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PCB an der Ruhr-Universität
Ausführliche Information
statt "Panikmache" |
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PCB
an der RUB: Probemessungen in 140 Räumen auf dem
Campus |
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Die Messergebnisse der Hörsäle liegen voraussichtlich
in dieser Woche vor. |
Halbzeit bei den PCB-Messungen an der RUB, die sich noch bis
in den November hinziehen werden. In dieser Woche liegen voraussichtlich
auch die ersten Werte der Hörsäle vor. Dem Vorwurf
des AStA, über die Untersuchungen nicht informiert worden
zu sein, widerspricht die Uni-Leitung: Die ersten Messergebnisse
erhielt der AStA im Juni diesen Jahres.
Aus aktuellem Anlass lesen Sie hier eine Vorveröffentlichung
aus der nächsten RUBENS (3.11.), die sich auf einer ganzen
Seite mit dem Thema PCB auseinandersetzt.
Experte:
Interview mit Prof. Uwe Ewers,
Hygiene-Institut Gelsenkirchen
Hintergrund:
PCB an der RUB
Aktuell:
Messwerte an der RUB und Informationen des AStA
Wissen:
Was ist PCB?
Interview: Rückgang der
Belastung
Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) hat das in Gelsenkirchen
ansässige Hygiene-Institut des Ruhrgebiets mit den PCB-Messungen
und Auswertungen beauftragt. Arne Dessaul unterhielt sich mit
Prof. Uwe Ewers, der im Hygiene-Institut den Bereich Umweltmedizin
und Umwelttoxikologie leitet.
RUBENS: Herr Professor Ewers, wie beurteilen Sie die
Gesundheitsgefährdung durch PCB?
Prof. Ewers: Für die Beurteilung
bedeutsam ist die Feststellung, dass PCB hauptsächlich
über die Nahrung aufgenommen werden (mehr als 95 Prozent
der Gesamtmenge) und dass die nahrungsbedingte PCB-Zufuhr seit
zehn bis 15 Jahren deutlich rückläufig ist: als Folge
des PCB-Verbots Anfang der 80er-Jahre. Die Verminderung der
Belastung der Allgemeinbevölkerung zeigt sich u.a. im Rückgang
der PCB-Konzentrationen in Humanblutproben und in Muttermilchproben
von stillenden Frauen. Die Aufnahme von PCB über die Atemluft
macht in Relation zur nahrungsbedingten PCB-Aufnahme nur einen
sehr geringen Anteil aus. Dieser Anteil kann bei PCB-Raumluftkonzentrationen
von 1.000 Nanogramm pro Kubikmeter und einem Aufenthalt von
etwa sechs Stunden pro Tag mit zirka fünf Prozent geschätzt
werden.
RUBENS: Halten Sie die in den PCB-Richlinien des Landes
NRW vorgegebenen Werte (Vorsorgewert, Interventionswert) für
sinnvoll?
Prof. Ewers: Die Richtwerte sind
aus meiner Sicht sinnvoll und praktikabel. Sie enthalten ein
ausreichendes Maß an Sicherheit und sind streng genommen
als Vorsorgewerte einzustufen.
RUBENS: Sind Ihnen Menschen bekannt, die nachweislich
durch Aufenthalt in PCB-belasteten Räumen hervorgerufene
Gesundheitsschädigungen erlitten haben?
Prof. Ewers: Nein.
RUBENS: An unserer Uni sind zurzeit vor allem Schwangere
aufgrund der Messungen unsicher, ob sie sich noch in Laboren,
Büros oder Hörsälen aufhalten sollen - können
Sie ihnen mit einem Ratschlag weiterhelfen?
Prof. Ewers: Bei PCB-belasteten Räumen
ist generell zu empfehlen: verstärktes Lüften und
Entfernung von Altstaubablagerungen. Die Messungen werden in
der Regel unter ungünstigen Bedingungen (nicht gelüftete
Räume) durchgeführt. Daraus resultieren die zum Teil
hohen Werte. Durch regelmäßiges Lüften können
die PCB-Konzentrationen in der Raumluft deutlich abgesenkt werden.
Bei Schwangeren sind zum Schutz des Kindes verschiedene Vorsorgemaßnahmen
angezeigt (möglichst keine Medikamente, Verzicht auf Alkohol-
und Tabakkonsum). Eine besondere Gefährdung durch PCB-haltige
Raumluft besteht nicht, wenn man bedenkt, dass PCB - wie bereits
gesagt - nur zu einem geringen Teil über die Atemluft aufgenommen
werden. In Relation zu den Schwankungen der nahrungsbedingten
PCB-Belastung ist dieser Anteil vernachlässigbar gering.
