RUB » Alumni » Im Gespräch » Wirtschaft » Hans-Paul Bürkner

2004

Dr. Hans-Paul Bürkner

Bis 2013 CEO & President von The Boston Consulting Group

Dr. Hans-Paul Bürkner nahm sein Studium der Wirtschaftswissenschaften und der Sinologie 1971 an der RUB auf und schloss dieses 1976 erfolgreich als Diplom-Ökonom ab. Von 1973-1974 machte er an der Yale University in New Haven seinen M.A. und von 1976-1980 hat er im Rahmen eines Rhodes-Stipendiums an der University of Oxford promoviert.

Nach seinem Studium war Herr Dr. Bürkner zunächst bei der Commerzbank AG in Frankfurt am Main im Bereich Corporate Finance und International Syndication tätig. 1981 trat er in die Boston Consulting Group ein. Als kundenverantwortlicher Partner und Geschäftsführer hat Herr Dr. Bürkner eine Vielzahl von Finanzinstituten in Europa und weltweit in Fragen der Geschäftsstrategie, beim Aufbau neuer Geschäfte, bei Reorganisationen und Umstrukturierungen beraten und bei deren Umsetzung unterstützt. Vor seiner Wahl zum Chief Executive Officer (CEO) zum Januar 2004 war Herr Dr. Bürkner für die weltweite Praxisgruppe Financial Services verantwortlich sowie Mitglied des Executive Committee der Boston Consulting Group (BCG).

Man kann alles schaffen!
 

RUB Alumni: Was hat Sie bewogen Bochum als Studienort auszuwählen?

Dr. Bürkner: Bochum war der Ort, der viele meiner Interessen vereinigte: Wirtschaftswissenschaft, also die Verbindung von Volks- und Betriebswirtschaft, Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik, für die es in Bochum ein spezielles Institut gab, Chinesisch, aber auch Japanisch sowie die Geschichte und Wirtschaft dieser Länder, die am Institut für Ostasienwissenschaft gelehrt wurden.

RUB Alumni: War Ihr Studium ausschlaggebend für Ihren jetzigen Beruf?

Dr. Bürkner: Ja und Nein. Wirtschaft, Entwicklungspolitik und auch die Sprachen waren schon immer mein Interesse. Ursprünglich wollte ich in die Entwicklungspolitik gehen. Ich habe mich jedoch zunächst für Banking entschieden, weil ich während meiner Arbeit an meiner Promotion festgestellt habe, wie wenig ich eigentlich in der Entwicklungspolitik ausrichten kann. In die Beratung bin ich einige Jahre später mehr durch Zufall gekommen, ohne mich während des Studiums mit dieser beruflichen Möglichkeit auseinandergesetzt zu haben. Ich muss gestehen, ich habe mich bei BCG beworben, ohne zu wissen, was Beratung ist und wer BCG ist. So wurde es wichtig, über Lernen und Arbeiten neue Aufgaben zu bewältigen und das hat sicher auch mit meinen im Studium erworbenen Fähigkeiten zu tun.

RUB Alumni: Wieso waren Sie der Meinung, dass Sie in der Entwicklungspolitik nicht viel ausrichten können?

Dr. Bürkner: Einer der Professoren in Oxford hat es mal so zusammengefasst: „Never has been so much said about so little“. Entwicklungshilfe und -politik werden stark propagiert, aber de facto passiert sehr wenig und häufig sogar das Gegenteil von dem, was man erreichen will. Entscheidend ist eigentlich nicht, von außen zu helfen, sondern in den Ländern die Voraussetzungen zu schaffen, damit sich die Gesellschaft und die Wirtschaft entwickeln. Es wird nie genügen, mit "milden Gaben" zu helfen, wenn wir gleichzeitig massiv in die Wirtschaft der Länder der Dritten Welt eingreifen und ihnen nicht erlauben ihre Produkte zu exportieren, indem wir unsere Märkte abschotten. Die Subventionierung von landwirtschaftlichen Produkten in Europa, Nordamerika und Japan und deren Export führt dazu, dass am Ende die Landwirtschaft in den „emerging markets“ negativ betroffen ist.

