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2005

Heinz-Dieter Klink

Direktor des Regionalverbandes Ruhr

Heinz-Dieter Klink studierte von 1966 bis 1971 Jura an der Ruhr-Universität und schloss seine Ausbildung mit dem 2. Staatsexamen ab. Bei der Stadt Gelsenkirchen arbeitete er zunächst als Justiziar und stieg 1978 zum Leiter des Hauptamtes der Stadtverwaltung auf. 1986 wurde er Kämmerer und später Erster Beigeordneter der Stadt Dorsten. Von 1999 an war Heinz-Dieter Klink zudem in der Stadt Gelsenkirchen Mitglied des Rates und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD. 2005 wurde er zum ersten Direktor des Regionalverbandes Ruhr gewählt.

Wir unterhalten das große Kartenwerk des Ruhrgebiets. Jeder Stadtplan wird bei uns gemacht.

RUB Alumni: Können Sie Ihren universitären und beruflichen Werdegang kurz skizzieren?

Klink: Ich habe nach Schule und Bundeswehr im Sommersemester 1966 mit dem Studium an der Ruhr-Universität angefangen. Das war überhaupt erst das zweite Semester an der neuen Universität. Insofern bin ich beinahe so etwas wie ein Pionier-Student. Von 1966 bis 1970 habe ich durchgehend in Bochum Jura studiert. Nach meinem Referendariat habe ich mein Berufsleben als Justiziar bei der Stadt Gelsenkirchen begonnen. Dort war ich seit 1978 acht Jahre lang Leiter des Hauptamtes der Stadtverwaltung. 1986 bin ich nach Dorsten gegangen, wo ich anfangs Kämmerer war. Später kam auch der Bereich Personal und Organisation hinzu. Im Ehrenamt war ich ab 1999 in gewisser Weise ein nordrheinwestfälisches Unikat: Ich war in einer nicht ganz kleinen Stadt wie Dorsten – 82.000 Einwohner - Erster Beigeordneter und in meiner Wohnortstadt Gelsenkirchen Mitglied des Rates. Dort war ich für die SPD dann auch stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Beides parallel zu machen, hat viel Spaß gemacht, da man wechselseitig die gemachten Erfahrungen gut einsetzen konnte. Und aus „beidem nebeneinander“ ist schließlich das Interesse an meiner jetzigen Funktion entstanden. Seit dem ersten März 2005 bin ich Direktor des Regionalverbandes Ruhr.

RUB Alumni: Welche Aufgaben betreuen Sie als Direktor des RVR?

Klink: Der Regionalverband Ruhr ist ein sondergesetzlicher kommunaler Zweckverband für das Ruhrgebiet, von der Aufgabenstruktur den Landschaftsverbänden ähnlich. Den sozialen Aufgabenbereich haben wir nicht, aber wir haben als Aufgabenfelder die Route der Industriekultur, den Emscher Landschaftspark sowie die Tourismus- und Wirtschaftsförderung im Ruhrgebiet. Wir unterhalten das große Kartenwerk des Ruhrgebiets. Jeder Stadtplan wird bei uns gemacht. Dann haben wir auch die Freizeitparks, an denen wir jeweils zur Hälfte als Gesellschafter beteiligt sind. Wir sind in Nordrhein-Westfalen der größte kommunale Waldbesitzer. Hier im Ruhrgebiet gehören uns große Wald- und Forstflächen, die wir überwiegend zur Erholung unserer Bürger bewirtschaften.

RUB Alumni: Können Sie sich noch daran erinnern, warum Sie ausgerechnet Bochum als Studienort gewählt haben?

Klink: Ich muss ehrlicherweise gestehen, dass dies sehr vordergründig ökonomische Gründe hatte. Nach der Bundeswehr gab es die Alternativen Bochum oder Göttingen und ich fand es dann praktischer, zunächst zu Hause – ich bin in Witten aufgewachsen - zu wohnen und von dort aus täglich nach Bochum zu fahren. Ich war also einer der damals für Bochum typischen „Fahrstudenten“.

RUB Alumni: Wie lange hat es gedauert, bis Sie das Geschoss-System der Universität durchschaut haben?

