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2005

Hennes Bender

Comedian

Hennes Bender studierte von 1990 bis 1997 an der RUB Theater-, Film- Fernsehwissenschaft und schloss sein Studium, mit einer Arbeit über Monty Python, erfolgreich mit dem Magister ab. Zeitgleich zum Studium stieg Hennes Bender in die Unterhaltungsbranche ein und gründete 1992 das Comedy-Duo "Lengkeit gegen Bender" (zusammen mit Heinz-Peter Lengkeit). Daneben war Hennes Bender in verschiedenen Aufführungen als Schauspieler aktiv und führte Regie. 1999 trat Hennes Bender mit seinem ersten Stand-Up-Comedy Programm auf. 2001 belegte er den ersten Platz beim Köln Comedy Cup und erhielt außerdem den Preis "Tegtmeiers Erben" (Publikum und Jury). 2004 erwarb Hennes Bender den Deutschen Comedy Preis in der Kategorie "Bester Newcomer" und ist regelmäßig in verschiedenen TV-Formaten zu sehen (u. a. "Quatsch Comedy Club").

Es ist nicht mehr meine Uni, aber das ist auch gut so.
 

RUB Alumni: Warum haben Sie damals in Bochum an der Ruhr-Universität ihr Studium begonnen?

Bender: Ich bin hier in Bochum geboren, hatte hier meine Freunde und dadurch hat es sich auch ein wenig angeboten. Von daher war es eigentlich auch kein Thema, woanders hinzugehen. Man könnte auch sagen: Faulheit!

RUB Alumni: Es gab keine Überlegungen, woanders zu studieren?

Bender: Nee, eigentlich nicht.

RUB Alumni: Fällt Ihnen eine nette Anekdote ein, wenn Sie an Ihr Studium in Bochum zurückdenken?

Bender: Das fing ja eigentlich schon beim Einschreiben an. Meine Eltern wollten, dass ich studiere; ich selber hatte mir noch keine Gedanken gemacht, was ich nach dem Abi mache. Ich bin dann mit einem Freund zur Immatrikulation gegangen und wollte Englisch studieren, das war das, was ich wusste. Ich habe gedacht dann nehme ich noch Amerikanistik mit und dann brauchte ich noch ein drittes Fach. Ich stand dann da wie in der Eisdiele und habe gefragt: „Was haben Sie denn noch da?“ Ich glaube am Anfang habe ich Englisch und Italienisch auf Lehramt studiert, aber nur ein halbes Jahr; dann kam Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft und ich hab´ umschwenken können.

RUB Alumni: Ist Ihnen im Verlauf Ihres Studiums eine nette Geschichte passiert?

Bender: Oh Gott, da müsste ich eine Biografie drüber schreiben. Ich war ja auch nicht nur kurz an der Uni. Da gibt’s viele Sachen, da weiß ich nichts Spezielles mehr. Wer sich an sein Studium erinnern kann, der hat nicht studiert. Ich erinnere mich allerdings noch sehr an die Querstriemen, die ich an meinem Hintern hatte, vom Sitzen auf den Heizkörpern, wenn wieder alle orangefarbenen Sitze blockiert waren. Ich erinnere mich noch, dass ich mal einen ganzen Tag in der Cafete verbringen konnte und beobachtet habe, wie sich der Müll immer mehr auf dem Tisch stapelte. Das hätte man mal mit einem Zeitraffer aufnehmen müssen. Das hatte was von Samuel Beckett. Diese Zeit war schon ziemlich toll. Wenn ich jetzt mal in der Cafete bin, aus Versehen, kann ich mich an dieses neue Bistro-Design eigentlich gar nicht mehr gewöhnen. Da bin ich schon froh, dass ich eine Zeit miterlebt habe, die wenigstens ein bisschen subversiv war. Es ist natürlich gut, dass alles sauberer geworden ist in den Cafeten, aber es hat an Charme verloren. Es ist nicht mehr meine Uni, aber das ist auch gut so.

RUB Alumni: Können Sie Ihr Studium in wenigen Worten zusammenfassen?