RUB Alumni: Wenn Sie Ihr Studium in vier Worten zusammenfassen würden...?

Dr. Bürkner: Man kann alles schaffen!

RUB Alumni: Wie haben Sie die Bochumer Uni in Erinnerung?

Dr. Bürkner: Ich habe Bochum immer positiv gesehen, anders als es damals oft zu hören war. Ich erinnere mich noch an den Spruch auf einer der Betonwände: „Zerstört diese unmenschliche Uni“. Den gleichen Tenor hatte die Einführungsveranstaltung der Studienberatung für alle Erstsemester. Die Psychologen der Studienberatung warnten vor der hohen Selbstmordrate an der Ruhr-Uni. Das fand ich weder amüsant noch sehr klug, noch sehr psychologisch. Ich habe mich immer gewundert, wie die Kommilitonen, die oft nur eine Universität gesehen haben, zu so sicheren Urteilen kommen können. Der Campus der RUB war damals noch nicht so gut an die Stadt angebunden und diese großen grauen Blöcke waren natürlich erst mal nicht einladend. Aber das hat sich mit der Zeit ja auch geändert und eine Infrastruktur ist um die Universität herum entstanden. Ob die Gebäude nun alt sind und romantisch wirken, dabei aber nicht besonders funktional sind, oder aber ob sie sachlich und funktional aussehen und auch funktional sind, ist eigentlich von nebensächlicher Bedeutung. Letztendlich hängt jeder Ort von den Menschen ab, die man dort kennen lernt.

RUB Alumni: Hat es bei Ihnen lange gedauert, bis Sie das Geschosssystem durchschaut haben?

Dr. Bürkner: Ich wusste gar nicht, dass es damit etwas Besonderes auf sich hat. Eigentlich kam mir das System nicht sehr schwierig vor. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich jeden Raum sofort gefunden hätte, aber ein Labyrinth war es bestimmt nicht.

RUB Alumni: Besitzen Sie noch einen Gegenstand aus Ihrer Studienzeit?

Dr. Bürkner: Ja, meine Chinesisch-Lehrbücher besitze ich noch.

RUB Alumni: Haben Sie noch einen Bezug zur Ruhr-Uni?

Dr. Bürkner: Ja, ich wohne am Wochenende in der Nähe – in Hattingen. Das ist nur einen Steinwurf entfernt. Auf manchen Spaziergängen sehe ich Teile der Uni. Und ich kenne natürlich eine ganze Reihe von Leuten, die an der RUB studiert haben und von daher sind mir Bochum sowie die Universität sowohl räumlich ganz nah, als auch von der Erinnerung her. Letztendlich verbindet es sich aber mit Menschen.

RUB Alumni: Was würden Sie derzeit als Rektor bzw. Kanzler anders machen?

Dr. Bürkner: Die gegenwärtige Politik kenne ich zu wenig, aber ich denke, was wichtig wäre, ist die Mobilisierung der Lehrenden, der Studierenden und der Ehemaligen, um aus der Ruhr-Universität eine ganz besondere, herausragende Institution zu machen. Viele sagen natürlich, dass das Geld fehlt. Aber die Menschen sind ja da und ob sie nun nur einfach ihren "Job" machen oder sich in besonderer Weise anstrengen, um aus dieser Institution etwas Besonderes zu machen, das kostet nur die Bemühung jedes Einzelnen. Es ist wichtig, eine Identifikation der Studierenden, der Lehrenden und der Ehemaligen mit ihrer Uni zu erreichen. Wir, die wir mit der Ruhr-Uni-Bochum verbunden sind, sollten stolz darauf sein, hier den Grundstein für unseren Beruf zu legen, hier zu forschen, hier zu arbeiten oder dies eine Zeit lang getan zu haben. Diese Mobilisierung wäre, glaub ich, eine wichtige Aufgabe. Nicht nur damit die Ruhr-Universität in den Rankings, die ja jetzt überall zirkulieren, besser dasteht, sondern auch, um die Zukunft dieser und der kommenden Generationen zu sichern.

