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2004

Dr. Gerd Brüne

Verlagsleiter der GEO Zeitschriften

Dr. Gerd Brüne hat zwischen 1977 und 1982 Wirtschaftswissenschaften an der RUB studiert. Bis 1988 hat er auch an der Ruhr-Uni promoviert. Heute lebt er in Hamburg und ist im Verlagshaus Gruner + Jahr als Verlagsleiter der GEO Zeitschriften tätig.

 

 

 

Was immer man studiert, man sollte stets viel Praxis einbauen.
 

RUB Alumni: Warum haben Sie an der Ruhr-Uni studiert?

Dr. Gerd Brüne: Das waren zwei wesentliche Gründe: Erstens wurde der Bereich „Wirtschaftswissenschaft“, den ich gewählt habe, also die Kombination aus BWL und VWL zu gleichen Teilen, damals nur an wenigen Universitäten angeboten. Bochum war eine davon und hatte einen ganz guten Ruf. Und der zweite Faktor war, dass Bochum für mich als anfänglicher Fahrstudent leicht erreichbar erschien: Mein Heimatort war damals Remscheid im schönen Bergischen Land.

RUB Alumni: Wie fanden Sie denn die RUB?

Dr. Gerd Brüne: Mich hat die architektonische Modernität, die andere Menschen zuweilen „irritiert“ hat, überzeugt. Ich fand diese Sachlichkeit angenehm, da sie mit einer hohen Funktionalität einherging.

RUB Alumni: Wie ist Ihr beruflicher Werdegang weitergegangen?

Dr. Gerd Brüne: Von der Universität bin ich zu Gruner + Jahr gegangen und dort bis heute geblieben. Eingestiegen bin ich als Leiter des Projektmanagements des so genannten Fachbereichs Anzeigen; mir oblag die Leitung einer kleinen Stabsstelle. 1992 wechselte ich als stellvertretender Anzeigenleiter zum Stern. 1997 ging ich dann zu GEO, zunächst als stellvertretender Verlagsleiter und Anzeigenleiter. Seit 2000 bin ich der Verlagsleiter für die Zeitschriften der GEO Familie.

RUB Alumni: Wie kann man sich die Struktur des GEO-Verlags vorstellen?

Dr. Gerd Brüne: Der Verlag Gruner + Jahr besteht aus verschiedenen Verlagsgruppen, die wiederum durch die Zusammenfassung bestimmter Zeitschriften gebildet werden; daneben gibt es Querschnittsfunktionen, die sich etwa mit der übergreifenden Bearbeitung des Vertriebsmarkts bzw. des Anzeigenmarkts befassen.

Kern dieser Verlagsgruppen sind die jeweiligen Redaktionen, die die Zeitschriften, also unsere Markenprodukte, erstellen. Neben den Chefredakteuren, die die jeweiligen Redaktionen führen und das publizistische Ergebnis verantworten, sind Verlagsleiter gestellt, die für das wirtschaftliche Ergebnis der Zeitschriften verantwortlich zeichnen. Letzteres wird durch die Bereiche Herstellung (Druck der Zeitschriften), Positionierung und Steuerung der Zeitschriften auf dem Lesermarkt und Anzeigenmarkt sowie Nebengeschäfte aller Art (TV, Bücher, Kalender, Online etc.) determiniert. Für die GEO Familie sind circa 160 Personen in den Redaktionen und Verlagsbereichen tätig.

RUB Alumni: Gehen wir noch ´mal etwas zurück in der Zeit, zum Studium - fällt Ihnen aus der Zeit eine Anekdote ein?

Dr. Gerd Brüne: Ja, es geschah am Tag, als ich mich immatrikulierte: Auf endlosen Fluren hatten sich ebensolche Schlangen gebildet; 3 Stunden hat es damals mindestens gedauert, bis man sich einschreiben konnte. Als ich dann an der Reihe war, knallte der Sachbearbeiter seinen Stempel auf irgendein vorzulegendes Dokument und verabschiedete mich mit den Worten: „Dann auf Wiedersehen beim Arbeitsamt!“

Schon damals also gab es offenbar eine Mentalität in Deutschland, die nicht ausschließlich von Optimismus geprägt war und bereits eine „Du bist Deutschland“- Kampagne nötig gehabt hätte. Aber ich muss gestehen: Das hat mich auch motiviert. „Das Schicksal ersparst du dir, und der Mann wird Unrecht behalten“ – so meine Devise während des Studiums. Insofern war diese erste Begegnung etwas frustrierend, aber auch motivierend. Für mich zumindest; ich weiß nicht, ob der damalige Spruchschöpfer immer noch stempelt, und wenn ja, wo....

