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2009

Diana Jägers

Stadträtin der Stadt Bochum

Diane Jägers studierte von 1980 bis 1985 Rechtswissenschaft und Sozialwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Von 1986 bis 1989 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der RUB mit dem Schwerpunkt Kommunales Steuerrecht. Nach Stationen als Richterin in Düsseldorf und als Leiterin der Justizakademie Recklinghausen ist sie heute Stadträtin der Stadt Bochum und als Dezernentin für sechs Ämter zuständig, unter anderem für das Rechtsamt und das Ordnungsamt.

In den 80er Jahren war es ja so, dass man
strickenderweise in den Vorlesungen saß.

RUB Alumni: Woran erinnern Sie sich zuerst, wenn Sie an Ihre Studienzeit an der Ruhr-Universität zurückdenken?

Diane Jägers: Ich fand die Campussituation der RUB absolut spannend, denn ich konnte in ganz viele fachfremde Vorlesungen reinschnuppern. Zum Beispiel habe ich mich in religionswissenschaftliche oder kunstgeschichtliche Vorlesungen einfach reingeschlichen und zugehört. Das ging ja ganz bequem, weil die Wege so kurz waren.

Auch habe ich es enorm genossen, mich nach dem Essen in der kleinen Mensa an die Teiche im Botanischen Garten zu setzen und zu chillen. Oder wir sind zwischen zwei Vorlesungen mit der Clique ins Uni-Center gegangen und haben nach Büchern gestöbert. Die Buchhandlungen dort waren damals sehr gut sortiert und wir stritten und diskutierten mit den Buchhändlern.

RUB Alumni: Das klingt nach einem richtigen Studentenleben.

Jägers: Aus heutiger Sicht habe ich viel zu gezielt und viel zu ehrgeizig studiert. Meinen Kindern gebe ich mit auf den Weg, dass sie das Studium etwas gelassener sehen sollten. Ich hätte noch viel mehr die Studentensituation genießen sollen. So hätte ich mein Sowi-Studium zum Abschluss bringen oder in fachfremden Vorlesungen einfach sitzen bleiben und nicht nur so „reinschmecken“ sollen. Trotzdem habe ich mein Studium an der RUB einfach sehr genossen, ich würde mich auch heute wieder bewusst für Bochum entscheiden.

RUB Alumni: Haben Sie denn gar nicht unter dem Beton gelitten?

Jägers: Überhaupt nicht. Den habe ich als gegeben akzeptiert und als funktional betrachtet. Ich habe mich gefreut, wenn im Frühjahr die Osterglocken auf den Wiesen blühten, durch eine Fülle von gelb zu schlendern. Oder ich habe mich gefreut, wenn ich im Regen trockenen Fußes vom einen Ort zum anderen kam.

RUB Alumni: Haben Sie heute noch Kontakte an der Ruhr-Uni?

Jägers: Prof. Bayer, bei dem ich damals als wissenschaftliche Mitarbeiterin war, ist zwar inzwischen emeritiert, aber er hat noch sein Büro auf dem Campus, so gibt es immer noch mal wieder Kontakte zur Uni. Gelegentlich gehe ich auch ins Juristische Seminar, wenn ich bestimmte Literatur suche. Zur Blüte der Dahlien spaziere ich jedes Jahr einmal durch den Botanischen Garten, weil ich das immer noch faszinierend finde.

RUB Alumni: Fallen Ihnen besondere Momente oder Anekdoten ein, wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken?

Jägers: Spannend waren die sozialwissenschaftlichen Ringvorlesungen, da hielten Leute Vorträge, an die wir als junge Menschen doch nie herangekommen wären. Auch der Diskurs mit anderen Fakultäten, die nächtelangen AStA-Sitzungen, das waren alles so Situationen …

Eine Anekdote fällt mir ein: In den 80er Jahren war es ja so, dass man strickenderweise in den Vorlesungen saß. Meine Kommilitonen machten sich immer einen Scherz daraus, meine Wollknäuel quer durch den Hörsaal zu werfen und zu gucken, wie weit ich denn dann käme, bis die Vorlesung zu Ende war. Das hat den ein‘ oder anderen Hochschullehrer zwar auf die Barrikaden gebracht. Aber ich wurde nicht aus dem Hörsaal verwiesen. Es war damals einfach so, dass die Konzentration an der Fertigstellung der Pullover gemessen wurde ...

Ein frappierendes Erlebnis hatte ich vor etwa 15 Jahren, als jemand zu mir sagte: „Darf ich Sie vorlassen, Sie scheinen es eilig zu haben“ – ich war zum ersten Mal in der Cafeteria gesiezt worden! Dabei dachte ich, ich sähe in Jeans, T-Shirt und Blazer doch gar nicht so anders aus als die Studierenden. Das war für mich das Signal, dass die Zeit des Lernenden an der Uni vorbei war und dass das auch nach außen sichtbar war.

RUB Alumni: Ist das eine traurige Erfahrung gewesen oder auch ein bisschen schön?

Jägers: Sie war ambivalent. Es war schön, offenbar auszustrahlen, dass ich nicht mehr Studentin war, sondern in meinem Beruf Fuß gefasst hatte. Aber es war auch ein wenig Wehmut dabei, denn meine Studenten-  und Referendarszeit habe ich als ungeheuer unbeschwert in Erinnerung.

RUB Alumni: Sie haben ja gerade erzählt, dass Sie Ihren eigenen Kindern heute auch empfehlen, sich gut umzuschauen an der Uni, auch andere Dinge zu machen ...

Jägers: Ja, deshalb werbe ich für das Jurastudium, weil ich das als eines der Fächer ansehe, das nicht so verschult ist und in dem immer noch am meisten Freiheit besteht. Im Moment stehen meine Kinder noch vor dem Abitur, aber die Überlegungen gehen dahin, vielleicht ins Ausland zu gehen oder auch vor dem Studium einfach ein Jahr zu unterbrechen und erstmal etwas ganz anderes zu machen.

RUB Alumni: Denken Sie, dass Ihr Studium Sie gut darauf vorbereitet hat, komplexe Aufgaben zu bewältigen?

Jägers: Das Jurastudium allemal, weil es die Freiheit des Denkens schult. Das  Sozialwissenschaftsstudium habe ich damals mit politikwissenschaftlichem Schwerpunkt und als „studium generale“ betrieben, um meine Allgemeinbildung zu erweitern. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass ich gut ausgebildet worden bin, selbständig zu denken und meine Position auch zu vertreten. Das hat sich im Richterberuf und auch in meinen anderen Funktionen bewährt. Und deshalb halte ich, wenn andere von ihren alten Traditionsunis schwärmen, die Fahne Bochums immer hoch!

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch!

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