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2007

Hellmut Krug

Schiedsrichter-Experte bei der Deutschen Fußball Liga

Hellmut Krug studierte von 1977 bis 1984 an der RUB die Fächer Sport und Griechisch auf Lehramt und schloss 1984 sein Studium mit dem ersten Staatsexamen ab. Daran anschließend absolvierte er sein Referendariat und schloss dies erfolgreich mit dem zweiten Staatsexamen ab. Als Schiedsrichter der Fußball-Bundesliga leitete er insgesamt 240 Bundesliga-Spiele. Als FIFA-Schiedsrichter nahm er an einer Europameisterschaft und einer Weltmeisterschaft teil. Außerdem leitete er als FIFA-Schiedsrichter jeweils ein Weltpokal- und ein Champions-League-Finale. Seit 2007 ist Hellmut Krug Schiedsrichter-Experte bei der Deutschen Fußball Liga.

Ich habe noch sämtliche Unterlagen und sogar noch die Reckriemen!

RUB Alumni: Warum haben Sie damals Bochum als Studienort gewählt?

Krug: In erster Linie aus zwei Gründen: Zum einen war für mich persönlich die Ortsnähe wichtig. Aus finanziellen Gründen wollte ich nicht an einen anderen Ort, weil ich ansonsten eine Zweit-Wohnung hätte nehmen müssen. Zum anderen hatte ich an der RUB die Möglichkeit, Sport und Griechisch zu studieren.

RUB Alumni: Woher kommen Sie gebürtig?

Krug: Ich komme aus Gelsenkirchen.

RUB Alumni: Wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken, fällt Ihnen da was ein? Eine nette Geschichte, an die Sie sich gerne erinnern?

Krug: Insbesondere eine Geschichte fällt mir da ein. Ich war Teilnehmer eines Skikurses in Les Arcs. Und aufgrund unserer Fitness waren wir damals natürlich nicht nur auf der Piste belastbar, sondern auch in der Lage, die ganze Unternehmung feucht-fröhlich zu gestalten. Und so haben wir dann auch nachts noch unser Unwesen getrieben. In einer relativ weit fortgeschrittenen Nacht, in der auch reichlich Alkohol auf dem Zimmer geflossen war, tauchte plötzlich ein Kommilitone mit einem Skateboard auf. Einige von uns begannen natürlich umgehend, damit im Flur zu fahren. Der Flur hatte allerdings ein erhebliches Gefälle und ein Kommilitone unterschätzte total, dass das Skateboard sehr schnell wurde. Auf dem Flur gab es alle paar Meter sehr schwere Pendeltüren und der Kommilitone, der mit dem Skateboard unterwegs war, hat dann in voller Fahrt eine Tür „geöffnet“. Wir sahen gerade noch, wie er nach der Tür zu Fall kam, bevor diese wieder zuschlug. Es hat fürchterlich geknallt und wir fanden das alle unheimlich witzig. Als der Kommilitone Sekunden später zurückkam, hielt er sich den Kopf - was wir natürlich für einen Scherz hielten. Dass er wirklich etwas hatte, sahen wir erst, als er näher kam. Denn da er unmittelbar vor seinem Sturz die Tür tatsächlich mit dem Kopf „geöffnet“ hatte, blutete er bereits „wie eine Sau“ aus einer riesigen Platzwunde am Kopf. Nun war es schon drei Uhr morgens und die Frage war: Holen wir unseren Sportmediziner Prof. de Marées zu Hilfe, der damals im gleichen Hotel schlief? Eine Aussicht, die keinen von uns so recht begeistern konnte. Und so bin ich dann mit dem vor sich hin blutenden Kollegen ins Bad gegangen und habe eine halbe Stunde lang versucht, mit Toilettenpapier die Blutung zu stillen, was schließlich auch gelang. Das Badezimmer sah anschließend aus wie nach einer Schlachtung. Der Abend war natürlich beendet und der an und für sich geplante weitere Gang in die Diskothek gecancelt. Eine unvergessliche Geschichte.

RUB Alumni: Wenn Sie sich an Ihr Studium erinnern, ist es möglich es in vier Worte zusammenzufassen?

Krug: Abwechslungsreich, kommunikativ, lernintensiv, erfolgreich!

RUB Alumni: Sie haben Sport und Griechisch studiert und die Sportfakultät war ja damals auch schon an der Stiepeler Strasse beheimatet. Wie haben Sie sich auf dem Campus zu Recht gefunden?

