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2011

Diana Ewert

Polizeipräsidentin des Polizeipräsidiums Bochum bis 2015

Diana Ewert studierte von 1978 bis 1985 Rechtswissenschaft an der Ruhr-Universität. Ihre berufliche Laufbahn begann bei der Bezirksregierung Münster als Regierungsrätin z.A. Später wirkte sie in verschiedenen leitenden Positionen im Land NRW, unter anderem als Kanzlerin der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Gelsenkirchen und Leiterin der Fortbildungsakademie in Herne. Zu ihren weiteren Stationen gehören die Bezirksregierungen Arnsberg und Münster sowie die Staatskanzlei in Düsseldorf. Seit Oktober 2010 ist Diana Ewert Polizeipräsidentin des Polizeipräsidiums in Bochum.

Wir haben uns alle immer einen Sport draus gemacht, irgendwie zu verhindern, dass die Sauce drauf kam.

RUB Alumni: Warum haben Sie sich für Bochum als Studienort entschieden?

Ewert: Ich komme ursprünglich aus Hagen, es war also nicht weit nach Bochum. Ich konnte weiterhin zuhause wohnen. Benzin war damals so billig, dass sich das tatsächlich noch gelohnt hat, heute würde man das vielleicht anders sehen. (lacht)

RUB Alumni: Gab es darüber hinaus noch Gründe, sich für Bochum zu entscheiden?

Ewert: Als die RUB gegründet wurde, fing die Freundin meiner älteren Schwester dort ihr Studium an. Wir haben uns das mal angeschaut und ich war total begeistert von den großen Gebäuden. Damals waren zwar viele Wege noch nicht fertig und wir mussten über Bretter klettern, um in die Uni zu kommen, aber ich fand das klasse.

RUB Alumni: Gibt es einen Ort auf dem Campus, den Sie besonders gerne mögen?

Ewert: Ja, die Cafeteria in den Geisteswissenschaften, da habe ich nämlich meinen Mann kennengelernt. Das war direkt am ersten Tag meines Studiums. Ich bin in die Cafeteria gekommen, es war sehr voll und sein Tisch war der Einzige, an dem noch ein Platz frei war. Wir sind ins Gespräch gekommen und haben uns dann in den Erstsemester-Veranstaltungen wiedergesehen. Mittlerweile sind wir 28 Jahre verheiratet und kennen uns schon über 30 Jahre.

RUB Alumni: Das ist ja eine tolle Geschichte.  Dann haben Sie Bochum in guter Erinnerung…?

Ewert: Auf jeden Fall. Dadurch, dass ich meinen Mann kennengelernt habe, habe ich allerdings zunächst andere Schwerpunkte gelegt. Wir sind zusammengezogen und haben gemeinsam ein altes Haus in Datteln renoviert. Richtig ernsthaft habe ich erst in den letzten drei Jahren angefangen zu studieren.

RUB Alumni: Gibt es denn etwas, das Sie aus der Studienzeit vermissen?

Ewert: Ja, damals konnte ich die Zeiten freier einteilen, einfach zwischendurch mal was unternehmen, was jetzt nicht mehr möglich ist. Das verführt natürlich auch, ist ganz klar.

RUB Alumni: Dann sprechen wir doch einmal über Ihre jetzige Arbeit, Stichwort „freie Zeiteinteilung“: Inwiefern unterscheidet sich in Ihrer Laufbahn das Polizeipräsidium von anderen Stationen?

Ewert: Zunächst einmal ist das eine wirklich große Verantwortung, der ich nicht nur mit Freude, sondern auch mit Respekt gegenüberstehe. Mir sind 640.000 Bürgerinnen und Bürger in Bochum, Witten und Herne anvertraut, 2.000 Beamtinnen und Beamte hier im Hause. Erstmalig trage ich die Verantwortung rund um die Uhr, bin immer erreichbar.

Was für mich persönlich eine besondere Herausforderung ist: Schicksale wie das des kleinen Mirko, der jetzt leider tot gefunden wurde, oder auch Tragödien wie die Love Parade, das alles rückt viel näher. Den Schrecken des Verbrechens und das Leid der Opfer bekomme ich teilweise hautnah mit, nicht nur aus der Zeitung. Da muss ich mit umgehen.

RUB Alumni: Wieviel bekommen Sie denn vom Tagesgeschäft der Polizisten mit?