RUB Alumni: Was würden Sie an der Stelle des Rektors oder der Kanzlers anders machen?

Dr. Gerd Brüne: Ich maße mir da kein Urteil an, da die aktuelle Hochschulpolitik im allgemeinen und diejenige an der Uni Bochum im besonderen für mich relativ „weit weg“ sind. Was man natürlich mitbekommt sind die Fragen nach Studiengebühren und der Konzentration von Fachgebieten an einer geringeren Zahl von Studienorten.

Bestimmte regionale Eitelkeiten von Regionalpolitikern haben vielleicht dazu geführt, dass es in Deutschland ein paar Unis zu viel gibt – und deshalb macht eine Aufgabenteilung mit entsprechenden Spezialisierungen auf jeweils weniger Fachgebiete vermutlich Sinn. Andererseits wäre es fatal, wenn man die Axt an die Wurzel der Volkswirtschaft anlegt. Da wir weder über Gas, Öl oder andere natürliche Ressourcen verfügen, ist das, was wir zwischen den Ohren haben das einzige, was Deutschland volkswirtschaftlich in die Waagschale werfen kann. Und daher ist es zweifellos richtig, wenn derzeit die Forderung nach stärkeren Investitionen in den Bildungssektor lauter wird.

Zum Thema Studiengebühren: Ich finde es grundsätzlich nicht falsch, eine gewisse Gebühr zu erheben. Zu meiner Studienzeit jedenfalls gab es eine ganze Menge „studientechnischer Karteileichen“, die letztlich Plätze blockiert haben. Da schrieben sich Studierende ein, die offensichtlich primär das Ziel hatten, gut sozialversichert zu sein. Durch Studiengebühren eine gewisse Ernsthaftigkeit zu erzeugen, halte ich daher für keinen falschen Ansatz, zumal sich dadurch die Bedingungen für die wirklich Interessierten verbessern.

Auf der anderen Seite fände ich es auf Dauer fatal, wenn dadurch Bildungsgerechtigkeit abgebaut würde. Selbst ohne Studiengebühren besteht de facto nur auf dem Papier wirkliche Chancengleichheit, da sich der familiäre Hintergrund nachweislich auf die Studienchancen auswirkt. Mit Studiengebühren wird dieses Kriterium noch einmal erheblich höher gewichtet: Kinder aus wohlhabenden und gebildeten Haushalten haben dann eine noch bessere Chance als „weniger gesegnete“ Mitstudierende. Wenn daher Studiengebühren verlangt werden, dann sollten sie durch ein System flankiert werden, das Anleihen beim amerikanischen Modell aufnimmt: Stipendien und ähnliche Ansätze, mit denen man zumindest Hochbegabten aus weniger begüterten Familien eine reelle Chance einräumt.

RUB Alumni: Wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken, was vermissen Sie am meisten – vermissen Sie überhaupt etwas?

Dr. Gerd Brüne: Ja, natürlich! Ich vermisse die Freizeit. Das schätzt man als Studierender nicht so ein, weil man ja immer unter Druck ist, seine Scheine zu machen und das Studium vernünftig zu beenden. Aber man hat extrem viele Freiheitsgrade und ist zusammen mit Menschen, die im Grunde alle dasselbe Ziel haben, und die meist nicht unmittelbar miteinander konkurrieren. Man weiß diese Freiheit zu diesem Zeitpunkt nur noch nicht wirklich zu schätzen, weil man den Unterschied zum Beruf eben noch nicht so gut einzuschätzen vermag.
 
RUB Alumni: Wenn Sie Ihr Studium kurz zusammenfassen müssten, wie würden Sie das machen?

