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Über den Tellerrand hinaus … zur Unternehmensgründung schon im Studium

Henning F. Mettge und Niki Slawinski, Gesellschafter der Agentur für Kommunikation „Steuerung B GmbH“

Henning F. MettgeNiki Slawinski
Henning F. Mettge studierte von 1998 bis 2005 Germanistik, Wirtschaftswissenschaft und Sozialpsychologie an der RUB. Sein Kompagnon Niki Slawinski studierte ebenfalls an der Ruhr-Universität: von 1999 bis 2006 Publizistik, Germanistik und Wirtschaftswissenschaft. Schon während ihres Studiums gründeten die beiden ihre Agentur für Kommunikation "Steuerung B", deren Geschäftsführende Gesellschafter sie heute sind.

(März 2009)


RUB Alumni: Warum hatten Sie Bochum als Studienort gewählt?

Niki Slawinski: Ich wollte Publizistik studieren und da habe ich erst einmal geschaut wo in Deutschland dieses Fach angeboten wird. Die Universitäten Münster, Berlin und Bochum habe ich mir angesehen – München kam für mich von vorne herein nicht in Frage. Vor Ort habe ich mich mit Professoren und Leuten aus den Fachschaften unterhalten.
Bochum fand ich dann tatsächlich am besten und schönsten. In Münster und Berlin hätte man immer noch zwischen einzelnen Veranstaltungen mit dem Bus die Seminarorte wechseln müssen. Das war nicht das, wo ich hinwollte.
Bei der Einschreibung habe ich dann so einen Stand „Reformmodell“ gesehen. Und weil ich gerade Zeit hatte, habe ich mich an diesem Stand informiert: Die bessere Studienbetreuung erschien mir verlockend und so entschied ich mich also für ein Bachelor-Studium.

RUB Alumni: Und wie haben Sie beide sich während Ihres Studiums an der RUB kennen gelernt?

Henning F. Mettge: So wie es häufig an der Uni ist. Das schöne am Studium ist ja das studentische „Du“. Das, was man in der Berufswelt heute „Networking“ nennt, das ist an der Uni eigentlich schon gegeben, denn jeder Student ist ein potenzieller „Kontakt ersten Grades“. Ich hatte keine besondere Hemmschwelle, Leute anzusprechen oder zu fragen. Wir besuchten also beide den Kurs „Fachlexikographie“; Niki hatte im Seminarraum, bevor der Kurs anfing, ein HTML-Buch vor sich liegen. Zu dieser Zeit interessierte ich mich auch sehr für dieses Thema und hatte gerade meine erste Internet-Seite erstellt. So kamen wir dann ins Gespräch und das ist dann auch relativ schnell gewachsen.

Niki Slawinski: Im Bachelor-Reformmodell gab es den sogenannten „Optionalbereich“, der war für mich sehr wichtig. Da konnte man Kurse außerhalb der eigentlichen Studienrichtung absolvieren. Ich hatte mich damals für einen dreistündigen HTML-Crashkurs entschieden. Das war wahrscheinlich eine der prägendsten Sachen, die ich je in der Uni gemacht habe. Es waren zwar nur drei Stunden, aber ich konnte danach über FTP HTML-Seiten hochladen und einen kleinen gif-animierten Hund über die Seite laufen lassen und „Herzlich Willkommen“ auf meine Homepage schreiben. Das Rechenzentrum der RUB bot damals einen sehr guten Service, man konnte dort recht preisgünstig Fachliteratur und Softwarepakete kaufen. Dementsprechend haben wir uns dort Literatur gekauft und uns immer weiter mit HTML beschäftigt.