Bender: Lange Zeit gelassen, viel Spaß gehabt und am Ende zeitlich angezogen.

RUB Alumni: Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, bis Sie das Geschosssystem der Universität durchschaut haben?

Bender: Das ging relativ schnell. Das musste man ja auch relativ schnell verstehen, sonst hätte man ja gar nicht überleben können. Das hat bei mir zwei, drei Wochen gedauert. In GB habe ich mich schnell zurechtgefunden, aber die Nord-Süd-Geschichte hat ein wenig gedauert. Ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat, aber der hat bei M. C. Escher studiert, das ist alles so verwinkelt.

RUB Alumni: Wie war es mit den Durchgängen bei den Bibliotheken?

Bender: Das war ein wirkliches Problem. Die Bibliotheken waren wirklich der Horror! Wen ich nie vergessen werde ist der Bibliothekar in GB in der vierten Etage. Das war ein ganz fieser Kerl, den werde ich nie vergessen.

RUB Alumni: Gibt es denn noch einen Gegenstand, den Sie aus Ihrer Studienzeit besitzen?

Bender: Ich habe noch meinen ersten Studentenausweis, irgendwo. Den habe ich irgendwann mal gefunden. Den habe ich behalten, als es die Karten gab. In den letzten zwei Wochen habe ich sehr viel ausgemistet. Auch die ganzen Reader, die wirklich nur noch rumlagen, von denen habe ich mich getrennt. Meine Magisterurkunde habe ich noch irgendwo, spontan weiß ich allerdings nicht mehr wo.

RUB Alumni: Wenn Sie in der heutigen Zeit Rektor oder Kanzler an der Bochumer Universität wären, was würden Sie ändern oder initiieren?

Bender: Ich würde sofort die Mensa umpolen. Da würde ich sofort für sorgen, dass es da was anderes gäbe und dass das verbessert würde. Ich habe gehört, dass ist eh´ schon passiert. Unter dem Essen habe ich schon ein wenig gelitten.

RUB Alumni: Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken?

Bender: Am meisten vermisse ich die Zeit und die Muße, die man so morgens hatte. Das Treffen morgens mit den ganzen Kollegen oder Kommilitonen, wie wir uns damals nannten, in der Cafete und die Sachen erstmal ruhig angehen lassen. Wir haben dann erst gegen Mittag angefangen, irgendwelche Seminare zu besuchen. Das war ein bisschen wie auf die Arbeit gehen. Man kommt morgens rein, erstmal „Mahlzeit.“, „Mahlzeit.“ Das schon eine schöne Community.

RUB Alumni: Was verbindet Sie heute mit der Bochumer Uni?

Bender: Ich gehe ab und zu im Uni-Center einkaufen, an die Uni selber verirre mich eigentlich selten. Ich sehe ab und zu ein bisschen wehmütig, wenn ich auf der A43 lang fahre, diese Türme, diese Armada von Schiffen, die da steht, mit dem Audimax in der Mitte. Was ich vermisst habe, ist eigentlich das Unifest in den letzten Jahren. Das war immer ein Höhepunkt des Jahres. Wenn ich durch die Cafeten gehe, merke ich selber, dass ich ziemlich alt geworden bin, dass alle viel, viel jünger sind. „Das ist jetzt hier nicht mehr Dein Platz.“ Das war ähnlich mit der Schule auch. Da habe ich auch ein wenig Zeit gebraucht, um mich davon zu lösen. Nach ein paar Jahren habe ich gedacht: „Lass´ die Jungen mal ran.“ Ich habe von 1989 bis 1996 richtig studiert, 1997 hatte ich noch die Prüfungen, dann war auch gut.

RUB Alumni: Gibt es denn einen Zusammenhang zwischen Ihrer jetzigen Tätigkeit als Comedian und Ihrem Studium? Können Sie noch Dinge aus Ihrem Studium nutzen?

