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2005

Dr. Josef Bausch-Hölterhoff

Regierungsmedizinaldirektor JVA Werl und Schauspieler

Dr. Josef Bausch-Hölterhoff, auch bekannt als Joe Bausch, studierte zuerst Theaterwissenschaft, Politik und Germanistik in Köln, danach Jura in Köln und Marburg. Nebenher war er in verschiedenen Theaterprojekten aktiv. 1978 schlägt er ein Angebot der Filmhochschule München aus und studierte von 1978 an Medizin an der Ruhr-Universität Bochum und schloss 1985 sein Studium erfolgreich ab. 1986 wird Dr. Bausch-Hölterhoff Vertragsarzt an der JVA Fröndenberg, später an der JVA Werl. Dort leitet er seit 1993 den medizinischen Dienst. Seit 1997 spielte er in über 20 WDR-Tatorten aus Köln an der Seite von Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär die Rolle des Pathologen Dr. Josef Roth und berät den WDR-Tatort aus Münster in medizinischen Fragen. Außerdem spielte er in weiteren Produktionen mit und schreibt Drehbücher.

So viele schräge Leute auf einem Haufen hatte ich als Landei in meinem Leben bis dahin noch nicht gesehen. Da hatte ich dann das Gefühl: Jetzt bin ich in der Großstadt angekommen.

RUB Alumni: Was waren damals Ihre Gründe in Bochum zu studieren?

Dr. Bausch-Hölterhoff: Ich muss ehrlicherweise sagen: Ich habe mir Bochum selber nicht ausgewählt. Ich bin damals der Kinderlandverschickung der ZVS zum Opfer gefallen. Aber danach hat sich Bochum mich ausgesucht. Ich war sehr entsetzt, als ich das erste Mal zur Ruhr-Uni gekommen bin. Das war von Witten-Herbede aus, das werde ich in meinem Leben nicht vergessen. Ich habe mich über den Kalwes der Uni in Bochum genähert und der erste Blick - damals gab es die Fachhochschule noch nicht - da lag die Uni brach auf dem platten Land. Diesen Eindruck werde ich nie vergessen und wäre am liebsten umgekehrt. Ich kam aus Marburg und habe nur gedacht: „Hier musst Du so schnell wie möglich wieder weg.“ Ich habe dann auch erstmal in Witten-Heven gewohnt und habe da in der Dorfkneipe erzählt, ich sei auf Montage und würde auf der Kemnade, die gerade erbaut wurde, als Baggerfahrer arbeiten.

RUB Alumni: Wenn Sie an Ihre Bochumer Studienzeit zurückdenken, fällt Ihnen da eine nette Anekdote oder Geschichte ein?

Dr. Bausch-Hölterhoff: Wir hatten damals einen wunderbaren Professor, an den ich mich lebhaft erinnere. Er bezeichnete sich selbst als das letzte Fossil der Hippie-Kultur, war wissenschaftlich überragend und ein wunderbarer Lehrer. Er forschte mit israelischen Kollegen über die Wirkung von THC. Das gab es damals nur in Bochum, Israel und in Amerika. Und er war der einzige, der probeweise aus sichergestellten Beständen der Kripo Bochum Versuche mit THC mit Studenten durchführte. Außerdem war es damals so, dass man viele Professoren im Uni-Center traf und mit denen sehr persönliche und unmittelbare Kontakte hatte, genauso wie ich das aus Marburg kannte. Da tobten sich im Unicenter die letzten der siebziger Jahre aus und wir mitten drin.

RUB Alumni: Das war bei Ihrem Professor also „Kiffen für die Wissenschaft“...

Dr. Bausch-Hölterhoff: Damit war er natürlich damals bei uns ganz weit vorne, vor allem vor dem Hintergrund der damaligen Zeit. Ich war nur einmal dabei, aber einige Kollegen waren hin und weg und ich fand das Klasse. Das gab selbst den Bochumer Medizinern noch eine revolutionäre, anarchistische Attitüde. Das andere war: Da gab es gegenüber der damals noch nicht erbauten Fachhochschule eine Kneipe, an deren Namen ich nicht mehr erinnere; das war der absolute In-Laden. Das Bier war da verdammt billig, aber auch verdammt schlecht. So viele schräge Leute auf einem Haufen hatte ich als Landei in meinem Leben bis dahin noch nicht gesehen. Da hatte ich dann das Gefühl: „Jetzt bin ich in der Großstadt angekommen.“

RUB Alumni: Wenn Sie Ihr Studium in wenige Worte zusammenfassen sollten, wie würden Sie das machen?