Henning F. Mettge: Das hat dann letztendlich auch zu unseren Berufen geführt. Nachdem ich Niki kennengelernt hatte, sind wir eine ganze Weile parallel nebeneinander hergegangen, er hatte seine Homepage, ich hatte meine Homepage. Ich merkte schnell, dass er in dieser Hinsicht ein guter Sparringspartner war, so entstand dann die Idee, mal etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. Und in dem Moment, in dem wir ein Team gebildet hatten, haben wir zwei verschiedene Wege oder Richtungen des gleichen Fachgebietes eingeschlagen: Bei mir war das so, dass eine Kommilitonin mich auf Computerlinguistik aufmerksam gemacht hatte. Ich fand das sehr interessant und sie verwies mich dann auf Prof. Tibor Kiss. Ich ging dann zu Herrn Kiss und fragte ihn, ob ich nicht mal ein paar Seminare bei ihm mitmachen könnte. Er fand das erst einmal recht seltsam, stimmte aber dann doch zu. Dann habe ich bei ihm zwei Sitzungen mitgemacht und bin danach sofort losgezogen und habe mir in mein Studienbuch noch das Fach Computerlinguistik eintragen lassen. Das habe ich zwei Jahre auch sehr ernsthaft studiert, bis es dann zu viel wurde. Schließlich kam zusätzlich zum Studium dann noch die Existenzgründung dazu. Da habe ich dann ganz pragmatisch geschaut, in welchen Nebenfächern ich am Weitesten war und was ich auch tatsächlich und heute noch abschließen konnte. Also gab ich Computerlinguistik wieder auf. Ich habe aber Scheine aus diesem Fachgebiet, worauf ich auch stolz bin. Diese zwei Jahre haben mir unheimlich viel gebracht, denn damals habe ich Programmieren gelernt.

RUB Alumni: Sie haben sich also während Ihres Studiums die Themen zusammengesucht, die Sie heute brauchen …

Niki Slawinski: Wir haben uns auf dem ganzen Campus die Rosinen rausgepickt, die für uns wichtig waren und dazu gehörten dann auch mal fachfremde Vorlesungen oder Veranstaltungen vom damaligen Gründerbüro Ruhr. Bei Henning ging es mehr in den Bereich der Technik und des Programmierens, bei mir eher in den Bereich Redaktion, Konzeption und PR, Marketing. Privat habe ich mich weiterhin damit beschäftigt meine eigene Internetseite aufzubauen.

RUB Alumni: Welche Inhalte konnte man denn auf Ihrer Seite finden?

Niki Slawinski: Damals ging es eher darum, überhaupt etwas online zu veröffentlichen – nicht darum, ob es für andere Menschen wirklich sinnvoll sein kann. Als Privatmensch lieferte man einfach ein paar Reiseerlebnisse, ein paar Cartoons. Das war so in dieser Zeit.
Erst nach zwei Jahren des Ausprobierens haben wir uns die Frage gestellt, was denn inhaltlich sinnvoll sein könnte. Das war dann eine ganz andere Herangehensweise, bei der wir die Bereiche Konzeption und Technik zusammenführten.

RUB Alumni: Ist denn diese Rollenaufteilung unter Ihnen auch heute bei „Steuerung B“ so geblieben?

Niki Slawinski: Als meinen Bereich würde ich eher Online-Marketing und Kommunikationsstrategien bezeichnen. An der Konzeption sind wir beide eigentlich beteiligt: Henning ist schwerpunktmäßig mit der technischen Konzeption betraut, ich hingegen bearbeite hauptsächlich den Bereich der inhaltlichen Konzeption. Henning ist gut im Aufbau von Strukturen. Letztendlich überschneiden sich unsere Kompetenzen auch, denn viele Aufgabenbereiche könnten wir beide bearbeiten.

RUB Alumni: Ich würde gerne noch einmal auf Ihre Zeit an der Ruhr-Universität zurückkommen. Gab es denn Umstände im Studien-Betrieb, die Sie im Nachhinein als verbesserungswürdig betrachtet haben?