Bender: Das werde ich öfter gefragt. Diese Fähigkeit, Sachen anzufangen und zu Ende zu bringen, die habe ich definitiv an der Uni gelernt; sei es jetzt durch Seminare oder Seminararbeiten. Überhaupt dass ich mein Studium zu Ende gebracht habe, hat sehr viel damit zu tun, dass ich eine Disziplin entwickelt habe, bestimmte Projekte anzufangen und auch wirklich zu Ende zu bringen. Das habe ich auf jeden Fall mitgenommen. Ansonsten habe ich Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft studiert, mit dem Schwerpunkt Film, und meine Magisterarbeit über Monty Python geschrieben. Da habe ich sehr viel Comedy mitgenommen. An der Uni habe ich meine ersten Kabarett-Kurse gemacht und habe dort Hans-Peter Lengkeit kennen gelernt, meinem langjährigen Partner, mit dem ich immer noch befreundet bin und mit dem ich gerade auch eine Sitcom schreibe. An der Uni sind viele Sachen gestartet. Die Uni hat sekundär dran mitgewirkt, dass das, was ich jetzt mache, zu dem Erfolg geführt hat, den ich jetzt habe.

RUB Alumni: Kann man also sagen, dass die Uni für Sie Ihr Sprungbrett war?

Bender: Das war definitiv ein Sprungbrett. Das liest sich in der Biografie eigentlich nie so gut, dass ich mal mit Studentenkabarett angefangen habe, aber dieses Lernen und das Durchziehen habe ich an der Uni gelernt. Auch das Recherchieren und Sachen zu Ende zu bringen habe ich definitiv an der Uni gelernt.

RUB Alumni: Wenn Sie heute noch mal studieren würden, für welches Fach würden Sie sich heute einschreiben bzw. welches Fach würden Sie empfehlen?

Bender: Ich würde ein Fach für werdende Eltern empfehlen, wie man mit seinen Kindern umgeht. Das ist ein Fach, was wirklich fehlt. Das wäre aber Pflichtfach für alle, das ist das, was diese Gesellschaft braucht und woran sie auch krankt. Wenn ich durch die Stadt gehe und sehe, wie Eltern mit ihren Kindern umgehen, denke ich: da kann man noch so viel Ausbildungen gemacht haben, wenn man das nicht begriffen hat, dann nützt es auch nichts. Dann züchten wir hier gerade eine Nation von Arschlöchern heran - und so ein Fach fehlt auf jeden Fall. Ansonsten eine angewandte Konsumkritik, damit man nicht mehr auf jeden Scheiß reinfällt.

RUB Alumni: Würden Sie denn auch wieder in Bochum studieren?

Bender: Ich würde diesmal vielleicht nicht in Bochum studieren. Ich würde aber auf jeden Fall versuchen, ein Jahr ins Ausland zu gehen. Das habe ich aus irgendwelchen Gründen verpeilt während meines Studiums. Das ist das einzige, was ich bereue. Dass ich das nicht auf die Kette bekommen habe, dass ich dafür zu faul war oder zu unmutig vielleicht eher!

RUB Alumni: Was würden Sie denn heutigen Studierenden in Bochum mit auf dem Weg geben, als Tipp von Hennes Bender?

Bender: Ich würde versuchen, die Studierenden zu mehr Eigeninitiative zu mobilisieren. Ich weiß nicht, wie es im Moment kulturell und sozial an der Uni aussieht. Das Problem ist ja auch, dass die Uni soweit draußen liegt und das eigentliche Nachtleben in der Stadt stattfindet. Einen zentralen Campusort würde ich gut finden. Ich weiß nicht, wie es mit dem Kulturcafé ist, das hatten wir damals noch nicht. Wir waren auf die zwei Studentenkneipen angewiesen und das Studentenleben hat sich auf die Stadt verlagert. Ich habe noch das Glück gehabt, ein paar richtig schöne Unifeten und Spezialfeten, wie Kunstgeschichte, mitzuerleben. Auch wenn sich das jetzt alles nach Party machen und nicht studieren anhört, aber das gesellschaftliche Leben an der Uni finde ich total wichtig. Da lernt man nicht nur sein Fach kennen, sondern auch mit Menschen umzugehen. Dadurch, dass die Lage der Uni nicht die Beste ist, ist das auch ziemlich schwierig.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.