Ewert: Ich bemühe mich, mich da reinzufinden. Ich bekomme morgens immer alle „Lagebilder“, werde also darüber informiert, was in der Zwischenzeit passiert ist. Ich versuche, vor Ort vorstellig  zu werden in den Polizeiwachen und Polizeiinspektionen, bei den Kriminalkommissariaten. Ich war heute zum Beispiel in dem Kriminalkommissariat, das sich unter anderem mit Delikten im Rotlichtbereich, aber auch mit Pornographie, auch Kinderpornographie, beschäftigt. Da bekomme ich manches von der Arbeit mit. Ich empfinde hohen Respekt vor dem, was die Kolleginnen und Kollegen leisten, wie die sich einsetzen müssen, was die teilweise sehen und ertragen müssen.

Ich habe auch bei dem Einsatz in Gorleben meine Leute besucht. Das ist beeindruckend, wie die ganz jungen Kolleginnen und Kollegen ewig in der Kälte und im Dunkeln stehen mit ihrer schweren Ausrüstung – und keiner beklagte sich. Die mussten immer drauf achten, was um sie herum passiert, ob vielleicht jemand im Finstern aus dem Gebüsch kommt, aber eigentlich war das eher eine Gedulds- und Aushaltearbeit. Das ist auch deutlich anders, als man sich das vielleicht immer so vorstellt, dass da immer Action ist.

RUB Alumni: Wobei es wahrscheinlich immer noch viel mehr „Action“ gibt als in jeder anderen Verwaltung …

Ewert: Ja natürlich! Das ist schon ein rundum ungewöhnlicher Beruf, ob im Wach- und Wechseldienst, bei den Verkehrsleuten oder im Kriminalkommissariat. Für diesen Beruf muss man auch eine gewisse Motivation und Einstellung mitbringen, man muss wirklich bereit sein, die Grundrechte – so geschwollen sich das vielleicht anhört – zu verteidigen, für die Menschen da zu sein. Das tun die Leute hier und das merkt man.

RUB Alumni: Gibt es vielleicht eine Anekdote aus der Studienzeit, über die Sie heute noch schmunzeln können?

Ewert: Worüber ich mich mit meinem Mann noch häufig unterhalte und worüber wir auch immer  lachen, ist das Mensaessen. Das Essen kam rausgefahren auf dem Band, sah ganz prima aus, aber dann kam so eine braune Einheitssauce drüber. Wir haben uns alle immer einen Sport draus gemacht, irgendwie zu verhindern, dass die Sauce drauf kam - und wir haben es nie geschafft. Unabwendbar, schicksalhaft, kam dieser Viertelliter Sauce auf das Essen. Seitdem legen wir übrigens großen Wert darauf, unsere Sauce selbst zu kochen und keine Instant-Sauce zu machen.

RUB Alumni: Wie würden Sie Ihr Studium zusammenfassen?

Ewert: Das war für mich eine Zeit des Erwachsenwerdens mit viel Spaß und Freizeit, gepaart mit viel Stress und knapper Zeit. Das lag daran, dass ich sehr gezielt und sporadisch am Studium gearbeitet habe und den Rest der Zeit mit anderen Dingen verbracht habe.

RUB Alumni: Gibt es Dozenten oder andere Personen an der Uni, die Sie als prägend erlebt haben?

Ewert:  Woran ich mich immer noch gut erinnere sind die Beispiele von Prof. Geilen im Strafrecht. Die Prostituierte in den Fällen hieß immer „Amanda Semper“. Wenn Sie irgendjemanden treffen, der zu der Zeit Jura an der RUB studiert hat, „Amanda Semper“ kennt der.

RUB Alumni: Gibt es etwas, das Sie heutigen Studierenden mit auf den Weg geben möchten?

Ewert: Was ich nur empfehlen kann, ist die Studienzeit nicht zu verbissen zu sehen, wenn man sich das irgendwie erlauben kann. Carpe diem, denn so eine Zeit kommt nie wieder. Es gibt eine Tendenz bei jungen Studierenden, möglichst viel in möglichst kurze Zeit zu packen, weil die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt so groß ist. Besonders schnell zu studieren ist auch nicht immer nützlich. Ich bin in vielen Auswahlkommissionen Mitglied gewesen und habe festgestellt, dass vielen Bewerberinnen und Bewerben die soziale Kompetenz fehlt. Fachlich und von der Aktenlage her sind sie super, aber alles andere fehlt oft, daran scheitern sie dann auch. Die stehen dann auch nicht mehr im Leben.

RUB Alumni: Was macht aus Ihrer Sicht die RUB besonders?

Ewert: Die Uni ist natürlich durch die Architektur und die Lage besonders, aber auch dadurch dass es so eine richtige Ruhrgebiets-Uni ist. Das zeichnet das Ruhrgebiet einfach aus, dass es hier so einen bestimmten Menschenschlag gibt, der ist offen, der ist auch direkt, der ist pragmatisch. Das macht den Charme auch aus.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch!