RUB » Alumni » Im Gespräch » Wirtschaft » Fritz Bahlo

2004

Fritz Bahlo (†)

ehem. Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bochum

Fritz Bahlo studierte von 1964 bis 1966 in Berlin Jura und VWL und wechselte 1966 an die neu gegründete Ruhr-Universität Bochum. 1969 schloss er sein Studium der Wirtschaftswissenschaft erfolgreich als Diplom-Ökonom ab. Bereits vor dem Studium war Herr Bahlo bei der Sparkasse Bochum beschäftigt und nach verschiedenen Positionen wurde er 1974 Direktor der Sparkasse Bochum und 1990 dann Vorstandsvorsitzender. Er engagierte sich an der Ruhr-Universität in verschiedenen Positionen und war ab 1998 Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde (GdF). Seit 2001 war Herr Bahlo Ehrenbürger der RUB, außerdem war er Mitglied des Kuratoriums. Am 24. November 2010 starb Fritz Bahlo.

Während meiner gesamten Studienzeit
war das eine riesige Baustelle.

RUB Alumni: Als geborener Bochumer haben Sie in Berlin angefangen zu studieren, sind aber dann an die neu gegründete Bochumer Universität zurückgekehrt und haben hier 1969 Ihren Abschluss gemacht.

Bahlo: So habe ich das damals gemacht.

RUB Alumni: Warum sind Sie damals an die neu gegründete Ruhr-Universität gewechselt?

Bahlo: Das hatte ganz verschiedene Gründe. Das lag zum einen daran, dass ich hier in Bochum eine Verlobte hatte und ich geborener Bochumer bin. Es lag aber auch daran, dass ich nur für das Studium von der Sparkasse Bochum beurlaubt war, wo ich damals bereits beschäftigt war. Das waren die wichtigsten Gründe.

RUB Alumni: Haben Sie damals nur den Abschluss in Bochum gemacht?

Bahlo: Ich bin im zweiten Semester nach Bochum gegangen; das war mein fünftes Studiensemester und habe 1969 hier dann meinen Abschluss gemacht.

RUB Alumni: Gab es damals auch Überlegungen, nicht in Bochum zu studieren?

Bahlo: Ja, die gab es natürlich auch. Ich habe mich in Berlin durchaus wohl gefühlt, aber Berlin war ja damals schon eine Sondersituation, es war ja kurz nach dem Mauerbau. Die gesamte politische Situation war schon besonders. Ich war auch damals schon ein politisch interessierter und engagierter Mensch.

RUB Alumni: Wenn Sie an Ihre Studienzeit, die ja schon länger zurückliegt, zurückdenken, welche Geschichte ist Ihnen noch im Gedächtnis?

Bahlo: Es war ja damals eine Aufbruchsituation, in der relativ wenige Menschen sich auch als Pioniere fühlten. Als Bochumer waren wir natürlich besonders stolz drauf, dass hier in Bochum die erste Hochschule des Reviers gebaut wurde. Ein konkretes Einzelereignis kann ich jetzt aber leider nicht nennen.

RUB Alumni: Wenn Sie rückblickend auf Ihr Studium schauen, ist es möglich, es in wenige Worte zusammenzufassen?

Bahlo: Für mich war das Spannende an dem Studium hier in Bochum, dass hier ein neuer Studiengang ins Leben gerufen worden ist. Die Betriebs- und Volkswirtschaft wurden zusammenführt in das Fach Wirtschaftswissenschaft.

RUB Alumni: Wie sah das denn mit den Gebäuden zu Ihrer Studienzeit aus? Waren die schon fertig gestellt?

Bahlo: Als ich anfing zu studieren, standen zwei Gebäude! Als ich aufhörte zu studieren, war die Uni noch nicht fertig. Das Audimax ist erst 1974, glaube ich, eingeweiht worden. Während meiner gesamten Studienzeit war das eine riesige Baustelle.

RUB Alumni: Wie war das damals mit dem Geschosssystem? War es damals schon so kompliziert?

Bahlo: Das war natürlich genauso, wie es da heute steht, aber als ich anfing, hatten wir ja die Chance, mit dem System zu wachsen. Für uns gab es da keine Orientierungsprobleme. In jedem Jahr, wenn was Neues in Betrieb genommen wurde, wussten wir das ja schon aus dem alten Haus, wie es funktionierte.

RUB Alumni: Besitzen Sie noch Utensilien aus Ihrer Studentenzeit?

Bahlo: Ja, natürlich! Angefangen vom Studentenausweis bis hin zur Fachliteratur, die zwar völlig veraltet ist, von der ich mich aber nur ganz schwer trennen mag.

RUB Alumni: Gucken Sie heute noch in die alten Bücher rein?

Bahlo: Sehr gelegentlich. Beim Umräumen fällt einem ´mal ein Buch in die Hand und dann denkt man daran, unter welchen Umständen man es teuer gekauft hat. Aber der Inhalt ist in fast allen Bereichen veraltet.

RUB Alumni: Aber es gab damals schon einen Zusammenhang zwischen Ihrem Studium und Ihrer beruflichen Tätigkeit? Sie sind ja im Wirtschaftsbereich gelandet beziehungsweise geblieben.

Bahlo: Natürlich, das war auch die Absicht bei der Aufnahme meines Studiums. Ich habe mich für das Studium beurlauben lassen, weil ich wieder zurück wollte und auch zurückgegangen bin. Bevor ich das Studium begann, war ich schon zwölf Jahre bei der Sparkasse. Ans Studieren bin ich über den zweiten Bildungsweg gekommen. Ich habe erst die Ausbildung gemacht, dann das Abitur und dann angefangen zu studieren.

RUB Alumni: Wenn Sie heute Rektor der Bochumer Universität wären, was würden Sie heute initiieren, auch vor dem Hintergrund, dass es nicht viel kosten darf?

Bahlo: Das ist der Stein der Weisen, den habe ich leider auch nicht. Aber ich würde ein paar strukturelle Dinge, die eigentlich nicht unmittelbar was mit der Universität zu tun haben, sondern in der öffentlichen Verwaltung liegen, ändern. Ein so großes Haus wie die Ruhr-Universität, kann man nicht vierzig Jahre ohne Erneuerung und ausreichende Wartung vor sich hin rotten lassen. Das Ergebnis sehen sie ja jetzt. Das ist ein permanenter Prozess, da müssen sie nach kaufmännischen Regeln zehn Prozent der Ursprungsinvestition in die Erneuerungsrücklage stecken und das ist hier nicht gemacht worden; aber das ist ein Strukturproblem öffentlicher Finanzen und hat mit der Universität zwar konkret zu tun, aber ein Problem, was man anders lösen muss.

RUB Alumni: Also liegt Ihnen die Grundsanierung sehr am Herzen?

Bahlo: Ja, die Meinungen dazu sind ja auch einhellig positiv. Was im Augenblick noch offen ist und wahrscheinlich auch noch lange offen bleibt, ist die Finanzierung die sich, nach meiner Einschätzung, auf 100 Millionen Euro pro Jahr summieren wird.

RUB Alumni: Was haben Sie am meisten während Ihrer Studienzeit vermisst?

Bahlo: Ach, das ist unabhängig von der Bochumer Universität. Das hat mit den Studienbedingungen an großen Universitäten im Lande zu tun. Sie sind in den Massenfächern doch ein ziemlich isolierter Mensch. Ich kenne aber durch meine Söhne auch Fächer, wo es völlig anders zugeht, weil das Verhältnis Student / Dozent völlig anders ist. Im Fach Mineralogie gibt es beispielsweise Studienbedingungen, die haben mit den Ökonomen gar nichts zu tun.

RUB Alumni: Sie sind mit der Universität noch sehr stark verhaftet…

Bahlo: Täglich! Zum einen als Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und als Mitglied des Kuratoriums. Weil ich an vielen Dingen meine Freude habe, bin ich Herrn Jaskulsky und den Dingen die er tut, sehr verbunden. Um nur einiges zu nennen.

RUB Alumni: Könnten Sie denn Ihr Studium für Ihre Tätigkeit bei der Sparkasse einsetzen?

Bahlo: Natürlich. Die Dinge, die ich gelernt habe, konnte und wollte ich für meine berufliche Tätigkeit einsetzen.

RUB Alumni: Wenn Sie heute noch mal die Möglichkeit hätten zu studieren, welches Fach würden Sie heute belegen oder anderen Leuten empfehlen?

Bahlo: Es gibt ja von Schiller einen schönen Aufsatz „Widerspruch zwischen Pflicht und Neigung“. Es gibt ein paar Neigungsdinge, die ich gerne tun würde, die aber unter ökonomischen Gesichtspunkten mir damals nicht sinnvoll erschienen. Ich würde mich gerne der Kunstgeschichte ein bisschen mehr verpflichten, als ich das bisher getan habe und da dann, ohne jeden Leistungsdruck, versuchen zu studieren.

RUB Alumni: Würden Sie das auch wieder in Bochum machen oder würden Sie in einer anderen Stadt studieren?

Bahlo: Ich kann es mir im Augenblick nicht vorstellen, woanders zu studieren. So genau wie ich über Bochum bescheid weiß, kann ich über andere Hochschulen gar keine Aussagen machen. Da ich vielerlei Kontakte an der Bochumer Uni habe, würde ich es wohl in Bochum machen. Ich hätte auch keinen Grund von Bochum abzuraten!

RUB Alumni: Was würden sie heutigen Studierenden gerne mit auf dem Weg geben, aus Ihrer jetzigen Sicht?

Bahlo: Ich würde mir ein bisschen mehr persönliches Engagement für die Belange der Hochschule wünschen. Ich habe alle Höhen und Tiefen mitgemacht und das Desinteresse, das mir heute an vielen Ecken entgegen kommt, das kann mir nicht gefallen. Man sollte sich für die Belange der Hochschule engagieren - sei es über Fachschaften oder Asta - und mitarbeiten, um die Dinge voranzubringen, im Sinne von verbessern. Ich würde mir auch wünschen, dass man sich mit der Gesellschaft der Freunde mehr identifiziert. Die Gesellschaft dient der Universität und sie ist auch ein Instrument, die Universität insgesamt menschlicher und farbiger zu machen und sich am Ende auch der Universität als Institution menschlich zu nähern und auch weiter zu unterstützen. Das ist eine ehrenvolle Aufgabe, die nicht mal sehr teuer ist.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.

RUB Alumni-Verzeichnis

eintragen und Mitglied werden