Krug: Die Sportfakultät kennen zu lernen war relativ einfach. Aber das Geschosssystem auf dem Campus habe ich in Gänze wahrscheinlich bis zum Schluss nicht durchschaut. Den altphilologischen Bereich habe ich relativ schnell kennen gelernt, aber alles andere, muss ich ganz ehrlich sagen, hat sich mir bis heute nicht erschlossen.

RUB Alumni: Als Sportstudent hat man mit dem Campus nicht viel zu tun...

Krug: Darüber war ich auch ganz froh. Es war schon eine Sucherei, wenn eine Vorlesung in einem anderen Gebäude stattfand. Das war zum Teil ziemlich kompliziert. Die wichtigsten Standorte hatte ich aber nach einem Semester ´raus.

RUB Alumni: Besitzen Sie denn noch Utensilien aus Ihrer Studentenzeit?

Krug: Ich habe vor kurzem beim Aufräumen ein Paar Reckriemen gefunden, ein Relikt aus dem Geräteturnkurs. Einiges liegt auch noch bei mir im Keller. Ich bringe einfach nicht übers Herz es wegzuwerfen: noch fast alle Unterlagen aus meinem Studium, obwohl ich aller Wahrscheinlichkeit nach nie wieder reinschauen werde. Lediglich die sportmedizinischen Unterlagen befinden sich bei mir im Arbeitszimmer, weil ich dort bei Bedarf immer mal wieder reinsehe. Das Buch konnte ich damals mehr oder weniger auswendig. Es war auch toll und umfassend geschrieben und vermittelte eine unglaubliche Wissensmenge auf engstem Raum.

RUB Alumni: Wenn Sie heute Rektor der Bochumer Universität wären, was würden Sie heute ändern oder besser machen, auch vor dem Hintergrund, dass das nicht viel kosten dürfte?

Krug: Das ist schwer zu beantworten! Spontan fällt mir da nichts ein. Was immer besondere Probleme machte, war die Parkplatzsuche. Das wird sich bis heute wahrscheinlich nicht geändert haben.

RUB Alumni: Wahrscheinlich wird das Problem mit der Zeit noch größer geworden sein...

Krug: Das denke ich auch. Das ist bei mir als Negativum hängen geblieben. Vielleicht sollte man sich einmal über die Möglichkeit eines Shuttle-Services Gedanken machen. Aber das ist auch wieder eine Kostenfrage! Als zweites Problem habe ich immer die Vergabe der Sportkurse gesehen. Aufgrund der großen Nachfrage kamen die Studenten „in die Lostrommel“. Da hätte man eigentlich damals Möglichkeiten finden müssen, der Nachfrage gerecht zu werden. Ich wollte zum Beispiel immer mal den Kurs „Wasserspringen“ belegen, bin dann einfach hingegangen und musste feststellen, dass da 50 Leute standen! Rudern wäre für mich auch von Interesse gewesen. Aber auch das hat nie hingehauen. Die Verantwortlichen waren damals schlichtweg nicht in der Lage, der Nachfrage der Studenten gerecht zu werden.

RUB Alumni: Wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken, was vermissen Sie da am meisten?

Krug: Traumhaft war, dass ein Studierender immer die Möglichkeiten hat, trotz aller vorhandenen Zwänge und Termine, seine Arbeitszeit selbst zu bestimmen. Außerdem war man von Veranstaltung zu Veranstaltung mit anderen Menschen zusammen, die durchweg die gleichen Interessen hatten. Das war unglaublich abwechslungsreich.

RUB Alumni: Vor allem bei den praktischen Sportkursen…

Krug:…bei den Sportkursen ganz besonders. Ich habe kürzlich noch mit jemandem darüber gesprochen, dass wir während des Studiums teilweise den Tag mit Sporttreiben verbracht haben. Das konnte morgens mit einem Turnkurs beginnen, dann ein Tenniskurs, anschließend ist man nachmittags privat noch auf den Platz, um Tennis und abends Fußball zu spielen. Was für ein Leben! Man hat damals den Beruf zum Hobby machen können oder umgekehrt.

RUB Alumni: Verbindet Sie heute noch etwas mit der Bochumer Universität oder mit Bochum allgemein?

Krug: Außer, dass man bisweilen eher zufällig damit konfrontiert wird, eigentlich nichts. Vor allem wenn man mit Studenten ins Gespräch kommt und einer in Bochum studiert. Dann versuche ich natürlich in Erfahrung zu bringen „Wer ist denn noch da von den alten Dozenten?“ Wen kennt man noch? Ein ehemaliger Dozent, Prof. Mester, ist mir kürzlich in Köln an der Sporthochschule über den Weg gelaufen. Von Wiemann, bei dem ich Turnen belegt hatte, ist mir ein Buch in die Hände gefallen.

