RUB-Juristen eröffnen ihr Gerichtslabor
mit einem Showprozess
Ist es nun „die Melodie des Lebens“,
wenn die Hähne krähen, wie es Geflügelzüchter
Sebastian Kral blumig rühmt, oder nervt es einfach und
behindert Forschung und Lehre der Juristischen Fakultät?
Diese Frage bewegte am 8. Dezember die Gemüter. Mit einem
Showprozess mit allerhand Prominenz wurde feierlich das Gerichtslabor
der Juristischen Fakultät eingeweiht, das unter anderem
mit Studienbeiträgen finanziert wurde.
Von
der Tauglichkeit des landesweit einmaligen Raums, der den
Standards führender US Law Schools entspricht, konnte
sich das große Publikum bei der Eröffnung gleich
ein Bild machen. Dr. Volker Brüggemann, der Präsident
des Bochumer Landgerichts, hatte als Vorsitzender Richter
die schwierige Aufgabe, zwischen den „Streithähnen“
zu vermitteln. Auf der einen Seite die RUB, vertreten durch
Jura-Dekan Prof. Martin Burgi, auf der anderen Seite Sebastian
Kral, Züchter des Bergischen Schlotterkamms (auch im
echten Leben, daneben bei der Juristischen Fakultät beschäftigt
und Koordinator des Umbaus zum Gerichtslabor), mit seinem
Anwalt Jürgen Widder, dem Vorsitzenden des Bochumer Anwaltvereins.
Die Fronten waren bereits verhärtet – ein Vergleichsangebot
in Gestalt von Eiern und frischen Hähnchenschenkeln wurde
vom Kläger rigoros zurückgewiesen.
Mitleiderregend waren die Schilderungen von Zeugen, deren
nächtelanges Ringen im Dienste der Wissenschaft mit einem
Hahnenschrei im Morgengrauen zunichte gemacht wurde. Erhellend
die Ausführung des Geflügelsachverständigen,
verkörpert von Prof. Gereon Wolters, wie viele „Krähpakete“
im Durchschnitt täglich zu erwarten sind, wenn sich die
Anzahl der Hähne im Laufe der Saison auf die 50 zu bewegt
… Wenig krähfreudig zeigte sich der verschüchterte
Schlotterkamm in seinem Käfig, der außer Scharren
und kleinem Gemurmel wenig von sich gab, aber trotzdem unumstritten
der Star des Abends war. Zum guten Schluss einigte man sich
auf schalldichte Behausungen und die Dezimierung der Gockel.
Ein Jahr hat die Planung und Renovierung des Gerichtslabors
gedauert. Dafür ist aus dem ehemals düsteren Seminarraum
im Gebäude GC, Ebene 03, jetzt ein schmucker Gerichtssaal
geworden, mit einer auf einem Podest stehenden Richterbank,
seitlichen Bänken für Anwälte, Angeklagte,
Kläger, Beklagte und andere Verfahrensbeteiligte, einem
Sitzplatz in der Mitte für Vernehmungen und 44 Zuschauerplätzen.
Alle 13 Plätze für Verfahrensbeteiligte verfügen
über Konferenzmikrofone, und vier parallel aufzeichnende
Videokameras erlauben es, das Verhalten aller an einem Verfahren
beteiligten Personen später detailliert zu analysieren.
Um den „Look“ und vor allem auch das Gefühl
der Beteiligten perfekt zu machen, wurden außerdem Diktiergeräte,
Roben und viele weitere Accessoires angeschafft, die im Gerichtssaal
nicht fehlen dürfen.
Genau diese authentische Atmosphäre ist es, auf die
es ankommt. Wie im echten Leben sollen Jura-Studierende hier
Verhandlungen aller Art üben und sich so auf ihre künftige
Rolle im Beruf vorbereiten. Ein didaktisches Konzept für
die Nutzung des Raums entsteht. „Alle müssen rein,
jeder muss was sagen“, umriss es Prof. Peter A. Windel.
Wer die erste „Gerichtsshow“ noch mal ansehen
möchte, findet demnächst ein podcast unter http://www.rub.de/jura
md/Fotos: Marion Nelle
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