Dr. Bausch-Hölterhoff: Viel in die Breite, wenig in die Tiefe!

RUB Alumni: Wie lange hat es dauert, bis Sie sich sicher auf dem Campus orientieren konnten, speziell innerhalb der Gebäude?

Dr. Bausch-Hölterhoff: Ich hatte einen Vorteil: Ich wohnte mit einen Kommilitonen zusammen, der parallel zum Medizinstudium seine Abschlussarbeit in der Psychologie machte. Dafür mussten wir Probanden in der gesamten Uni auftreiben und zur Mitarbeit überreden, das sorgte schon mal für bessere Ortskenntnisse. Außerdem musste man sich als Mediziner zwangsläufig schneller orientieren, weil wir bei den Chemikern, den Physikern, bei den Psychologen Kurse hatten und dadurch gezwungen waren, uns die Irrungen des Labyrinths relativ früh vertraut zu machen. Das hat vielleicht zwei, drei Semester gedauert, aber dann waren wir auch durch damit. So lange wie die Vorklinik gedauert hat, waren wir auch am Suchen.

RUB Alumni: Besitzen Sie noch heute Gegenstände aus Ihrem Studium?

Dr. Bausch-Hölterhoff: Wenn ich genau nachgucken würde, dann würde ich sicher mein Studienbuch noch finden. Ich weiß aber definitiv, dass mein Studentenausweis in Afghanistan ist. Da fragte mich damals ein afghanischer Polizist nach meinem Führerschein und ich dachte mir, dass ich dieser Person mit Sicherheit nicht meinen Originalführerschein geben werde. Dann habe ich ihm meinen Studentenausweis der Uni Bochum in die Hand gedrückt, da war auch ein Foto drauf und ein großer Stempel. Die afghanische Polizei war total begeistert von dem Führerschein und hat ihn auch prompt einbehalten. Irgendein Afghane läuft jetzt seit 28 Jahren mit meinem Studentenausweis aus Bochum rum.

RUB Alumni: Wenn Sie heute Rektor der Bochumer Uni wären, was fällt Ihnen ein, was man besser machen könnte, vor allem, wenn dieser Vorschlag auch noch kostenneutral sein sollte?

Dr. Bausch-Hölterhoff: Ich würde speziell versuchen, die lokale Industrie mit ins Boot zu holen. Sponsoring würde man da heute zu sagen. Ob das jetzt die Medizinindustrie ist; diese noch intensiver in die Universität einzubinden. Das kostet nicht viel, die Firmen haben ein großes Interesse, an Forschung und Lehre mitzuwirken. Das würde schon frühzeitig Querverbindungen schaffen, die man sich oftmals erst im Berufsleben langsam erarbeitet. Da würde ich mir eine frühzeitigere Verzahnung mit der Industrie wünschen. Den Wissenschaftspark, den es jetzt in den M-Gebäuden gibt, finde ich ein Modell in die richtige Richtung. Schade, dass es das noch nicht zu meiner Zeit gegeben hat. Aber auch ein gutes Mentoren-Programm finde ich sehr wichtig! Eine Anlaufstelle bei Fragen zum Studium.

RUB Alumni: Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie so an Ihre Studienzeit hier in Bochum zurückdenken?

Dr. Bausch-Hölterhoff: Im Vergleich zu heute hat das damals alles viel mehr Spaß gemacht. Natürlich macht das Studium mehr Spaß als der Beruf, das wird wohl bei den meisten Leuten so sein. Aber auch der alltägliche, rege, lebendige Austausch und das ganze Drumherum wie Studentenkneipen, Theater, nächtliche Diskussionen, das vermisse ich sehr. Wenn man ins Berufsleben geht, droht doch irgendwann immer ein Tunnelblick. Allerdings versuche ich, das durch meine anderen Aktivitäten zu verhindern.

