Das Hexapod-Teleskop (HPT), das seit Mai 1999 im Botanischen Garten der RUB stand und hier als Bestandteil der EXPO 2000 zu bewundern war, ist in seiner neuen Heimat angekommen: Nach einjähriger Reise- und Bauzeit steht es jetzt in Chile auf dem Cerro Armazones in der Atacamawüste. Ende September wurde es feierlich eingeweiht, in Anwesenheit von RUB-Rektor Prof. Dr. Gerhard Wagner, dem Dekan für Physik und Astronomie Prof. Werner Meyer, dem deutschen Botschafter in Chile Dr. Peter Scholz und dem deutschen Konsul in Antofagasta Hans Schäfer. Wenn die letzten Feinarbeiten erledigt sind, werden die RUB-Astronomen um Prof. Dr. Rolf Chini junge Sterne und Quasare (Quasi-Stellare Objekte) beobachten. Dieses Projekt wird mit 184.000 Euro pro Jahr über eine Laufzeit von 15 Jahren von der Akademie der Wissenschaften des Landes NRW gefördert. Die Kosten für den Umzug des Hexapod-Teleskops trug das Wissenschaftsministerium NRW (MWF).
Erstmals genug Beobachtungszeit mit dem HPT
Im Fokus der Beobachtungen stehen junge Sterne und Quasare: Beide Objektklassen sind von Scheiben umgeben, aus denen Materie auf das Zentralobjekt (Stern bzw. Quasar) fließt. Immer wenn größere Mengen Gas auftreffen, wird das Objekt heller. Über die genauen Prozesse und zeitlichen Variationen bei Sternen und Quasaren weiß man allerdings noch sehr wenig: "Man muss lange und ununterbrochen messen, bekommt aber an den großen, internationalen Teleskopen nur wenige Stunden Messzeit pro Jahr", so Chini. Hier wird das HPT eine Nische füllen, da es das ganze Jahr hindurch für Variabilitätsuntersuchungen zur Verfügung steht. Anhand der beobachteten Intensitätsvariationen können die Astronomen dann Rückschlüsse auf die physikalischen Prozesse ziehen, die den Veränderungen von jungen Sternen und Quasaren zugrunde liegen.
Innovatives Teleskop folgt Sternen trotz Erddrehung
Das Hexapod-Teleskop war als Prototyp für ein innovatives Teleskopkonzept in den 1980-er Jahren geplant und durch eine Förderung des Wirtschaftsministeriums NRW durch die Krupp Industrietechnik in den 90er-Jahren fertig gestellt worden. In den letzten fünf Jahren haben Mitarbeiter des Astronomischen Instituts der RUB dann Hand angelegt: Neue, im ersten Konzept nicht vorgesehene Komponenten mussten entwickelt und konstruiert werden, veraltete Teile wurden durch moderne ersetzt. "Stellvertretend sei nur der originale Steuerungsrechner erwähnt - ein 286-er PC, auf dem heute nicht einmal mehr das neueste Windows-Betriebssystem laufen würde, geschweige denn ein solch komplexes Teleskop gesteuert werden könnte", erzählt Prof. Chini. Inzwischen läuft das HPT mit der modernsten Teleskopsoftware der Welt, die die Europäische Südsternwarte (ESO) für ihr Zukunftsprojekt ALMA entwickelt hat und die beim HPT erstmals angewandt wird. Eng verbunden damit ist die sog. "Nachführung", d.h. die ständige Bewegung, die ein Teleskop während der Messung ausführen muss, um die Drehung der Erde auszugleichen. Hierzu wurde ein System entwickelt, dass es erlaubt, einem einmal zentrierten Stern beliebig lange automatisch zu folgen.
Flexibler dünner Spiegel
Eine weitere Besonderheit des HPT ist sein aktiver Spiegel von 1,5 m Durchmesser. Er ist mit 50 mm so dünn, dass er von sich aus seine hochpräzise Form nicht halten könnte und daher auf 36 rechnergesteuerten Unterstützungspunkten gelagert ist. "Diese Flexibilität erlaubt es uns, den Spiegel bei jeder Teleskopposition soweit zu verbiegen, dass er immer die optimale Form beibehält", erläutert Chini. Auch diese Optimierung muss ständig durch ein optisch-elektronisches System kontrolliert werden, das am Astronomischen Institut mit Hilfe der ESO geplant und in der Fakultätswerkstatt gebaut wurde.
Ein robotischer Helfer für das HPT
Zusammen mit dem HPT wurde auch ein kleineres robotisches Teleskop mit einer großen CCD-Kamera in Betrieb genommen. Mit seinem riesigen Bildfeld überwacht es Nacht für Nacht den Himmel, um die spektakulärsten Variabilitätsereignisse für das HPT aufzuspüren. Dieser Helfer kann über das Internet von Bochum aus bedient werden und führt damit auch jüngere Studenten schon früh an die Arbeit mit einem Teleskop heran.
Bester Spektrograph der Welt
Als Empfänger für das HPT ist neben einer CCD-Kamera ein Spektrograph vorgesehen. "Nach dem Vorbild eines Instruments der ESO haben wir zusammen mit der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl einen der besten Spektrographen weltweit gebaut", schwärmt Chini. "Die Heidelberger Kollegen haben ein solches Gerät bereits für die ESO entwickelt und standen uns mit Rat und Tat zur Seite." Die Mittel für dieses Projekt in Höhe von 600.000 Euro wurden durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung bereitgestellt. Die beiden Stellen, die von der Akademie der Wissenschaften NRW finanziert werden, erlauben für 15 Jahre einen gesicherten Forschungsbetrieb mit dem Teleskop.
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