallel zu meinem Studium und den Bandaktivitäten ist damals die Fernuniversität in Hagen gegründet worden und die hatten auch einen wirtschaftswissenschaftlichen Lehrstuhl und da habe ich als studentische Hilfskraft gearbeitet. Das war auch sehr interessant, weil Rüdiger Pohl, der später ja auch im Sachverständigenrat war, diesen Bereich aufgebaut hat. Mich hat das Studium immer sehr interessiert - die wirtschaftswissenschaftliche Fragestellung fand und finde ich wahnsinnig interessant.

RUB Alumni: Wollten Sie schon ´mal den Abschluss nachholen?

Hartwig Masuch: Ja, und zwar auch ungefähr in dieser Zeit, ´84. Da habe ich mich an der Hagener Fernuni immatrikuliert, die haben einen ähnlichen Studiengang wie damals die Bochumer. Früher gab es Wirtschaftswissenschaften in Deutschland kaum; an vielen deutschen Unis gab es nur Volkswirtschaft oder Betriebswirtschaft. Aber dann entschied ich mich doch lieber Jura zu studieren. Ich habe gedacht, dass das besser zu meinem beruflichen Werdegang passt, weil da viele Sachen juristische Auseinandersetzungen sind über Urheberrecht und solche Fragestellungen. So habe ich dann nach kurzer Überlegung, die Idee einen Abschluss nachzumachen, wieder verworfen.

RUB Alumni: Es scheint sich ja dennoch gelohnt zu haben…

Hartwig Masuch: Ja! Meiner persönlichen Erfahrung nach ist es egal, was für einen Plan man hat. Man muss im Zweifelsfall auch sehr opportunistisch einfach mal auf eine gute Gelegenheit reagieren. Viele gute Jobs sind eben nicht schematisch. Wenn meine Kinder in das Alter kommen, werde ich Ihnen das gleiche sagen.

RUB Alumni: Wie sind Sie denn überhaupt auf die Idee gekommen, damals nach Bochum zu gehen? Gerade weil es die Wirtschaftswissenschaften dort in dieser Form dort gab?

Hartwig Masuch: Ja, absolut. Und es hatte auch einen anderen Grund: ich wohnte in Hagen und hatte zu der Zeit überhaupt keine Lust da weg zu ziehen und fand das von der Fahrerei her ganz praktisch mit Bochum.

RUB Alumni: Das Geschosssystem bereitet vielen Studierenden Schwierigkeiten. Ging es Ihnen ähnlich?

Hartwig Masuch: Nein, gar nicht. Ich war ein großer Fan der Ruhr-Universität. Diese Kompaktheit, diese Campusstruktur, das fand ich ganz toll.

RUB Alumni: Haben Sie einen Überblick über die heutige Bochumer Hochschulpolitik?

Hartwig Masuch: Nein, gar nicht.

RUB Alumni: Und wenn Sie die Hochschulpolitik aus Ihrer Studienzeit beurteilen müssten, hätten Sie da Vorschläge, was hätte anders gemacht werden sollen?

Hartwig Masuch: Mit der Frage habe ich mich nie so wirklich befasst, vielleicht war ich zu unkritisch. Man muss da auch sehen 1974, ´75,´76 zu studieren, das war im Vergleich zu heute eine unglaublich unschuldige Zeit. Es ging allen relativ gut, man hatte nicht wirkliche Existenzängste was den Arbeitsmarkt anging. Das hat nie eine wirkliche Rolle gespielt in meinem Denken, deshalb war natürlich sicherlich erst gar nicht so ein Ansatz da, zu sagen „die arbeiten hier am Markt vorbei“ oder so was, wie es ja heute öfter in Diskussionen auftaucht.

RUB Alumni: Wenn Sie an Ihre eigene Studienzeit an der RUB denken, vermissen Sie da etwas?

Hartwig Masuch: Ich vermisse nichts schmerzhaft, aber ich habe etwas versäumt. Das war sicherlich einen engeren Kontakt zu Kommilitonen aufzubauen, was aber eben schon mit dem Status der Pendler-Uni zu tun hat. Man verbringt eben nicht noch zwangsläufig abends Zeit zusammen. Manchmal beneide ich dann Leute, die noch sehr enge Beziehungen zu Kommilitonen haben und die auch regelmäßig treffen. Das ist bei mir wirklich auf das Gymnasium beschränkt und aus der Studienzeit ist da gar nichts hängen geblieben. Das kann ich aber nicht der Uni vorwerfen, dafür ist man natürlich selbst zuständig, aber das habe ich ganz eindeutig versäumt.

