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2005

Diana Hampe

Rechtsanwältin für gewerblichen Rechtsschutz

Diana Hampe studierte von 1993 an Rechtswissenschaft an der RUB. Nach dem ersten Studienjahr entschied sie sich dafür, zusätzlich ein Studium der Koreanistik zu beginnen. Nach Auslandsaufenthalten in den Niederlanden und in Korea absolvierte sie 2002 ihr Staatsexamen. Heute ist sie Rechtsanwältin für gewerblichen Rechtsschutz in Bochum. Dabei betreut Sie ihre Mandanten in Fragen des Patentrechts, Markenrechts und Wettbewerbsrechts.

Ich bin sehr gerne und sehr oft in den Botanischen Garten gegangen, wenn es Freiräume zwischen den Vorlesungen gab.

RUB Alumni: Aus welchen Gründen haben Sie damals Bochum als Studienort gewählt?

Hampe: Das hatte mehrere Gründe. Ich komme ursprünglich aus Essen. Meine Großmutter lebte damals in Bochum und hatte hier auch ein Haus. Dann kam noch hinzu, dass die Uni Bochum ein sehr breitgefächertes Angebot hatte, so dass ich überlegte, dass ich dort auch noch Koreanistik studieren könnte. Das fand ich ganz charmant, dass es an der Ruhr-Uni Bochum auch die Fakultät für Ostasienwissenschaften gab. Nicht zuletzt war auch der regionale Bezug für meine Studienortwahl maßgeblich.

RUB Alumni: War es für Sie schon sehr früh klar, dass Sie Jura studieren wollten?

Hampe: Nein, ich wollte eigentlich immer Ärztin werden. Im Alter von neun Jahren hatte ich dann einen schweren Unfall und als ich die Wunde gesehen habe und in Ohnmacht gefallen bin, wusste ich, dass ich kein Blut sehen kann. Und somit wusste ich schon mit neun Jahren, dass ich auf keinen Fall Medizin studieren kann. Zu Jura brachte mich eigentlich die Frage nach einem ökonomisch verwertbaren Studium. Zudem bin ich sehr sprachenorientiert und habe mich daher dann für Jura entschieden.

RUB Alumni: Können Sie sich vielleicht noch an Ihre Immatrikulation und Ihren ersten Eindruck vom Campus der RUB erinnern?

Hampe: Ich erinnere mich daran, dass ich in den Vorraum des Audimax kam, wo man sich anmelden musste. Was ich schön fand an der Uni und immer noch schön finde, ist, dass sie doch sehr stark im Grünen gelegen ist, und das übersehen auch sehr viele Studierende. Weil ich einige Studierende aus Bochum kannte, bevor ich selbst mit dem Studium angefangen habe, kann ich mich noch daran erinnern, dass die mir sagten, die Ruhr-Uni sei wie ein „Meer des Wissens“. Die einzelnen Gebäude seien die Schiffsdampfer auf diesem Meer und das Audimax sei die große Meermuschel. Das Bild fand ich schon ganz zutreffend.

RUB Alumni: Wie gestaltete sich Ihre Wohnsituation während des Studiums?

Hampe: Ich habe zunächst etwa ein Jahr bei meiner Großmutter im Haus gewohnt und dann bin ich für einen Auslandsaufenthalt in die Niederlande gegangen. Als ich zurückkam, habe ich mir eine Studentenwohnung genommen, aber keine des Akafö, sondern eine private. Das war ein Haus, in dem nur Studenten gewohnt haben mit kleinen Appartements. Danach bin ich für einen Auslandsaufenthalt nach Korea gegangen. Ich habe auch irgendwann mal in einer Akafö Studentenwohnung gewohnt. In so einem Zimmerchen mit Nasszelle. Das war auch eine sehr schöne Erfahrung. Ich bin sehr oft umgezogen. Aber die meiste Zeit des Studiums habe ich in Bochum gewohnt.

RUB Alumni: Können Sie sich denn noch an die RUB Mensa erinnern? Sie ist ja vor zwei Jahren wiedereröffnet worden.

Hampe: Ich fand die Mensa nicht so gut, ich bin auch nicht so oft in die Mensa gegangen. Dadurch, dass mein Mann drei Jahre lang an der Ruhr-Uni gearbeitet hat, habe ich die RUB Mensa dann auch nach der Neueröffnung kennengelernt. Ich finde sie nun viel aufgeräumter, strukturierter und in der Atmosphäre wirklich sehr viel schöner.

RUB Alumni: Wie würden Sie Ihr Studium in einem Satz beschreiben?

Hampe: Sehr spannend, sehr interessant und auch sehr vielseitig.

RUB Alumni: Wie gestaltete sich denn das Ende Ihres Studiums? Gab es damals schon so etwas wie eine akademische Abschlussfeier?