RUB Alumni: Hätten Sie eine Idee, wie man die Menschen mobilisieren könnte?

Dr. Bürkner: Man kann für die Universität insgesamt und auch für die einzelnen Fachbereiche Ziele formulieren. „Was wollen wir sowohl in der Lehre als auch in der Forschung erreichen? Wie können wir besondere Ergebnisse erzielen?" Sowohl die jetzt an der RUB Tätigen als auch die Ehemaligen gilt es einzubeziehen und einen besonderen Anspruch zu definieren und umzusetzen. Das haben die meisten deutschen Universitäten bislang nicht erreicht. An vielen Universitäten in Großbritannien und auch in den USA pflegt man einen sehr engen Kontakt mit den Ehemaligen und sichert so Unterstützung und auch finanzielle Mittel. Ich glaube, diese Denke ist auch bei uns möglich. Der Netzwerkgedanke gerade zu den Ehemaligen ist unglaublich wichtig. Wir Ehemaligen sind auch persönlich dafür verantwortlich, dass der Standort Deutschland und die Institutionen, von denen wir heute noch profitieren, sich weiter entwickeln. Sich immer nur auf den Staat zu verlassen, verkennt die Situation. Wir alle müssen Verantwortung übernehmen, wir müssen investieren und das vor allen Dingen in Bildung und Forschung.

RUB Alumni: Sie würden also als Ehemaliger der Uni auch gerne etwas zurückgeben, hätten Sie denn auch eine Idee was sie gerne noch von der Uni hätten?

Dr. Bürkner: Die Uni könnte mehr Möglichkeiten bieten, dass sich Leute treffen oder auch im Rahmen von Projekten zusammen arbeiten. Studenten, Lehrende und Ehemalige gilt es, zusammenzubringen und zu bewegen, gemeinsam etwas zu schaffen. Es gibt sicherlich Projekte, die die Universität mit Unternehmen verbindet, in denen Ehemalige tätig sind. Solche Projekte könnten im wirtschaftlichen, aber auch im sozialen, kulturellen oder politischen Bereich liegen.

RUB Alumni: Was würden Sie sich heute noch mal gerne genauer an der RUB anschauen?

Dr. Bürkner: Es geht eigentlich immer um die Menschen oder Inhalte, es geht weniger um die Gebäude oder Einrichtungen. Ich bin immer wieder mal an der Ruhr-Universität, z. B. zum Silvesterkonzert der Bochumer Philharmoniker. Mich interessiert „Was passiert dort? Welche interessanten Ideen werden dort entwickelt? Und wie versucht die Universität sicher zu stellen, dass Innovationen und Lehre und Forschung in Deutschland vorankommen?“

RUB Alumni: Was vermissen Sie am meisten aus Ihrer Studienzeit?

Dr. Bürkner: Was eine Zeit und einen Ort letztlich ausmacht, das sind die Menschen. Natürlich gibt es einige Leute, die ich aus den Augen verloren habe und die ich gerne wiedersehen würde. Aber mit denen, die mir am meisten am Herzen liegen, bin ich heute noch sehr eng verbunden.

RUB Alumni: Wenn Sie heute noch mal studieren würden, würden Sie noch mal dasselbe studieren?

Dr. Bürkner: Ich glaube schon. Wirtschaft hat mich immer interessiert und auch die Sprachen Asiens. Wenn auch Chinesisch damals etwas obskur war. Heute würden alle sagen „Natürlich, Chinesisch ist wichtig“. Vielleicht würde ich noch Informatik hinzufügen.

RUB Alumni: Was würden Sie aus heutiger Sicht den jetzigen Studierenden mit auf den Weg geben?

Dr. Bürkner: Das Studium ist die größte Investition für das eigene Leben und entsprechend sollte man die Zeit nutzen; sowohl für die persönliche Entwicklung, als auch um zu lernen, wie man lernt, sich mit Dingen auseinandersetzt und wie man neue Ideen entwickelt und in die Tat umsetzt.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.