RUB Alumni: Fällt Ihnen eine nette Anekdote aus Ihrem Studium ein?

Hartwig Masuch: Ja, als ich das Vordiplom gemacht habe, da hatte ich etwas Zeitstress, weil wir immer mit der Band unterwegs waren und viel geprobt haben. Da kam es wie es kommen musste: das Vordiplom war über zwei Wochen gestreckt und die Arbeiten wurden in einer bestimmten Reihenfolge geschrieben. Da ich mir das alles nicht immer so genau angeguckt habe, war ich der Meinung, dass es sich um den üblichen Rhythmus handelt. Ich kam also gut gelaunt mit meinen Jura  Unterlagen an, um festzustellen, dass die Statistik Arbeit geschrieben wurde. Was ich erst mal nur daran erkannte, dass meine Kommilitonen nicht die großen roten Schönfelder in der Hand hatten, sondern Statistik Bücher. Das hat mich wahnsinnig nervös gemacht. Dann bin ich wie ein Blitz in die Bücherei gerast, um mir das zulässige Statistik Buch zu holen, habe dann erst ´mal die Arbeit geschrieben und dachte dann: „So eine Scheiße, jetzt ist das Thema mit dem Vordiplom hin“. Daraufhin war ich bei der Prüfungskommission und die haben gesagt, dass es das noch nie gegeben habe in NRW. Da wussten sie gar nicht, was dann die Regelung ist. Eigentlich müsste es so sein, dass das Vordiplom in einem Rutsch gemacht wird – sie haben aber dann doch erreicht, dass ich die Jura Klausur nachholen durfte im darauf folgenden Semester und alle anderen Arbeiten anerkannt wurden. Diese Flexibilität der Uni hat mich sehr gefreut.

RUB Alumni: Die Statistik Klausur haben Sie also dann auch bestanden?

Hartwig Masuch: Ja, ja – die habe ich einwandfrei bestanden, das war alles gar kein Problem. Aber es hätte eben doch anders laufen können, weil ich glaubte, dass man laut Studienordnung, ganz streng ausgelegt die vier Arbeiten in einem Durchgang schreiben musste.

RUB Alumni: Wenn Sie Ihr Studium in vier Worten zusammenfassen müssten, wie würden Sie das machen?

Hartwig Masuch:In vier Worten wird das wohl nichts. Aber was ich gelernt habe und die grundsätzlichen Gedankengänge, sozusagen der Blueprint, das hat mir unheimlich viel in der Praxis geholfen. Gerade wenn man im Mediengeschäft und sehr nah mit Inhalten arbeitet, fand ich es wahnsinnig hilfreich, so ein gedankliches Korsett sehr klar beigebracht bekommen zu haben. Diese wirtschaftlichen Gedankengänge waren sehr wichtig. Ich habe sehr oft erlebt, dass diejenigen, die nur auf der kreativen Seite in diese Firmen eingestiegen sind, sich doch relativ schnell verbrauchen, weil sie sich einfach nicht zurücksetzen und sagen können „Wir müssen uns einfach mal eben wieder Gedanken machen, was hier ganz grundsätzlich passiert, es ist auch eine Industrie und was sind Anforderungen an eine Industrie, was sind logische Strukturen“. Es hat sehr oft, gerade in der Unterhaltungsbranche, zu einem Riesen-Chaos geführt, dass die Leute nur noch mit kreativen Momenten alles bewältigen wollten. Ich hab immer noch eine ganz große Affinität zu Kreativität, zur Musik, aber bin heilfroh, dass ich diese andere Seite sehr interessant beigebracht bekommen habe.

RUB Alumni: Dementsprechend war Ihr Studium für Sie und Ihre jetzige berufliche Position hilfreich?