Hampe: Mein Studium endete damit, dass ich vom Landesjustizprüfungsamt mein Staatsexamenszeugnis zugesandt bekam und mich dann natürlich entsprechend exmatrikulieren musste. Das fand ich auch ehrlich gesagt ein bisschen schade. Wenn ich heute sehe, was für die Absolventen der juristischen Fakultät gemacht wird, dann finde ich das sehr schön. Denn die Uni ist ja schon eine Institution, die einen während einiger wichtiger Jahre des Lebens begleitet. Und da finde ich es schön, wenn es nicht nur einen klaren Beginn mit einer Eröffnungsfeier gibt, sondern eben auch einen Akt des Abschlusses.

RUB Alumni: Wie sind Sie denn zum Ende Ihres Studiums mit Ihren Kommilitonen auseinandergegangen?

Hampe: Gar nicht, weil ich bedingt durch meine Auslandsaufenthalte sehr stark den Anschluss an die Kommilitonen verloren hatte. Dadurch gab es auch keinen großen Bruch und es gibt auch eigentlich niemanden, den ich aus dem Studium heute noch kenne. Wenn man gerade mal ein Jahr hier ist und die ersten Kontakte geknüpft hat und nach so kurzer Zeit dann schon für sieben Monate ins Ausland geht, dann sind die ersten zarten Bande, die man geknüpft hat, auch sehr schnell wieder vorbei. Als ich zurück in Bochum war, habe ich neu damit begonnen, Kontakte zu knüpfen. Nach einem Jahr habe ich wieder ein Jahr im Ausland verbracht, so dass sich damit dann alle Kontakte wieder erledigt hatten. Das überlegt man im Vorfeld gar nicht, und es wird einem erst später richtig bewusst. Insofern ist es für die Planung eines Auslandsaufenthalts sicherlich ein wichtiger Aspekt, den man mit berücksichtigen sollte. Ich würde zwar nicht sagen, dass ich deshalb auf die Auslandsaufenthalte verzichtet hätte. Aber man kann Auslandsaufenthalte gezielter planen, so dass man sie beispielsweise nach dem ersten Abschluss macht und vielleicht nicht unbedingt in das Studium integriert oder zumindest zeitlich anders integriert.

RUB Alumni: Inwiefern haben die Auslandsaufenthalte Sie geprägt?

Hampe: Ich habe sehr viele interessante Dinge im Ausland sowohl fachlich als auch persönlich gelernt. Es war auf jeden Fall eine Bereicherung für mich.

RUB Alumni: Wie ging es denn nach der Exmatrikulation beruflich weiter?

Hampe: Danach habe ich erst einmal drei Monate lang ein Praktikum in der Rechtsabteilung eines großen Energieunternehmens gemacht. Anschließend habe ich sofort das Referendariat begonnen. Danach habe ich im Juni 2005 das Examen gemacht und mich zum Ende 2005 als Rechtsanwältin zugelassen. Dann habe ich meine Kanzlei gegründet und bin seitdem als selbstständige Rechtsanwältin im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes tätig.

RUB Alumni: Wie gestaltete sich denn der Schritt hin zur Selbstständigkeit?

Hampe: Zunächst habe ich schon nach einer Festanstellung gesucht, aber in den Bereichen, in denen ich eigentlich gerne arbeiten wollte, gab es für Berufsanfänger kaum Stellen, und die Stellen, die es gab, haben sich in der Regel nach dem ersten Vorstellungsgespräch als unpassend herausgestellt. So habe ich dann für mich beschlossen, dass wenn ich das, was ich gerne machen möchte, nicht in einer Festanstellung bekommen kann, ich es ganz gern selbst in die Hand nehmen möchte. Diese Entscheidung war eine der besten meines Lebens.

RUB Alumni: Gibt es Lehrende an der RUB, an die Sie sich heute noch lebhaft erinnern?

Hampe: Professor Ipsen von der juristischen Fakultät ist mir sehr stark in Erinnerung geblieben. Ich habe mal an einem Seminar teilgenommen, das er im Wege einer Kooperation mit der Université de Tours veranstaltete. Da waren wir zusammen eine Woche in Frankreich. Dann erinnere ich mich sehr gut an Prof. Tettinger, bei dem ich als studentische Hilfskraft am Institut für Berg- und Energierecht gearbeitet habe. Und an Prof. Stumpf von den Bauingenieuren, bei dem ich ab dem zweiten Semester als studentische Hilfskraft im Sekretariat tätig war. Diese Professoren haben mich in meinem Studium sehr geprägt.

RUB Alumni: Gibt es denn noch Orte an der RUB, mit denen Sie besondere Erinnerungen verbinden?

Hampe: Ich bin sehr gerne und sehr oft in den Botanischen Garten gegangen, wenn es Freiräume zwischen den Vorlesungen gab.

