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2005

Prof. Dr.-Ing. Klaus Homann

Vorsitzender der Geschäftsführung RWE Transportnetz Gas GmbH

Prof. Dr.-Ing. Klaus Homann studierte von 1968 bis 1975 an der RUB Maschinenbau und schloss sein Studium als Diplom-Ingenieur ab. Von 1975 bis 1978 promovierte er als Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Essen GH zum Dr.-Ing.. Von 1973 bis 1998 bekleidete Prof. Dr.-Ing. Homann verschiedene leitende Positionen bei der VEW im Bereich Gasversorgung und -technik. 1994 erhielt Herr Prof. Dr.-Ing. Homann Prokura. Von 1998 bis 2004 war er Mitglied des Vorstandes der RWE Gas AG. Seit 2002 ist er Mitglied des Vorstandes der Transgas, a.s. in Prag und seit 2004 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung der RWE Transportnetz Gas GmbH und Mitglied des Vorstandes RWE Energy Czech Repulic. Im Juli 2004 ernannte ihn die TU Clausthal zum Honorar-Professor. Im Juli 2005 wurde Prof. Dr.-Ing. Homann zum Präsidenten der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfachs e.V. (DVGW) gewählt.

Mich verband eine platonische Hassliebe
mit dem alten Universitätsrechner!

RUB Alumni: Warum haben Sie damals Bochum als Studienort gewählt? Gab es damals bei Ihnen auch Überlegungen, nicht in Bochum zu studieren?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Damals, das war 1968, war sicherlich auch die Nähe zum Heimatort Dortmund wichtig – schon aus finanziellen Gründen. Aber die Wahl des Studienortes erfolgte auch wegen der damals schon hervorragenden personellen und sachlichen Ausstattung in den Ingenieurdisziplinen.

RUB Alumni: Was fällt Ihnen für eine nette Anekdote ein, wenn Sie an Ihre Bochumer Studienzeit zurückdenken?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Ich fuhr als Student ein typisches 68er Auto, einen ehemaligen Polizei VW Käfer, der aber im Außenanstrich dem damaligen Farbgeschmack angepasst war. Da der Anlasser nicht mehr funktionierte – typisches Problem der 6V (!) Anlage – reservierte mir der Parkwächter der noch provisorischen Parkanlage stets einen Parkplatz am Abhang. Das ging damals noch. Es war halt alles etwas persönlicher und übersichtlicher als heute.

RUB Alumni: Können Sie Ihr Studium in vier Worten zusammenfassen?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Anstrengend – aber viel gelernt!

RUB Alumni: Wie lange hat es denn gedauert, bis Sie das Geschosssystem an der RUB durchschaut haben?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Ich hatte da nie ein Problem: Da ich es im Entstehen erlebte, wuchs meine Erkenntnis darüber mit dem Beton.

RUB Alumni: Besitzen Sie denn noch heute einen Gegenstand aus Ihrer Studienzeit?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Einen Aristo-Rechenschieber, und der liegt im Büro. Aber ich besitze ihn nicht nur...

RUB Alumni: Wenn Sie in der heutigen Zeit Rektor bzw. Kanzler einer Universität wären, was würden Sie ändern bzw. initiieren?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Diese Frage nach der „sexy idea“ als Gedankenblitz eines Individuums wird heute zu oft gestellt. Sie unterstellt ja ein zumindest partielles Versagen der Kollektive. Ich glaube nicht, dass es das gibt, wenn man seriös bleibt. Andernfalls: Könnte man durch vermietbare Spitzdächer mit bayrischer Gaube die wenig einladende Architektur der Uni-Gebäude positiv fortentwickeln??

RUB Alumni: Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie an Ihre Studienzeit an der Bochumer Uni zurück denken?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Angesichts allgegenwärtigen PowerPoint-Terrors den alten Universitätsrechner, eine TR 440. Die leider nicht nachhaltige deutsche Antwort auf IBM, Univac etc. Mit Lochkarteneingabe und Ergebnisausgabe im DIN A3 Papier – 24h später. Eine echte Hassliebe und zudem platonisch: ich habe sie nur benutzt, aber wegen des closed shop Betriebes nie gesehen!

RUB Alumni: Was verbindet Sie heute mit der Bochumer Universität?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Vor allem viele Absolventen in unserem Konzern (RWE) und in der Gasversorgerbranche.

RUB Alumni: Welchen Zusammenhang gibt es bei Ihnen zwischen Ihrem Studium und Ihrer jetzigen beruflichen Tätigkeit?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Der Zusammenhang ist nun ganz schlicht: Meine jetzige berufliche Tätigkeit gäbe es ohne das gewählte Studium nicht.

RUB Alumni: Wenn Sie heute noch einmal studieren würden, welches Fach würden Sie heute empfehlen und warum?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Wählen würde ich den Maschinenbau wieder. Generell empfehlen kann man aber ein spezielles Studienfach sicherlich nicht. Wichtigste Voraussetzung für die Studienfachauswahl ist neben einer gewissen Begabung auch die Freude am Erlernen des vermittelten Stoffs. Alles andere ist nicht Anstrengung sondern Quälerei und nur Fleiß allein motiviert – von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht genug, um eben mit aller Anstrengung „ganz tief zu bohren“. Passen die Voraussetzungen, dann ist das Studium des Maschinenbaus, insbesondere wenn man es wie ich sehr stark an den Grundlagenfächern und noch nicht so sehr anwendungsbezogen orientiert, allerdings eine hervorragende Basis, um sich für den Einstieg in das Berufsleben zu rüsten, aber Flexibilität für den späteren Berufsweg zu bewahren und auch den angestrebten Erfolg zu ernten. Was individuell unter späterem beruflichem Erfolg verstanden wird, das ist ja ein weites Feld und steht mit Beginn des Studiums meistens noch gar nicht so fest.

RUB Alumni: Würden Sie auch heute wieder in Bochum studieren?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Auch wenn ich einen Lehrauftrag an der Technischen Universität Clausthal wahrnehme, die mit Erdöl- Erdgastechnik ein mir beruflich nahe stehendes, englischsprachiges Lehrangebot im Bachelor-/Mastersystem unterbreitet - Bochum würde ich zum klassischen Maschinenbaustudium wieder wählen und nach wie vor empfehlen. Ich sehe es an den Absolventen, die mir vielfach begegnen, dass das Bochumer Angebot nach wie vor stimmt.

RUB Alumni: Was würden Sie gerne den heutigen Bochumer Studierenden mit auf den Weg geben, als Tipp von Herrn Prof. Homann?

Prof. Dr.-Ing. Homann: Wie zuvor schon beschrieben, sollte man den Zusammenhang zwischen Begabung und Neigung einerseits und erfolgreichem Lernen niemals aus den Augen verlieren. Studium ist nicht nur das direkte Mittel zum Zweck! Viele Freunde meiner Generation studierten unbefangen nach diesem Motto zum Teil sehr „Exotisches“ mit wenig Praxisbezug und sind heute zum Teil in ganz bodenständigen Branchen – Banken, Versicherungen, Verwaltung – außerordentlich erfolgreich. Letztlich zählt der Wille, etwas voranzubringen, Anstrengungen auf sich zu nehmen und über eigenes Engagement andere mitzunehmen.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.

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