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Diskussionsrunde, v.li.: Martin Blessing, Oliver Bierhoff, Stephan Paul, Erwin Staudt, Joachim Strunk |
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Rainer Esser, Geschäftsführer der ZEIT |
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Prof. Dr. Stephan Paul, ikf |
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Erwin Staudt, Präsident Vfb Stuttgart |
Wie im Fußball, so im Banking: Leistungssteigerungen sind für deutsche Banken nur mit einem modernen Spielsystem möglich. Insbesondere mehr Flexibilität ist gefragt, um die Kreativitätspotenziale der Spieler – der Bankmitarbeiter – abzurufen. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Branchenstudie, die Prof. Dr. Stephan Paul vom Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft der RUB (ikf) am 23.3. auf dem 5. Finanzmarktforum in Bochum vorgestellt hat.
Veranstaltet vom Bochumer ikf und der Wochenzeitung „Die Zeit“, diskutierte die Spitze der deutschen Kreditwirtschaft mit der des Fußballs. Zu Gast waren Oliver Bierhoff, der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft, Erwin Staudt, Präsident des VfB Stuttgart, sowie Martin Blessing, Vorstandsmitglied der Commerzbank AG, und Joachim Strunk, Pressesprecher und WM-Koordinator der Postbank AG.
Was können Banker vom Fußball lernen? Unter dieser Leitfrage diskutierten die Teilnehmer vor allem, woran es der deutschen Finanzwirtschaft (noch) fehlt: Teamspirit und Teambuilding. „Der Weltfußball ist heute auf einer Stufe, auf der viele Unternehmen gern wären“, sagte VfB-Präsident Staudt: „Er ist ein global player, eine globale Marke.“
Einig waren sich die Experten darüber, dass Banking wie Fußball „Mannschaftssportarten“ sind. „Man gewinnt nur als Team“, sagte Martin Blessing und bezog diese Devise auf alle Positionen eines Unternehmens, auch auf den Vorstand.
Erwin Staudt warf den deutschen Führungskräften indes Versäumnisse vor: „Sie arbeiten viel zu wenig am Teambuilding und könnten sich hier einiges vom Fußball abschauen – das ist, zum Beispiel für den Trainer, harte Führungsarbeit, Tag für Tag. Die Vorstände deutscher Banken stehlen sich viel zu oft aus dieser Verantwortung“, so Staudt.
Dem Teammanager der deutschen Mannschaft mangelt es im Bankensektor zudem an Individualität: „Die Kreditinstitute sollten spezieller auf die Kunden eingehen, statt sie zu rastern und in Schablonen zu pressen“, so der ehemalige Nationalspieler und studierte Betriebswirt.
Eine zentrale Frage des Finanzmarktforums war: Steht und fällt die Motivation der Mitarbeiter allein mit dem Gehalt? Die Studie des Bochumer ikf widerlegt dies, zeigten sich doch die befragten Banker im Schnitt zufrieden mit ihrer Bezahlung, nicht aber mit der Innovationsbereitschaft der Bankleitungen und auch nicht mit den vorhandenen Anreizen, selbst mehr Kreativität mit einzubringen. Oliver Bierhoff zog die Parallele zum Fußball: „Wenn man auf den Platz geht, denkt man nicht ans Geld – dazu hat man keine Zeit.“
Zahlreiche Analogien zwischen Fußball und Banking offenbarte das Bochumer Finanzmarktforum: Ganz gleich, ob beide unter „Innovationsblockaden“ leiden, zum Beispiel weil Änderungen schlecht oder gar nicht kommuniziert wurden (Bierhoff), oder ob Leistungsträger in Bundesligavereinen heute so viel verdienen wie der Vorstand eines DAX-Unternehmens – „das ist den jungen Leuten nur nicht klar“ (Staudt), das Thema Fußball und Banking werde uns auch nach der WM noch beschäftigen, resümierte Prof. Paul. Zum Abschluss der Diskussion entwarf Joachim Strunk eine Vision für die Zukunft: „Die Menschen waren früher Antragsteller, heute sehen wir sie als Kunden, vielleicht werden sie ja irgendwann wie im Fußball zu unseren Fans.“
Eine Zusammenfassung der Studie des ikf finden Sie hier:
http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2006/msg00106.htm
Bericht: Jens Wylkop
Fotos: Christian Busche |