RUB Alumni: Gibt es denn rückblickend Dinge, die Sie in Ihrem Studienalltag vermisst haben?

Hampe: Was ich ein wenig vermisst habe, war eine stärkere Identifizierung mit der Universität als solche. Eine Form von Netzwerk-Möglichkeit insbesondere auch schon im Hinblick auf das spätere Berufsleben.

RUB Alumni: Welchen Gegenstand aus Ihrer Studienzeit besitzen Sie heute noch?

Hampe: Ich habe immer noch den Teller von der Seoul National University hier in meinem Büro stehen. Das war zusammen mit der Überreichung der Urkunde ein Abschlussgeschenk, das ich von der Universität bekommen habe. Mir ist damals schon aufgefallen, dass es in Korea ein sehr starkes Gefühl der Identifikation mit der jeweiligen Universität gab. Da war man stolz darauf, dass man an der Seoul National University studiert hatte. Es gab ganz viele sichtbare Merkmale, über die sich Studierende der Uni zugehörig gezeigt haben. In Bochum habe ich immer so ein bisschen das Gefühl gehabt, dass man sich fast schon dafür rechtfertigen musste, dass man an dieser Universität studiert. Ich bin ganz oft gefragt worden: „Warum studieren Sie ausgerechnet in Bochum?“. Das fand ich wirklich schade. Aber vielleicht ist es auch einfach eine Frage der deutschen Mentalität und Kultur. Hier ist es eben nicht so sehr ausgeprägt, dass man sich mit einer Universität identifiziert.

RUB Alumni: Noch nicht, aber wir arbeiten daran. Es ist das Ziel von RUB Alumni, langfristig die Identifikation der Studierenden mit der Universität zu stärken. Dabei möchten wir die Erinnerung an die Erfahrungen an der RUB als verbindendes Element einsetzen. Ganz getreu unserem Motto „Erfahrungen verbinden“. Wie würden Sie Ihr Studium denn in einem Satz beschreiben?

Hampe: Als essentiell für den Job, den ich heute mache.

RUB Alumni: Fällt Ihnen vielleicht noch eine Anekdote aus Ihrer Zeit an der RUB ein?

Hampe: Ich wollte damals ganz gerne in Amerika studieren und habe dann einen Aushang gesehen, auf dem stand, dass Erasmus-Stipendien vergeben wurden. Komischerweise habe ich damals nicht die Verbindung gezogen, dass Erasmus sich nur auf Europa bezieht. Ich habe damals im Vorbeigehen etwas sehr schnell gelesen und nur A, M, E, R, I, und A gesehen und dachte „Wunderbar, Amerika!“. Aufgrund dieser Tatsache hab ich mir schnell die Telefonnummer gemerkt und direkt am selben Tag noch an dem Institut angerufen. Bei einem Termin dort wurde mir dann gesagt, dass noch Oslo, Leiden und Almeria zur Auswahl standen. Mein erster Gedanke war: „Verdammt, und wo ist Amerika?“. Ich habe aber glücklicherweise nicht nach Amerika gefragt. Von Leiden wusste ich erstmal überhaupt nicht, wo es ist. Mir wurde dann gesagt, dass es in den Niederladen liegt. Almeria und Oslo kamen für mich damals persönlich nicht in Frage. Blieb also nur Leiden übrig und dann habe ich gedacht „Gut, es ist halt nicht Amerika, aber es ist schon mal ein Anfang.“ Und dann habe ich den Stipendienplatz auch bekommen. Das ist eigentlich eine witzige Geschichte, weil sich aus einer fixen Idee überhaupt erst ergeben hat, dass ich ins Ausland gekommen bin und ich mich niemals auf dieses Stipendium beworben hätte, wenn ich richtig gelesen hätte. Im Nachhinein bin ich sehr glücklich darüber, dass ich mich da in der Tat verlesen habe und mich der Zufall geleitet hat.

RUB Alumni: Was würden Sie den heutigen Studierenden mit auf den Weg geben?

Hampe: Ich kann mich da natürlich nur an die Studierenden der Rechtswissenschaft wenden. Ich möchte vor allem Mut zusprechen. Mir wäre es wichtig, dass Studierende sich nicht so stark durch Berichte in den Medien beeinflussen lassen, dass nur Prädikatsexamina zählen. Denn ich habe viele Leute erlebt, die aus Angst vor einer schlechten Note dann wirklich auch in den Examina nicht so gut bestanden haben, obwohl sie sehr gute Juristen waren. Man sollte einen klaren Kopf behalten, sich nicht zu sehr unter Druck setzen und auch klar vor Augen haben, dass es auch gute Karrieremöglichkeiten ohne ein Prädikatsexamen gibt. Ich finde es ganz schrecklich, dass den jungen Leuten so stark der Mut genommen wird.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.