Hartwig Masuch: Absolut. Ich kann Ihnen da ein Beispiel nennen: Als ich Abitur gemacht habe, war eigentlich mein erster Instinkt zu überlegen, was meine Lieblingsfächer sind: „Philosophie, Geschichte und Germanistik“. Meine erste Reaktion war dementsprechend auch, dass ich diese Fächer studieren wollte und mir dachte „Das ist super, das macht mir Spaß“. Nach dem Abi bin ich erst ´mal ein bisschen weggefahren, habe mit Leuten geredet und ich weiß noch genau: das war am Süd Peloponnes auf dem Dach eines Apartments, wo wir ein paar Wochen gewohnt haben; da sagte ein Freund „Das heißt ja du willst Lehrer werden, was willst du sonst mit diesen Fächern machen?“ Und das wollte ich auf keinen Fall und habe mir dann überlegt, dass ich etwas machen muss, was mir Optionen offen hält und bin dann auf Wirtschaft gekommen. Bis dahin hatte ich überhaupt keine Affinität dazu. Damals hat man an den Gymnasien ja nicht den Hauch einer Ahnung und die Nähe zur Wirtschaft vermittelt bekommen. Man hat damals das Gymnasium verlassen und wusste noch nicht einmal wie ein Scheckformular aussah. Über das Studium bin ich also das erste Mal mit Dingen wie Buchführung, Bilanzierung, Produktionsabläufen und wirtschaftspolitischen Fragestellungen in Verbindung gekommen. Ich glaube, dass selbst wenn ich trotzdem die Chance gehabt hätte, irgendwas in der kreativen Industrie zu machen, mir jedes strukturelle Denken gefehlt hätte. Außerdem neigen wir dazu, wenn wir in so einem Kreativ-Job sind, zu sagen: „Das hängt alles von unserem Genie ab. Die Strukturen das sollen Andere machen. Dafür hat man Controller, Buchhalter und IT-Leute“. Ich glaube, diese Basis mitbekommen zu haben ist einfach wahnsinnig wichtig.

RUB Alumni: Wenn Sie heute noch mal Ihren Karriereweg anstreben würden, würden Sie heute etwas anders machen und wenn ja, was?

Hartwig Masuch: Ich hätte vielleicht die Selbstständigkeitsphase noch drei, vier Jahre länger durchgehalten. Ich habe da meine Interessen zu früh aufgegeben; finanziell zu klein gedacht. Diese Explosion der Musik in Deutschland, die kam eben erst ab ´84. Was mir dann in meinem Beruf bei einem großen Konzern sehr zu Gute kam, aber finanziell wäre es natürlich interessanter gewesen, noch drei oder vier Jahre mit der eigenen Firma dabei zu sein und die dann zu verkaufen. Das ist das Einzige. Ich würde auch noch ´mal das gleiche studieren. Wenn meine Kinder mich fragen würden und sie nicht ganz spezifische Interessen hätten, vielleicht sogar eine ähnliche Ausgangsbasis wie ich und gerne studieren möchten, aber nicht wirklich wissen, wo ihre Neigungen sie wirklich hinterher hinführen, dann würde ich ihnen auch immer empfehlen, Wirtschaft oder Jura zu studieren. Das sind größere Spielfelder, als wenn man sich auf eine inhaltliche Geschichte festlegt.

RUB Alumni: Und was würden Sie denn den heutigen Bochumer Studierenden mit auf den Weg geben?

Hartwig Masuch: Opportunistisch zu sein. Nicht im negativen Sinne, sondern immer parallel zu gucken. Heute ist das Angebot, sich mit Praktika auseinanderzusetzen, viel größer als vor 30 Jahren. Ich würde auch immer eine Chance, die sich innerhalb eines Praktikums oder einer parallelen Berufstätigkeit ergibt sehr, sehr genau abschätzen und im Zweifelsfall dann auch wahrnehmen. Ich sehe das ja auch bei uns; der Abschluss, der zählt nur bei der Bewerbung. Alles andere hängt dann mit der Effizienz der handelnden Person zusammen. Eine Titel- und Strukturgläubigkeit, dass man bestimmte Schritte gegangen sein muss, um an ein bestimmtes Ziel zu kommen, z. B. „Ich muss das und das gemacht haben, um Vorstandsmitglied bei Bertelsmann zu werden.“ – diese Kausalität, die würde ich mit Vorsicht genießen. Es wird ja oft so dargestellt, dass es festgeschriebene Voraussetzungen gibt und dass es nur mit denen geht. Das stimmt einfach nicht, wenn man dann genauer hinguckt.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.

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