RUB Alumni: Gibt es noch einen Zusammenhang zwischen Ihrer jetzigen Tätigkeit und Ihrem Studium?

Krug: Die Anknüpfung ist ja doch offensichtlich, mit dem Sportstudium und dem Fußball. Darüber hinaus war für mich, im theoretischen Bereich, die Sportmedizin am interessantesten. Auch heute werde ich immer mal wieder mit sportmedizinischen Aspekten konfrontiert. Natürlich befasse ich mich weiterhin intensiv mit diesen Dingen, um den Schiedsrichtern zu helfen in den Bereichen Trainingslehre, Sportverletzungen, Verletzungs-Prävention. Wir hatten beispielsweise vor zwei Jahren eine ungewöhnliche Hitzeperiode. Darauf habe ich die Schiedsrichter vorbereitet und ihnen unter anderem Tipps an die Hand gegeben, inwieweit sie durch geeignete Maßnahmen der Temperaturregulation die Voraussetzung für eine Top-Leistung erbringen. Dafür greife ich auf Dinge zurück, die ich gelernt habe und selbstverständlich auf aktuelle Untersuchungen.

RUB Alumni: Vor allem im Bereich Sportmedizin und Trainingslehre können Sie noch auf Inhalte des Studiums zurückgreifen?

Krug: Ja, genau! Dennoch muss man natürlich beachten, dass sich mit den Jahren auch viele Dinge geändert haben.

RUB Alumni: Wenn Sie heute noch mal studieren würden, würden Sie Ihre Fächer noch mal studieren beziehungsweise empfehlen?

Krug: Ich würde heute nicht mehr Altgriechisch studieren, weil mir das im Endergebnis nichts gebracht hat. Ein Sportstudium dagegen würde ich immer wieder belegen. Allerdings ist es immer noch schwer, als Sportlehrer eine Anstellung zu finden. Heute würde ich meinen Traum umsetzen und Medizin studieren. Leider stand dem zunächst mein schlechter Notendurchschnitt im Wege. Ein späterer Beginn ist daran gescheitert, dass ich meinen Schwerpunkt auf den Fußball ausgerichtet habe.

RUB Alumni: Aber im Rahmen Ihres Sportstudiums haben Sie Ihren Schwerpunkt auf den Bereich Sportmedizin gelegt.

Krug: Ja sicher! Das bedeutete für mich keine Arbeit, sondern reines Vergnügen. Ich habe die Sportmedizin-Klausur damals auch mit eins abgeschlossen. Von den 100 Fragen in der Klausur hatte ich nur eine oder zwei falsch. Nicht weil ich besonders strebsam war, sondern weil es einfach von enormem Interesse für mich war.

RUB Alumni: Was würden Sie heutigen Bochumer Studierenden mit auf den Weg geben wollen, aus Ihrer jetzigen Sicht? Gibt es einen Tipp?

Krug: Trotz aller Freiheiten, die man während des Studiums hat: Ein Abschluss fällt einem nicht in den Schoß. Daher die Studienzeit genießen, aber dennoch versuchen einen schnellen Abschluss zu erreichen. Es wird immer schwerer einen Einstieg ins Berufleben zu finden. Sich am Ende zu viel Zeit gelassen zu haben ist sehr ärgerlich!

RUB Alumni: Waren Sie während Ihrer Studienzeit VFL-Anhänger oder doch eher Schalke 04?

Krug: Weder das eine noch das andere. In den ersten Jahren war ich Schalke-Fan. Das „Fan-Sein“ hat sich aber in dem Maße gelegt, in dem ich zunehmend mit Fußball zu tun hatte. Dann wird einem ein spezieller Verein ziemlich egal. Wobei ich aber sicher immer auch ein wenig mit Bochum sympathisiert habe. In der Führung dieses Vereins hat niemand finanzielle Drahtseilakte unternommen, sondern man ist immer auf dem Teppich geblieben. Das fand ich schon beeindruckend. Es ist sehr schade, dass der Verein in diesem Jahr absteigt.

RUB Alumni: Es gibt ja auch die Möglichkeit im nächsten wieder anzugreifen und aufzusteigen!

Krug: Natürlich, aber bei der Politik des VFL müssen die Verantwortlichen damit rechnen, nie ganz nach oben zu kommen. Denn gute Aufbauarbeit führt auch immer zu dem Ergebnis, dass die Spieler, die eine entsprechenden Qualität erreicht haben, schließlich zu anderen Vereinen transferiert werden. Sicher bisweilen eine frustrierende Tatsache für die Verantwortlichen, da die Ergebnisse der eigenen Aufbauarbeit so nie eingefahren werden können.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.

Krug: Gern geschehen!

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