Henning F. Mettge: Ich fand die ersten Wochen an der Uni sehr schwierig. In den Gebäuden habe ich mich sehr oft verlaufen. Wenn man tiefer als auf Ebene 02 fuhr, war es schon sehr verwinkelt. Damals dachte ich, dass ich da nie wieder raus komme.
Internetgestütztes Lernen gab es damals nur wenig, ein positives Beispiel war die Computerlinguistik, in der man schon 2002 so weit war, dass die Klausuren online am Rechner absolviert wurden. Ich weiß aber, dass sich das mittlerweile schon verbessert hat (Anm. d. Red.: eLearning-Homepage der RUB).

Niki Slawinski: Ich muss sagen, bei mir war es perfekt. Und zwar, weil ich in diesem Reformmodell drin war, dort gab es viele Betreuer für wenige Studenten. Mit Öffnungszeiten von 10 Uhr bis 16 Uhr jeden Tag, so etwas kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Man konnte zu einem Betreuer hingehen, und der konnte zu jedem Fach Auskunft erteilen. Dank dieser zentralen Beratungsstelle habe ich unglaublich viel Zeit gespart.
Heute ist ja das Bachelor- und Master-Modell auf alle Studierenden ausgeweitet worden, und die Anzahl der Betreuer ist nicht gestiegen, vermutlich eher sogar gesunken.
Was allerdings im Vergleich zu damals besser geworden ist, ist das ausgeweitete Angebot der interdisziplinären Veranstaltungen im Optionalbereich. Man kann noch mehr über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Für mich war mein Studium eine sehr gute Zeit.

RUB Alumni: Gab es für Sie dabei besonders prägende Ereignisse?

Niki Slawinski: Es gab so viele tolle Erlebnisse an der Uni. Besonders prägend waren diese ganzen berühmten Leute, die in Publizistik immer irgendwelche Vorträge gehalten haben, z. B. Wolfgang Clement oder Peter Scholl-Latour. Das waren die Sahnehäubchen auf dem Studium. Ich erinnere mich, dass damals auch Jürgen Möllemann einen Vortrag halten sollte. Und der kam dann überraschend nicht, weil er eine Woche vor diesem Termin Flugblätter versandt hatte, in denen er gegen Michel Friedman propagierte. Da waren wir recht nahe am bundesdeutschen Politikgeschehen.

RUB Alumni: Wurde dieser Vorfall im Rahmen des Publizistik-Studiums denn weiter thematisiert?

Niki Slawinski: Ja, das war damals auf jeden Fall ein Thema.

RUB Alumni: Und gab es zum Ende Ihres Studiums eine akademische Abschlussfeier Ihrer Fakultäten?

Niki Slawinski: Ja, ich hatte noch das Glück als einer der Letzten eine Bachelor-Feier mit blauen Talaren zu haben. Das fand ich damals ganz witzig. Ich hatte zwar keine besondere Vorfreude auf die Feier entwickelt, aber dann war es schon ein tolles Gefühl, im Audimax zu sitzen und in einem schönen Rahmen an einer recht persönlichen Abschlussfeier teilzunehmen.

Henning F. Mettge: Bei mir gab es eine normale Abschlussveranstaltung, im gediegenen Rahmen in einem Hörsaal. Für mich war das natürlich das Erreichen eines Zieles, denn ab einem gewissen Punkt wollte ich mich eigentlich nur noch auf die Existenzgründung konzentrieren. Ich war wirklich froh, sagen zu können, dass ich es geschafft hatte, weil ich mich gedanklich schon einige Monate oder sogar Jahre zuvor auf etwas ganz anderes konzentriert hatte.

Niki Slawinski: Durch die Gründung der Agentur 2003 hat sich unser Studium über die Jahre hingezogen. Durch den Vollzeitjob, den wir nebenbei noch hatten, waren wir beide nur noch froh, als es endlich vorbei war.

Henning F. Mettge: Wir mussten am Schluss beide ganz schön die Zähne zusammenbeißen, trotzdem haben wir es genossen an der RUB zu studieren. Außerdem war es die Basis für unsere heutige berufliche Gegenwart.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.

(März 2009)

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