Die Zusatzbelastung über die Atemluft sollte natürlich
dennoch möglichst gering gehalten werden. Ich sehe aber
keine Probleme und Gefahren, wenn schwangere Frauen in Räumen
arbeiten, die PCB-Raumluftkonzentrationen bis zu 900 Nanogramm
pro Kubikmeter aufweisen. Dieser Grenzwert wird in Baden-Württemberg
als Beurteilungswert hinsichtlich der Beschäftigung von
schwangeren Frauen in PCB-belasteten Gebäuden angewandt.
PCB an der RUB: Probemessungen
in 140 Räumen auf dem Campus
Abgestaubt
Beim Bau der RUB wurden - wie bei vielen in den 1960er- und
70er-Jahren errichteten Gebäuden - PCB-haltige Baustoffe
(z. B. Verfugungsmaterial) eingesetzt. PCB (Polychlorierte Biphenyle,
s. Kasten) gelten in bestimmten Konzentrationen als gesundheitsgefährdend:
ab 3.000 Nanogramm pro Kubikmeter (Interventionswert). Bei Werten
zwischen 300 und 3.000 Nanogramm (Vorsorgewert) befürchten
Experten eine Gefährdung für Schwangere bzw. das ungeborene
Leben (bei Dauerbelastung von 24 Stunden nach der PCB-Richtlinie);
laut Mutterschutz dürfen Schwangere nicht in derart belasteten
Räumen arbeiten. Nur Werte unter 300 Nanogramm gelten als
unbedenklich.
Wie es an der RUB genau aussieht, ermittelt seit Februar das
Hygiene-Institut Gelsenkirchen. Es misst die PCB-Konzentration
in 140 Räumen der RUB (das entspricht einem Prozent der
Räume an der RUB). Bei der Auswahl wurden verschiedene
Faktoren berücksichtigt, u.a. die Art der Belüftung
oder der Umstand, ob Räume bereits renoviert und/oder asbestsaniert
sind. Ausgesucht wurden die Räume vom Eigentümer der
RUB, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB).
51 Räume gemessen
Bis Mitte Oktober wurde in 51 Räumen gemessen. In elf Fällen
lag die PCB-Konzentration im unbedenklichen Bereich (vor allem
in den Gebäuden MA, UV, UB, FNO), in zwei Fällen über
3.000 Nanogramm (Gebäude NA), in den restlichen Räumen
wurden Werte zwischen 300 und 3.000 Nanogramm pro Kubikmeter
festgestellt. Die PCB-Richtlinie NRW gibt in solchen Fällen
vor, "die Quellen für die Raumbelastung mittelfristig
... zu entfernen". Bis zur Sanierung soll "durch regelmäßiges
Lüften eine Reduzierung der PCB-Belastung bewirkt werden".
Räume mit einer Belastung von über 3.000 Nanogramm
müssen unverzüglich gesperrt und saniert werden. Da
an der RUB ohnehin eine Kernsanierung geplant ist, werden die
Gefahrenquellen in den nächsten Jahren beseitigt. Ansonsten
wird versucht, das Übel mit Staubwischen und Lüften
zu beseitigen.
In der Tat reduzieren Lüften und Reinemachen die PCB-Belastung
erheblich. Das zeigte sich in den beiden Räumen im NA.
Hier wurden zunächst Werte von knapp 5.000 Nanogramm festgestellt.
Eigentlich hätten beide Räume sofort saniert werden
müssen. Da sie jedoch seit Jahren nicht benutzt werden
(sie stehen einem emeritierten Professor zu), wählte die
Abteilung Arbeitssicherheit der RUB sie für einen Test
aus: Großreinigung - Abwarten - neue Messung. Diese ergab
Werte zwischen 2.000 und 2.200 Nanogramm.
Vom Dienst freigestellt
Etwas dringlicher gestaltet sich die Situation für Schwangere.
Deshalb waren die Umwelttoxikologen vom Hygiene-Institut zusätzlich
explizit in Räumen unterwegs, wo Schwangere beschäftigt
sind. Laut Wolfgang Krause, im Personaldezernat u.a. zuständig
für Mutterschutz, wurden in vier Räumen PCB-Werte
über 300 Nanogramm gemessen. Für zwei der betroffenen
Schwangeren konnten keine Ersatzräume gefunden werden.
Sie wurden bei voller Lohnfortzahlung vom Dienst freigestellt.
Für eine Schwangere wurde ein Ersatzbüro gefunden.
Im vierten Fall wurde nach einer Grundreinigung erneut gemessen
und keine bedenkliche Belastung mehr festgestellt.