Klink: Das war damals überhaupt kein Problem. Zu meiner Zeit gab es nur zwei Türme. IA und IB. In dem einen saßen Juristen, Wirtschaftler und Politikwissenschaftler, und in dem anderen Turm saßen die Germanisten, Anglisten, Romanisten und Historiker. Insofern war die Orientierung damals sehr einfach.

RUB Alumni: Viele Ehemalige aus dieser Zeit berichten, dass sie nur mit Gummistiefeln den Campus überqueren konnten. War das zu Ihrer Studienzeit auch der Fall?

Klink: Das mit den Gummistiefeln klingt nett, aber die Wege waren schon in Ordnung. Normalerweise kam man als Student nicht auf die Baustellen. Und zwischen den beiden Gebäuden IA und IB gab es eine Grünfläche, die damals so einen echten Campus darstellte, auf dem man sich im Sommer traf und diskutierte. Aber rings herum war natürlich alles Baustelle.

RUB Alumni: Hat das den Studienbetrieb in irgendeiner Weise beeinflusst?

Klink: Die Baustelle nicht, die Kleinteiligkeit ja! Was diese Anfangszeit angeht, bin ich immer noch ein echter Fan der Ruhr-Universität und bereue meine Entscheidung nicht. An der RUB war Aufbruchstimmung, war Pionierstimmung. Eine überschaubare Universität hat für einen Studenten – gerade in den Startsemestern - ungeheuer viele Vorteile. Als ich im Sommersemester 1966 mit Jura anfing, waren wir insgesamt 150 Studenten. 100 Studienanfänger und 50 Studenten, die von anderen Universitäten nach Bochum gewechselt waren. Da – wie an jeder Universität - nicht immer alle zu allen Veranstaltungen kamen, war die maximale Zahl von Studierenden bei den Einführungsvorlesungen ca. 80.

RUB Alumni: Das würde man heute als optimale Studienbedingungen bezeichnen.

Klink: Ja, und wenn man etwas Spezielleres machte, dann war man oft nur mit 10-12 Leuten zusammen.

RUB Alumni: Gibt es aus dieser Zeit auch Professoren, die Sie besonders beeinflusst haben?

Klink: Wer damals im Bereich Jura zunächst wirklich wichtig war, dass war Professor Biedenkopf. Ich war jahrelang in der Fachschaft und habe ihn zuerst als Dekan und schließlich als Rektor miterlebt. Gut erinnern kann ich mich auch heute noch an die Professoren Dilcher, Rudolf und von Münch. Ich kenne auch heute noch eine ehemalige Sekretärin des Lehrstuhls Biedenkopf, die in Berlin arbeitet.

RUB Alumni: Kennen Sie sich mit den derzeitigen Lehrstühlen der Universität aus?

Klink: So intensiv nicht mehr, aber wenn interessante Veranstaltungen stattfinden, dann gehe ich schon öfter zur RUB. Als Verband sind wir auch um Kooperation der Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen im Ruhrgebiet bemüht. Im Rahmen des Programms der Kulturhauptstadt 2010 gibt es das große Thema „Wissensgipfel“. Ich finde es gut, dass die Universitäten im Ruhrgebiet eine engere Gemeinschaft gefunden haben (Universitätsallianz Metropole Ruhr, d. Red.). Ich sehe da eine große Chance. Bochum steht ja bei der Vergabe von Exzellenzpunkten ziemlich weit vorne. Aber ich glaube, wir sind hier eine Metropole. Und in dieser Metropole ist es eigentlich sinnvoll, dass jede der drei öffentlichen Universitäten auch ihren eigenen Schwerpunkt findet. Die Schwerpunktsetzung jeder einzelnen Universität stärkt die Wissenschaftslandschaft im Ruhrgebiet insgesamt. Deshalb finde ich es gut, dass die Dortmunder sich zu ihrer technischen Universität bekennen. Und die Ruhr Universität Bochum hat sich auch ein eigenes Profil geschaffen.

RUB Alumni: Gibt es einen Gegenstand aus Ihrer Studienzeit, den Sie heute noch besitzen?

Klink: Ich habe noch den alten Studentenausweis von 1966. Dieses komische Stück Blech mit Löchern. Es war Gegenstand eines ehrgeizigen Vorhabens, mit dieser einen Karte alle möglichen Berechtigungen und Kontrollen durchzuführen. Soweit ich mich erinnern kann, hat es aber nie geklappt. Der Ausweis sollte von der Mensa über die Bibliothek alles zugänglich machen, aber tatsächlich ist dann immer mit viel einfacheren Methoden abgebucht worden.

