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Auf einer eindrucksvollen Graduierungsfeier im Beisein des stellvertretenden afghanischen Ministers für Hochschulbildung, Prof. Mohammed Saber Kheshkai, NRW-Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart sowie zahlreichen Gästen sind heute in der UB den ersten 17 afghanischen Hochschullehrern die Urkunden für den erfolgreichen Masterabschluss in „Management and Economics“ überreicht worden. Minister Pinkwart betonte ein seiner Gratulation, dass solche Bildungsprogramme dazu beitragen können, die afghanische Gesellschaft zu stabilisieren: „Möge das hier erworbene Wissen helfen, Frieden in Afghanistan zu befördern.“ Rektor Prof. Elmar Weiler erinnerte in seiner Begrüßung, dass die internationale Gemeinschaft der Universitäten die einzige Institution in der Welt sei, die ohne Ansehen von Nationalität, Ethnizität, kulturellem oder religiösem Hintergrund ein allgemeines Ziel verfolge: Wissen und Bildung zum Wohl der gesamten Menschheit zu vervollkommnen.
Der akademische Wiederaufbau Afghanistans erreicht damit einen Meilenstein. Das englischsprachige Masterprogramm ist speziell auf die Bedürfnisse Afghanistans zugeschnitten und qualifiziert Hochschullehrer der dortigen Wirtschaftsfakultäten. An ihren Heimatuniversitäten werden die Absolventen ein Bachelor-Curriculum in Wirtschaftswissenschaften etablieren, das ebenfalls mit Unterstützung der RUB entwickelt wurde. Die Ruhr-Universität ist der wichtigste Partner des von Taliban-Regime und Krieg zerstörten Landes, um die Hochschulausbildung in Wirtschaftswissenschaften wieder auf- und auszubauen.
Türme des Wissens an 11.000 Schulen
Anlässlich der Graduierungsfeier wurde die Ausstellung „Türme des Wissens“ in der UB eröffnet. Sie ist bis zum 10. Mai zu sehen. An fünf Stationen – Türmen – umfasst sie den Zeitraum von der Staatsgründung Afghanistans 1748 bis in die 1970er-Jahre. Ziel ist, die nationale Identität des Landes zu stärken und zugleich die traditionelle Freundschaft zum deutschen Sprachraum zu festigen. Durch die Wirren der vergangenen 30 Jahre, Zerstörungen, Plünderungen und Flucht ins Exil ging insbesondere bei der jungen Generation der afghanischen Bevölkerung das Wissen um die Geschichte und die Entwicklung ihres Landes weitgehend verloren. Anderseits zeigen die zahlreichen historischen Publikationen, die in den letzten Jahren erschienen sind, und die Faszination, die von alten Fotos ausgeht, dass ein breites Interesse an Kenntnissen über die nationale Identität besteht. Die transportable Ausstellung mit Bilddokumenten über die Entwicklung Afghanistans soll langfristig in afghanischen Bildungseinrichtungen gezeigt werden, darunter an allen 11.000 Schulen des Landes.
Erster Höhepunkt der Kooperation
Die Ausstellung und insbesondere die Graduierungsfeier sind die bisherigen Höhepunkte der Partnerschaft zwischen der RUB und den Wirtschaftsfakultäten in Kabul, Balkh, Herat, Nangarhar, Bamiyan, Kandahar, Khost und Faryab. Der speziell auf die Bedürfnisse Afghanistans zugeschnittene, englischsprachige Masterstudiengang „Management and Economics“ dient der Weiterqualifizierung von Hochschullehrern. Die 17 jetzt an der RUB graduierten Hochschullehrer aus Balkh, Herat, Kabul und Nangarhar haben vor ihrem Masterstudium bereits eine Bachelor-Fortbildung an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der RUB absolviert. An ihren Heimatuniversitäten bringen sie zukünftig ein ebenfalls mit Unterstützung der RUB entwickeltes, international ausgerichtetes Bachelor-Curriculum in Wirtschaftswissenschaften voran. Das Masterprogramm wurde von 2007 bis 2010 vom Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik (IEE) und der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der RUB implementiert und aus Mitteln der Weltbank finanziert.
Bachelor-Ausbildung seit 2002
Die im Jahr 2002 begonnene Bachelor-Fortbildung in Bochum bringt die Teilnehmer auf den neuesten Stand und erhöht ihre Lehrfähigkeit. Die Ausbildung gliedert sich in zwei jeweils sechsmonatige Unterrichtsphasen. Bis Ende 2010 wird die RUB mit finanzieller Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) 70 junge afghanische Wirtschaftsdozenten auf dem Bachelor-Niveau ausgebildet haben. Lehrmaterialien in Englisch wurden bereitgestellt und in die Landessprache Dari übersetzt. Gefördert vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium (MIWFT) konzentriert sich das Engagement der RUB seit 2009 verstärkt auf die neugegründeten Wirtschaftsfakultäten der Paschtu-sprachigen Universitäten in Kandahar, Khost und Nangarhar.
Pläne für die Zukunft
n diesem Jahr nehmen weitere 26 Hochschullehrer in Bochum am Bachelor-Training teil. Die Übersetzung der Lehrmaterialien in Paschtu und die Veröffentlichung eines viersprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Fachlexikons ist in Vorbereitung. Mit Mitteln des „Science for Peace and Security“-Programmes der NATO wird die Ruhr-Universität ihren Partneruniversitäten zukünftig auch eine internetbasierte Lernplattform zur Verfügung stellen. Auch eine Fortführung des Masterprogramms für die in Bochum ausgebildeten Dozenten ist geplant. Eine Gruppe von 25 afghanischen Hochschullehrern hat sich bereits für den direkten Einstieg in das Master-Programm qualifiziert. Die besten Masterabsolventen sollen später an der Ruhr-Universität promovieren. Langfristiges Ziel der Kooperation der Ruhr-Universität mit Afghanistan ist die Einführung eines einheitlichen wirtschaftswissenschaftlichen Master-Curriculums an allen Partnerfakultäten.
Dr. Josef König / Jens Wylkop
Fotos: Marion Nelle
Weitere Informationen:
Presseinformation des NRW-Innovationsministeriums »
Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik »
Ausstellung "Türme des Wissens" »
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