Eine der beiden freigestellten Schwangeren arbeitete zuvor als
Chemotechnikerin am Institut für Geologie, Mineralogie
& Geophysik (GMG). Hier war sie direkt in Forschungsprojekte
eingebunden und galt als Arbeitskraft, auf die man nicht verzichten
kann. Dennoch musste sie kurzfristig ihren Arbeitsplatz räumen
- ein harter Schlag für sie selbst und das Institut: "Wir
mussten zwei Monate lang ohne Technische Angestellte auskommen",
erinnert sich Prof. Hermann Gies vom GMG. "Eine kontinuierliche
Forschung war nicht mehr gewährleistet." Natürlich
dachte niemand am Institut daran, die schwangere Chemotechnikerin
weiterhin in einem PCB-belasteten Raum arbeiten zu lassen, sondern
in einem Ersatzarbeitsraum. Denn obwohl kaum jemand an der RUB
wegen PCB in Panikmache verfällt, werden die möglichen
Gefahren keineswegs unterschätzt.
Gleichwohl weist Dr. Martina Hartmann, in der Abteilung Arbeitssicherheit
für die Fakultäten Chemie und Biologie zuständig,
darauf hin, dass - aufgrund des höheren Chloranteils -
"die PCB-Aufnahme über die Nahrung wesentlich gefährlicher
ist als jene über die Luft". Hinzu kommt, erklärt
sie, dass alle Werte und Richtlinien in Sachen PCB von einer
Dauerbelastung (laut Weltgesundheitsorganisation WHO: 24 Stunden
am Stück) ausgehen. So lange hält sich selten jemand
an der RUB auf.
Die Sorgen von Schwangeren, auch von schwangeren Studentinnen,
kann Martina Hartmann jedoch sehr gut nachvollziehen. Wer Zweifel
hat, ob der Aufenthalt in Hörsälen oder Seminarräumen
gefährlich sein könnte, sollte sich ihrer Meinung
Rat beim Frauenarzt suchen (s. Interview). Auch Dr. Hartmann
berät in diesen Fragen gerne (0234/32-28784). Eine Sorge
kann allen Studierenden ohnehin genommen werden: Die Hörsäle
an der RUB besitzen zwar keine Fenster, eine zentral gesteuerte
Lüftung sorgt allerdings für ständigen Luftaustausch.
Aktuell
Die
aktuellen Messwerte an der RUB und allgemeine Informationen
»
Artikel
in der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung (BSZ) vom 22.10.2003
»
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Wissen:
Was ist PCB?
PCB ist das Kürzel für Polychlorierte Biphenyle, eine
Gruppe von chlorierten Kohlenwasserstoffen mit über 200
möglichen Verbindungen. Die einzelnen Verbindungen unterscheiden
sich in Anzahl und Stellung der Chloratome am Molekül.
PCB sind geruchs- und geschmacklos. Sie lösen sich in Wasser
kaum auf, dagegen um so besser in organischen Lösungsmitteln,
Ölen und Fetten. PCB sind billig herzustellen, relativ
unempfindlich gegenüber Wärme, Kälte und Licht,
sie sind nicht brennbar, chemisch stabil, nicht korrosiv und
besitzen gute Isolationseigenschaften. Sie galten daher bis
Anfang der 70er-Jahre als Allround-Chemikalie.
In der Natur gibt es jedoch kaum Möglichkeiten, diesen
Stoff - wenn er in den natürlichen Kreislauf eingebracht
ist - wieder abzubauen bzw. zu beseitigen. Das Verhalten der
PCB in der Umwelt ist in erster Linie vom Chlorierungsgrad abhängig.
Je höher er ist, desto ausgeprägter weisen die PCB
Nachteile auf: Sie sind leicht fettlöslich und reichern
sich in der Nahrungskette an. Dies zeigt sich insbesondere bei
fetthaltigen, tierischen Nahrungsmitteln (bes. Fisch) und Muttermilch.
Die auf Dauer im Körper deponierten PCB können Stoffwechselstörungen
der Leber, Hautschäden und eine Beeinträchtigung des
Immunsystems bewirken.
PCB werden seit 1929 hergestellt. Die Produktionsspitze war
in den 70er-Jahren erreicht. Verwendet wurden sie in sog. geschlossenen
und offenen Systemen. Ein geschlossenes System ist z.B. ein
Kondensator oder ein Transformator. PCB in offenen Systemen
finden sich z.B. bei Schmiermitteln, Lacken, Harzen, Druckfarben,
Anstrichmitteln, Kitten, Klebstoffen oder Asphalt.
1968, nach einer Massenvergiftung in Japan durch PCB-verunreinigtes
Reisöl, erkannte man die von PCB ausgehenden Gefahren.
Etwa 1.800 Menschen waren von der sog. Reisölkrankheit
betroffen. 1972 verzichtete deshalb der deutsche Hersteller
von PCB (Bayer AG) auf die Herstellung von PCB für offene
Systeme. 1989 wurde die Herstellung von PCB generell in Deutschland
verboten.
Quelle: PCB
Elterninitiative Duisburg |
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