Dr. Gerd Brüne: Das Studium selbst war durch Sachlichkeit geprägt – und wir hatten gute und sehr engagierte Professoren. Die Uni selbst lag in einem herrlichen landschaftlichen Umfeld, an das ich mich immer noch gern erinnere – und es waren einfach richtig angenehme Menschen, die ich im Studium kennen gelernt habe, und zu denen ich heute teilweise noch Verbindungen habe.

RUB Alumni: Hatten Sie Schwierigkeiten mit dem Geschosssystem der Uni?

Dr. Gerd Brüne: Nein, damit hatte ich eigentlich keine großen Probleme. Die Aufteilung nach Fachgebieten und die Sortierung - vom Zentrum her betrachtet – nach den Gebäuden A, B und C (bei den Naturwissenschaftlern bis D) - fand ich sehr klar und einleuchtend. Wenn man da in Sachen Orientierung scheitert, kommt man vermutlich auch in einer Telefonzelle nicht ohne Navigationssystem zurecht...

RUB Alumni: Besitzen Sie noch einen Gegenstand aus Ihrer Studienzeit?

Dr. Gerd Brüne: Das Studienbuch. Das hat man aus sentimentalen Gründen natürlich aufbewahrt. Und ich habe noch ein paar Bücher, in die ich zuweilen noch ´mal reinschaue, denn für das, was ich hier als Verlagsleiter tue, kann ich sehr viel von meinem Studium, und auch von meinem Promotionsstudium, gebrauchen.

RUB Alumni: Was war denn Ihr Promotionsthema?

Dr. Gerd Brüne: Das Promotionsthema befasste sich mit Marketing, das Thema lautete: „Meinungsführerschaft im Konsumgütermarketing“ Es ging um das Phänomen der Opinion leadership – ein Konzept, das ursprünglich aus der Wahlforschung stammte und sich mit der Frage befasste, inwieweit meinungsstarke Menschen, opinion leader, ihre Mitmenschen politisch beeinflussen und dadurch Wahlen entscheiden. Dieses Thema  behandelte ich dann in Übertragung auf den Konsumgüterbereich. Letztlich ging es darum, inwieweit Markenwahlentscheidungen durch Freunde, Bekannte und Verwandte geprägt werden und wie man sich als Markenartikler dieses Wissen zu Nutze machen kann.

RUB Alumni: Was möchten Sie den heutigen Bochumer Studierenden mit auf den Weg geben?

Dr. Gerd Brüne: Ich kann natürlich vor allem für Wirtschaftswissenschaftler sprechen. Studiert zügig! Nehmt das ganze ernst! ABER: genießt es auch! Und: Neben allem Fachlichen, das man oft auch später gut gebrauchen kann, ist die soziale Komponente noch wichtiger. Stärkt die! Ich bin sicher, dass jeder wirtschaftswissenschaftliche Absolvent, der in sieben oder acht Semestern durch das Studium peitscht, ein verdammt kluger Kopf ist. Aber viele von diesen Kandidaten werden es in Firmen dennoch nicht wirklich weit bringen - weil es im Beruf einfach auch auf viele, viele andere Dinge ankommt, die man vielleicht beim Fußballspielen oder in Kneipen deutlich besser erlernen kann als an der Uni. Ein letzter Ratschlag: Was immer man studiert, man sollte stets viel Praxis einbauen.

RUB Alumni: Man hört so eine Begeisterung bei Ihnen ´raus, da ist es wohl überflüssig Sie zu fragen, ob Sie noch mal denselben Weg gehen würden...

Dr. Gerd Brüne: Ich bin mit meiner Studien- und Uniwahl auch heute noch rundherum glücklich. Damals hatte ich die Wahl des Studiengangs ohne eine feste, klare Berufsabsicht getroffen, sondern mir gedacht, dass das ein Studium ist, das ein breites Fundament vermittelt – und dass sich danach schon alles andere von selbst ergeben würde. Und exakt so war es. Es war eine gute Zeit, und ich habe tolle Hochschullehrer gehabt, die mich wirklich weiter gebracht haben – am meisten sicherlich mein leider inzwischen verstorbener Doktorvater Prof. Hammann. Für meine Aufgaben bei Gruner + Jahr fühlte ich mich so stets bestens gerüstet. Und habe nun aktuell viel Freude an meiner Aufgabe als Verlagsleiter der GEO Zeitschriften.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.