RUB Alumni: Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie an Ihre Studienzeit an der Ruhr-Universität zurückdenken?

Klink: Natürlich war das eine schöne Zeit. Ich habe dort bei der politischen Arbeit an der Uni meine Frau kennen gelernt, mit der ich heute noch glücklich verheiratet bin. Ich war ein paar Jahre lang in der juristischen Fachschaft. Ich war bei den Juristen der erste Student in einer Berufungskommission. Damals herrschte Aufbruchstimmung. Nach Schule und Bundeswehr war das wirklich ein neues Erlebnis. Und was heute oft beklagt wird, dass die Ruhr-Universität doch ein sehr großer, vielleicht zu großer Betrieb geworden ist, das war damals sehr, sehr fern. Man konnte direkt und ohne große Umstände zu den Professoren gehen, es herrschte insgesamt eine ziemlich lockere Atmosphäre. Für den beruflichen Werdegang hat das Studium mich gut gerüstet. Ich habe ein gut vorzeigbares Jura-Examen gemacht, ohne je einen privaten Repetitor konsultiert zu haben, was ja die Qualität der damaligen Lehre zeigt. Das sind so Dinge, die an einer kleinen, überschaubaren Universität möglich waren.

RUB Alumni: Fällt Ihnen vielleicht eine Anekdote aus dem Alltagsleben als Studierender oder aus dem Lehrbetrieb ein?

Klink: Es gab damals trotz der Kleinheit schon so eine Reihe von Originalen. Es gab einen gewissen HaJo, der bei den Asta-Wahlen immer für eine nur aus ihm bestehende anarchistisch-syndikalistische Liste kandidierte. Und seine Wahlvorbereitung bestand dann in der Regel aus einem intensiven Alkoholkonsum.

RUB Alumni: Sie erzählten schon, dass Sie auf beruflicher Ebene immer noch Kontakt mit der Ruhr-Universität haben. Gibt es denn auch privat noch Dinge, die Sie mit der Universität verbinden, vielleicht Kontakte, die Sie heute noch haben?

Klink: Wenn man damals 8 Semester dort studiert hat und auch in der Fachschaft war, dann hat man natürlich noch Freunde aus dieser Zeit. Denn das Ruhrgebiet hat auch seinen eigenen Charakter. Es gibt schon so eine Art von „Ruhrgebietsführungsclique“, die sich kennt. Meinen Stellvertreter beim RVR, Thomas Rommelspacher, kenne ich zwar aus der damaligen Zeit nicht so gut, aber während meiner Studienzeit habe ich ihn schon getroffen. Norbert Lammert hat zu meiner Zeit auch studiert. Auch Christoph Zöpel (Staatsminister im auswärtigen Amt a. D., d. Red.) hat damals an der RUB studiert. Der für den RVR zuständige Ministerialrat im Innenministerium hat mit mir Jura in Bochum studiert. Es gibt also auch eine fortbestehende Gemeinsamkeit dieser Pionierzeit der Ruhr-Universität.

RUB Alumni: Kannten Sie Herrn Lammert in dieser Zeit persönlich?

Klink: Ich werde ihn sicherlich bei Veranstaltungen getroffen haben, ohne dass man sich daran konkret erinnert. Aber wenn man heute wieder zusammensitzt, dann kann man sagen: „Wir waren doch damals da, und da war der und der...“

RUB Alumni: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrer jetzigen beruflichen Tätigkeit und Ihrem damaligen Studium?

Klink: Ich wollte ursprünglich einmal Politik studieren. Und dann hat mir mein Vater gesagt: „Junge, das ist eine brotlose Kunst, mach lieber Jura.“ Das bedeutet, dass ich Jura von Anfang an mit der Zielrichtung „politische Organisation“ studiert habe. Weil man eben damals mit Wirtschaftswissenschaftlern und Politologen im gleichen Gebäude saß, und auch ohne große Schwierigkeiten Lehrveranstaltungen der benachbarten Fakultäten besuchen konnte, ergab das so eine Studienmischung, die man sich selbst zusammenstellen konnte. Das hilft mir heute noch. Jura ist zwar die Grundlage für das, was ich mache. Aber betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind im Laufe meines Berufslebens ziemlich oft und mit steigender Intensität gebraucht worden. Dadurch, dass zumindest in der Aufbauphase des Studiums die Grenzen nicht so scharf waren, war das sehr nützlich. Die Erfahrungen von damals gebrauche ich bis heute.