RUB Alumni: Verbindet Sie denn heute noch etwas mit Bochum und der Bochumer Uni?

Dr. Bausch-Hölterhoff: Mit der Bochumer Universität verbindet mich, dass ich immer noch einen Bibliotheksausweis der UB besitze. Wenn ich was suche, was ich nicht im Internet finde, fahre ich nach Bochum, da bin ich konservativ. Ich muss allerdings gestehen, dass ich beim letzten Mal relativ lange gebraucht habe mich zu orientieren, weil der Mikrofiche weg war und ich musste erst 'mal im PC gucken. Bochum ist halt immer noch meine Uni. Ich wohne ja nicht weit weg und habe auch bis vor sechs Jahren noch in Bochum gelebt. Insofern ist Bochum immer noch der Mittelpunkt meiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Wenn ich etwas suche, dann versuche ich es über Bochum.

RUB Alumni: Da Sie ja immer noch als Mediziner tätig sind, gibt es wahrscheinlich einen starken Zusammenhang zwischen Ihrem Studium und Ihrer jetzigen beruflichen Tätigkeit…

Dr. Bausch-Hölterhoff: Das garantiert. Wenn es Weiterbildungen gibt und ich sehe, dass die in Bochum stattfinden, fahre ich natürlich besonders gerne hin. Auch wenn ich anfangs nicht hier bleiben wollte, so habe ich das Ruhrgebiet für mich entdeckt. Die längste Zeit meines bisherigen Lebens habe ich irgendwo in Bochum oder der Region Bochum gelebt und gearbeitet. Wenn ich einen entsprechenden Job angeboten bekommen würde, würde ich morgen wieder dahin zurückkehren.

RUB Alumni: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, noch mal zu studieren, würden Sie auch wieder in Bochum studieren?

Dr. Bausch-Hölterhoff: Klar! Gar keine Frage! Vom völligen Erschrecken hin zur großen Liebe! Das muss ich wirklich sagen. Das hat auch was mit den Menschen in der Region zu tun. Die Menschen sind halt sehr gerade und das gefällt mir. Bochum ist auch Teil einer großen Region, die mich nach wie vor mit ihrem vielfältigen Angebot fasziniert. Aber auch das Bochumer Modell der Universitätskliniken, war damals richtungweisend. Das hat unserem Studium mit Sicherheit gut getan.

RUB Alumni: Welches Fach würden Sie heute studieren oder empfehlen?

Dr. Bausch-Hölterhoff: Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich will nicht klagen, aber meiner Tochter sage ich immer: „Augen auf bei der Berufswahl, denn das musst du im schlimmsten Fall dein Leben lang machen!“ Ich persönlich würde heute in den Bereichen Theater, Film, Fernsehen mein Glück versuchen. Aber vielleicht ist das auch nur die Sehnsucht eines alten Mannes! Man kann heute niemandem mehr sagen: „Studier´ das, dann bist Du auf der sicheren Seite...“

RUB Alumni: Obwohl es ja gerade bei Medizin sehr gut aussieht...

Dr. Bausch-Hölterhoff: In der Medizin ist das wohl heute so. Wir haben damals wahrscheinlich die schlechtesten Zeiten mitgemacht.

RUB Alumni: Was würden Sie denn gerne den heutigen Bochumer Studierenden mit auf den Weg geben?

Dr. Bausch-Hölterhoff: Haltet durch und macht es besser! Alles andere klingt doch immer nach klugscheißerischen Ratschlägen. Ich habe damals in Köln - in Bochum habe ich mir das verkniffen - Erstsemesterberatungen gemacht, da war ich im vierten Semester und musste Erstsemestlern schon die Welt erklären. Diese oberschülerhafte Klugscheißerei fand ich damals schon furchtbar! Ich würde jedem nur sagen: „Mach das, was Dir am meisten liegt und nicht das, was nach einer sicheren Bank aussieht!“, oder als Quintessenz: „Es gibt einen Weg, den nur Du gehen kannst! Frage nicht wohin er dich führt, gehe ihn!“

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.

 

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