RUB Alumni: Sie haben also von einer unbeabsichtigten Interdisziplinarität profitiert.

Klink: Ja, das war damals eben sehr einfach. Man ging einfach ein Stockwerk höher und schaute, was dort gerade los war. Und dann besuchte man die verschiedenen Veranstaltungen.

RUB Alumni: Sie sagten, dass Sie eigentlich Politikwissenschaften studieren wollten. Würden Sie sich heute für dieses Fach entscheiden, wenn Sie noch einmal studieren würden?

Klink: Was es bis heute nicht so recht gibt, ist eine Mischung aus Jura und Wirtschaftswissenschaften. An den Fachhochschulen gibt es zwar den Studiengang Wirtschaftsjurist. Der leidet aber darunter, dass dem Studium der in Deutschland für die Berufsaufnahme „richtige Abschluss“ fehlt. Wenn ich noch einmal ein Studium beginnen würde, dann unter der Voraussetzung, dass der betriebswirtschaftliche Teil des Jura-Studiums zuvor noch stärker ausgebaut und auch in das Studium integriert würde. Ich erlebe das jetzt bei meiner Tochter. Sie versucht auch mit Teilen des Jura-Studiums und ergänzenden Veranstaltungen einen Zwischenabschluss in Politik hinzubekommen und das Studium so zu mischen, ohne das Hauptziel, die juristischen Staatsexamina, aus den Augen zu verlieren. Denn die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich verändert. Der Beruf des „reinen“ Juristen in der Gerichtsbarkeit ist etwas sehr Spezielles. Wenn man in die Führungsriege der Verwaltungen möchte, dann braucht man im Grunde genommen diese interdisziplinären Bezüge.

RUB Alumni: Gäbe es denn noch andere Dinge, die sie in der Universitätspolitik gerne verändern würden?

Klink: Ich glaube, was wirklich wichtig ist, das ist Zusammenarbeit. Wir sind und wollen ja eine Metropole sein und allein in der Metropole Ruhr steckt die Zukunft des Ruhrgebiets. Das muss keine bürokratische Gleichmacherei und Überorganisation sein, das wäre sicherlich das Falscheste. Aber in der Zusammenarbeit kann man gerade die Stärken betonen. Das bedeutet, dass alle drei öffentlichen Unis noch stärker zusammen arbeiten müssen. Es gibt ja inzwischen schon eine Kooperation zwischen Dortmund und Bochum, man kann verschiedene Lehrfächer gleichzeitig an beiden Unis studieren. In diesem Sinne müsste man eigentlich noch kreativer werden.

RUB Alumni: Was würden Sie gerne heutigen Studierenden mit auf den Weg geben?

Klink: Wenn man sich in die Rolle eines heutigen Studenten versetzt, dann ist die Ruhr-Universität als großer „Laden“ schon etwas Schwieriges. Diese „Anmassung von Beton“, die ein Stück weit weg von Bochum liegt, das kann schon einschüchtern. Ich glaube, in der Stadt selbst würde die RUB vielleicht gar nicht so auffallen. Mein Erfolgsrezept ist Engagement und Kooperation. Dazu gehören die Arbeit in der Fachschaft und die Arbeit in Gruppen. Das ist das Geheimnis. Die Vereinsamung, die so ein großer Betrieb mit sich bringt, muss man aktiv bekämpfen. Und das schafft man vor allem, wenn man zu Mehreren lernt. Das ist meine eigene Erfahrung und die gebe ich auch meinen Töchtern mit – das klappt bei denen auch gut. In der großen Zahl geht man als Einzelkämpfer unter, aber man muss es nicht! Man muss die Angebote nutzen, die es gibt. Und von Seiten der Universität muss man solche Angebote auch ermöglichen. Dann weiß man, wo man in seiner Ausbildung steht. Und dann gewinnt man Sicherheit und muss sein Examen nicht aus Unsicherheit mehrere Semester nach hinten verschieben.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.